„Knocked out“ durch „Locked-In“

Alles was ihm bleibt, ist ein Augenaufschlag. Jean-Dominique Bauby kann sich nämlich nur durch Blinzeln seiner Außenwelt mitteilt. Ein Leben und ein Film aus der Subjektiven.

Eingesperrt sein im eigenen Körper. Das ist eine unglaubliche, lebensunwürdige Vorstellung, der man sich ungern stellen möchte. Regisseur Julian Schnabel konfrontiert den Zuschauer in seinem Film Schmetterling und Taucherglocke genau mit dieser  Situation, wobei er sich experimentell gibt und die Bandbreite der filmischen Mittel nutzt, sodass ich mich als Zuschauer ebenfalls unwohl fühle. Dieser Film ist schonungslos und dadurch authentisch. „„Knocked out“ durch „Locked-In““ weiterlesen

Wir sind auf dem Niveau von Präsidentschaftskandidaten

Vielleicht sind Fernsehserien doch nicht so seicht, wie gerne behauptet wird. Neben dem leicht einprägsamen Figurenkanon und den Alltags-Imitierenden Geschichten, überraschen amerikanische Serien auch immer wieder mit direkter Stellungnahme. Was auffällt, der Finger wird direkt in die Wunde gebohrt, statt nur angelegt. Vielleicht, weil es sonst niemand merken würde. Vielleicht auch weil es schonungsloser dringlicher wirkt.

Shirley verklagt die Demokraten, Alan vertritt sie. Der Fall ist heikel, denn Anlass für die Klage ist Shirleys Neffe Mitchy Weston, der sich ihrer Meinung nach, als Delegierter, unethisch verhält. Denn trotzdem sein Wahlkreis in den Vorwahlen mehrheitlich für Hillary gestimmt hat, möchte er seine Stimme Obama geben, was sogar erlaubt ist und somit rechtkräftig aber damit auch Vorwahlen überflüssig macht. „Wir sind auf dem Niveau von Präsidentschaftskandidaten“ weiterlesen

Die Generation X auf der Suche nach Identität und Jobs

Mein Filmtipp zum Wochenende: Reality Bites – Voll das Leben.

Absolut sehenswert, denn die Neunziger haben mehr zu bieten als das postmoderne Kino, das Cinema Quebec oder aber den Durchbruch zum digitalen Zeitalter. Die Neunziger sind auch die Jahre der Generation X, betitelt nach dem gleichnamigen Buch des Kanadiers Douglas Coupland. Dieser berichtet über eine Generation mit zu viel Fernsehen und zu wenig Arbeit. Charakteristisch für diese Generation ist, nach Couplands, die fehlende Kriegseinwirkung und der nachlassende Wohlstand. Für Coupland befindet sich Amerika, nach der auf Pump veranstalteten letzten großen Sause unter Reagan und Bush, in der Katerstimmung. Resultierend spricht er, analog zur Mid-Life-Crisis, vom „Mid-Twenties Breakdown“, eine „Periode geistigen Kollapses im Alter zwischen zwanzig und dreißig, oftmals ausgelöst durch die Unfähigkeit, außerhalb der Uni oder einer durchstrukturierten Umgebung zu funktionieren, gekoppelt an die Erkenntnis des wesentlichen Alleinseins in der Welt“. (S.45)

Die Twentysomethings Lelaina (Winona), Vicky (Janeane) und Sammy sind frisch gebackene Collegeabsolventen. Doch, wie soll es nun weiter gehen? Lelaine möchte Dokumentarfilmerin werden und begleitet mit der Kamera das Leben ihrer Freunde, die stellvertretend für ihre Generation stehen. Beruflich schlägt sie sich in der Morning Show mit einem Praktikanten Job rum. „Die Generation X auf der Suche nach Identität und Jobs“ weiterlesen

Herzblut oder Kapitalanlage?

„Independant-Filme hatten es immer schon schwer – und das wird wohl auch so bleiben. Durch die Krise ist das Studio-System in sich zusammengebrochen. Hollywood macht nur noch Filme, die garantiert genug Gewinn abwerfen. „, sagt Robert Redford und kritisiert damit die amerikanische Filmbranche, die die Produktion von Independent Filmen beinahe unmöglich macht.

