F wie Final Fantasy

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Wie ein Phönix aus der Asche: Der japanische Entwickler Square steckte 1987 bis zum Hals in der Krise und nur ein allerletzter Versuch konnte das Ende des Unternehmens abwenden – eine Final Fantasy. Die Rettung in letzter Sekunde gelang und Final Fantasy I wurde mit 400.000 verkauften Exemplaren ein gigantischer Erfolg. Grund dafür war das geniale Konzept, das sich bis heute nicht wesentlich geändert hat: Jeder Teil bietet eine eigenständige, aufwendig inszenierte Geschichte, mit der nur wenige westliche Rollenspiele mithalten können. Der Spieler führt eine Heldentruppe durch die abwechslungsreiche Spielwelt, übersteht zahllose rundenbasierte Kämpfe, steigert die Fähigkeiten seiner Recken und lernt sie auch menschlich immer besser kennen – eine geniale Mischung. Final Fantasy VI (1994) trug den Hype um die Serie erstmals in die USA, bevor Final Fantasy VII (1997) auch die Playstations in Europa zum Glühen brachte. Wir haben deshalb mit dem siebten Teil Final Fantasy kennen und lieben gelernt. Was fasziniert uns bis heute  so daran? Wir stellen euch die Teile 7-10 aus der Glanzzeit der Reihe vor und versuchen, diese Frage zu beantworten.

Final Fantasy 7: Cloud vs. Sephiroth

Ursula:

Ist dieses Pixel mein Spielcharakter?

Ich erkenne es kaum, doch es hat es sehr schwer.

Ich möcht, dass es nicht mehr so traurig ist!

Doch die Welt ist so düster im Mako-Licht.

Geniale 3D-Engine in den Video-Sequenzen und eine etwas bescheidenere In-Game-Grafik, so präsentiert sich Final Fantasy VII auf den ersten Blick. Als ich das Spiel zum ersten Mal startete und ich nach der ersten Video-Sequenz in die Down Town In-Game Welt geworfen wurde, war ich mit meinem Grafik-verwöhnten Augen schon ein wenig geschockt wegen des großen Optik-Unterschieds.

Aber genug gemeckert, denn als Spieler merkt man sehr schnell, dass die In-Game-Grafik dem Spiel keinen Abbruch tut und es in gewisserweise sogar erst besonders macht. Das wahrscheinlich genialste Spiel aller Zeiten ist über solche Oberflächlichkeiten erhaben!

Nun also zu dir Cloud Strife: Gleich von Spielbeginn an wurde ich mit dir zusammengeschweißt. Und wegen deines archetypischen Blondschopfs nahm ich an, dass du der Held dieser Geschichte sein würdest. Aber was bist du nur für ein Held! Ich habe mehr mit dir gelitten, als mit dir gesiegt! Dein Schmerz ist deine Bestimmtung, deine Herkunft und dein Charakter komplexer als die Lehren des alten Volkes. Du bist verantwortlich für die heftigsten Mindfuck-Momente, die ich bis jetzt in meinem Leben gehabt habe und dein Theme ist gleichzeitig schön und unheimlich traurig. Ich konnte nicht aufhören, mit dir durch deine düstere Steampunk-Welt zu laufen, immer Sephiroth hinterher, um die Welt vor ihrem Untergang zu bewahren. Immer in der Hoffnung, dass du am Ende glücklich sein wirst, mein kleiner Pixel-Cloud. Kein anderer könnte an deiner Stelle stehen, kein anderer könnte diese Kämpfe gewinnen – aber hättest du nicht ein klein bisschen heldenhafter sein können – für mich?

Es gibt einen Pfad, den möcht ich nicht gehen,

denn an seinem Ende werd ich dich wiedersehen!

Ich muss dich vernichten, doch ich fürchte dich,

dein Schwert blitzt so schrecklich im Mako-Licht.

Ich habe schon früher über dich geschrieben, aber wo Cloud ist, tauchst auch du auf, Sephiroth! Bevor du kamst, war alles so schön einfach! Mal rettete ich mit Cloud Tifa, dann Aeris, dann wieder Tifa, dann wieder Aeris… und dann kamst du und hast alles in Frage gestellt, was ich über Cloud wusste! Wer bist du eigentlich, Sephiroth – existierst du überhaupt? Und existiert Cloud? Wer ist er? Der Schmerz, den du bringst, ist allgegenwärtig und doch tauchst du nur hin und wieder auf, sähst Zweifel in mir, ängstigst mich und verschwindest wieder! Ich zucke bei jedem Kampf zusammen, denn ich habe Angst, dass DU mir gegenüberstehen wirst, weil ich keine Ahnung habe, wie Cloud dich besiegen soll! Ich weiß ich finde dich im Nordkrater, doch dorthin zu gehen, gleicht einem Gang zum Schafott! Du hast so viel Unrecht getan, so viele Leben genommen – und doch kann ich nichts dagegen machen, dass meine Angst vor dir in gleichem Maße wie meine Faszination für dich wächst.

