Final Fantasy VIII: Heute mal ganz „retro“

Wie kommt man dazu, über 10 Jahre nach der Veröffentlichung eines Videospiels, sich nochmal von einem guten Kumpel eine Playstation 1 auszuleihen und fast ein komplettes Semester lang mit Final Fantasy 8 die Abende zu verbringen? Berechtigte Frage: Ich würde sagen, weil eins zum anderen kam, weil ich neben Mario Kart auch mal wieder etwas ernsthaftes tun wollte und weil es einfach so schön retro war. Das war die Motivation, der Grund, warum ich aber das Spiel komplett durchgespielt habe und diverse Male emotional sehr stark mitgerissen wurde, ist ein anderer und davon möchte ich hier erzählen.

Nach dem großen Erfolg von Final Fantasy 7 im Jahr 1997  musste Square Soft (heute Square Enix) mit Final Fantasy 8 zwei Jahre später daran anknüpfen und so wird dem geneigten Spieler zu Beginn auf der ersten CD (von 4) erst mal ein episches Intro serviert.

Was dem Spieler hier geboten wird, ist  hübsch anzusehen aber auch etwas verwirrend. Man erkennt eigentlich nur soviel: Squall, der Hauptcharakter, bekommt bei einem Gunblade-Duell mit seinem Rivalen Cifer eine Narbe verpasst, die ihn das ganze Spiel über zieren wird. Außerdem erfährt man, dass Squall wohl einem blau gekleideten Mädchen mit schwarzem Haar ein Versprechen gegeben hat (das wird aber die ersten 40 Spielminuten nicht weiter wichtig sein…). Die darüber hinaus gezeigten Einstellungen sind rückblickend sehr enttäuschend für mich, da sie nur Ausschnitte aus kleineren Cutscenes innerhalb des Spiels sind… hier wollte sich wohl jemand Arbeit sparen. Nichtsdestotrotz hat sich die Grafik seit dem Vorgänger natürlich um einiges verbessert und es ist ein sehr dynamischer Einstieg in die Geschichte.

Das Grafik-Lob, das man hier verteilt hat, nimmt man allerdings schlagartig zurück, wenn das eigentliche Gameplay beginnt. Hier sehen die Helden dann nämlich so aus:

Ingame – Squall auf der Krankenstation zu Beginn des Spiels

Bis vor ein paar Jahren hatte Final Fantasy den Ruf, zwar in den Cutscenes mit sehr guter Grafik aufzuwarten, dann aber Ingame gnadenlos abzuloosen. Final Fantasy 8 reiht sich somit eigentlich nur in eine gewisse Tradition ein, wenn auch eine deutliche Verbesserung zur Final Fantasy 7-Ingame-Grafik zu vermerken ist!

Doch bevor ich mich weiter auf das Gameplay konzentriere, hier erstmal etwas zur Handlung; die ist nämlich bei Final Fantasy-Titeln immer ein bisschen verworren und komplex. Hironobu Sakaguchi, der Schöpfer von Final Fantasy, hat einmal gesagt: „Ich glaube nicht, dass ich gute Action-Spiele machen könnte. Ich erzähle lieber Geschichten.“ Das muss man sich bewusst machen, wenn man Final Fantasy spielt; es geht hier um die Handlung, die Charaktere und ihren (emotionalen) Weg durch Höhen und Tiefen.

In aller Kürze lässt sich die Handlung etwa so beschreiben: Der junge, etwas einsilbige Söldner-Soldat Squall, kämpft an der Seite seiner Freunde Quistis, Xell, Selfie und Irvine, verliebt sich in die Widerstandskämpferin Rinoa und rettet die Welt vor einer herrschsüchtigen, übermächtigen Hexe aus der Zukunft. Dass bei ca. 60 Stunden normalem Gameplay mit diesem Satz nicht mal die Hälfte aller Charaktere abgedeckt wird, ist klar. Grundsätzlich soll das aber als Rahmen für das Spiel genügen.