Inzwischen reicht es nicht mehr ein gutes Drehbuch zu haben. Die Finanzierung muss stehen – langfristig. Doch seit dem Hedgefond-Manager, die im Filmgeschäft mitmischen wollen, Finanzierungen gewähren und sich dann plötzlich zurück ziehen, weil sie nervös werden, ist das Produzieren eines Filmes zu einem riskanten Geschäft geworden. Redford erinnert sich an frühere Zeiten und zieht Bilanz: „Solange das Budget eines Films unter zwei Millionen Dollar blieb, konnten wir damals in Hollywood machen, was wir wollten. Das wäre heute undenkbar.“ „Herzblut oder Kapitalanlage?“ weiterlesen

Ein Filmklassiker fürs Herz

Welcher Filmliebhaber kennt ihn nicht, den Audry Hepburn Klassiker Frühstück bei Tiffany’s (Originaltitel: Breakfast at Tiffanys)?! Der Film ist nicht nur eine Omage an die buschikose und doch so weibliche Hauptdarstellerin, sondern auch eine der schönsten und zugleich traurigsten Komödien – bis heute. Holly Golightly (Audrey Hepburn) führt ein aufregendes Leben voller Tücken. Nachts zieht sie durch die New Yorker Partylandschaft, wo sie sich von reichen Verehrern aushalten lässt und gerne fünfzig Dollar „für die Toilette“ einfordert. Am Morgen, auf dem Heimweg, steht sie dann, mit einem Becher Kaffee in der Hand, vor dem Schaufenster des Nobel-Juweliers Tiffanys. Ihrem neuen … Ein Filmklassiker fürs Herz weiterlesen

Die Flagge hängt auf Halbmast

Der Tod Dianas in der Nacht zum 31. August 1997 erschütterte ein ganzes Volk. Wochenlang trauerten die Menschen um ihre „Königin der Herzen“. Eine Trauer, die nicht jeder verstehen konnte. Auch die Queen tat sich zunächst schwer im Umgang mit dem ehemaligen Familienmitglied.

Als Tony Blair 1997 in das Amt des Premierminister gewählt wird, ist er nicht nur der jüngste Premier seiner Zeit (seit 1812) sondern auch einer der beliebtesten, der mit seinen Worten die Herzen des Volkes erreicht. Er ist derjenige, der, trotzdem ihm die Manieren am Hof zunächst nicht geläufig sind, intuitiv handelt und damit dem Volk in einer seiner schwersten Stunden beisteht jedoch der Queen vor den Kopf stößt, die seine Rede ablehnt. Während des Aufenthaltes der Königsfamilie in Schottland verunglückt Diana. Der Tod der Prinzessin berührt die Menschen auf der ganzen Welt. Doch die Queen möchte davon nichts wissen und unterschätzt die tiefe Bestürztheit ihres eigenen Volkes. Die Trauer sei eine private Angelegenheit. Tony Blair hingegen richtet sich an das Volk und betitelt auf Anregung seines Medienprofis Alastair Campbell in seiner emotionalen Rede Lady Diana als „The People’s Princess“, Prinzessin des Volkes. „Die Flagge hängt auf Halbmast“ weiterlesen

In der Zwickmühle

Mandant Louis Roulet hat sich nicht ohne Grund den Strafverteidiger Mick Haller ausgesucht. Doch bis Haller dahinter kommt, wieso gerade er, der sein Geld damit verdient, günstige Deals für Drogendealer, Prostituierte und andere Klienten auszuhandeln, von dem reichen Immobilienmakler auserwählt wird, scheint seine Situation zugespitzt und beengt. Dann wird auch noch sein einziger Vertrauter, sein Ermittler, ermordet. Was nun?

Der unkonventionelle Anwalt Mick Haller (Matthew McConaughey) lässt sich von seinem Chauffeur quer durch L.A. von Gerichtssaal zu Gerichtssaal fahren. Zwischen den Verhandlungen und den Besuchen in der Untersuchungshaft nutzt er den Rücksitz seines Wagens sowie die Straße als Büro. Er ist eben so smart wie gewieft, wobei er sich auf einem schmalen Grat zwischen Trickbetrug und Legalität bewegt.

Doch dann scheint Haller einen großen Fisch an der Angel zu haben: Louis Roulet (Ryan Phillippe). Der vermeintliche Saubermann entpuppt sich schnell als zwielichtige Person. Haller kann Parallelen zu einem früheren Fall erkennen und gerät in einen Sog aus Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Und noch bevor Haller gemeinsam mit seinem Ermittler und guten Freund  Frank Levin (William H. Macy) das Rätsel löst, wird Levis ermordet. „In der Zwickmühle“ weiterlesen

Brit Pop vs experimentierfreudiges Pärchen

Das klingt doch nach einer perfekten Mischung. Ist es auch. Denn das, was „9songs“ bietet, ist eine explosiver Mix aus einem Live Konzertvideoclip à la MTV und einem Erotikfilm, wenn nicht sogar Porno.

