Mein Lieblingsbuch: Flo mit „The Corrections“ von Jonathan Franzen

Ich mochte „The Corrections“, weil es mir Angst gemacht hat. Weil ich in mir selbst das Potential entdeckt habe zu einem seiner Charaktere zu werden. Weil es unausweichlich scheint, dass es so kommt. Weil es eben um Charaktere geht, die so sind, wie Menschen zu sein scheinen. Wie zwangsläufig alle Menschen, irgendwie. Menschen, die man genauso hassen wie lieben muss. Die trotz ihrer kleinen Erfolge am Ende doch auf großartige Weise scheitern Mein Lieblingsbuch: Flo mit „The Corrections“ von Jonathan Franzen weiterlesen

Filmmomente: The Godfather III – Der stille Schrei

Beim Filmschauen zieht vieles an einem vorbei. Das ist zunächst auch gut so. Ein Film ist meist in solchen Momenten am besten, wenn man vergisst, dass man ihn sieht (vorausgesetzt natürlich es handelt sich um einen Film, der mehr die Immersion als die Reflektion provozieren will). Je nachdem welche Rezeptionsmuster man sich antrainiert hat, kann es passieren, von der Frage getrieben zu werden, warum der Film es in genau jenem Moment geschafft hat, dass man in diesem scheinbar simplen Strudel aus Licht versunken ist. Die Treppenszene gegen Ende von „Der Pate III“ hat genau das bei mir bewirkt und ich will in diesem Artikel versuchen, mögliche Gründe dafür auszumachen.

ACHTUNG – SPOILER!!!  „Filmmomente: The Godfather III – Der stille Schrei“ weiterlesen

Atmen

Klein, österreichisch, stark.

Romans Leben ist bestimmt durch den Tod. Wegen Totschlag sitzt er in der Jugendstrafanstalt, als Bewährungsauflage wählt er einen Job bei einem Bestattungsunternehmen und das titelgebende Moment ist sein Trauma des Erstickens. Klingt tragisch, ist es Dank der zurückgenommenen Inszenierung und dem wunderbar trockenen österreichischen Humor (der dem englischen näher scheint als dem deutschen) aber überhaupt nicht. Denn Karl MarkovicsAtmen macht all das richtig, was so viele pseudo-sozialrealistischen Dramen aus Deutschland falsch machen. Durch seine behutsame Stilisierung transzendiert der Film seine sorgfältig recherchierte Thematik und liefert seine Charaktere nicht den durch fake-dokumentarische Bilder provozierten, mitleidig-voyeuristischen Blicken der Zuschauer aus. Atmen will nicht glauben machen, dass man wirklich in ein fremdes Milieu eintauchen kann. Denn es gibt kein „wirklich“, nur den Film. Er zeigt und lässt beobachten, erzwingt jedoch keine perverse Partizipation. „Atmen“ weiterlesen

Kaugummi #17: James Camerons Anfänge oder die Geburt eines Königreiches

Auch der König der Welt hat mal klein angefangen. Schon sein erster Film aus dem Jahre 1978 mit dem hinreißenden Titel Xenogenesis zeigt warum James Cameron überhaupt in die Lage gekommen ist, sich selbst krönen zu dürfen: tiefschürfende Dialoge und atemberaumbende Effekte, die natürlich nicht ihrem Selbstzweck, sondern immer der Geschichte dienen. Das Grundthema ist auch selbstbezeichnend: Der Mensch, unterworfen von der Maschine, braucht wiederum selbst eine Maschine um seine Existenz in der Welt durchzusetzen. Am Ende von Aliens musste Sigourney Weaver ihren Körper maschinell erweitern, um als Mensch überhaupt bestehen zu können. In der Terminator-Serie können Maschinen auch nur … Kaugummi #17: James Camerons Anfänge oder die Geburt eines Königreiches weiterlesen

Kaugummi #15: Profilbilder einer Vision

Was am Lebensende übrigbleibt, sind vermutlich ein Haufen Bilder. Man kennt das ja vom Hören-Sagen: kurz bevor man ins Nichts (kann je nach Glaubensrichtung variieren) tritt, darf man sich nochmal zurücklehnen und einen Zusammenschnitt der vergangenen Lebenszeit durch sein Hirn rauschen lassen. Der eine wird ein durchgängiges Schema in seinen Bildern erkennen, ein anderer nur fragmentarische Jump-Cuts oder schlicht einen undefinierbaren Bilderregen (bitte glaubt nicht, dass euch Robin Williams diese Arbeit abnehmen wird).

