Die 5. Bayreuther Mediennacht – Ein Nachruf

Die  Bayreuther Mediennacht öffnete schon zum 5.mal ihre Pforten und die Studenten kamen in großer Zahl. Das Programm bestand aus einem fiktionalen und einem nicht-fiktionalen Block und bot über 5 Stunden an Unterhaltung. Ob der Abend halten konnte, was man sich von ihm versprach?

Man hat sich nicht gefragt, wo der rote Teppich ist, und man hat sich auch nicht gewundert, dass keine Fotografen ein Blitzlichtgewitter auf die in ihren Limousinen eintreffenden Teilnehmer mit ihren treffend aussehenden Begleitungen abfeuern. Die Mediennacht fing so an wie man es auch erwartet hatte: ein gemütliches Zusammentreffen meist bekannter Mitstudenten, Dozenten und Professoren die teils festlich, teils studentisch und teils studentisch mit fest erkennbarem Willen zum festlichen Outfit gekleidet waren.

Die Theke aus festverbundenen Bierkästen und die nicht ganz so edel wirkenden,  jedoch liebevoll mit Tischdekorationen (Tücher und Kerzen) verzierten Stehtische erinnerten eher an den Beginn einer lockeren Party. Sehr angenehm und ein bisschen mit DDR Charme versehen  war der Saal, in dem die Filme auf einer Leinwand  gezeigt wurden, welche ihren Zweck verantwortungsvoll erfüllte.

Schade dass sich der Saal erst im Verlauf des Abends  mehr und mehr füllte. Herr Prof. Dr. Jürgen E. Müller sprach vor und zwischen den Filmen zum Publikum und leitete die Reden anderer, extra für diesen Abend eingeladenen Besucher ein.

Durch den gesamten Abend führte das Moderationsduo von Campus TV. Abgeklärt und einstudiert spielten sie sich den Moderationsball hin und her, was leider sehr statisch wirkte.
Danksagungen gab es wie üblich an alle, die den Abend möglich gemacht haben, sodass am Ende sämtliche Mitarbeiter des Medienlabors auf der Bühne aufzufinden waren.

Somit waren nun alle bereit für die Filmbeschauung.

Im Folgenden werden zumindest die fiktionalen Filme der Bayreuther Studenten beschrieben und leicht rezensiert. Dafür, dass die Universität in Bayreuth einen rein wissenschaftlichen Studiengang anbietet, ist es erstaunlich, dass überhaupt so etwas wie eine Mediennacht mit selbst produzierten Filmen zustande kommt. Es kommen Abschlussfilme, semi-professionelle Produktionen und Filme zusammen, die einfach nur aus Lust am Filmemachen gedreht wurden. Auch wenn viele Produktionen, die auf der Mediennacht gezeigt wurden, schon vieles richtig gemacht haben, bleibt auch weiterhin noch ein großer Unterschied zu Festivals der Filmhochschulen sichtbar. Das es auf technischer Ebene nicht möglich sein wird, sich denen anzunähern, ist jedem klar, das Storytelling und die Bildästhetik kann jedoch auch ohne Profi-Filmequipment verbessert werden.  In diesem Sinne sind auch die Seminare wie der Pre- und Postproduktions-Kurs von Prof. Dr. Jochen Koubek daran interessiert, den Studierenden ein professionelleres Vorgehen anzueignen. Die folgenden Texte zu den Filmen sollen auch als eine Art objektiver Kritik gesehen werden, um die Fimemacher auf ihre Stärken und Schwächen aufmerksam zu machen.

Medial begann die Show mit einem imposanten, etwas zu lang geratenen Introvideo, welches kurze Bilder von Filmen der letzten 5 Jahre beinhaltete. Unterlegt war das ganze mit einer Komposition, die stark an Disney erinnerte. Schade dabei war, dass die Videoschnipsel teilweise gestaucht wurden.

Nach einigen Reden wurde die aktuelle CampusTV-Folge gezeigt, die wie gewohnt einige gute und einige nicht so gute Beiträge enthielt. Die neue Moderatorin wirkte auch in dieser Sendung etwas unlocker und gezwungen überfreundlich.