Explizite intime Momente werden immerhin in der Nahaufnahme gezeigt, die wiederum auch den Ton des Filmes ausmachen. „9songs“ überzeugt gerade durch diese Authentizität – denn das, was wir zu sehen bekommen, ist echt – na ja, annähernd echt.

Die beiden Darsteller sind nicht das Pärchen, was sie in dem Film vorgeben zu sein. Doch das, was sie als Pärchen im Film miteinander tun, ist echt. Sie haben Sex und besuchen gemeinsam gute Konzerte. „Brit Pop vs experimentierfreudiges Pärchen“ weiterlesen

Wie weit würdest du gehen, um deine Quelle zu schützen?

In Nichts als die Wahrheit  versucht eine Journalistin ihre Quelle um jeden Preis zu schützen. Dafür geht sie sogar ins Gefängnis.

Nichts als die Wahrheit ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2008. Rod Lurie, der auch das Drehbuch schrieb, Regie führte und den Film mitproduzierte, ließ sich von der Plame-Affäre zu seinem Film anregen. Im Umfeld des bevorstehenden Irak-Kriegs spielte die Plame-Affäre in Hinblick auf das Recht der Journalisten eine tragende Rolle. Die «New York Times»-Journalistin Judith Miller spricht mit dem damaligen Stabschef von Vizepräsident Cheney, Lewis Libby, über  US-Diplomat Joseph Wilsons Reise in den Niger. „Wie weit würdest du gehen, um deine Quelle zu schützen?“ weiterlesen

Traumberuf: Produzentin des Frühstückfernsehens

Becky Fuller (Rachel McAdams) hat seit ihrer Kindheit einen großen Traum: sie will zum Frühstücksfernsehen. „Morning Glory“ erzählt, wie Becky ihrem typisch amerikanischen Traum näher kommt. Und natürlich legen sich auf ihrem Weg zum großen Ruhm etliche Steine in den Weg, diesmal in Gestalt vom grummeligen Moderator Mike Pomery (Harrison Ford).

Alles, was zählt, ist die Quote. Wird diese nicht erfüllt, gibt es nur noch eins: das Fernsehformat wird abgesetzt. Dies zu verhindern ist Beckys große Aufgabe, der sie sich inbrünstig widmet. Da hat selbst der gut aussehende Kollege aus der oberen Etage kaum Chancen. „Traumberuf: Produzentin des Frühstückfernsehens“ weiterlesen

Endstation „Bachelor of Arts“

Der Bachelorstudiengang „Theater & Medien“ wird in Bayreuth in Kombination mit einem Nebenfach angeboten, so dass man als Student jenes Studienganges gleich in drei unterschiedliche Gebiete schnuppern kann. Das kann von Vorteil sein aber auch zum Nachteil werden, denn immerhin kann ein breites Spektrum auch verunsichern. Nicht selten bleibt nach dem Studium die Frage offen: Wie geht es jetzt weiter? Bei der Entscheidungsfindung kann auch der  Blick zu den Alumni helfen.

Nina Röder hat 2006 ihren Bachelor of Arts an der Universität Bayreuth erlangt. Im Moment bekommt sie das Graduiertenstipendium der Bauhaus-Universität Weimar und des Freistaates Thüringen. Gebunden ist das Stipendium an die Umsetzung eines vorgeschlagenen künstlerischen Projektes. Im Moment arbeitet sie aufgrund des Stipendiums fast ausschließlich künstlerisch.  Ab und Zu fotografiert Nina Röder für die Fakultät Medien der Bauhaus Uni oder bekommt von ihrem Fotodozenten Aufträge weitergeleitet. „Endstation „Bachelor of Arts““ weiterlesen

Unheilbar krank

„Du begegnest tausenden von Leuten und keiner berührt dich. Und dann begegnest du einem Menschen und dein Leben ändert sich – für immer.“, resümiert Jamie Reidy (Jake Gyllenhaal) am Ende des Filmes „Love and other drugs“.

Damit erzählt er uns ja nichts Neues. Dass so manche Begegnungen auf unser Leben Einfluss nehmen und andere uns komplett kalt lassen, ist uns selber schon aufgefallen. Da bedarf es keiner pseudo-philosophischen Erklärung. Und doch ist das, was jetzt wie eine typische Schnulzen Hollywood Klischee Romanze klingt, mehr als nur der – gerade zu Beginn – dominierende freizügige Sex. „Unheilbar krank“ weiterlesen