Das Konzept Mediakraft

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Jeder kennt mittlerweile ApeCrime, LeFloid, iBlali und die ECHO-Gewinner Y-Titty, die mit Millionen von Abonnenten zu Deutschlands erfolgreichsten YouTube-Kanälen zählen. Einzelkämpfer? Das war einmal. Heute gehören diese Kanäle allesamt zum Münchner Multichannel Network Mediakraft, das mit seinen ca. 1000 Kanälen monatlich 14 Millionen Nutzer erreicht, denn es geht darum, Reichweite und Gewinne zu maximieren. YouTuber geben einen Teil ihrer Werbeeinnahmen an das Netzwerk ab und können im Gegenzug von der Vernetzung und dem technischen Know-How des Unternehmens profitieren. Das Geschäft boomt: Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt,  dass Mediakraft insgesamt 16,5 Millionen Euro frisches Kapital von verschiedenen Ventures erhält. Geschäftsführer Christoph Krachten, auch bekannt als das Gesicht von clixoom und erst im Juli zum „digitalen Kopf 2014“ gewählt, sprach angesichts der gewaltigen Investitionen von einer völlig neuen Dimension. Damit kommt Mediakraft, was die Höhe der Investitionen angeht, sogar recht nah an amerikanische Top-Netzwerke wie Machinima (Investitionen von 27 Millionen Euro, unter anderem von Google) und MakerStudios (Investitionen von 27,7 Millionen Euro, unter anderem von Time Warner) heran. Mediakraft nutzt die Möglichkeiten und seinen Einfluss, baute zuletzt um LeFloid eine ganze Redaktion auf und erhielt unter anderem lukrative Werbeverträge von Electronic Arts, Sony Playstation und McDonald’s, denn in der Mediennutzung der Zielgruppe U30 liegt YouTube ganz weit oben.  Doch ist der negative Ruf der Netzwerke gerechtfertigt und wie genau funktionieren sie?

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Quelle: ksta.de, Köln auf der Re:publica – Das Phänomen Youtube, 02/05/13, Foto: Peter Rakoczy

Seit 2008, als das Partnerprogramm hierzulande geöffnet wurde, können YouTuber in Deutschland an den Werbeeinnahmen beteiligt werden und hauptberuflich arbeiten. Je mehr Zuschauer, desto höher sind die Einkünfte. Die genauen Gehälter für YouTube-Partner sind Vertragsgeheimnis, daher wird auf Seiten wie Socialblade nur eine sehr grobe Schätzung angegeben. Zum Beispiel verdient der wohl bekannteste deutsche Let’s Player Gronkh demnach zwischen 170.000 und 1,4 Millionen Euro im Jahr, also sowohl am unteren als auch am oberen Ende ein hübsches Sümmchen. Netzwerke maximieren den Profit zusätzlich, indem sich beispielsweise YouTuber gegenseitig Fans „zuschieben“ und kollaborieren,  ihre Videos professionell in der Unternehmenszentrale drehen können und durch Product Placements und Merchandising zusätzliches Geld verdienen. Netzwerke optimieren zudem die Kanäle und deren Inhalte, treffen Prognosen für zukünftige Hits, managen die YouTuber und bilden sie in Workshops weiter. Videos entstehen dann also nicht mehr aus spontanen Ideen, sondern sind das Ergebnis von Kalkulation und Marktforschung. Mediakraft hat dabei keineswegs ein Monopol im deutschen YouTube-Geschäft inne: Konkurrenz gibt es unter anderem durch das Netzwerk TubeAgency, das Albert Bruhn, Die Außenseiter und Simon Desue managt und durch Studo71, zu dessen Netzwerkmitgliedern neben Kanälen aus der ProSiebenSat.1-Gruppe auch die Let’s Player Gronkh und Sarazar gehören. Es passiert, was zwangläufig passieren muss: Wie man an zahlreichen Kollaborationen von Y-Titty und Gronkh sehen kann, arbeiten mittlerweile auch verschiedene Netzwerke zusammen, um ihre Einnahmen zusätzlich zu maximieren.

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„Wir machen Online-TV. Echt. Relevant. Für Millionen Zuschauer“ – so präsentiert sich Mediakraft auf seiner Website. Potentiellen Mitgliedern des Netzwerks wird sogleich versichert, dass sie unabhängig bleiben, jedes Mitglied gleich viel Unterstützung bekommt und Mediakraft nur nach Steigerung der Einnahmen am Gewinn beteiligt wird.  Potentiellen Werbekunden wird eine Kooperation durch die „genaue Zielgruppenanalyse“ im mit rund 10 Millionen Zuschauern reichweitenstärksten Online-Netzwerk schmackhaft gemacht.