Final Fantasy VII und ganz besonders Tetsuya Nomura, du unglaublicher Charakter-Designer, Nobuo Uetmatsu, du Komponist aus einer anderen Welt: Ihr habt ein Kunstwerk geschaffen, das einem das Herz zerreißt und es dann mit dem zähen Kleber der verzweifelten Hoffnung wieder zusammen setzt. Ich habe gelitten, ich habe gezittert und ich habe eine wundervolle Reise gehabt! Ich danke euch!!

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Final Fantasy 8: Der Nachfolger mit Eigenleben

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“, muss sich schon Spiderman von seinem Onkel Ben sagen lassen und die Verantwortung, einen würdigen Nachfolger zu Final Fantasy VII zu finden, muss erdrückend gewesen sein. Die Folge war eine 180 Grad Wendung was Handlung, Waffen und Charaktere angeht. Ich bin darauf schon mal in einem anderen Artikel eingegangen.

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Ich habe Final Fantasy VIII vor Final Fantasy VII gespielt, deshalb kann ich schwer sagen, wie es als Nachfolger von Teil 7 wirkt… vermutlich erwartet man eine ähnlich verschachtelte, rollenpsychologisch-konventionensprengende Handlung und könnte dann ein wenig enttäuscht werden… Aber es war bei mir eben anders rum und so habe ich das Spiel sehr, seeehr genossen! Es ist, wenn man mal von dem etwas eigenwilligen Kampfsystem absieht, vielleicht sogar der beste Teil um in die Final Fantasy-Reihe einzusteigen. Warum? Weil Hauptcharakter Squall Leonhard am Anfang der Handlung mindestens genauso skeptisch gegenübersteht wie der ungeübte JRPG-Spieler.

Wie fühlt man sich wohl, wenn man eines Tages im Krankenbett aufwacht mit einer großen Narbe im Gesicht, die einem von Erzrival Cifer in einem Gunblade-Duell verpasst wurde? Und das auch noch am Tag der großen SeeD-Abschlussprüfung! Emotionen sind dir fremd und unangenehm, was mit Ereignissen aus deiner Kindheit zusammenhängt, die du verdrängt hast. Du bist ein Einzelkämpfer und kannst deshalb mit all den weiblichen Emotionen, die von Riona, Selphie und Quistris auf dich einprasseln, nichts anfangen. Erst nach und nach erkennst du, dass du sie doch gar nicht sooo unsympathisch findest. Und gerade Riona ist es, die dich schließlich weichkocht, und dich dazubringt, durch Zeit und Raum zugehen, um sie zu retten.

Grafisch hat sich seit Final Fantasy VII unglaublich viel getan, obwohl nur 2 Jahre seitdem vergangen sind. Die Story in Final Fantasy VIII ist nicht banal oder simpel, aber ich habe das Gefühl, dass sie an einigen Stellen zu viel möchte und sich vielleicht zu sehr vom Vorgänger unterscheiden will. Z.B weigert sich das Spiel über lange Zeit, einen eindeutigen Bösen zu präsentieren, wodurch man manchmal das Gefühl hat gegen Windmühlen zu kämpfen. Die Charaktere wirken westlicher und sind im Durchschnitt jünger – folglich haben sie eine etwas andere und nicht ganz so bittere Sicht auf die Dinge. Die Lovestory „Squall-Rinoa“ kann man leider nicht soo ernst nehmen, aber sie passt zu dem großen Über-Thema „erwachsen werden“. Naja, plus diese ganze Sache mit den Hexen… die ist wirklich sehr verwirrend!

Trotzdem ich mochte und mag dich, Final Fantasy VIII. Du hieltst viele Geheimnisse und Überraschungen bereit und versuchtest nicht, ein Cloud vs. Sephiroth-Klon zu sein. Nubuo Uematsu kleidete dich in ein wundervolles musikalisches Gewand, du brachtest die Gunblade in die Final Fantasy-Reihe und schufst eine sehr große, frei erkundbare Welt. Grafisch bist du schon so etwas, wie der kleine Bruder von Final Fantasy X und Squall ist ein Kämpfer-Geist, mit dem man gerne Abenteuer besteht!

