Du willst zum Film?
Der Praktikumsführer für die Jobs am Filmset

Du willst mal sehen, wie es am richtigen Filmset zugeht? Sehen, wie die Profis arbeiten? Gucken, ob du dir vorstellen könntest für den Rest deines Lebens als Freelancer einen Filmjob auszuüben? Nun, um auf diese Fragen eine Antwort zu bekommen, musst du ein Praktikum beim Film machen. Und damit du dort nicht ins kalte Wasser fällst, hilft dir der Praktikaführer bei der Auswahl, der für dich richtigen Abteilung.

Es ist wichtig, an der richtigen Stelle reinzuschnuppern. Also nicht nur den zu dir am besten passenden Praktikumsbereich zu wählen, sondern auch die richtige Art von Produktion. Die Abläufe am Set einer Arthouse-Kinofilmproduktion sind nämlich deutlich anders als die, einer Soap-Fernsehserienproduktion. Die Unterschiede gehen da von der jeweils verwendeten Technik über die Länge der Arbeitszeiten bis hin zu der Sorgfalt mit der gearbeitet wird. Empfehlenswert ist natürlich am ehesten die Kinofilmproduktion, auch wenn sie dort am meisten von dir erwarten und du mit Arbeitszeiten von 12 bis teilweise 18 Stunden rechnen solltest.

Den besten Einblick in alle Abteilungen bekommst du als Set-Praktikant (auch Setrunner genannt). Der Setrunner ist Gehilfe des Set-Aufnahmeleiters und Set-Aufnahmeleitungsassistenten und hilft hauptsächlich bei…hm. Es gibt kein Hauptsächlich. Die Aufnahmeleitung ist praktisch das Mädchen für alles und die Runner sind ihre ausführenden Werkzeuge. Es gibt kein Set ohne Setpraktikanten und deswegen ist es auch leicht eine solche Stelle zu bekommen. Die Aufgaben gehen von ‚für Ruhe sorgen‘ über ‚Wohn- oder Maskenwagen fahren‘ bis zu ‚Obstplatte servieren‘. Die Set-Aufnahmeleitung (Set-AL) ist immer als erstes am Set und geht zuletzt. Sie organisiert Mittagszeiten, Abholungen von Schauspielern oder besorgt Dinge, die am Set gebraucht werden.

Zur Set-AL gehören auch immer zwei Fahrer, die den ganzen Tag unterwegs sind, um Schauspieler zu kutschieren oder Dinge zu besorgen. Ab und zu kann man auch einen Job als Fahrer abstauben, dieses muss aber von vornherein geklärt sein, weil man manchmal als Fahrer eingesetzt aber trotzdem nur wie ein Praktikant bezahlt wird. Die Fahrer bekommen im Durchschnitt an die Hundert Euro am Tag, also deutlich mehr Geld als ein Praktikant. Die Aufnahmeleitung hat einen engen Draht zu allen Abteilungen und ist somit ein Praktikum, das vielseitige Einblicke garantiert. Leichtes Organisationstalent, einen Führerschein, Pünktlichkeit und die Gabe, mit wenig Schlaf auszukommen, solltest du mitbringen, um für diesen Job gerüstet zu sein.

Auch nicht ganz so schwer zu bekommen, sind Praktika in der Ausstattung, was aber ein paar Muckis für die häufig vorkommende Möbelschlepperei voraussetzt. Von den Dreharbeiten bekommen die Ausstattungspraktikanten aber leider eher selten etwas mit. Hauptaufgaben liegen nämlich im Bereich der oft stressigen Motivvorbereitung. Ein Beispiel: Der Szenenbildner hat gerade erst das Schlafzimmer gefunden, in dem aber schon in zwei Tagen gedreht werden soll. Weil das Interieur aber überhaupt nicht zu den Vorgaben im Drehbuch passt, wartet jetzt noch eine Menge Arbeit auf die Ausstatter. Du, als Praktikant, würdest jetzt mit deiner Abteilung dafür sorgen, dass die Möbel, die darin stehen, verschwinden und ersetzt werden, durch geliehene Möbel. Die Leihmöbel müssen nun abgeholt, transportiert und natürlich noch geschleppt werden.

