Tagsüber!?

Liest man den Lebenslauf von Michail Paweletz ohne ein Bild von ihm zu sehen, man würde meinen er wäre – ich sage jetzt bewusst nicht Deutscher, denn das ist er – aber man würde denken, er wäre ein Weißer. 1965 in Heidelberg geboren und aufgewachsen, Violinstudium in Hamburg und Essen. Sprecher für private Fernsehanbieter. Mitte der 90er beginnt er beim NDR-Hörfunk als Sprecher und Moderator, auch im Fernsehen ist er weiterhin als solcher aktiv. 2004 dann der Sprung zur Tagesschau – Nachtausgabe, Montag bis Freitag von 0 bis 1 Uhr. Seit 2005 sieht/ hört man ihn laut ARD (Lebenslauf von Michael Paweletz hier) im Nachrichtenblock des Nachtmagazins. „Tagsüber!?“ weiterlesen

Midnight in Paris

Owen Wilson schlendert durch ParisAls die Eltern von Gils (Owen Wilson) Verlobter Inez (Rachel McAdams) beruflich von Amerika nach Paris müssen, steigt das Pärchen auf den Zug auf und fliegt sofort mit. Drehbuchautor und Erstlingsromanschreiber Gil begeistert sich schon seit längerem für die goldenen Zwanziger und die Persönlichkeiten aus der Malerei, dem Schriftstellertum und dem frühen Film. Er glaubt fest daran, dass er sich in dieser Epoche mehr zu Hause fühlen würde.

Der Amerikaner verliebt sich sofort in die Stadt der Lichter und verfällt ihrem Charme – was Inez nicht nachvollziehen kann. Zusammen mit ihrer Mutter gibt sie sein Geld schon für die Möbel im noch inexistenten Traumhaus aus und schüttelt entnervt den Kopf über so viel Gefühlsduselei. „Midnight in Paris“ weiterlesen

Arriba – alles war Samba!

Was macht ein Festival aus? Im Prinzip immer das gleiche: ein Thema, ein paar Bühnen hier, ein paar (viele) Verkaufsstände für Tand und Krempel dort, jede Menge Künstler und natürlich – ein Publikum.

Das größte Sambafestival in Europa soll es sein, bei dem die Coburger jährlich für einige Tage die ganze Innenstadt mit Brasiliens Flaggen und Farben schmücken und eine riesige Show auf die Beine stellen. Heuer war der 20. Jahrestag der großen Sause. Sogar ein brasilianisches Fernsehteam war dazu angereist.

Die Veranstalter hatten auf ihrer Homepage mit „brasilianischen“ Stargästen wie Fußballer Giovane Elber und DSDS-Jurorin Fernanda Brandao geworben. Das einzig brasilianische an letztgenannter Dame dürfte ihr Name sein. Sie langweilte hauptsächlich mit banal heruntergespulten Sätzen und einem festgetackerten Lächeln. Nach einem züchtigen „Bein an Bein“-Sambalein war es das dann auch mit den Auftritten dieser beiden Medienprodukte. Dann ging es ab in die VIP-Lounge und sie waren nie wieder gesehen. „Arriba – alles war Samba!“ weiterlesen

Ungeschützt

Unvorsichtig ins Netz ist wie ungeschützter Sex: Die Folgen sind in ihren Variationen nicht gleich absehbar und wie lang sie einem anhaften ist auch nicht ganz übersichtlich. Eigentlich sollte man meinen, dass die „Horrorstories“ über soziale Internet- netzwerke schon mindestens fünfmal um den ganzen Globus gewandert sind und somit wirklich jeden Erdenbürger erreicht haben – aber die Realität kennt wohl andere Regeln.

Warum nur finden wir sonst häufig genug immer noch Hinweise solcher Art: „Nutzer sollten so wenig private Daten wie möglich angeben und ihr Profil nur für echte Freunde sichtbar machen. Am besten ist es, unter einem Pseudonym aufzutreten und seine Identität nur echten Freunden mitzuteilen.“ So gelesen in der Stiftung Warentest (SW), Jahrbuch 2011. Die Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Waren und Dienstleistungen zu testen, hat sich im Jahr 2010 daran gemacht, den Datenschutz der in Deutschland am weitesten verbreiteten sozialen Onlinenetzwerke zu prüfen. Mit einem klaren Ergebnis: alle getesteten Netzwerke haben Mängel beim Datenschutz und der Datensicherheit. Im Prinzip nur eine Bestätigung dessen, was wir alle schon längst wussten. Mit dem Unterschied, dass es jetzt wirtschaftlich unabhängig (wie die Stiftung immer wieder betont) geprüft ist. „Ungeschützt“ weiterlesen

I killed my mother

Eine große Wiese, gesäumt von den schönsten orange-roten Ahornbäumen, die der kanadische Herbst mit sich bringt. Zeitlupe. Mitten auf der Wiese steht Hubert (Autor, Regisseur und Darsteller Xavier Dolan, Jahrgang ’89), 17 Jahre alt, am Waldrand eine Braut. Es ist seine Mutter. Sie rafft das üppige Kleid zusammen und läuft davon.