Final Fantasy 9: If you were Vivi

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Lisa: Sobald ich Final Fantasy irgendwo aufschnappe, denke ich sofort an Squall, der seine Gunblade schwingt, an Cloud, bewaffnet mit seinem überdimensional großen Schwert oder an Zidane, den man sofort an seinen seltsamen Affenschwanz erkennt. Ohne zu zögern tut sich eine Welt voller Fantasie in meinem Kopf auf und ich werde wieder Kind. Es gibt bis jetzt schon mehr als 13 Teile, aber für mich gibt es nur das eine: Final Fantasy IX. So sehr hänge ich daran, nicht nur an der mit Fantasie vollgepumpten und doch so logischen Story, sondern auch an den knuffigen Figuren mit einprägsamen Persönlichkeiten und Charakteristika.
Ich sehe schon wieder die spannenden Bosskämpfe vor mir, an denen ich schon so verzweifelt bin. Sogar geweint habe ich! Ich weiß noch, wie ich es gehasst habe, wenn das Boss Theme angefangen hat zu ertönen. Ein großer Seufzer, Konzentration volle Pulle und los ging’s. Egal wie oft ich versagt habe (sehr oft) und ganz gleich wie schwer es war, ich blieb dran, denn ich wusste: Ich werde niemals enttäuscht werden. Je weiter man spielt, desto mehr wird man von den komplexen Geschichten von Gut und Böse verzaubert, die Charaktere kämpfen sich immer mehr in dein Herz. Welcher Charakter mich aber bei seiner Geschichte am meisten mitriss, war mein kleiner geliebter Vivi. So klein, so jung, so rein…

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Was würdest du tun, wenn du dich alleine in dieser Welt fühlst? Wenn du nie jemanden wie dich getroffen hast und dich wunderst, was du eigentlich bist?
Dein Großvater, der dich aufgezogen hat, sah so ganz anders aus als du und du denkst dir nur „Ist das normal?“. Du bist von Unsicherheit geprägt, denn du bist dir ja nicht mal über deine Herkunft im Klaren. Immer ist Vorsicht geboten und du hältst dich lieber im Hintergrund auf.
Plötzlich, ohne irgendeine Vorwarnung, wirst du in ein Abenteuer mit hineingezogen – aus deiner ruhigen, einsamen Welt herausgezerrt und in eine gefährliche, unbekannte hinein geschleudert. Etwas Neues eröffnet sich dir, du hast die Chance, etwas an deinem Leben zu ändern! Du bekommst Freunde, du siehst Dinge, von denen du niemals hättest träumen können. Du lernst so viel über die Menschen, die sich ja so von dir unterscheiden. Und das Tolle ist: Du magst diese neue Umgebung, die Leute, die mit dir diesen Weg beschreiten, denn sie nehmen dich wahr und zeigen dir, dass sie dich so wie du bist mögen. Hier ist jeder anders. Zidane zeigt dir, dass du selbstbewusst durch die Welt gehen musst, und er weiß wovon er spricht, denn er ist auch nicht normal – er hat einen verdammten Affenschwanz!! Ihr seid in gewisser Weise so ähnlich, und doch so verschieden. Doch es stört dich langsam nicht mehr, anders zu sein, denn du fühlst dich zum allerersten Mal seit langer Zeit wohl.
Auf deiner Reise erfährst du mehr über dich und letzten Endes auch über Deinesgleichen. Wo kommst du her? Welchen Zweck hast du? In einem kleinen Dorf namens Dal wird dir einiges klar: „Seelenlos“ werden Kreaturen wie du genannt; wie Maschinen produziert. Deine Spezies wurde einzig und allein nur erschaffen, um Befehlen zu gehorchen. Du fragst dich jetzt, wieso du aber so menschlich bist? Wieso fühlst du? Theoretisch gesehen bist du also eigentlich nur ein seelenloser Roboter, mit dem Zweck, schwarze Magie für das Böse auszuüben, doch du weißt tief in dir drin, das bist du nicht!
Auf eurem Weg nach Lindblum wird euer Luftschiff von drei enorm starken Schwarzmagiern angegriffen. Du bist schockiert, denn sie sehen so aus wie du, aber haben nichts Humanes in sich. Ihr Befehl ist es, Prinzessin Garnet zurück zu holen und euch zu töten. Du verstehst es nicht, sind sie alle so? Bist du der Einzige? Zidane, Garnet, Schröder und du stehen gemeinsam gegen den gewaltigen Gegner, doch ihr seid nicht stark genug, und ein für dich schockierendes Ereignis findet statt, welches dir im ersten Moment die Hoffnung nimmt. Du bist am Ende deiner Kräfte… Am Ende deiner Hoffnung.

