KPop Demon Hunters – Leonie

Wenn ich am Ende dieses Jahres zurückblicke, sticht ein Film besonders als Highlight hervor: der Animationsfilm KPop Demon Hunters von Netflix. Dieser Film hat nicht nur mein KPop-Fanherz höherschlagen lassen, sondern erneut gezeigt, wie sehr die Musikrichtung aus Südkorea inzwischen in der globalen Popkultur angekommen ist. Ich selbst gehöre seit Jahren zu unzähligen Fandoms koreanischer Girl- und Boygroups, doch selten wurde diese Musik so liebevoll, ausdrucksstark und international populär inszeniert wie in KPop Demon Hunters.

Die Songs, allen voran „Golden“, „Takedown“ und „Your Idol“, sind echte Ohrwürmer. Besonders „Golden“ wurde sogar für die Grammy Awards nominiert, was für KPop-Songs extrem selten ist. Zuvor hatten dies nur BTS und in diesem Jahr Rosé von Blackpink geschafft.

Auch inhaltlich ist der Film sehr sehenswert: Die koreanische Girlgroup Huntr/x kämpft nicht nur mit ihrer Musik, die die Schutzbarriere, das sogenannte Honmoon, zwischen unserer Welt und der der Dämonen aufrechterhält, sondern auch mit coolen Waffen gegen die Dämonen. Diese lassen nicht locker und schicken ihre eigene Band ins Rennen: die Boygroup Saja Boys. Der Wettstreit zwischen den Gruppen entwickelt sich zu einer spannenden Geschichte voller lustiger Momente, die nicht zuletzt durch den Animationsstil entstehen. Dieser erzeugt an den genau richtigen Stellen übertriebene Gesten und Mimiken, die fast comichaft wirken.

Die Balance zwischen dem ernsthaften Wettstreit und dem einzigartigen Humor verleiht dem Film eine eigene Dynamik und macht ihn visuell zu einem echten Erlebnis – verstärkt durch den energiegeladenen Soundtrack.

Dieses Mal endet nicht nur das Kalenderjahr… – Marc

Das vergangene Jahr markiert ein trauriges Ende für den deutschen Festivalsommer. Mit der letzten Ausgabe des Rocco del Schlacko endete eine 26-jährige Ära. Das seit 1999 bestehende Festival aus dem saarländischen Püttlingen musste seine Tore für immer schließen, und ist dabei nur eines von vielen. Die Gründe sind symptomatisch für die Krise einer ganzen Branche. Die Kosten für Technik, Sicherheit und Künstlerhonorare sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gleichzeitig stießen die notwendigen Ticketpreiserhöhungen auf immer weniger Akzeptanz bei den Besuchern. 

Nach einer Analyse des schweizerischen Nachrichtenportals Watson seien es vor allem die steigenden Produktionskosten, die Festivals an zur Aufgabe zwingen. Viele Fans zögern (verständlicherweise), Preise von weit über 100 Euro für ein Wochenendticket auszugeben. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Rezession. Der Festivalchef des Rocco del Schlacko, Thilo Ziegler, sagte gegenüber Watson, man könne das Rocco nicht mehr organisieren, ohne die Ticketpreise massiv anzuheben. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Dominanz großer Ticketplattformen, namentlich Eventim. Wie der Spiegel aufzeigt, kontrolliert Eventim nicht nur durch ihre Monopolstellung im Ticketverkauf einen Großteil des Marktes und erhebt hohe Gebühren, sondern behält sich durch ihr Künstlernetzwerk exklusive Auftritte für die eigenen Festivals vor. Diese werden durch die Anteile an 34 Veranstaltern in 15 Ländern ermöglicht. In Deutschland zählt dazu unter anderem FKP Scorpio, die das Deichbrand-, Hurricane-, Southside-, und Highfield-Festival ausrichten. Auch Rock am Ring und Rock im Park laufen unter der Flagge von Eventim. Durch diese Exklusivität ist es nach Ziegler sehr schwer, als unabhängiges Event zu bestehen.

Der Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg warnt währenddessen vor noch teureren Ticketpreisen. Die Schuld sieht er dafür an den allgemein steigenden Preisen von Veranstaltungsstätten und Personal, aber auch in der Veränderung des Marktes. Nach einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa) würden die Künstler die hohen Preise durch ihre Gage bestimmen. Während der Anteil an Live-Musik früher noch um die 15% und Albenverkäufe rund 85% ausgemacht hätten, habe sich dieses Verhältnis heute umgekehrt. Weiter hätten viele Fachkräfte die Branche verlassen, was zu einem akuten Personalmangel führt, so Schulenberg. Laut MDR fehlen vor allem Techniker, Security-Mitarbeiter und Logistiker, wodurch die Kosten um rund 45% gestiegen seien. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Johannes Everke, sieht zudem die hohen Energiekosten als Grund. Immerhin geht er davon aus, dass sich der Preisanstieg in den nächsten Jahren abflachen und einpendeln könnte.