Ein weißer Ballen Tüll inmitten goldenen Waldes. Hubert hinterher, er versucht sie einzuholen, ihre Hände berühren sich, entgleiten einander, sie stößt ihn von sich, rennt weiter. „I killed my mother“ weiterlesen

Ein Fondue für alle Fälle

Jeder Mensch mit vernünftigem Verstand weiß es: die Situation wird kommen! Du sitzt mit dem Burn-out  in der Arbeit oder dem Bore-out in der Vorlesung und es macht „bling!“ – über deinem Kopf schwebt eine leuchtende Glühbirne! Du bückst dich zu deiner Tasche hinunter und holst das raus, was du immer für den Fall der Fälle bei dir trägst: dein USB-Fondue-Set. Schnell schließt du es an deinem Laptop an, holst noch den Käse aus der Tasche und es kann losgehen. Deine Mitmenschen werden dich lieben! Gefunden auf www.pointlessbutcool.com. Ein Fondue für alle Fälle weiterlesen

DAS Gadget für den romantischen mehrstündigen Alle-sechs-Star-Wars-Episoden-hintereinander-Guck-Marathon

Dei Zeiten, als der DVD-Player noch ein rechteckiger, schwarzer, flacher Kasten war, sind vorbei: Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis, da legte sich R2D2 in einen 3D-Kopierer und schickte seine kleinen Klone auf die Erde. Hologramme zeigt unser kleiner Freund zwar nicht, aber dafür spielt er DVDs ab, bietet USB-Anschlüsse für externe Festplatten und einen iPod-Port. Die Filme kann er nicht nur an die Wand werfen, sondern auch an die Decke – dem romantischen mehrstündigen Alle-sechs-Star-Wars-Episoden-hintereinander-Guck-Marathon steht jetzt nichts mehr im Wege! Aber das ist noch nicht alles! Richtig sympathisch wird der kleine Erzwodezwo, … DAS Gadget für den romantischen mehrstündigen Alle-sechs-Star-Wars-Episoden-hintereinander-Guck-Marathon weiterlesen

Weihnachten und die Medien

„Weihnachten ist für mich erst dann Weihnachten, wenn ich „Last Christmas“ im Radio höre“, sagte vor ein paar Jahren mal eine Freundin zu mir. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das noch gar nicht nachvollziehen, und hätte am liebsten den Sender gewechselt. Mittlerweile ist das anders. Grund? Nebensächlich. Gerade habe ich das Radio angeschaltet und lausche eher passiv dem Geblubber des Moderators, und da setzen sie plötzlich ein, die ersten Töne: zum allerersten Mal in diesem Winter schwingt die Luft durch die ach so sanfte Stimme von George Michael.

Irgendwie habe ich gerade Lust darauf. Auf den ganzen Quatsch. Plätzchen backen, Glühwein trinken, durch den verschneiten Hofgarten wandern, auch wenn’s nur auf dem Weg zur Uni ist. Meine Gedanken fliegen über verschneite Täler, George immer noch bei mir, und auf einmal unterbricht mich – bzw. George – in tiefstem bayrisch ein Kerl von der Hofpfisterei aus München und wünscht mir frohe Weihnachten. Aber ich soll doch bitte sein tolles Brot kaufen. Ne, denk ich. Ich fahr doch nicht nach München um ein überteuertes Ökobrot zu kaufen. An Weihnachten noch was gesundes essen? Ohne mich. Außerdem hat der Herr nicht mit meinem studentischen Portemonnaie gerechnet. Pst! Konsumiere… „Weihnachten und die Medien“ weiterlesen

„Regulated selfregulation? What’s that?“

Mit bekannten Namen (meist sehr langen mit unendlichen Titelfolgen) wollte es Zuhörer locken, das 6. Bayreuther Forum für Wirtschafts- und Medienrecht zum Thema Jugendmedienschutz: Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger; Jens Seipenbusch, Gründer und Vorsitzender der Piratenpartei; Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg, Ministergattin und Aushängeschild der fragwürdigen RTL II-Sendung „Tatort Internet“. Letztere glänzte letztlich – nein, nicht in einem tief dekolletierten, roten Satinkleid – sondern ganz bescheiden durch ihre Abwesenheit.

