© Leonie Endres

Auf BookTok und Bookstagram legen Creator und Zuschauer nicht nur großen Wert auf die visuelle Ästhetik der Videos und Fotos, sondern in den letzten Jahren zunehmend extrem viel Wert auf die Ästhetik des Buches selbst. Ausgestattet mit Farbschnitt, Wendeeinband und bestanztem Leineneinband kann eine Neuauflage eines Buches bei den Zuschauern richtig punkten. Daher wird sie auch als zweite oder sogar dritte Ausgabe gleichen Buches gekauft, das bereits im Regal steht. Aber nicht nur auf Social Media erlangen solche Ausgaben viel mehr Aufmerksamkeit als das Nullachtfünfzehn-Buch, das lediglich einen bedruckten Einband hat, auch in Buchhandlungen und Online-Shops trifft man solche Sonder- oder Schmuckausgaben vermehrt an. Aber sind wir mal ehrlich: Ein Buch mit einem besonders schönen Farbschnitt oder coolem Cover springt einem auch mehr ins Auge als andere Bücher.
Ein weiterer Trend, der mir in den letzten Monaten besonders aufgefallen ist, ist, dass auch ‘ältere’ Bücher plötzlich Neuauflagen mit Farbschnitt und allem Drum und Dran erhalten, nur um mit diesem Trend mithalten zu können. Wie also kommt es zu dieser fast schon magischen Wirkung von Farbschnitt und Sonderausgaben?

Welche Arten von Sonderausgaben gibt es?
Wenn ich von Sondereditionen spreche, meine ich hier vor allem Ausgaben mit Farbschnitt, alternativen Covern, Wendecovern, Ausgaben, die Charakterkarten enthalten oder Schmuckausgaben. Also Versionen von Büchern, die sich von der Standardausgabe hauptsächlich durch ihre ästhetische Gestaltung unterscheiden. Eine spezielle Art der Sonderedition eines Buches ist auch das signierte Werk. Hier wird zwar die Ästhetik des Buchs nicht verändert, aber die Ausgabe wird durch die Signatur des Autors in ihrer Wertigkeit gesteigert, da es solche Bücher meist nur in sehr geringen Auflagen gibt. Wichtig ist dabei, dass solche Ausgaben normalerweise zeitlich limitiert erhältlich sind, zum Beispiel zum Release des Buchs oder auf Messen. Dadurch entsteht dann eine Exklusivität des Buchs, da es nur eine geringe Anzahl davon gibt, die man nach einer bestimmten Zeit oder Menge an verkauften Werken nicht mehr kommerziell erwerben kann. Daher findet vor allem in Sammlerkreisen eine enorme Wertsteigerung statt, wodurch solche Ausgaben teilweise für das Doppelte oder sogar das Dreifache verkauft werden. Aber dies ist nicht der einzige Grund dafür, dass Sonderausgaben mittlerweile fast zu einem Standard auf dem Buchmarkt geworden sind.

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Warum sind Sonderausgaben derart populär?
Zunächst müssen wir uns einmal fragen, warum sprechen uns diese “Special”-Bücher so viel mehr an als das Standardbuch? Liegt es wirklich an der Ästhetik oder doch eher am Hype, der vor allem durch Social Media geschaffen wird? Ich denke, hier liegt eine Art sich gegenseitig verstärkende Wirkung von Social Media Hype und tatsächlicher Ästhetik vor. Die Bücher mit Farbschnitt o.ä. sehen meist tatsächlich optisch ansprechender aus und die besonderen Elemente geben einer Ausgabe einen gewissen Flair, was vor allem auch Sammler, und nicht nur die Leser als Konsumenten anspricht, aber der immense Hype, den Leser durch BookTok und Bookstagram erleben, ist natürlich absolut relevant für die enorme Popularität der Sonderausgaben. 

