Harry Protzer

1. Grundsatz: Was soll Film? Unterhalten. Warum ist Nebensache. Das kann eigentlich missinszenierter „Aguirre“, weil die Lächerlichkeiten schlicht köstlich sind. So auch einigen Fehlinterpreten von „The Expendables“ passiert. Auch gleichsam ein guter Film? Nicht notwendigerweise.

2. Grundsatz: Was soll Filmrezension? Unterhalten! Was sonst, wenn dank des neuzeitgeistigen Hyperindividualismus die besten Filme aller Zeiten im Universalschrank jeglicher abgegebener Meinungen in der Schublade „Sicher-damals-gut,-aber-doch-so-stinklangweilig“ eingeordnet werden. Wenn schlechte KeinohrparfümTwilighthasen trotz negativer Kritiken unterhaltungssüchtige Weltbürger auf Turkey in die Kinosäle wuseln. Kritik bewirkt immer weniger, dann doch bitte ein paar kurzweilige Minuten. Vis á Vis. Mit größtem Vergnügen. Selbstzweck für alle!
Der beste Stoff ist endlich wieder zu haben:
Harry Potter geht in üppigen 140-Gramm-Päckchen beim örtlichen Blockbusterdealer weg wie Bertie Botts Bohnen fast aller Geschmacksrichtungen. Und das Zeug haut rein! – Inklusive aller Nebenwirkungen. „Harry Protzer“ weiterlesen

Im Jammertal der unzufriedenen Kinogänger

Warum die Delikatessen des Bayreuther Cineplex für Cineasten kein ausreichender Ersatz für ein Programmkino sind und die Stadtgröße keinen hinreichenden Grund dafür darstellt.

Provinzielle Milch-Mädchen-Rechnung: Laut dem Bayrischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung hat Bamberg 69 827 und Bayreuth 72 576 Einwohner (Stand 31.12.2009). Rein zahlenmäßig gibt es also eine größere Zahl an potenziellen Kulturkonsumenten. Das müsste sich doch dann auch in der Kino-Kultur-Landschaft widerspiegeln: Mehr Angebot für mehr Menschen?! Was wäre das einfach…

Es liegt doch nur in der Natur der Sache! Eine Stadt braucht ein Kino, am besten ein großes, schließlich gibt es Kulturstätten wie Bayreuth, Universitäts- und Festspielstadt. Die Finanzlagen zwingen die kreativen Geister zu großem Bombastkino und unterhaltsamer Mainstream-Kost. Die Regisseure wollen arbeiten, die Studios trotz der Wirtschafts- und Insolvenzhölle gut verdienen. Angebot und Nachfrage. Die Leute sollen das sehen wollen, was sie sehen wollen, oder so ähnlich. Das einzige Kino der Stadt muss dem Markt folgen. Was ist mit den Independent- und Kunstfilmen? Mit den Aulsandsoscar-Nominierten und den Gewinnern der Goldenen Palme? Bayreuth ist zu klein, in einer größeren Stadt ist das möglich, aber… Na gut Bamberg… Da kommt der Fuß unters Rad. „Im Jammertal der unzufriedenen Kinogänger“ weiterlesen

Runter mit den Strumpfhosen!

Wie der neue Robin-Hood-Film versucht den Mythos besser auszuleuchten

Was war er denn nun? Selbstverliebte Grinse-Tucke in Strumpfhöschen wie im Eroll-Flynn-Streifen „Robin Hood, König der Vagabunden“ von 1938? Oder eher ein Fuchs? Oder aber smarter Samariter und Negerfreund wie von Kevin Costner 1991 verkörpert? Oder doch wieder mit zarter Nylonummantelung nur zwei Jahre später, dann gänzlich von Mel Brooks verballhornt? Fragen, die im Raum stehen bleiben müssen, da die Existenz eines historischen Robin Hoods nicht belegt werden kann. Fakt ist, dass der Mythos im letzten Jahrhundert zu Dutzenden durch Filmfabriken gejagt und verwurstet wurde, was nicht immer Feinkost auf die Theke brachte. Nun versucht der neue Film von „Alien“-Regisseur Ridley Scott, der als Eröffnungsfilm beim Filmfestival von Cannes am 12. Mai sein Debüt gab, die Vorgeschichte zur Story des Königs der Diebe zu erzählen. Dabei präsentiert sich der Film eher als grobe, aber gute Hausmacherleberwurst als eine aalglatte Hollywood-Reste-Schlachtplatte.

Robin Longstride (Scott-Film-Dauergast Russell Crowe) befindet sich als Söldner im Heer von Richard Löwenherz, das sich auf dem Heimweg vom Kreuzzug durch Frankreich plündert. Als der König bei der letzten Belagerung stirbt, überbringt Robin dem tyrannischen Prinz John die Krone, der bald rebellischen Baronen aus dem Norden gegenübersteht. Doch alle müssen vereint werden, wenn das Königreich den drohenden Gegenschlag Frankreichs abwehren will…

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