„Jugendmedienschutz im Informationszeitalter“ lautete das Thema, das die verschiedenen Referenten in ihren Vorträgen beschäftigte. Der Jugend(medien)schutz (JMS) hat in der deutschen Gesetzgebung einen sehr hohen Stellenwert. Das sieht man allein schon daran, dass er im Grundgesetz verankert ist. Erzieherische Aufgabe – in erster Linie der Eltern, aber auch des Staates – ist es, Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen, entgegenzuwirken und positive Bedingungen für die Erziehung zu schaffen. JMS setzt nicht erst bei akuter Gefährdung an, sondern bei „„Regulated selfregulation? What’s that?““ weiterlesen

Glanzlichter zwischen Plastikdinos

Glanzlichter – so heißt die Fotoausstellung im Urweltmuseum Bayreuth. Und Glanzlichter sind die Fotografien auch, die dort hängen. Die Ausstellung zeigt Gewinnerbilder und Höhepunkte der internationalen Glanzlichterwettbewerbe aus einem ganzen Jahrzehnt.

Kuschelige Raubkatzen und andere Säugetiere – wie sie so schön auf dem Plakat beworben werden – bekommt der Besucher leider nicht zu sehen. Der Fokus liegt auf der Schönheit der Pflanzen, der Welt der Steine und den wechselwarmen Bewohnern unserer Erde.
Frösche, Schlangen, Krokodile oder Eidechsen – unter und über Wasser – festgehalten in teils ungewöhnlichen Situationen. Bei einigen Bildern wird deutlich, dass die Menschen hinter der Kamera eine unendliche Geduld besitzen, gepaart mit dem Gespür für den richtigen Augenblick. „Glanzlichter zwischen Plastikdinos“ weiterlesen

Das Dispositiv – Kinophilosophie und Medienblog

Michel Foucault

Das Wort „Dispositiv“ beweist es: je abstrakter und schwammiger ein Begriff, desto mehr wird darüber diskutiert. Hinter dem Dispositiv steckt nicht nur der Medienblog der Uni Bayreuth. Den könnte man schließlich klar umreißen. Wo wäre da die Herausforderung? Über dreißig Jahre aktive Diskussion in unterschiedlichen Disziplinen – darunter auch der Medienwissenschaft – hat dieser Begriff ausgelöst. Dabei fängt alles mit einem kleinen Wörtchen an.

„dispositio“ ist lateinisch für „Anordnung“. Ursprünglich wurde der Begriff in der Rhetorik verwendet und bezeichnete die zweckmäßige Anordnung einer Rede.
Anordnungen kann man in vielen Bereichen finden. Viele Dinge und Sachverhalte sind auf irgendeine Art und Weise angeordnet und stehen in Beziehung zu anderen Dingen und Sachverhalten. Das hat in den 70ern auch der französische Philosoph Michel Foucault (1926 – 1984) festgestellt und darüber ein Buch geschrieben (Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, 1978). Foucault definiert den Begriff „Dispositiv“
„als ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.“

Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Aber was hat das Ganze jetzt mit Kino zu tun? Denn schließlich steht im Titel dieses Artikels etwas von Kinophilosophie. An diesem Punkt kommt ein Zahnarzt ins Spiel. Wieder mal ein Franzose. Jean-Louis Baudry hatte ebenfalls in der Dispositiv-Diskussion mitgemischt und noch vor Foucault ein Werk („Le dispositif“, 1975) dazu veröffentlicht, in dem er das Dispositiv auf die Wahrnehmungsbedingungen des Kinos bezieht. Für ihn stellt das Kinodispositiv ein Netzwerk aus sozialen Konventionen, technischen Voraussetzungen und der Einbildungskraft des Kinogängers dar.  „Das Dispositiv – Kinophilosophie und Medienblog“ weiterlesen

Team Edward versus Team Jacob

Der Vampirwahn geht in die dritte Runde

Die Tochter erscheint nicht mehr zum Essen und bestellt Tomatensaft auf ihr Zimmer. Die kleine Schwester hört „Supermassive Blackholes“ in der Dauerschleife und möchte ihre Twilight-Bettwäsche auch die nächsten acht Wochen nicht wechseln. Die Nachhilfeschülerin kann das Wort „Vampir“ in 20 Sprachen schreiben und weiß, dass Bellas 18 Jahre wesentlich mehr sind als die ewigen 17 Lenze von Edward: Ring frei für „Eclipse“, den dritten Teil der Twilight-Saga.

Drei Wochen ist es her, dass Fans das Nokia Theater in Hollywood belagerten – im wahrsten Sinne des Wortes. Durch ein Meer von Zelten musste ich glücklicherweise nicht steigen, bevor ich das Bayreuther Kino erreichen konnte. Horden von Frauen zwischen 12 und 49 Jahren scharten sich am Einlass. Meine Angst, den Altersdurchschnitt drastisch anzuheben, war damit vom Tisch. Die – gut gerundet – zwei Prozent männlicher Besucher machten nicht den Eindruck, als wären sie freiwillig hier.

„Eclipse – Biss zum Abendrot“ fängt mit den Worten an, mit denen andere Filme enden: „Heirate mich“. Vampir-Beau Edward Cullen (Robert Pattinson) wird diese Bitte nicht nur einmal an seine menschliche Freundin Bella Swan (Kristen Stewart) richten müssen, bevor sie nachgibt. Soviel sei verraten.

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