Die Schließung des Rocco del Schlacko ist ein Warnsignal. Immer mehr Festivals, besonders kleinere und mittlere, kämpfen ums Überleben. Einige setzen auf Nischenprogramme oder lokale Künstler, um die Kosten zu senken. Doch ohne staatliche Unterstützung (die für das nächste Jahr um ein Vielfaches gekürzt wurde) oder eine Reform der Ticketgebühren droht eine weitere Verkleinerung der Festivallandschaft. Große Festivals haben durchaus ihre Daseinsberechtigung und sind definitiv eine Erfahrung wert (die Frage ist nur, in welcher Regelmäßigkeit man sich das leisten kann), jedoch geht mit den Schließungen der kleinen ein großes Stück bedeutender Kultur verloren. Dabei leben die Festivals von ihren Besuchern und deren Stimmung. Habe ich eigentlich erwähnt, dass Eventim 2024 2,8 Milliarden Euro Umsatz generiert hat?

Nowhere Girl Collective – Maya

“A community for creatives to create and consumers to consume, a foot in the gate-kept realm of publishing, a platform for emerging and established voices alike, a travelling circus of voices, an oracle, a not-so-secret cult, whatever it is you want.” So wird die Website in dem “about”-Bereich beschrieben. Gemeint ist damit eine Website der Poetin, Autorin und YouTuberin Dakota Warren. Auf dieser veröffentlicht ihr Team ein Mal pro Monat ein Thema. Diese Themen sind zum Beispiel “Faustian Bargain”, “Billet-Doux” oder “Surrealism”. Jede Person kann nun ein Gedicht zu diesem Thema schreiben und es dort hin schicken. Von den Einsendungen werden einige ausgewählt, die dann unter diesem Thema auf der Seite veröffentlicht werden. 

Ich habe diese Internetseite für den Jahresrückblick ausgewählt, da die außergewöhnlichen Themenvorschläge besonders außergewöhnliche Gedichte entstehen lassen. Es sind nicht nur die klassischen Themen der Liebe, Freundschaft, Natur oder des Todes, die hier behandelt werden: Bekannte Themen werden durch unbekannte Rahmen erweitert oder für Neues sogar ganz zurückgelassen. Weiterhin zeigt die Auswahl der Gedichte ein breites Spektrum an Schreibstilen und Unterthemen, sodass für jede Person etwas dabei sein dürfte. Alle Werke haben jedoch eines gemeinsam: Sie denken außerhalb des normalen Rahmens und zeichnen sich durch Besonderheit aus. 

Weiterhin ist das Niveau, auf dem mit der Sprache gespielt wird, meiner Meinung nach extrem hoch. Gerade in dem Bereich der Lyrik wird schnell klischeehaft gedacht und geschrieben, doch viele Gedichte auf dieser Website spielen mit der Sprache, nehmen sie auseinander, bauen sie auf neue Art wieder auf oder stellen sie auf eine andere Art und Weise dar. Genau dieses Neue finde ich für meine eigenen kreativen Projekte besonders inspierend.

Denn, und ich schließe meinen Beitrag wieder mit den Worten von der Website: “art should be created with devotion, not algorithms.” 

Come to the Woods-Fesival und das Album Solaris – Puya

Ein lauer Sommerabend. Zwischen hohen Bäumen tanzen Lichtkegel durch das dichte Blätterdach. Der Geruch von Waldboden und kühlem Bier liegt in der Luft, während erste Gitarrenklänge den Konzertplatz Weißer Hirsch durchdringen. Dresden verwandelte sich am Samstag, dem 5. Juli, wieder einmal in eine kleine Festivaloase, mit der neuesten Ausgabe von „Come to the Woods“, dem bandeigenen Festival von Woods of Birnam. Was 2018 als Herzensprojekt begann, hat sich längst als fester Bestandteil der Dresdner Kulturszene etabliert. Schauspieler und Sänger Christian Friedel und seine Band Woods of Birnam laden jedes Jahr auf eine Bühne im Grünen, wortwörtlich. Der Konzertplatz Weißer Hirsch, eine Naturbühne mitten im Wald, wird dabei zur Kulisse für Musik, Begegnung und Atmosphäre.