Ein junger Mensch von 17 Jahren, dessen Netzname Kees Van Dijkhuizen ist (vielleicht ist es auch sein richtiger Name, er ist glaube ich Niederländer), hat es sich zur Aufgabe gemacht die Visionen von berühmten Regisseuren zu durchleuchten und sich ergänzende, entgegengesetzte oder überlappende Bilder zusammen zu montieren. Ob ihm das gelungen ist könnt ihr selbst beurteilen, aber dass seine Rubrik [the films of] eine durchaus interessante und zum Teil erhellende Idee ist, darauf kann man sich, denke ich, schon einigen. Ich hoffe nur, dass er sich irgendwann auch an etwas komplexere Regisseure herantraut. „Kaugummi #15: Profilbilder einer Vision“ weiterlesen

Kaugummi #13: Lichtarbeiten

Die Namen Avid und Final Cut hat mit Sicherheit jeder schonmal gehört, der sich zumindest ein wenig für die Herstellung von Filmen interessiert. Das sind jene bahnbrechenden Programme, die den Filmschnitt in die digitale, non-lineare Dimension überführt und das Filmemachen, wie deren Ästhetik unwiderruflich verändert haben. Der Englische Patient war 1996 der erste digital geschnitte Film, der den Oscar für Schnitt gewann. Der Editor war Walter Murch und benutzt hat er Avid, welches noch immer als Standard in der Branche gilt. Wieder war es Walter Murch, der 2003 den Film Unterwegs nach Cold Mountain mit Final Cut  geschnitten und es somit salonfähig gemacht. Das besondere daran war, dass Final Cut bis dahin eher als verhältnismäßiges günstiges Programm für Amateurfilmer konzipiert war. Nun könnte ein weiter revolutionärer Schritt (oder Schnitt?) bevorstehen. „Kaugummi #13: Lichtarbeiten“ weiterlesen

In der Welt habt ihr Angst

Wir haben erst kürzlich erfahren, wie drogenverseucht unser betuliches Oberfranken unter seiner Oberfläche tatsächlich ist. Das filmtragende Liebespaar von „In der Welt habt ihr Angst“ sind krasse Heroinjunkies und ihre Heimat heißt Bamberg. Beschert uns Hans W. Geißendörfer nun quasi den passenden Spielfilm über den heimischen Drogensumpf?

Nein, denn die Drogen sind bei Geißendörfer vielmehr das, was bei Romeo und Julia die familiären, sozialpolitischen Umstände sind. Sie verbinden und reißen sie doch im selben Moment auseinander. Und so geht es um was es im Grunde immer geht: die (naive) Liebe. Hier wird sie auf eine fast klassische Weise melodramatisch verhandelt. „In der Welt habt ihr Angst“ weiterlesen

Kaugummi #10: How did they ever make a Facebook movie?

Auf IMDB kann man sich nun schon seit geraumer Zeit ein insgesamt 93minütiges Making-Of zu The Social Network ansehen, das sonst nur auf der BluRay zu finden ist. Die meisten solcher Dokumentationen bieten in der Regel nur langweiliges PR-Geschwafel von über-euphorischen Schauspielern oder Regisseuren gepaart mit halbherzigen Aufnahmen vom Set (meist Time-Lapse), wo man sieht wie die Klappe geschlagen und die Kamera bewegt wird. Doch How did they ever make a Facebook movie ist einer dieser seltenen Fälle, die tatsächlich einen detaillierten Blick hinter die Kulissen zulassen.

Hier die Links zu den den einzelnen Teilen 1, 2, 3 und 4. „Kaugummi #10: How did they ever make a Facebook movie?“ weiterlesen

Kaugummi #8: Die ekstatische Wahrheit

Oh, es ist eine grausame Welt. Sie wird regiert von den unumstößlichen Gesetzen unseres Lebens: Sein oder Nicht-Sein. Keiner weiß das besser als Jean-Claude Van Damme (und vielleicht noch Dudikoff). Seine Filme handeln davon wie jener Prozess des Seins und Werdens in die mystische Konstante des Nicht-Seins überführt wird. Immer und immer wieder. Die Prinzipien des Menscheins werden dank seines stoischen Schwermutes mit einer Wucht aufgedeckt, die für andere weitaus elaboriertere Filmemacher (wie z.B. von Trier) unereicht bleibt. Es sind nämlich diese unvermittelten Szenerien der ekstatischen Wahrheit, die Van Dammes Werk aufscheinen lassen. Doch seine Macht hat ihn auch schon … Kaugummi #8: Die ekstatische Wahrheit weiterlesen

Kaugummi #6: Das Kino.to für wahre Cineasten

Eigentlich verwerflich in Zeiten des unbegrenzten und unbehinderten Zugangs auf alles und jeden von einer Online-Plattform zu berichten, die Geld für ihre Dienstleistungen verlangt. Aber für Menschen, die Film nicht nur rein hedonistisch konsumieren ist MUBI eine Entdeckung.