Vor dem eigentlichen Start des Filmblocks der fiktionalen Filme kam dann noch ein „Best of Postproduction“. In diesem Beitrag wurden die besten Filme vorgestellt, die im letzten Wintersemester von Studenten im Postproduction-Seminar von Prof. Dr. Koubek gemacht wurden. Da die Filme selbst immer nur etwa 10 Sekunden lang und tonlos waren, wurden sie mit Interviews von deren Erzeugern unterlegt, die kurz etwas über Inhalt oder Umsetzung der Filme sagten. Dabei konnte man sehen, dass selbst eine so komplizierte und vielseitige Software wie Adobe After Effects innerhalb eines Semesters soweit zu erlernen ist, dass man Effekte erzeugen kann, die fast an teure professionelle Filmproduktionen heranreichen.

Dann war es endlich soweit. Der Eröffnungsfilm „Devolution“, ein Zombiefilm von Emil Spiewok aus dem ersten Semster, handelt von einem Mann und seiner Frau, die eine letzte Zuflucht in dunklen Gewölben gefunden haben. Die Frau leidet an seltsamen, durch einen Zombiebiss verursachten Symptomen, weswegen ihr Mann sie mit einem Gegenserum vollpumpt, um sie nicht auch eine von denen werden zu lassen. Im Laufe des Films muss er sich den verwandelten Wesen stellen und ballert dabei effektvoll den ein oder andern Kopf ab oder Spießt die Viecher an Metallstangen auf. In bester Zombiefilmmanier wird also gemetzelt. Die Arbeit der Maske war gut, wobei man wegen des viel zu dunklen Bildes allerdings auch bedenken muss, dass man eh kaum etwas sah. Die Hälfte des Films verschwand im Schwarz. Schauspielerisch war das ganze ganz gut umgesetzt, wahrscheinlich weil nicht auch nur ein Satz gesprochen wurde. Die Musikübergänge waren leider nicht so gekonnt umgesetzt und dem Shotgun-Sound war das qualitativ minderwertige Sample deutlich anzuhören. Da man dem Genre des Zombiefilms sowieso keine allzu hohe Professionalität und geschichtlichen Tiefgang zuordnen möchte, muss man sagen, dass der Film vieles gut umgesetzt hat und es dem Team gelungen ist, eine spannende Atmosphäre entstehen zu lassen. Allein schon aus dem Grund, weil man mal sehen möchte, wie Erstsemestler einen Zombiefilm machen, lohnt es sich den Film mal nachts allein zu haus anzuschauen.

Der zweite Beitrag war ein Musikvideo von Eyke Swarovsky zu dem Lied „Dann war das wohl Liebe“ von MIA. Gleich zu Beginn merkt man dem Video schon den, in Bayreuth viel zu oft verwendeten, unschönen Gelbstich an. Das Video erzählt ähnliches, wie das Lied. Eifersucht, Streit, Happyend. Dazwischen Flashbacks. Es war schade, dass das Video nicht einmal für die kurze Zeit des Songs gut unterhalten konnte. Dramaturgisch und von der verwendeten Schnitttechnik her unspektakulär, bot es gewohnte Soap-Kost. Man muss bei einem Musikvideo schließlich daran denken, dass MTV die Zuschauer schon seit Jahren auf ständig wechselnde Bilder gepolt hat. Wenn ein Video etwas anderes versucht, dann muss es ein sehr kreatives Konzept sein, was konsequent durchgezogen wird.

Überraschend war der nächste Film. Nicht wegen der guten Qualität, da er ja schließlich von der Filmakademie aus Ludwigsburg stammte, sondern eher weil man sich fragte, was er auf der Mediennacht zu suchen hatte. Niemand konnte eine Beziehung zwischen dem Film „Staubtrocken“ von Kai Schonrath und dem Medienlabor der Universität herleiten. Trotz dessen war es der am professionellsten hergestellte Kurzfilm der Nacht und zeigte bekannte Schauspieler, wie sie in den Rollen dreier Geschwister mit dem Tod ihres Vaters umgehen und sich um seine Überreste kümmern. Der staubtrockene Humor kam bei dem Publikum gut an.

B(l)ockbster“ von Konstantin Srugies und Martin Kosok war eine Parodie zur Magnum Temptation Werbung. Trotz der miserablen Bildqualität und uninspirierter Kameraarbeit, konnten die Besucher sich kaum noch vor Lachen halten. Der eine oder andere hatte sicherlich großen Appetit auf Knacker bekommen. Der Link zum Film : http://www.youtube.com/watch?v=dXrzWhHqmBI .