Phänomen BookTok und Bookstagram
Seit ein paar Jahren ist Lesen bei jüngeren Generationen wieder voll im Trend. Das liegt nicht zuletzt an den beliebten Social-Media-Plattformen Instagram und TikTok. Dort trenden nämlich die Hashtags BookTok und Bookstagram, die jeweils zusammengesetzt aus dem Wort “Book” und der jeweiligen Plattform “TikTok” oder “Instagram” bestehen. Unter diesen Hashtags laden Creator dann kurze Videos und Beiträge hoch, die über Neuerscheinungen und andere populäre Bücher diskutieren.1 Warum aber sind diese Hashtags zu einem Phänomen solchen Ausmaßes geworden?
Angefangen hat die Popularität während der Lockdown-Zeit 2020/2021, als TikTok sich vom Image der reinen ‘Tanz-App’, für die es zuvor bekannt war, löste. Während der Pandemie begünstigte die allgemeine Langeweile die Entwicklung vom Hashtag BookTok, da man eine Alternative zu den jetzt nicht mehr möglichen Freizeitbeschäftigungen gebraucht hat. Warum genau das aber Bücher sein mussten, geht damit einher, dass man durch die Erfahrung der zum Teil fantastischen Welten, die in Büchern in der Regel viel lebhafter und immersiver vermittelt werden können als in Filmen, der eher tristen Realität im Lockdown entkommen und sich ganz in die fiktive Welt hinein flüchten konnte.2
Ein weiterer Grund dafür, dass das Lesen online zum Trend geworden ist, besteht darin, dass Personen, die diesem Hobby nachgehen, in der Gesellschaft häufig als klug und gebildet wahrgenommen werden. Dadurch lässt sich durch Beiträge über gelesene Werke in den sozialen Medien ein positives Image aufbauen. Darüber hinaus deuten größere Büchersammlungen, wie sie in vielen dieser Beiträge im Hintergrund zu sehen sind, auch auf einen gewissen Wohlstand hin, da Bücher in größeren Mengen mit erheblichen Kosten verbunden sein können. Das Hobby kann daher auf Social Media auch performative Funktionen erfüllen, indem es auf dem eigenen Profil ästhetisch ansprechend inszeniert wird und dazu beiträgt, ein bestimmtes Selbstbild zu vermitteln. An sich ist diese Form der Eigendarstellung und Inszenierung einer ästhetischen Lebensweise jedoch nicht unbedingt verwerflich, da sie in der heutigen Mediengesellschaft eine gängige Form der Selbstinszenierung darstellt, mit der bestimmte Werte, wie etwa Bildung, kulturelles Interesse oder Wohlstand, sowie die Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen Milieu kommuniziert werden.

Zusätzlich ist natürlich auch die lockere, persönliche Atmosphäre, die in den Beiträgen herrscht, ganz im Gegensatz zu traditionellen Rezensionen, sehr ausschlaggebend dafür, dass BookTok ein derart riesiges Ausmaß erreichen konnte. Die Creator stellen sich nämlich eher als Freunde ihrer Zuschauer dar, die ihnen Bücher empfehlen, diese bewerten oder einfach darüber reden. Auch gehen sie öfter auf Kommentare ein und man trifft sie auch zum Beispiel auf Buchmessen und kann sich dort über die gelesenen Bücher austauschen. Dennoch bleibt neben der allmählichen Annäherung der beiden Seiten – Zuschauer und Creator –  immer noch eine gewisse Distanz bestehen, wodurch es ermöglicht wird, dass Creator trotz des Freundschafts-Images auch auf BookTok dennoch mehr wie Stars ‘idolisiert’ werden. Dadurch werden deren Aussagen über bestimmte Bücher natürlich nochmals höherwertig vom Publikum betrachtet und sie können daher auch beachtlichen Einfluss auf den Buchmarkt ausüben.

Einfluss von BookTok auf den Buchmarkt

In den letzten Jahren sind die ‘BookToker’, wie man solche Creator auch nennt, dazu übergegangen, nicht mehr nur Bücher aufgrund ihres Inhalts weiterzuempfehlen, sondern es wurden vermehrt Schmuckausgaben präsentiert und gelobt. Demzufolge haben auch ihre Zuschauer zunehmend auf die Ästhetik einer Ausgabe geachtet und es wurde zu einem allgemeinen Trend, der nicht nur auf den Social-Media-Plattformen anzutreffen ist. Wo 2020/2021 die wenigsten Bücher, Farbschnitte, Charakterkarten oder Wende-Einbände hatten, ist dies heute schon Standard geworden. Es ist sogar fast ein Einzelfall, wenn ein neu erschienenes Buch so etwas nicht hat.
Die “Magie” von Sonderausgaben wird also durch BookTok immer weiter verstärkt, da dort in den letzten Jahren immer mehr Sondereditionen präsentiert und beworben werden, wodurch auch die Fans wieder diese gezeigten Schmuckausgaben besitzen wollen. Es entwickelt sich also ein Teufelskreis bei den Konsumenten von Büchern von einem derart immensen Ausmaß, das man fast schon von einer Art “Sondereditionenfieber” sprechen kann. Als Konsument braucht man stets die schönsten und besonderen Ausgaben von einem Buch, auch wenn man es gar nicht lesen will oder vielleicht sogar schon besitzt. Das Hobby Lesen wird also mehr und mehr zu einem Akt des Sammelns von Büchern, anstatt dass die Bücher tatsächlich aufgrund des Inhalts konsumiert werden. 