Es konzentriert sich ohnehin alles auf Squall Leonhart, den Helden des Spiels. Das Booklet zu Final Fantasy 8 beschreibt ihn etwa so:

Sehr oft sind in Final Fantasy Söldner oder Ex-Soldaten die Hauptfiguren, natürlich haben sie aber immer noch eine andere geheime Funktion. In Final Fantasy 8 sind es die SEEDs, denen Squal angehört; oberflächlich sollen sie den Frieden in der Welt wahren, doch eigentlich werden sie ohne ihr Wissen dazu ausgebildet gegen Hexen zu kämpfen.

Genau das ist Squalls Mission, aber schnell wird klar, dass der „einsame Wolf“ dieses Mal nicht alles alleine machen kann. Das stellt ihn vor große Probleme, da er schon von Kindheit an als Waisenkind immer auf sich allein gestellt gewesen ist und nur schwer Vertrauen aufbauen kann.

Seine immer etwas muffige Haltung provoziert im Spiel sehr witzige Situationen, besonders seine Freundinnen Selfie, Quistis und Rinoa werden nicht müde, zu versuchen, ihn mal aus der Reserve zu locken –  und für mich als Spieler war Sqalls Charakter nicht schlecht. Immerhin steht man ja zu Beginn der doch etwas wirr gestrickten Handlung etwas skeptisch gegenüber, da ist es gut wenn im Spiel ab und zu jemand genau die selben Bedenken hat wie man selber. Quasi gleichzeitig mit Squall lässt man sich dann aber auch auf das Abenteuer ein und macht sich auf den Weg, die Welt zu retten. Einige der Missionen, die man hier zu bestreiten hat, sind wirklich cool gemacht, etwa das Attentat auf Hexe Edea am Ende von CD 1, das zwar gut geplant ist, dann aber doch gnadenlos schief geht – was Squall dann erstmal in ein Gefängnis bringt, aus dem man ihn wieder befreien muss. An dieser Stelle fand ich es sehr schön, dass einmal das Damsel in Distress-Thema umgedreht wurde und man zur Abwechslung mal Squall (also den männlichen Helden) retten musste:

Cifer verhört Squall im Wüsten-Gefängnis, Elektroschocks inklusive.

Danach gibt es natürlich noch eine Reihe von anderen Rettungsaktionen, bei denen man Rinoa retten muss, die Squall nach und nach immer wichtiger wird (und dem Spieler auch, sie macht nämlich im Kampf doch ganz nett Schaden..). Einmal muss man für sie sogar in den Weltraum hinaus, um sie zu retten. Zum Ende hin dreht dann alles sehr ab. Fast hatte ich das Gefühl, dass der Größenwahnsinn des Endgegners auch ein bisschen auf seine Entwickler übergeschwappt ist. Schließlich muss erst einmal in der Vergangenheit zurück- und dann wieder vorgereist werden, damit dann letztendlich die ultimative Zeitkomprimierung eintritt,  und der letzte Kampf beginnen kann, nach dem man dann aber auch erst wieder in die Gegenwart zurück finden muss… ziemlich verwirrend.

Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass Squalls Geist während der ersten beiden CDs immer wieder von einem Mädchen namens Ellione in die Vergangenheit versetzt wird, wo er alles aus der Perspektive des Soldaten Laguna sieht. Welchen Grund das genau hat, wird lange nicht klar und bleibt im Spiel ein großes Mysterium. Es gibt einige Theorien, die besagen, dass Laguna Squalls Vater ist, auch wenn das im gesamten Spiel nie gesagt wird – gerade das macht diesen Punkt aber so interessant… ich selbst hatte auch nach ein paar Spielstunden diesen Vaterschafts-Verdacht und bin bei meinen Recherchen im Internet auf einen lebhaften Diskurs zu diesem Thema gestoßen. Nebenbei ist Laguna auch wirklich ein sehr cooler Charakter (er war mein Liebling in diesem Spiel). Im Booklet wird er als zweite Hauptperson vorgestellt, aber ich würde nicht so weit gehen; dafür kommt er entschieden zu wenig vor!

