Warum Joss Whedon die Welt erobert (hat)

Joss frakking Whedon.

Immer wieder musste ich in den Redaktionssitzungen Fragen wie „Wer ist das überhaupt?“ hören. Antworten wurden kaum ernst genommen. Dabei ist Joss Whedon doch niemand geringeres als der größte Kopf der amerikanischen Fernsehwelt. (Steven Moffat ist Schotte.) Zu Ehren seines, ich glaube, achtundvierzigsten Geburtstags, jener welcher vermutlich gestern war, erkläre ich der Redaktion und Euch, sehr vielst geehrteste Leser, warum.

Erstens: Seine Welten. Das Whedonverse. Wenige Leute haben es überhaupt geschafft vier Serien zu produzieren (J.J. Abrams fällt mir als einziger ein, der fünf „eigene“ Serien ausstrahlen durfte. Chuck Lorre auch.) und jede davon in einer einzigartigen Welt spielen zu lassen, die keinen Vergleich findet. Die Geschichten, die er dabei kreiert, leben länger als FOX es zulässt. Nicht zuletzt weil er und der Zirkel an Autoren, den er um sich geschart hat, einfach Comics, veröffentlicht bei Dark Horse Comics, am Fließband produzieren und damit die losen Enden abschließen und eigene Handlungen entwickeln. Die erste Welt ist die von Buffy und Angel. Ich bin überrascht, wie wenige Menschen meiner Generation noch wirklich Buffy gesehen haben und wie viele das einfach als Teeniezeugs abwinken. Wenn sich aber jemand die Mühe macht und die zugegeben etwas sehr alte erste Staffel angefangen hat, beginnt er die Serien zu lieben. Wenn nicht in der zweiten, dann doch in der dritten Staffel. Außerdem gab es nach der Serie auch im jüngsten Hype kaum noch coole Vampirserien(/Vampire?).
Die zweite ist Firefly. Aaah, burn the land and boil the sea, you can’t take Firefly from me. Firefly hatte nicht nur den coolsten Introsong und Soundtrack bis zum Battlestar Galactica Reboot, sondern war auch die einzige zu früh abgesetzte Serie, die durch DVD-Verkäufe noch einen Kinofilm bekommen hat. Weil es so gut war! Plus: Asiatische Spacecowboys! Eben doch älter als Muses Knights of Cydonia.
Die dritte Welt, Dollhouse, ist sicherlich die eigensinnigste von allen. Das Konzept von Dollhouse ist zu schwer zu fassen, als dass ich die Liebe hier so einfach wiedergeben könnte. Übrigens hat auch Dollhouse ein geniales Intro.

Joss Whedon. Opfer von Fancrushes seit 1997

Zweitens: Joss Whedon ist eine Talentschmiede. Oder Schauspieler, die bei ihm mitgespielt haben, werden ernst genommen. Oder er hat einfach nur Nase für die richtigen Leute. Jedenfalls ist es nicht von der Hand zu weisen, dass eine ganze Reihe von (v.a. jungen) Schauspielern groß geworden sind, nachdem sie Teil des Whedonverses waren. Ich verspreche euch, dass man jede Serie und die allermeisten Filme, die irgendwie aus der Hollywood-Ecke kommen in drei oder vier Schritten zu Joss Whedon zurückverfolgen kann. Joss Whedons Kinder sind überall.
Zac Efron? Das Gesicht aus diesem unerträglichen Highschool Musical? Er hatte sein Debüt in Firefly.
Josh Holloway
aus Lost, in Angel.
Wentworth Miller aus Prison Break in Buffy.
In Buffy selber gehörte eine ganze Reihe an Teenstars zur Besetzung, die dadurch ihren Sprung zum „seriösen“ Schauspieler geschafft haben. Darunter Sarah Michelle Gellar (die im letzten Herbst den Versuch einer eigenen Serie hatte), Alyson Hannigan (Die jeder von euch als Lily in How i Met your mother kennt) und Eliza Dushku (die man hoffentlich schon mal gesehen hat) sowie Seth Green (der inzwischen unter anderem Chris Griffin in Family Guy seine Stimme leiht). Adam Baldwin war zuerst nur der Typ der in Independence Day die Coladose vom Raumschiff geschossen hat, von mir aus auch Animal Mother in Fullmetal Jacket, und nach Firefly war er Agent Casey in Chuck. Nathan Fillion kam von der völlig verschütteten Sitcom Two Gyus and One Girl zum Hauptdarsteller in Castle. Amber Benson, Morena Baccarin, Alan Tudyk, Alexis Denisof und die wunderbare Amy Acker haben alle ihre Wurzeln bei ihm. Muss ich weiter machen? Ich denke ihr habt eine Idee von dem was ich sagen will.

Drittens: Wofür jeder Mensch, der die Liebe erfahren hat dankbar sein sollte: Summer Glau. Die einzige Darstellerin, die in allen drei Serienwelten mitgespielt hatte. Ihr Auftritt in Angel ist noch relativ unscheinbar, aber spätestens in Serenity da tritt sie Ärsche. Joss Whedon hat sie von einer Ballerina zu einer erstklassigen Actiondarstellering gemacht, die noch nicht mal Stunt-Doubles braucht.

Viertens: Frauen die Ärsche treten sind ohnehin ein Thema bei Joss Whedon. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Buffy mehr für den Feminismus getan hat als Bill Cosby für alle Afroamerikaner. Und ich rede von der guten Seite des Feminismus, nicht von der dunklen, wo sie plötzlich alle meine, sie wären jetzt damit dran überlegen zu sein.