Fourth Wing
Das kann man ganz schön am Beispiel von “Fourth Wing” von Rebecca Yarrows sehen. Zunächst war die Reihe in Deutschland eher unbekannt, bis sie auf BookTok in den Hype gekommen ist. Daraufhin präsentierten einige Creator stolz all ihre Schmuckausgaben der Reihe, darunter auch Ausgaben aus anderen Ländern, da diese anders gestaltet wurden. Um ein Beispiel zu zeigen, BookTokerin yannareads präsentiert in einem TikTok-Video, welche Ausgaben sie besitzt.
Darunter die Erstausgabe von Fourth Wing, die Target-Edition mit einem Exklusiven Einband, der anstatt gelb-golden eher rötlich gefärbt ist, die Waterstone-Edition aus dem Vereinigten Königreich mit einem alternativen Farbschnitt, die man aktuell auf ebay für 50£ anstatt den ursprünglichen £10 finden kann. Dann die französische Ausgabe, die sowohl mit einem alternativem Cover, exklusivem Character-Art auf der Einband-Innenseite als auch einem anderen Farbschnitt glänzen kann, und eine mit Strasssteinen verzierte Version des ersten Bandes. Dazu noch eine von Fans neu eingebundene Version mit alternativem Cover und Farbschnitt, eine weitere Sonderedition von der E-Commerce Brand AcryliPics, die auch ein neues Cover (welches sogar mit goldener Folie versehen ist und einen alternativen Farbschnitt hat) die koreanische Version, die aktuell aus fünf Bänden besteht, da der zweite und dritte Teil jeweils in zwei Bücher geteilt sind, und zu guter Letzt noch eine Schmuckausgabe von Fabled Press mit einem neuen Ledereinband.

Insgesamt besitzt sie also 17 Ausgaben vom gleichen Buch beziehungsweise derselben Reihe, da sie zum Teil auch Band zwei und drei mehrfach besitzt. Manche davon wird sie nicht einmal nutzen können, da sie wahrscheinlich nicht extra mehrere andere Sprachen lernen wird, nur um diese Bücher zu lesen. Folglich sind diese Ausgaben einzig und allein zu Sammel- und Dekozwecken angeschafft worden und nun wird den Fans vermittelt, dass sie auch mehrere Ausgaben oder die gezeigten Ausgaben von ihrem Lieblingsbuch brauchen, weil sie viel schöner aussehen als die Standard-Edition.
Schaut man einmal in die Kommentare unter Yannas Beitrag, findet man schnell einige Zuschauer, die auch mit diesem Sondereditionenfieber-Trend mitgehen. So kommentiert ein Zuschauer, dass er 21 verschiedene Ausgaben von Powerless besitzt. Andere empfehlen Yanna noch weitere Ausgaben von Fourth Wing, die sie noch nicht besitzt.
Bei derartigen Ausmaßen von Überkonsum, die unter dem Deckmantel des Trends und Hobbys fortbestehen, muss man sich fragen, ob das nicht schon als (Kauf-)Sucht zählt. Denn letztlich bringen einem die ganzen Sondereditionen nicht wirklich etwas.

© Leonie Endres

Kommen wir also zurück zum Einfluss auf den Buchmarkt. Dadurch, dass durch BookTok Sonderausgaben derart beliebt geworden sind, hat sich der Markt angepasst und die Veröffentlichungen haben sich über das Nullachtfünfzehn-Buch hinaus entwickelt. Das ist an sich auch keine besorgniserregende Entwicklung, da dadurch lediglich die Optik der Ausgaben aufgewertet wird. Ein Problem ist es insofern, dass BookTok das Hobby Lesen extrem kommerzialisiert und die Konsumenten zu Überkonsum anregt, indem es unrealistische und vor allem unnötige Ausmaße von Besitz von Schmuckausgaben präsentiert. Man braucht keine zehn Ausgaben vom gleichen Buch, um die Inhalte zu genießen. Denn letztlich ist ein Buch ein Gebrauchsgegenstand, der wegen seines Inhalts gekauft und konsumiert werden sollte und nicht “nur” wegen den optischen Reizen.3 Problematisch ist es weiterhin, dass Schmuckausgaben teurer in der Produktion sind, da es sich hierbei meist um Hardcover handelt, welche schwerer sind und somit mehr Materialien benötigen. Daher werden Bücher teurer, was in Deutschland durchaus ein Problem darstellt, da Bücher als Kulturgut für alle möglichst zugänglich bleiben sollen. Dies wird aber durch die Vorherrschaft der Sonderausgaben auf dem Buchmarkt gefährdet.