„Die 14- bis 34-jährigen Zuschauer verbringen schon heute mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher: 168 Minuten täglich surfen sie im Netz, nur 137 Minuten schauen sie fern (Quelle: GfK). Stattdessen haben unsere YouTube-Stars die Bildschirme erobert: Y-Titty, ApeCrime oder Daaruum sind die Idole für eine ganze Generation. Bringen Sie ihre Produkte in dieses hochattraktive Werbeumfeld!“

Genau diese gewinnorientierte Produktion von Videos, um attraktive Werbepartner an Land zu ziehen, bringt Mediakraft von der Community oft harsche Kritik ein. Ein häufig genannter Vorwurf ist, dass viele YouTuber dadurch Videos am Fließband produzieren, um so viele Einnahmen wie möglich zu generieren und ihre Kreativität auf der Strecke bleibt. Gronkh hat zum Beispiel bereits 6132 Videos auf seinem Kanal, veröffentlicht mehrere Clips am Tag. Zudem wird den YouTubern vorgeworfen, ihre treuen Abonnenten durch unterschwellige Product Placements zu betrügen, denn gibt es bessere Werbeträger als sympathische Youtube-Stars? Im April erhoben die Landesmedienanstalten gegen Y-Titty den Vorwurf, illegale Schleichwerbung betrieben zu haben, um pro Clip bis zu 50.000 Euro zusätzlich einzunehmen. Auch Daaruum stand im Verdacht, für Kosmetika ohne deutliche Kennzeichnung Werbung gemacht zu haben. Mediakraft reagierte prompt:  „Der gesetzliche Grundsatz der Trennung von Werbung von redaktionellen Inhalten wird von uns und unseren Partnern beachtet. Die Kennzeichnung erfolgt auf klare Weise.“ Gesetzlich ist Product Placement auf Youtube noch nicht klar geregelt und so reicht oft eine kurze Erwähnung der Sponsoren in der Infobox unter dem Video. Zudem funktioniert Werbung im Internet generell anders als im Fernsehen – sie ist „Content-Driven“: Das Produkt selbst erzählt eine Geschichte und wird spielerisch in den Clip integriert.

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Quelle: starsofvideo.de, Mediakraft Networks eröffnet Büro in Berlin, 06/03/13

Was macht die Community, außer zu kritisieren? Sie schaut sich die Videos der Netzwerker millionenfach an und sorgt so für den gigantischen Erfolg von Mediakraft und Co. – als Youtube-Zuschauer wird man sich also wohl oder übel mit den Netzwerken und ihrer Gewinnmaximierung anfreunden müssen. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, die andere Seite der Medaille zu betrachten. Statements, die Mediakraft verteidigen, sind nicht oft zu finden – das aber wohl authentischste hat Mediakraft-Partner iBlali auf seinem Facebook-Account gepostet.  Darin streitet er ab, dass Mediakraft, entgegen einiger Vorwürfe, mit einer Sekte oder der Mafia zu vergleichen sei. Viele Partner würden das Netzwerk aber nicht öffentlich verteidigen, weil sofort der Verdacht aufkommen würde, dass man von Mediakraft „geschickt wurde“, oder kritikunfähig sei. Er sei als nach wie vor unabhängig, könne beispielsweise auch mit YouTuber zusammenarbeiten, die nicht zu Mediakraft gehören und erhalte Unterstützung in genau den Bereichen, in denen er sie anfordere. Die Qualität der Videos würde so deutlich steigen. Mediakraft habe deshalb ein so schlechtes Image, weil YouTuber, die nicht vom Netzwerk aufgenommen wurden, ihren Frust in den Foren ablassen würden und sich viel zu viele Menschen davon beeinflussen ließen.

Netzwerke und Unternehmen haben schon längst erkannt, dass YouTube-Kanäle und ihre ständig wachsende Fanbase  attraktive Werbeplattformen sind. Wo es etwas zu holen gibt, wird auch etwas geholt – so ist das Geschäft. Solange es einen nicht stört, dass YouTuber mit allerhand Produkten posieren, kann man stattdessen Motion-Capturing und HD-Auflösung  bewundern. Ignoriert doch die Hater, liebe Jungs von Y-Titty: Wenn man für 50.000 mit Cola-Flaschen vor der Kamera herum wedelt, dann ist der Weg auf den Beifahrersitz von James Bonds Aston Martin auch nicht mehr weit.

Quelle Beitragsbild

Ein Gedanke zu “Das Konzept Mediakraft

  1. Sehr schöner Artikel. Interessant ist ja auch wie die Community die Mediakraft-Youtuber „analog“ abfeiert. Zum Beispiel bei den Videodays, die dieses Jahr in der Lanxess-Arena stattgefunden haben. Zehntausende Karten wurden da an kreishende Teenager verkauft. Da kommt kein Deutscher Fernsehpreis dran 😉 Mir persönlich nervt Youtube ziemlich, weil der meiste Content doch ziemlich zielgruppenorientiert und einfach nur ätzend ist, aber das steht ja in einem anderen Artikel 😉

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