Laguna Loir, ein Soldat der eigentlich lieber Journalist wäre.

Dass am Ende nach der Überwindung aller Strapazen die Reise doch gut ausgeht – ich hoffe ich kann nach 13 Jahren so viel verraten –  stellt in Final Fantasy eine Besonderheit dar. Gerade Teil 7 und 10 verlangen von ihren Helden einiges an Opferbereitschaft; vielleicht wurde deshalb in Final Fantasy 8 nach dem schwer verdaulichen 7. Teil mal eine andere Storyline ausprobiert. Das macht die Handlung aber keinesfalls simpel oder übertrieben kitschig; die Lovestory des Spiels wird eigentlich sehr dezent behandelt, von Fans wurde aus ihr aber auf youtube etc. das Hauptthema des Spiels gemacht, was ich sehr schade finde.

Was Final Fantasy immer zu einem kleinen Spiel-Außenseiter gemacht hat, ist das rundenbasierte Kampfsystem. Manch einer wünscht sich neben den langen Storyanteilen des Spiels dann doch wieder einen ausgelassenen Fight, das bietet Final Fantasy 8 aber nicht. Natürlich sind einige Gegner trotzdem anspruchsvoll und müssen mit gezielten Strategien verzaubert, angegriffen oder sonst beeinträchtigt werden, damit man nicht game over geht. Haben Squall und seine Freunde nur noch etwa 10 % ihres Lebens, fallen sie in den sogenannten Limitbereich und können dann individuelle Spezialtechniken einsetzen, die deutlich mehr Schaden machen als ihre normalen Angriffe und sehr dramatisch inszeniert sind.  Will man diesen Schaden noch überbieten, werden die „G.F.s“ wichtig. „G.F.“ ist offensichtlich die Abkürzung für „Guardian Forces“, im Spiel wird das aber nie ausgesprochen. In den meisten anderen Final Fantasys kennt man diese Gestalten als „Bestien“, große übermächtige Kreaturen, die man beschwört und die dann den Gegner einfach wegrotzen:

Das Problem der G.F.s ist aber das selbe wie in anderen Final Fantasy-Teilen: Kämpft man nur mit ihnen, bekommen die Hauptcharaktere nicht genügend Erfahrung und man ist später von G.F.s abhängig, was sehr nervig sein kann.

Über dieses Kampfsystem hinaus gibt es hin und wieder auch ein paar Quick Time Events, bei denen der Spieler durch bestimmte Tastenkombinationen etwa einen feindlichen Soldaten oder einen Drachen verprügeln kann. Solche Abwechslungen sind dann auch mal sehr willkommen.

Zum Schluss gibt es noch einen Punkt, der in Final Fantasy niemals ausgelassen werden darf: Kniet nieder und preiset den Meister der Videospiel-Musik: Nobuo Uematsu. Es ist vorallem seine Musik, welche die tiefe Anteilnahme für die Geschichten von Final Fantasy hervorruft. Manche Szenen würden vielleicht überzeichnet wirken, würde man nicht gleichzeitig durch die teils einfühlsamen, teils rasanten Klänge von Nobuo Uematsu darauf eingestimmt. Hier mal eine kleine Kostprobe.

Mein Fazit zu Final Fantasy VIII ist also folgendes:

  1. Die 60 Stunden Spielzeit, die hier auf 4 CDs präsentiert werden, habe ich sehr genossen.
  2. Die vielen kleinen rundenbasierten Kämpfe sind zwar etwas nervig, bringen aber Squall immer ein Stückchen seinem Ziel näher.
  3. Die Charaktere sind cool gestaltet (besonders Squall mit seiner muffeligen Attitüde) und haben den speziellen Humor, der Final Fantasy seinen Schwung verleiht.
  4. Laguna ist toll!!
  5. Die Musik ist einfach genial und nach ein paar Stunden fällt einem die pixelige Grafik gar nicht mehr auf.

Das war mein Ausflug in die Welt der Video-Spiele, ich hoffe, ich konnte euch diesen kleinen Klassiker schmackhaft machen!

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