Kalter Fisch bis zum Meer“, das erste Abschlussprojekt des Abends, von Magnus Pflüger, handelt von einem Mädchen, dass gerade ihre beste Freundin verloren hat und sich dann mit einem Vagabunden auf eine Reise zum Meer begibt. Auf der Reise kommen sich die beiden näher, der Zuschauer den beiden jedoch leider kaum. Der Film schafft es nicht, einem die Probleme der Charaktere so rüber zu bringen, dass man mitfühlt. Der Film war sehr ambitioniert aufgezogen, zeigte schöne Landschaften und überraschte teilweise mit unglaublich schönen Bildern. Viele lange Einstellungen deuten auf ein gut durchdachtes Konzept hin, was die Mise en Scène voraussetzt. Dann haperte es teilweise aber leider dennoch. Die Kameraarbeit wirkte etwas  unausgewogen und schwankte zwischen starren Bildern und einer sehr bewegungsfreudigen Steadycam hin und her. Sie lässt den beiden Darstellern viel Zeit, die Bilder mit Emotionen zu füllen, sie nutzen diese jedoch kaum und bringen mimisch sowie sprachlich zu wenig rüber. Wenn mal etwas gesagt wird, wirkt der Text oft wie abgelesen. Bei den Szenen, die am Wasser gedreht wurden, ließ der Ton nach. Nachsynchronisiert wurde an diesen Stellen leider nicht. Dieses Roadmovie zweier Charaktere, die auf der Suche nach etwas zu sein scheinen, konnte insgesamt leider nicht ganz das bieten, was man von ihm erwartete, der Abspann war jedoch ganz schick.

Der nächste Punkt im straffen Programm der Mediennacht war „La Fleur“, der ehemaligen Studentin Katja Harms. Eher Kunst als Film war diese einminütige Technikdemo, die ein Film aus zusammengesetzten Fotos zeigte. Man folgte den Schritten einer rennenden Person durch enge Gassen, ein fliegender Vogel tauchte auch noch auf. Was dahinter genau für ein Zusammenhang entsteht, soll wohl gar nicht so recht festgelegt sein. Insgesamt ein nettes kurzes Video.

Effektvoll startete gleich der nächste Film. „Blaupause“, ein Abschlussprojekt von Judith Kurz und Julia Nölker bat ein sehr professionell animiertes Intro, das gleich aufzeigte, dass in diesem Film mit Stop-Motion gearbeitet werden würde. Auf die nächsten Animationen musste man jedoch etwas warten. Schade, waren diese doch das, was den Film zu etwas Besonderem machten. Der krasse Rotstich des Bildes und die nicht ganz durchgängig positiven schauspielerischen Leistungen lagen auf der andern Seite der Waage und drückten kräftig nach unten. Die Bilder waren zwischenzeitlich sehr schön, konnten aber nicht durchgängig einen klaren Stil aufzeigen. Insgesamt ist die Geschichte über das Leiden eines Autors, der im Traum zu seinen eigenen Worten, zu seinen selbst erschaffen Charakteren tritt, keine schlechte Geschichte. Wären die beiden Regisseurinnen auch selbst noch etwas tiefer in ihre eigenen Worte eingetaucht, hätte der Film jedoch bestimmt noch mehr begeistern können.

Spätestens jetzt hätte man sich nach einer kurzen Unterbrechung gesehnt. Fast 3 Stunden am Stück Kurzfilme zu schauen ist nicht gerade einfach und liegt weder im Interesse der Zuschauer, noch freuten sich die Filmemacher über das Laufpublikum, dass es nicht aushielt, für eine so lange Zeit stillzusitzen. Für die nächste Mediennacht wünschten sich viele kürzere Filmblöcke. An der Projektionstechnik sollte man ebenfalls auch noch einmal schrauben, da alle Filme leicht ruckelten. Den einen fiel es mehr, dem anderen weniger auf, stören tat es in jedem Fall.

Der zweite Beitrag von Katja Harms, „Der Wanderer“, arbeitet mit derselben Foto-Bildtechnik, wie auch schon La Fleur, verknüpfte diese Bilder jedoch mit gut gelungenen Filmaufnahmen. Eine tiefgehende Geschichte bietet der Wanderer nicht gerade, dafür kann er visuell sehr überzeugen. Er schafft es, utopienartige Bilder zu erschaffen, die einem neue visuelle Denkweisen eröffnen. Außerdem fiel die flüssige, durchweg gute Musikuntermalung auf. Einer der Höhepunkte des Abends.

