Videospiele, Comics, Manga, Bücher, Filme, Serien, Anime, Sport, Penspinning, Rubiks Cube… die Liste der (meist nerdigen) Hobbybeschäftigungen, die ich im Laufe meines Lebens und erneut zu Pandemiezeiten ausprobiert habe, ist lang. Wenn sich dies zunächst wie ein Guide zur neuen Universalunterhaltung für jedermann anhört, muss ich euch enttäuschen. Eigentlich will ich hier nur von meiner neuen Liebe zu Gundam Model Kits bzw. Gunpla erzählen. Wenn es die ein oder andere Person mitreißt, schön.

Ich habe nie den Reiz am Modellbau verstanden und dachte dabei immer an verheiratete Männer in der Midlife Crisis, die von ihrer Frau jedes Mal beschimpft werden, doch die Hobbywerkstatt abzubauen, die “Spielzeuge” wegzuwerfen oder wenigstens den Dreck den man macht danach zu beseitigen.

Als ob ich mit Regalen voll mit Games, Manga und Animefiguren mir ein Urteil erlauben könnte, aber Gunpla war für mich immer im Hinterkopf als der Gipfel des Nerd-Weeb-Tums. Doch nun ein Artikel darüber, warum ich es liebe? Huh, how the turned have tables.

Grundwissen zuerst: Was ist Gundam ?

Bevor ich über Gunpla rede, ist es sinnvoll zu wissen was Gundam überhaupt ist. Mobile Suit Gundam ist ein Franchise der japanischen Firma Bandai Namco und zeichnet sich vor allem durch die seit 1979(!) immer wieder erscheinenden Animeserien und Filme aus.

Meist geht es in Gundam um eine Zukunft, in der Kolonien auf besiedelten Planeten oder künstlich erschaffenen Raumstationen Krieg gegen die Erde führen. Auf welcher Seite die Hauptcharaktere stehen, ändert sich auch des Öfteren. Es existieren zudem mehrere Zeitlinien und daher sind die Serien auch meist inhaltlich getrennt. Mit riesigen Mechs als militärisch stärkste Waffe, die von Jugendlichen gesteuert werden, wird auf verschiedenen Planeten oder auch im All gekämpft. Diese Mechs sind die namensgebenden Mobile Suits: Gundams. Es dreht sich jedoch nicht nur um coole Weltraumschlachten. Auch Zwischenmenchliche Beziehungen und Liebe sind Themen. Es kommt zu Intrigen, tragischen Toden und auch die Politik wird nicht außer Acht gelassen. Mit mehreren Jahrzehnten auf dem Buckel hat Gundam mit z. B. Iron Blooded Orphans auch vor Themen, wie Kindersoldaten nicht zurückgeschreckt.

Mit mittlerweile 46 Serien und Filmen zählt Gundam zu den erfolgreichsten Media Franchises der Welt. Je nach Quelle bewegt es sich zwischen Platz 19 oder 13 und überholt damit riesige Namen, wie Die Simpsons, Dragon Ball oder James Bond. Den Großteil der Erträge machen jedoch Gunpla aus.

Gunplas: Wie Lego mit Anime Robotern

Gunpla – eine Wortzusammensetzung aus zwei Abkürzungen: “Gun” steht für die schon erwähnten Gundam und “pla” für Plamo. Das steht wiederum für “Plastic Model”. Gunpla ist also, einfach gesagt, Modellbau der riesigen Mobile Suit Gundams aus den Anime. Entgegen meiner anfänglichen Angst muss man jedoch (fast) keine Modelle selbst bemalen. Es fühlt sich mehr wie ein komplizierteres Lego-Bauset an. Extra Details erhält man durch mitgelieferte Sticker. Man baut einfach nach Anleitung und hat danach einen voll beweglichen Roboter, der mit Accessoires, wie Waffen und anderen Gadgets auf sogenannten Action Bases episch in Szene gesetzt werden kann.

Gundam RX-78-2 High Grade 1/144  vorher nachher

Make it personal!

