Privatsphäre als Auslaufmodell

Die Privatsphäre wird im Zeitalter des Internets ständig freiwillig und unfreiwillig abgebaut. Das ruft den Datenschutz als ihren Retter auf den Plan. Aber gibt es da überhaupt noch etwas zu retten? Und wenn ja: warum überhaupt? Christian Heller entlarvt in seinem Buch „Post-Privacy“ die Privatsphäre als bürgerliche Fantasie, um die es auch nicht schade sein wird, wenn wir sie einmal los sind.

Ideologie zeichnet sich oft dadurch aus, keine sein zu wollen. Und so klingt auch die große Datenschutz-Erzählung erst einmal wie das selbstverständlichste der Welt: um als Individuum frei in Tat und Meinung zu sein bedarf es den Rückzugsraum der Privatsphäre, in dem geschützt vor dem repressiven Blick der Öffentlichkeit, vor Staat und Wirtschaft, eine Persönlichkeit entwickelt werden kann. Der Datenschutz kann sich damit heute als Bewahrer der Freiheit in einer Welt von Feinden darstellen. Seit dem 11. September greift der Staat zunehmend in die Privatsphäre ein. Weitaus umfassender besorgen die großen Internet-Konzerne Google und Facebook die „Verdatung“ der Menschen. Was über einen Menschen noch unbekannt ist, können immer größere Serverfarmen aus den bereits vorhandenen Daten berechnen.

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Die Drogenkochprofis

Walter White hält eine Pistole in die Kamera
Verzweifelter Oberlippenbartträger mit Handfeuerwaffe

Walter White ist Chemielehrer an einer Highschool in Albuquerque, New Mexico. Ein Oberlippenbartträger mit allen darin enthaltenen Assoziationen zum Spießertum.

Mit der Zeit hat er es zu dem bescheidenen Wohlstand, der einen White Anglo-Saxon Protestant wie ihn ein Stück weit definiert, gebracht: Ein Haus in einer dieser Vorstadtsiedlungen, die alle irgendwie gleich aussehen. Ein anständiger Bürger unter anständigen Bürgern, der seinen Lebensinhalt darin gefunden hat seine Familie zu ernähren und in der Gesellschaft nicht aufzufallen. Das muss wohl nicht immer einfach gewesen sein, denn ein behinderter Sohn ist in der Norm so nicht vorgesehen. Auch sonst wird die Lage zunehmend schwierig: White gehört zu dem Teil der Mittelklasse, die vom Abstieg bedroht ist. In seinem Zweitjob in einer Autowäscherei kann er schon einmal die erniedrigenden Arbeitsbedingungen des Prekariats erleben, wenn Schüler in aufgetunten Autos vorbei kommen und ihm nur allzu deutlich machen, dass er vor ihren Chromfelgen kniend nicht die Respektsperson aus dem Klassenzimmer ist. Doch auch die Erniedrigung und die Sorge darum, wie er in Zukunft seine bald um einen Kopf reichere Familie versorgen soll, erträgt er schicksalsergeben. Bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. „Die Drogenkochprofis“ weiterlesen