Fünftens: Wie einflussreich Joss Whedon vor allem in der Internetcommunity ist, sieht man an den tvtropes. Die Big Damn Heroes, The Big Bad und die Scoobies wurden nach seinen Werken benannt. Auch die Sprache in Buffy und Firefly ist sehr eigenwillig und ist in den Wortschatz vieler kluger Menschen (= Fans) übergegangen.

Sechstens: Joss Whedon ist sicherlich nicht der erste, der das Medium des Fernsehens nutzt und Regeln vorteilhaft durchbricht. Auch lange nicht der letzte. Er hat es geschafft wahrhaft Großartiges zu leisten, indem er viele Dinge einfach anders gemacht hat, ohne dabei die Ebene der Fiktion zu verlassen. In Buffys „The Body“ gibt es keine Sekunde lang Musik. In „Hush“ gibt es nur Musik und keine Sprachausgabe. In „Once more with feeling“ mussten alle singen, wodurch Musicalepisoden salonfähig wurden. Joss Whedon schreibt keine vorhersehbaren Plots, tötet Protagonisten und schreibt frei nach der Regel „Niemand ruht, solange er glücklich ist.“. Und schafft es aber trotzdem so etwas wie ein Happy End zu bauen. Etwas das dir sagt „Es kommt nie so wie erwartet, aber am Ende wird man schon irgendwie glücklich!“. Mit Firefly hat er nicht nur die erste SciFi-Serie entwickelt, in der es im Weltraum tatsächlich keine Geräusche gibt, sondern auch Zombies erschaffen, die gar nicht als Zombies zu erkennen sind. Audiokommentare hat er zur Kunstform erhoben, wie man sagt. Zu Dr. Horribles Sing-Along Blog hat er gleich ein ganzes Commentary! Musical geschrieben, das wie das Original mit Neil Patrick Harris, Felicia Day und Nathan Fillion besetzt ist.

... und das obwohl Joss Whedon es hasst seine Werke zu kommentieren.
… und das obwohl Joss Whedon es hasst seine Werke zu kommentieren.

Siebtens: Neben der Serienwelt, hat er mit den Avengers auch noch das Kino erobert. Was man nur weiß, wenn man auf imdb oder wikipedia unterwegs war, ist, dass er außerdem Alien, Titan A.E., Atlantis, und Toy Story geschrieben hat. Joss Whedon kann alles und gibt genau die richtige Portion Anders dazu. Mit dem bereits erwähntem Dr. Horribles Sing-Along Blog hat er außerdem einen weiteren Meilenstein in der Welt des Internets gesetzt.

Achtens: Um den Rahmen nicht zu sprengen, schließe ich damit: Joss Whedons Produktionsfirma „Mutant Enemy“ hat neben dem „Bad Robot“ einfach das putzigste kleine Logomonster. Man muss es einfach lieben. Wenn ich euch alle an den Schultern packen und schütteln könnte, würde ich es machen, wenn es was helfen würde. Aber in Wahrheit glaubt ihrs ja sogar nicht einfach nur wenn ihr den Artikel gelesen habt. Darum will ich euch nur ans Herz legen mal rein zu schauen und euch versprechen, dass mein Fanboytum nicht einfach nur Geschmacksimperialismus ist.

So say we all.

2 Gedanken zu “Warum Joss Whedon die Welt erobert (hat)

  1. SciFi nicht zu mögen scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Aber über Geschmack kann man ja leider nicht streiten. Noch kann man es Menschen einprügeln. Was uns gleich dazu führt, dass es natürlich eine Schande für die Redaktion und den ganzen Studiengang ist. Pfui. Vermutlich müsste man mal wieder anfangen regelmäßig öffentliche Serienabende zu veranstalten…

    #TwoGuys: Leider wurde irgendwann ja der „pizza place“ mit dem allercoolsten Besitzer „Bill“ rausgestrichen. Da ging schon viel Charme verloren. Auch wenn die etwas einfach gestrickte Rolle Nathan Fillions einiges wieder rausholt.

  2. Ich mag keine Science-Fiction-Serien. Ist einfach nicht mein Genre. Aber „Firefly“ hatte was. Was es genau war, kann ich gar nicht wirklich sagen. Vielleicht die Tatsache, dass man es auch einfach als Westernserie (die halt im Weltraum stattfindet) lesen kann. Oder das erwähnte, geniale Intro, das man beim Hören kaum zuerst mit einer Sci-Fi-Serie in Verbindung bringen würde. Jedenfalls hat mir die Serie gefallen. Und gäbe es kein „Firefly“, wäre auch „The big bang theory“ um viele Gags ärmer. Ich mag Sitcoms. Das ist mein Genre. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass die Serie, in der Nathan Fillion eine kleine Rolle hatte, im Original zunächst „Two Guys, A Girl And A Pizza Place“ (deutsch: „Ein Trio zum Anbeissen“) hiess. Das aber nur am Rande. Finde es super, dass hier ein grosser Fernsehmann vorgestellt wird. Sollte man kennen. Wenn es stimmt, dass in der Redaktionssitzung von euch medienwissenschaftliche (!) Studenten mit dem Namen Joss Whedon nichts anzufangen wussten, dann ist da dringend Aufklärungsarbeit notwendig…

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