Um zu starten benötigt man lediglich einen kleinen Seitenschneider! Will man sich mehr Mühe geben, können aber auch die manchmal sichtbaren Schneidspuren am Plastik mit Sandpapier oder Feilen noch entfernt werden. Zudem gibt es spezielle Gundam Marker, um noch Details an der Panzerung hinzuzufügen oder zu ändern. Wer noch professioneller arbeiten will, kann auch komplett mit Modellfarbe bzw. Airbrushes ran gehen. So kann man jedem Mech seinen eigenen persönlichen Touch verpassen. Auf Seiten, wie gundamstagram oder g_base_tokyo sind z. B. viele erhältliche, aber auch stark modifizierte Gundams zu bestaunen:

Gundam Barbatos Lupus Rex MG 1/100 (Original) & Gundam Barbatos GLADIUS REX MG1/100 von von @allanrich_

Size Matters?

Auch an Variationen ist vieles geboten. Mittlerweile gibt es hunderte Gunplas, die über die Jahre veröffentlicht wurden. Diese haben je nach Größe andere Bezeichnungen. Die fiktiven Gundams haben in ihrem Universum nämlich eine Durchschnittsgröße von ca. 18 Meter. Daher gibt es verschiedene Maßstäbe an Gunplas. Die gängigsten sind:

1/144 ~ 12,5 cm: High Grade (HG), Real Grade (RG)

1/100 ~ 18 cm: Master Grade (MG), High Grade (HG)

1/60 ~ 30 cm: Perfect Grade (PG)

1/48 ~ 37,5 cm: Mega Size Model

Alle haben viele Details und sind meist sehr beweglich, doch oft gilt die Regel: Je größer das Modell, desto feiner, aber auch teurer der Gundam. Die Preise unterscheiden sich hierbei stark. Einige High Grades bekommt man schon für 10-15€, während Perfect Grade und Mega Size Models leicht die 100€ überschreiten können, aber unter Umständen auch für 50€ oder weniger zu finden sein können. Qualität hat eben seinen Preis und meist sind die größeren Modelle auch detaillierter und machen natürlich mehr her. Im Gegensatz dazu sind High Grades ganz klar die mit den meisten verschiedenen Modellen.

Der Gunpla Wahn ging in Japan sogar so weit, dass ein beweglicher Gundam RX 78  in Originalgröße in Yokohama gebaut wurde! Es ist der wohl bekannteste und allererste Mobile Suit aus der 1979er Serie.

Auch schon vorher gab es eine ähnliche Attraktion in Shizuoka. Da war der Mech aber noch statisch.

Ihr merkt, Gunplas sind eine riesige Welt für sich, lass euch davon aber nicht abschrecken. Es gibt zwar viele Einzelheiten, aber eigentlich muss man sich nur mit dem nötigsten befassen. Schon das bewusste Bauen eines High Grades mit der Lieblingsmusik im Hintergrund an einem entspannten Nachmittag macht einfach so viel Spaß! Nach getaner Arbeit kann man sein Werk auch begutachten, verfeinern und schön als Deko im Regal inszenieren.

Zwei meiner Gunplas: Barbatos HG 1/144 (links), Grimgerde HG 1/144 auf Action Bases

Der einzige Haken ist, dass man, sobald man Spaß an der Sache gefunden hat, gleich das nächste Modelkit haben will, um direkt weiterbauen zu können. Jedenfalls macht mir das Bauen an sich am meisten Freude.

Es ist wie Anime-Lego mit coolen Mechs und vielen optionalen Möglichkeiten der Personalisierung.

Auch als Animefan öffnet sich mir mit Gundam eine riesige neue Welt, die ich noch nicht kenne. Und es juckt mich jetzt schon wieder in den Fingern, mein nächstes Gunpla zu bauen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis meine Wohnung von Anime Robotern so vereinnahmt ist, wie ich von diesem Hobby. Also viel Spaß beim Bauen, Modellieren und Gundam schauen!