Das gute daran ist, dass du keine Angst haben brauchst, Möbel ins dritte Stockwerk zu schleppen, da eigentlich nie höher als im ersten Stock gedreht wird. Manchmal muss auch erst tapeziert werden und die ganzen Requisiten sollten auch nicht vergessen werden – Bücherkisten sind der Horror! Und trotz alledem kann man in der Ausstattung viel Spaß haben. Du kannst viel im Bereich der Inneneinrichtung lernen, die bei Amateurfilmen oft schmerzvoll ins Auge fällt. Vor allem kann man aber sagen, dass die Ausstattungsabteilung, vom Szenebildner bis zum Requisitenfahrer, die nettesten und entspanntesten Leute am Set sind, auch wenn sie oft bis tief in die Nacht arbeiten müssen und stark unter Druck stehen.

Oft gefragt aber leider eher selten vergeben, werden Regiepraktika, bei denen man vor allem dem Regieassistenten bei der Komparsenführung behilflich ist und nicht unbedingt mehr von der Regie- oder Kameraarbeit mitbekommt als ein Setrunner.

Wer sich vor allem für die Kameraarbeit interessiert muss den Einstieg über den Job des Video-Operators oder Kamerapraktikanten versuchen. Beides sind normale Praktika, die, wie alle anderen auch, standartmäßig mit 400 Euro netto im Monat vergütet werden. Der Video-Operator hat den Job, jeden Take, der gefilmt wird mit einem Recorder, der über Funk mit der Kamera verbunden ist, aufzuzeichnen, sodass der Regisseur im Zweifel noch einmal nachschauen kann, bevor er sich entscheidet, welcher Take genommen werden soll (Von z.B. 10 Takes, die von einer Einstellung gemacht werden, werden oft nur einer oder zwei entwickelt und beim späteren Schnitt verwendet. Die Entscheidung dafür fällt direkt am Set und wird von Script/Continuity aufgenommen). Als Praktikant der Kameraabteilung lernst du viel über die Technik, Stative und sogar Dollys (bei der Baubühne/Grip werden keine Praktika vergeben). Mit übermäßig viel Stress musst du bei diesem Praktikum nicht rechnen.

Zuletzt gibt es dann noch die Lichtabteilung, die meist aus 4 Leuten besteht. Dem Oberbeleuchter, dem Bestboy und zwei Beleuchtern. Bei größeren Drehtagen wirken auch Zusatzbeleuchter mit, die aber immer nur für eben einen Tag oder ein besonderes Set angeheuert werden. Ab und zu werden auch Praktika vergeben. Nach einigen Tagen Eingewöhnung und Studien der Fachtermini fühlt man sich bestimmt wohl im Team. Ohne das nötige Vokabular wüsste man nicht, ob man jetzt dem Auftrag bekommen hat, eine kleine Schraube oder eine 50 Kilo schwere Lampe herzubringen. Keiner würde einem zumuten, allein eine 50 kg Lampe zu schleppen, viel tragen muss man aber dennoch. Und zwar den ganzen Tag. Also auf jeden Fall über 10 Stunden, denn ein Drehtag ist nie kürzer. Die Beleuchter sind ein sehr cooles Volk und eine Menge Spaß ist einem sicher, wenn man mit denen etwas Zeit verbringt. Aber nicht zuletzt, um gezieltes und gekonntes Lichtsetzen zu lernen, lohnt es sich mal bei den Jungs reinzuschnuppern.

Letzten Endes lernst du in jedem Praktikumsbereich viel dazu. Für die Dreharbeiten der eigenen Projekte oder Projekte der Freunde und Kommilitonen bringt es dir in jedem Fall einiges mehr an Routine, innerer Sicherheit und Professionalität. Man muss es eben einfach mal gemacht haben, um zu wissen, wie es ist einen Film zu drehen!

Facts:

  • Praktikumszeitraum: ca. 6 Wochen. Große Produktionen länger.
  • Mögliche Bereiche: Set-/Regie-/Licht-/Kamera-/Ausstattungspraktikum
  • Gehalt: 400 Euro pro Monat + Spesen bei Hotelaufenthalt + Praktikantenkasse (100 – 200Euro); (Angebote unter 400€/Monat eher unseriös/unprofessionell)
  • Voraussetzungen: keine
  • Arbeitszeiten: mind. 10h täglich, 5 Tage/Woche