Gedankensplitter – Der Auserwählte Harry Potter?!

Gedankensplitter ist eine neue Kategorie, die ermöglichen soll, dass kleine Diskussionen oder Gedankengänge, wie sie zu oft infolge eine Artikels oder einer anderen geistigen Umnachtung, am Stammtisch oder nachts, zwischen Wachen und Schlafen, entstehen, hier Raum finden. Dabei soll es nicht um Beantwortung von Fragen gehen, sondern vielmehr darum, diese Gedankensplitter öffentlich zu machen und Leser zum Diskutieren anzuregen.

Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2

Ressortleiter Valle schrieb über den Auserwählten in Games, aber auch in Filmen. Unmittelbar entstand eine Diskussion, basierend auf der (falschen) Annahme, dass Harry Potter nicht der eigentlich Außerwählte sei, sondern gegen den eigentlichen Außerwählten, den Dark Messias Voldemort, kämpft. Kurz und gut, darüber brauchen wir nicht streiten! Im Vergleich von Harry und Voldemort ist Harry Potter wohl ebenso klar der Auserwählte, wie Kürbissaft orange ist, und Voldemort eben nur der Dark Messias. Doch was, wenn man über den Tellerrand schaut?

Für alle Unwissenden oder die, die Harry Potter nie gecheckt haben (By the way: Schämt euch!): Harry Potter wurde zum Auserwählten, da eine Prophezeiung besagte, dass derjenige, der den Dunklen Lord besiegen wird, im Juli geboren wird. Zum Zeitpunkt dieser Prophezeiung war nicht klar, welcher Junge der Auserwählte sein wird. Das Schicksal stand noch offen. Später wird sich herausstellen, dass ebenso Neville in Frage gekommen wäre, der Auserwählte zu sein (Deshalb vielleicht auch seine besondere Rolle, beim Zerstören des letzten Horkruxes?). Durch Voldemorts Interpretation der Prophezeiung und dem darauffolgenden Angriff auf Harry, zog sich das Schicksal wie eine Schlinge zu. Dadurch, dass Voldemort bei dem Angriff seine Macht verlor und gleichzeitig aus Harry einen Horkrux gemacht hat, hat Voldemort den Auserwählten auserwählt.

Und so müssen die Dinge ihren Lauf nehmen und viele Stränge führen zusammen: Harry muss die Horkruxe finden, das Geheimnis über sich selbst und seine Verbindung zu Voldemort lösen und nebenbei auch noch in den Besitz des Elderstabes (oder der Heiligtümer des Todes) gelangen.

Doch hätte sich Harry Potter jederzeit gegen seine Bestimmung entscheiden können? Hätte er jederzeit einfach umkehren können und jemand anderes hätte die ihm zugeschriebene Aufgabe verbracht und Voldemort getötet? Hätte dies überhaupt jemand schaffen können, wenn selbst Dumbledore daran gescheitert ist (schließlich vergiftet er sich bei dem Versuch einen Horkrux zu zerstören und stirbt an den Folgen)? Hätte überhaupt jemand Harrys Platz von heute auf morgen einnehmen können, wo doch Dumbledore Harrys ganzes Leben lang darauf hingearbeitet hat, dass dieser alle Fäden am Ende in der Hand hält und gewinnen kann?

Schließlich besagt die Prophezeihung, dass keiner der beiden leben kann, wenn der andere überlebt. Es ist klar, Voldemort muss sein Bruchstück in Harrys Körper selbst töten. Hätte danach jeder andere Voldemort töten können, z.B. Draco Malfoy, angenommen der Besitz über den Elderstab wäre ihm nicht durch Harry genommen worden und er hätte sich mit der Waffe an seiner Seite dem Dunklen Lord gestellt?

Jetzt könntet ihr sagen, man kann sich auch reinsteigern in den Scheiß. Ist halt so. Ja, ihr habt Recht, es ist so! Es ist so geschrieben, schwarz auf weiß. Und sobald eben eine Prophezeiung da ist, kann man halt nicht sagen, ob es anders gegangen wäre, weil’s eben einfach so ist und so verläuft.

Doch was wäre wenn? Was wäre, wenn die Geschichte nicht durch ihre fiktive Welt begrenzt ist und sich hier und da Wege abzweigen können? Gibt es diese Wege nicht schon längst und man hat sie nur nie gesehen, weil die Geschichte eben nur dem einen Weg folgt?

Es ist das Paradox der Fiktion (um hier wieder einen eleganten Bogen vom Auserwählten-Artikel zum Fiktions-Artikel zu schlagen): Zwar beschränkt die Fiktion, da sie eine unveränderbare Geschichte erzählt, aber ebenso gibt uns die Fiktion die Möglichkeit weiterzudenken und eben die Grenzen der vorgefertigten Matrix zu überwinden. So führt uns Valle doch so schön die Frage vor Augen, ob man sein Schicksal nicht ändern kann?

Klar, Harry Potter wurde auserwählt, die Geschichte für uns zu erleben. Aber ist er auch wirklich der Auserwählte?