Von Hunden und Dieben“ von Jerôme Gemander war sicherlich der Film, von dem die meisten im Vorfeld gehört hatten und kaum erwarten konnten, ihn mal zu sehen. Und sie wurden nicht enttäuscht, da die Geschichte einer Gruppe von Freunden, die dem tollpatschigen Phil dabei helfen, die Liebe seines Lebens für sich zu begeistern, viele zum Lachen brachte und die vollen 15 Minuten spannend unterhielt. Diesen Abend war es die einzige Bayreuther Produktion, dessen Budget sich mit „echten“ Kurzfilmproduktionen messen konnte. Abgesehen von Kleinigkeiten, wie teilweise fragwürdiger Lichtsetzung oder der Farbwahl, konnten die jungen Schauspieler dem Film ein gewisses Etwas verleihen und die Charaktere gut fühlbar machen, auch wenn sie nicht ganz an die Größen aus „Staubtrocken“ herankamen. Das Szenebild war gut durchdacht und zeigte eine gemütliche WG, in die man am liebsten auch gleich einziehen wollte. Was stark auffällt, ist, dass der Film nachsynchronisiert ist. Ob das nun gewollt ist oder nicht, bleibt offen, dass aber mit einer sehr hochentwickelten Kamera gedreht wurde, die extrem schöne Bilder produzieren kann, fällt leider nur selten ins Auge. Insgesamt ist dieser Film jedoch ein schönes Stück Unterhaltung und zeigt, was die Zauberhaus Lichtspiele (http://zauberhaus-lichtspiele.de) in Bayreuth möglich gemacht haben.

Der Letzte Spielfilm der Mediennacht war „Key“, eine Abschlussarbeit von Thorsten Reinholz und Frank Geilenkirchen. Die Transe Pokerhontas erfindet ein Serum, dass jeden Menschen alles glauben lässt. Und während sie dieses Mittel für gute Zwecke nutzen will, wittert ihr Chef das große Geld. Hinter der chaotisch klingenden Story verbirgt sich jedoch ganz anders als erwartet ein gar nicht mal so schlechter Film. Man muss es erstmal schaffen, dass Publikum 50 Minuten durchgängig gut zu unterhalten, was der Film definitiv macht. Handwerklich lässt der Film zwar ziemlich zu wünschen übrig, so ist der Ton teilweise sehr schlecht und einige Schnitte führen unweigerlich dazu, aus der Komödie einen Trash-Film zu machen, die Story und der Humor kamen dennoch beim Publikum sehr gut an. Die schauspielerischen Leistungen der Studenten schwankten zwischen gut und schlecht. Was den Film wirklich zu etwas besonderem machte, waren die teilweise extrem witzigen, gut gesetzten Gags, wie das Pinky & Brain-Zitat oder die letzten Worte des bösen Bankiers „Der Penis war eine Scheide“. Somit war Key der Überraschungshit des Abends.

Schluss: „Find ich gut!“, „Find ich lustig!“, „Was soll das?!“, „Wann ist der vorbei!?“, „Mann ist das schlecht!?“. All diese Aussagen wird man an diesem Abend entweder gehört oder gesagt haben. Insgesamt durchwachsen aber trotzdem sehr lohnenswert. Die Filme wurden im Akkordmodus einfach abgespielt, sodass kein Zeitfenster für eine Diskussion mit den jeweiligen Verursachern eingebaut war. Auch wenn man die meisten Gesichter hinter den Filmen kannte,  wäre es wahrscheinlich angenehmer gewesen nicht die teils Zeitknappe Pause für das Gerede um den Film nutzen zu müssen.

Die Mediennacht ist wohl eine Veranstaltung, die in jedem Fall auch in Zukunft fortgeführt werden soll und wird. Es bietet eine Plattform für die „halben Semiprofessionellen“ Filmemacher an der Universität, um die Schaffenswerke nicht nur zu präsentieren sondern viel wichtiger, Reaktionen von einem objektiven Publikum zu erfahren.
Insgesamt gibt es zur Organisation und den Werken zu sagen:  Weiter so!

Hakan und Martin