In letzter Sekunde gibt es ein Licht am Horizont dieser grausamen Erkenntnisse, tief in einem Wald auf einem anderen Kontinent. Dort begegnen dir Schwarzmagier, die sich ein kleines Dorf gebaut haben und sich vor dem Bösen – ihrem Erschaffer Kuja – verstecken. Sie sind normal, mit Gefühlen und Gedanken wie du! Du spürst ein warmes, angenehmes Gefühl in dir, du bist… glücklich. Du merkst, es gibt Hoffnung für deine Rasse, und siehst die Welt mit ganz anderen Augen, denn du hast nun einen Grund zu kämpfen, einen Sinn! Du hast einen Sinn!! Setze dich für deine Spezies ein, kämpfe für die Freiheit und räche sie. Du stellst dich Kuja mit deinen Freunden, mit einem Selbstbewusstsein wie nie zuvor.

Nun weißt du, wer du bist. Du bist Meister Vivi.

Final Fantasy 10: Liebeserklärung an ein Meisterwerk

Jannik: Wie sage ich es dir am besten? Final Fantasy X, du warst der furiose Schwanengesang einer glorreichen Ära. Als ich dich 2002 zum ersten Mal auf meiner nagelneuen Playstation 2 gesehen habe, ist mir glatt die Kinnlade heruntergeklappt. Du wolltest keine Knuddeloptik, nein, du warst lieber elegant, todernst und wunderschön. Und erst deine Stimme! Mal hast du mir melancholische Klaviermusik ins Ohr gesäuselt, mal hast du mich mit heroischen Orchesterklängen angebrüllt – und ich? Ich blieb bezaubert vor dir sitzen und starrte dich mit großen Augen an, sprachlos gebannt von deiner Vollkommenheit.

Du gigantisches Epos hast mich durch Wüsten irren, an idyllischen Karibikstränden planschen und auf riesigen Schnus durch Flüsse waten lassen. Nicht nur in dich habe ich mich verliebt, nein, auch in deine Figuren: Den raubeinigen Auron, die zuckersüße und nur selten nervige Rikku – einfach jedes Mitglied meiner illustren Heldentruppe ist mir bis heute ans Herz gewachsen. Es hätte wie im Paradies sein können, wäre da nicht das zerstörungswütige Monster Sin gewesen, das die Menschen für ihre Sünden bestrafen wollte. Ich konnte einfach nicht zulassen, dass die gerade erst entdeckte Wunderwelt in Schutt und Asche gelegt wird. Und so zog ich los, bewaffnet mit meinem Controller, um dich zu einem glücklichen Ende zu bringen. Das waren noch Zeiten!

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Wir hatten keine kurze Affäre, denn langweilig wurde es mit dir auch nach 50 Stunden nicht. Du hattest stets eine überraschende Story-Wendung für mich parat. Wenn du das hier liest, komm bitte wieder zu mir zurück – am besten in der HD Remaster Edition, die bald für die Playstation 3 erscheinen wird. Noch schöner, obwohl du ganz schön alt geworden bist. Ich habe die Hoffnung auf ein würdiges neues Final Fantasy aufgegeben, denn bis jetzt konnte keine Nachfolgerin an deine Qualitäten heranreichen. Dabei standen sie förmlich Schlange vor meiner Haustür. Erst deine völlig überdrehte Schwester Final Fantasy X-2, die mich eher an ein Musikvideo der Spice Girls erinnert hat, dann völlig verkorkste Online-Rollenspiele, Retorten-Stories in Retorten-Welten, Geldgrabsch-Ableger der guten alten Teile und mäßige Verfilmungen. Du siehst, ich habe sie fast alle gehabt, doch du bist unerreicht. Das eine Spiel, an das ich mein Herz verloren habe.

2 Gedanken zu “F wie Final Fantasy

  1. Du sprichst mir was FF-X angeht aus der Seele. Ich bin damals in meinen jungen Jahren von Spieleladen zu Spieleladen gerannt um es möglichst günstig herzukriegen. Wie wässrig es mir die Gaming Magazine gemacht haben. Und ich muss heute nach wie vor sagen dass FF-X sowie Kingdom Hearts 1/2 meine absoluten Lieblingsspiele sind. Das Ende von FF-X hat mich richtig zum Flennen gebracht. Meine Welt brach zusammen.. Einfach ein Epos.

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