Nicht nur das Festival konnte überzeugen, sondern auch das am 12. Dezember erschienene Album „Solaris“ konnte durch seine melancholische Aura, die Fans überzeugen. Gerade der Anfang vom Song „Polytheria“ erinnert an den in diesem Jahr gehypten 67-Trend. Aber im Vergleich zu diesem Trend ist die Bedeutung dieses Albums viel größer.

OBEX – Tim

Mit Fantasy, Retro/Technofetischismus und David Lynch-Allüren war der Indiefilm OBEX für mich wie ein feuchter Traum des Kinojahres 2025. Albert Birney und Pete Ohs verzaubern die Zuschauer in einer Art und Weise was mein Herz nur höher schlasen lässt.

Doch fangen wir ein bisschen früher an: Bereits vor 2 Jahren erfuhr ich von dem Film als ich mich mit dem Werk von Albert Birney Herz über Kopf verliebte. Ich wartete sehnsüchtig auf OBEX, jedoch gab es keine Infos außer eine unfassbar kurze Logline auf Letterboxd.

Ich wartete und wartete und während OBEX immer noch auf einer Festplatte schlummerte wurde Albert Birney mit seinen Filmen wie The Beast Pageant und Gruenfeld zu einem meiner absoluten Lieblingsregisseuren. Umso überraschter war ich, als ich im Juni auf Instagram plötzlich und ohne große Nennung, Werbung für das Münchener Filmfestival bekam, mit einem Still aus OBEX.

Ich ließ wortwörtlich alles stehen und liegen und machte mich auf den Weg nach München um das OBEX-Kinoerlebnis zu haben. Noch perplexter war ich als auf einmal Albert Birney selbst auf der Bühne stand und eine kleine Einführung gab. Ich bin absolut gestorben. Was folgte waren 91 Min, pure Dröhnung, laute schrille Geräusche, Close-ups von Zikaden, und ein John Wick trifft Zelda Abentuer.

(Sidefact am Rande: Nach dem Film hatte ich ebenfalls noch die Chance mit Albert Birney selbst zu quatschen und das war so surreal mit ihm zu reden holy shit)

Albert Birney und Pete Ohs zeigen wie der Indie Film lebt. Ein minimales Budget, eine Herzensprojekt von nur ein paar Wochen Drehzeit und fucking geile Effekte, Schaut euch den Trailer an. Grandios.

Es lasst sich, nicht in Worte fassen wie sehr ich diesen Film liebe und ich liebe das Kino und Film als Medium deswegen umso mehr. Es freut mich so sehr dass dieser Film (zumindest in den USA) einen kleines Kinofenster haben und dementsprechend gewürdigt wird. Wenn ihr die Chance habt, schaut in euch unbedingt an, im Kino, Zuhause, Hauptsache laut und lasst euch in die surreal-weirde Technikwelt von OBEX entführen.

Sehnsucht in Sangerhausen – Lorenz

„Ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt eine Urgroßmutter habe“, sagt Ursula, eine der Protagonistinnen in Julian Radlmaiers neuem Film Sehnsucht in Sangerhausen bei einem sommerlichen Spaziergang durch dieselbe Stadt gleichgültig. Kurz darauf, wie von Geisterhand, stürzt ein Blumentopf von einem Fensterbrett und verfehlt Ursula und Zulima, eine Musikerin aus Berlin, für die Ursula Gefühle zu entwickeln scheint, um Haaresbreite. In typischer Manier erzählt Radlmaier in Sehnsucht in Sangerhausen von leicht skurrilen Arbeiter*innen, die sich aus ihrer kleinen Welt in eine utopische Fremde hinaussehnen: Ursula verspürt diese Sehnsucht, wenn sie gerade mal nicht im Café bedient oder im Möbelhaus putzt, in Momenten mit Zulima, mit der sie angeregt über Poesie spricht, den Fuji Sangerhausens, eine 150 Meter hohe Schieferhalde, besteigt, oder beim zaghaften Abschiedskuss auf dem Parkplatz. Neda verspürt diese Sehnsucht, wenn sie in einer Straßenarbeiterin eine alte Freundin aus dem Iran zu erkennen glaubt oder im Kino auf Geisterjagd geht. Unbewusst spüren Ursula und Neda dieser Sehnsucht nach, bis sie den Gespenstern ihrer Vergangenheit leibhaftig begegnen.Sehnsucht in Sangerhausen ist ein leichter, luftiger, feinfühliger Film voller kleiner Wunder, der auf romantische Weise (Ost-)Deutschland und seine Arbeiterinnen porträtiert und stets genug Raum zum Träumen, Fühlen und Bewundern lässt.

Die Dispositiv-Redaktion wünscht einen guten Rutsch ins Jahr 2026!