Zwischen Porno und Philosophie: Lars von Triers Nymphomaniac

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Es war sicherlich der polarisierendste Film der Berlinale 2014. Der Film, der gesehen werden musste, egal wie. Und bei keinem anderen Film freute man sich so sehr, eines der begehrten Tickets zu bekommen: Lars von Triers Nymphomaniac.

Bei keinem anderen Film wurde im Vorfeld schon so viel spekuliert wie bei diesem. Schon kurz nach Melancholia (2011) konnte man auf der imdb lesen, dass von Trier an Nymphomaniac arbeitet, einem Film, irgendwo zwischen Philosophie und Porno angesiedelt. Wer die Werke von Lars von Trier kennt weiß, dass er eine solche Aussage durchaus ernst meinen kann. Noch bevor der Film zu sehen war, erschienen immer mehr News zu ihm, mehr Spekulationen als Fakten: Von einer detailierten Liste, was von Trier sich vorgenommen haben könnte, bis hin zu den mittlerweile bestätigten Äußerungen, dass Nymphomaniac wohl zu einer Webserie ausgearbeitet werden könnte.

Doch zurück zum Film. Bekannt ist, dass der Film als Zweiteiler erscheinen wird und ebenfalls bekannt ist, dass der erste Teil in Deutschland als geschnittene Fassung herauskommt. Auf der Berlinale lief Nymphomaniac dagegen ungeschnitten und ich bin in den Genuss gekommen, ihn in dieser Version zu sehen.

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Zuallererst: Ja, er hat durchaus Ähnlichkeiten mit einem Pornofilm. Darüber hinaus hat er aber auch etwas, das den meisten Pornofilmen wohl fehlen dürfte: Eine Handlung. In dieser geht es um Joe, die bewusstlos vom Junggesellen Seligman gefunden wird. Er bringt sie zu sich nach Hause. Dort erzählt sie ihm ihre Geschichte und wie aus ihr eine Nymphomanin wurde.

Mehr muss wohl nicht gesagt werden und die meisten dürften eh schon wissen, worum es in diesem Film geht. Viel spannender ist dagegen die Frage, wie man einen solchen Film umschneiden kann. Für die deutsche Fassung wurden knapp 27 Minuten entfernt. Nach Sichten der Originalfassung fragte ich mich: Wo will man die herausnehmen? Eigentlich kann man Nymphomaniac dadurch nur zerstümmeln, ist es doch gerade der Sex, der diesen Film ausmacht. Denn worum soll es sonst gehen, wenn man der Geschichte einer Nymphomanin zusieht? Dass dabei die Bilder durchaus anstößig sein können, ist aber eher nebensächlich. Nymphomaniac verstört eher durch die kalten Charaktere; jede Figur erscheint als realitätsfremd und triebgesteuert. Man kann förmlich mitfühlen, wie die Figuren sich selbst zerstören.

Ich selbst kenne es eher aus Splatterfilmen, die von der deutschen Zensurbehörde für den deutschen Kinomarkt „angepasst“ werden. Bei Nymphomaniac finde ich das Vorgehen schon gewagt und auch etwas überflüssig. Was will man uns hier vorenthalten, das man nicht eh schon kennt? Und sei es durch billige Filmchen auf Redtube …

Sogar die deutsche Film und Medienbewertung gibt dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. Ist das nicht eine hohe Auszeichnung und eine Ehre für einen Film? Auf der Berlinale wurde der Film von allen gefeiert. Skandale machte nur Shia LaBeouf mit seinem faszinierenden Auftritt auf dem roten Teppich und seinem Abgang bei der Pressekonferenz.

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Dennoch können wir dankbar sein, Nymphomaniac überhaupt im Kino sehen zu dürfen. In der Türkei wird der Film komplett verboten.

Auch wenn Nymphomaniac nicht jedem gefallen wird, kann man sagen, dass es ein durchaus sehenswerter Film ist, der neben seinen verstörenden Szenen auch verdammt unterhaltsam sein kann: Allein die Szene mit Uma Thurman ist eine der witzigsten Dialogszenen, die ich seit langem im Kino sehen durfte. Lars von Trier entwickelt sich kontinuierlich weiter. So ist dieser Film noch mal eine Spur künstlerischer als schon Melancholia. Man darf gespannt sein, was er uns als nächstes zumuten wird.

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