Sind Sonderausgaben noch besonders?

Letztlich stellt sich nur noch die Frage, ob Sonderausgaben überhaupt noch etwas besonderes sind, angesichts dessen, dass der Buchmarkt geradezu davon überschwemmt wird. Das Ansprechende und Herausstechende, was solche Bücher vor ein paar Jahren noch hatten, fällt heute natürlich weg, da es einfach viel zu viele ‘Special’-Editions gibt, die eigentlich die Standardversion dieses Buches sind, da sie nicht mehr zeitlich limitiert oder nur für manchen Ausgaben gelten. Dieses Wegfallen vom Besonderen der Sonderausgaben gilt vor allem für Taschenbücher, da fast jedes Taschenbuch aus Genres wie Young Adult, Fantasy, New Adult, Romance oder auch Romantasy, das man im Buchladen vorfindet, einen Farbschnitt besitzt, auch wenn dieser nur einfarbig ist. In anderen Genres ist diese Entwicklung bisher eher selten bis gar nicht anzutreffen. Dennoch ist dies nicht bei allen Werken aus den genannten Genres der Fall. Es gibt auch noch ‘echte’ Special Editions, die zum Beispiel in limitierter Auflage nur zum Release des Buches gedruckt und seitdem auch nicht mehr nachgedruckt wurden. Ein paar Beispiele hierfür wären Velvet Falls, but the Gods forgot to die von Julia Dippel, welches anlässlich des Release im Oktober 2025 mit einem exklusivem Farbschnitt und bei Vorbestellung im entsprechenden Shop sogar signiert verkauft wurde. Heute kann man es nur noch mit dem Wendeeinband und ohne Farbschnitt erwerben. Von derselben Autorin ist auch die Sonnenfeuerballade-Trilogie, die zum Release genauso mit Farbschnitt und teilweise signiert verkauft wurde.


Ein Gegenbeispiel für ein Buch, dass anfangs als ‘limitierte Sonderausgabe’ vermarktet wurde, um eine Knappheit zu vermitteln wäre wieder Fourth Wing von Rebecca Yarrows, wo es bei der deutschen Erstauflage einen Einband im Drachenlook gab. Beim ersten Band war diese Auflage tatsächlich limitiert und besonders, insbesondere auch da sie innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft wurde. Beim zweiten Band entschied sich der Verlag dann, dass sowohl der erste als auch der zweite Band mit ‘exklusivem’ Farbschnitt nun dauerhaft für etwas mehr Geld erhältlich bleiben sollen. Somit wird die ehemals limitierte Ausgabe plötzlich völlig normal und jeder kann sie auch bis heute noch, drei Jahre nach Release, bei Thalia etc. bestellen.4 Auch ich, als jemand, der vom ursprünglichen Hype gar nichts mitbekommen hat, konnte die Schmuckausgaben vor circa einem Jahr problemlos im lokalen Rupprecht kaufen. 


Die x-te Neuauflage
Ein weiteres Phänomen, was mir bei der Recherche aufgefallen ist, ist, dass nicht nur neue Erscheinungen auf diesen Hype aufspringen, sondern auch ältere Bücher plötzlich Neuauflagen mit Farbschnitt etc. bekommen. Nennenswert ist hier das TikTok-Trend-Buch It Ends with Us von Colleen Hoover, welches 2016 ohne Farbschnitt gemäß seiner Zeit als ein, was wir heute als Nullachtfünfzehn-Buch sehen würden, erschienen ist. 2021/2022, als das Buch auf BookTok trendet, wurde dann schließlich eine Special Edition verkauft, die neben einem Farbschnitt auch ein foliertes Cover besitzt. Man versucht also mit dem Trend zu gehen und auch bei alten Büchern die Verkaufszahlen nochmal zu boosten, indem eine Sonderedition herausgegeben wird.