MUBI gibt es seit Anfang letzten Jahres. Dort werden Online-Cinemateque und Filmforum vereint und dürfte auch  Social-Network Bedürftige mit seinen umfangreichen Profilierungs- und Vernetzungsmöglichkeiten befriedigen können. Das tolle an MUBI ist, dass es da anfängt wo Maxdome und Konsorten aufhören. Die Prämisse der Betreiber, jene weißen Flecken zu decken, die die Mainstream-Anbieter auf der Film-Weltkarte unberührt gelassen haben, scheint aufzugehen. Die Website bietet eine erschlagende Vielfalt. Schlingensief ist genauso vertreten wie Miike, van Trier, van Sant oder auch Ophüls und Renais. Und man wird mit Sicherheit auch Namen entdecken, die man noch nicht gehört hat. „Kaugummi #6: Das Kino.to für wahre Cineasten“ weiterlesen

The Green Hornet – Kinoreview

Mehr Buddykomödie als Superheldenaction. Michel Gondrys Radiohörspiel/Serien/Comic-Adaption entpuppt sich ansonsten als konventioneller Blockbuster und leidet etwas unter fehlendem individuellem Esprit.

Es war ein weiter Weg von Batman hält die Welt in Atem bis zu The Dark Knight, den die Filmversion des Bruce Wayne Alter-Egos da gehen musste. Und es war sicher nicht leicht aus den gemütlichen Spandex Leggins zu schlüpfen und sich stattdessen in eine schwere, tiefschwarze Rüstung zu zwängen. Batman konnte einst fröhlich mit seinem Robin durch die Welt tanzen und die Welt mit einer inspirierenden Luftigkeit retten. Heute ist er weitaus ernster geworden, seine Welt finster und hoffnunglos und seine Gegner selbst durch den Tod nicht zu besiegen. Die Luftigkeit ist einer giftigen Brisanz gewichen.

The Green Hornet gehört zu jenen Superheldenfilmen, die sich zwischen diesen beiden Polen einordnen: Defendor, Kick-Ass, Super oder vielleicht auch der etwas ältere Mystery Men (auch wenn es wohl eher eine klassische Parodie ist). Alles Filme, die den Superhelden-Mythos bereits als popkulturelles Phänomen voraussetzen und ihn durch diese selbstreferentielle, meist humoristische Doppelung eher dekonstruieren als erneut aufzubauen. Die Superhelden-Existenz ist selbstgewählt, ein Experiment, den fantastischen Kosmos an sich selbst zu testen. „The Green Hornet – Kinoreview“ weiterlesen

Kaugummi #4: Continuity – oder die Sehnsucht nach Kohärenz

Als Gamer mit Vorliebe für actionlastige Angelegenheiten wird man mehr und mehr für dumm verkauft. Aktuelles Beispiel Call of Duty: Black Ops, das die Wesenheit von Spielen, die sogenannte Interaktivität, endgültig verspottet und scheinbar für die Bedienung (vom tatsächlichen Spielen kann man hier nicht reden) durch Primaten konzipiert ist.

Man bekommt genau vorgeschrieben was man wann wie zu tun hat. Keine Optionen, keine Konsequenzen, nur genau gekennzeichnete Wegmarken, die angesichts des linearen Leveldesigns eh obsolet sind, und immer wieder penetrante Hinweise, welche Knöpfe man zu drücken  hat. Einfach stupides Knopfdrücken und staunen wie dumm gehypte Gameblockbuster im Jahre 2010 sein können. „Kaugummi #4: Continuity – oder die Sehnsucht nach Kohärenz“ weiterlesen

Kaugummi – was kleben bleibt auf den Straßen des WWW #1

Eigentlich stecken wir sie uns lieber in den Mund und beißen sie kaputt. Doch oft begegnet man Kaugummis auch vollkommen unvermittelt. Man berührt sie sanft, man tritt sie platt, man verschleppt sie brutal, man dringt in sie ein. Meistens ärgert man sich dann. Dabei machen sie uns in manchen dieser Momente auch zu Künstlern. Über die neue Rubrik „Kaugummi“ und den Kurzfilm George Lucas in Love.

All die platt getretenen Kaugummis, die den öffentlichen Raum bevölkern, gestalten unsere Städte, werden Teil der Architektur, die doch eigentlich von den Mächtigen bestimmt wird. Die Massen schwimmen dort hindurch, blind angezogen von Namen und Lichtern. Die Struktur des immer Gleichen gibt vor was wir sehen: alles und nichts. Doch unterhalb des dröhnenden Gleichschritts klebt hartnäckig etwas Individuelles. Die Willkür des Schöpfertums manifestiert sich in verschieden farbenen kleinen Punkten auf dem Grund. Es sind Fragmente, Spuren von Originalität. Unscheinbar, aber unauslöschlich, die Zeiten, die Moden und Meinungen überdauernd, ewig (zumindest bis die Spezialmaschine kommt) festklebend auf den Straßen und Mauern. Deshalb benennt sich diese neue Rubrik nach eben jenen unscheinbaren Phänomenen. Sie soll euch jeden Montag jene Klebmasse präsentieren, die auf den Straßen des WWW hängenbleibt und die mal einfach nur kurioses Ornament, aber ein andermal auch Orientierung sein kann. „Kaugummi – was kleben bleibt auf den Straßen des WWW #1“ weiterlesen