Dies passiert jedoch nicht nur bei TikTok-Trend-Büchern, sondern auch Klassiker bleiben von diesem Phänomen nicht verschont. So erscheinen beispielsweise regelmäßig Schmuckausgaben der Werke von Jane Austen, obwohl diese bereits vor über 200 Jahren veröffentlicht wurden. Als Beispiel lässt sich der Roman Emma nennen, der erstmals 1815 erschien.
Neben den regulären Taschenbuch- und Hardcover-Ausgaben verschiedener Verlage werden immer wieder Sondereditionen mit Farbschnitt, Prägungen, illustrierten Einbänden oder exklusiven Covern veröffentlicht. Dabei stellt sich die Frage, ob solche Neuauflagen bei einem Werk, dessen Inhalt seit Jahrhunderten unverändert ist, tatsächlich notwendig sind. Vielmehr scheinen diese Editionen vor allem darauf abzuzielen, einen erneuten Kaufanreiz zu schaffen und Sammler und Leser zum Erwerb mehrerer Versionen desselben Buches zu bewegen.

(Ökologische) Folgen des Überkonsums

Dabei darf man nicht vergessen: der Überkonsum von Printwerken wie Büchern hat nicht nur Folgen für den eigenen Geldbeutel, sondern auch Folgen für die Umwelt. Das Papier, welches für den Druck von Büchern benötigt wird, wird in einem Ressourcen intensiven Prozess gewonnen, wofür Bäume gefällt werden müssen, um einen Faserbrei aus Holz herzustellen. Dieser wird dann mit viel Wasser aufgeweicht, in Papierform gepresst und anschließend wieder getrocknet. Daher begünstigt ein solcher Überkonsum, wie er auf BookTok oder Bookstagram beworben wird, die Abholzung von Wäldern und einen enormen Süßwasserverbrauch, was zu lokalen Wasserknappheiten führen kann. Natürlich versuchen solche Firmen dies zu reduzieren, indem Recyclingpapier hergestellt wird, wofür man alte Fasern nur mit neuen verstärkt, oder Abwasser wieder aufbereitet wird. Dennoch werden für ein Kilo Papier etwa 50 Liter Wasser benötigt. Das Wasser wird zudem auch mit den verwendeten Chemikalien zur Bleichung der Seiten zusätzlich belastet, welche anschließend nach dem Herstellungsprozess oft in den Wasserkreislauf gelangen.


Außerdem können die Seiten von Büchern oft nicht mehr so gut recycelt werden, da bei der Buchbindung von vor allem Hardcovern synthetische Leime und Druckfarben zum Einsatz kommen, welche eine spätere Wiederverwendung erheblich erschweren, da die Papierfasern verschmutzt sind und nicht mehr recycelt werden können.5

Hinzu kommt, dass das recycelte Papier laut den Aussagen des Penguin Verlag gar nicht in solchen Mengen, die für die meisten Romane benötigt werden, zur Verfügung steht, da es in den letzten Jahren zu einem gefragten Gut geworden ist und dadurch eine enorme Preissteigerung gesehen hat.6
Des Weiteren bedroht diese Art von Überkonsum auch die Artenvielfalt der Wälder, da die natürlichen Waldflächen durch schnellwachsende Holzarten in Monokulturen ersetzt werden. Diese Plantagen  verdrängen die heimische Tierwelt, da sie diesen keinen Lebensraum bieten können. Somit geht also auch die Biodiversität zum Teil verloren.7 Ein letztes Problem, welches durch den Kauf von mehreren Ausgaben des gleichen Buchs auftreten kann, ist, dass der Trend nur sehr kurzweilig ist und man vor allem als Creator schnell wieder Platz in den Regalen für den nächsten Trend machen muss. Somit entsteht ziemlich sicher ‘Buchmüll’, da sie nicht alle Ausgaben vom gleichen Buch behalten werden. Aber nicht nur auf der Verbraucherseite entsteht eine Menge Abfall, sondern auch die Verlage produzieren mehrere verschiedene Auflagen, welche nach kurzer Zeit durch neue ersetzt werden.


Es ist also durchaus problematisch zu bewerten, dass viele sich drei oder mehr Ausgaben vom gleichen Buch kaufen, nur weil es anders gestaltet wurde. Diese Problematik wird auch auf den Plattformen selbst angesprochen, jedoch meiner Meinung nach noch viel zu selten, weshalb es unter den vielen anderen Beiträgen regelrecht untergeht. Auch spielt hier sicherlich das Verhalten der Konsumenten eine Rolle, da viele lieber die Augen vor solchen Problematiken verschließen und eher den positiven Content konsumieren wollen, da das der einfachere Weg ist, mit der Situation umzugehen. Dies macht aber das Konsum-Problem nicht besser. Im Gegenteil, es verschlechtert die Situation sogar, da bewusst über die Problematik hinweg geguckt wird. Hier muss sich etwas ändern!

Fazit

Trotz der genannten Kritikpunkte soll auch ein positiver Einfluss von BookTok auf den Buchmarkt hervorgehoben werden. Durch ihre große Reichweite können Creator dazu beitragen, dass auch bislang unbekannte Autorinnen und Autoren innerhalb kurzer Zeit ein breites Publikum erreichen. Auf diese Weise erhalten neue Werke deutlich mehr Aufmerksamkeit und der oftmals schwierige Einstieg in den Buchmarkt wird erleichtert. Dadurch können mehr Menschen ihre Leidenschaft für das Schreiben erfolgreich zum Beruf machen. Dies stellt einen der positiven Effekte dar, die BookTok auf die Buchbranche ausübt.
Abschließend möchte ich betonen, dass es selbstverständlich jedem selbst überlassen ist, ob er sich eine oder mehrere Ausgaben eines Buches kauft, auch dann, wenn diese ausschließlich dekorativen Zwecken dienen. Solange der Besitz dieser Bücher Freude bereitet, ist daran grundsätzlich nichts auszusetzen. Dennoch erscheint es sinnvoll, sich der Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens bewusst zu sein, bevor man sich für den Kauf einer weiteren Sonderausgabe von einem Buch, welches man schon besitzt, entscheidet.
Bücher sind ihrem ursprünglichen Zweck nach Gebrauchsgegenstände, die Wissen vermitteln, zum Nachdenken anregen oder der Unterhaltung dienen sollen. Ihre Funktion erschöpft sich daher nicht in ihrer ästhetischen Wirkung als Dekorationsobjekt. Gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass hochwertig gestaltete Schmuck- und Sonderausgaben für viele Leserinnen und Leser sowie Sammlerinnen und Sammler einen besonderen Reiz besitzen.

Gerade die große Zahl an Special Editions hat jedoch dazu geführt, dass ihre Besonderheit zunehmend verloren geht. Insbesondere im Jugendbuch-, Fantasy- und Romance-Bereich sind aufwändig gestaltete Sonderausgaben inzwischen so allgegenwärtig, dass sie vielerorts eher zur Regel als zur Ausnahme geworden sind. Dadurch verliert das Besondere, was diese Ausgaben ursprünglich ausgezeichnet hat, zumindest teilweise an Wirkung.

  1. König, Josephine: Let’s talk Bookish: Sind “Special Editions” noch special?, PureBrass&Books, 17.11.2025, www.utopia.de/ratgeber/booktok-der-neue-hype-ums-lesen_797446/ (26.06.2026). ↩︎
  2. ebd. ↩︎
  3. Watzek, Jennifer: Booktok: Der neue Hype ums Lesen, UTOPIA, 06.04.2025,  www.utopia.de/ratgeber/booktok-der-neue-hype-ums-lesen_797446/ (26.06.2026). ↩︎
  4. König Josephine: Nein, ich möchte keine Neuauflage der limitierten Erstauflage mit Farbschnitt!, PureBrass&Books, 18.11.2023, https://purebrassbooks.de/bloggerleben-autorenleben/nein-ich-moechte-keine-neuauflage-der-limitierten-erstauflage-mit-farbschnitt/ (26.06.2026) ↩︎
  5. Rabhansl, Christian: Wie umweltverträglich ist ein Buch?, Deutschlandfunk Kultur, 28.01.2023, www.deutschlandfunkkultur.de/buecher-nachhaltigkeit-buchbranche-100.html (10.07.2026) ↩︎
  6. ebd. ↩︎
  7. The Generation Forest: Nachhaltig wirtschaften und unser Klima retten, The Genereation Forest, 22.07.2022, www.thegenerationforest.com/magazin-artikel/nachhaltig-wirtschaften-und-unser-klima-retten (10.07.2026). ↩︎