Der Diener Zweier Herren

Bunte Figuren springen, watscheln, tänzeln, stampfen und schleichen über die Bühne des Römischen Theaters in der Eremitage. Carlo Goldonis „Der Diener Zweier Herren“ feierte am 04.06. unter der Regie von Dominik Kern Premiere und beschert einen temporeichen und unterhaltsamen Abend.

Irgendwie ist man enttäuscht, wenn man endlich am Römischen Theater angekommen ist. Zwanzig Minuten vor Beginn der Premiere sind kaum Zuschauer da. Ein Zeltpavillon mit einem Biertisch ist die Kasse, dahinter eine Holzbude und Langnese-Stehtische. Es gibt ein bisschen was zu trinken und in der Pause Bratwürste. Irgendwann ertönt ein Gong, der Einlass beginnt, der Zuschauerraum füllt sich dann doch beinahe ganz. Die Produktion der Studiobühne kann losgehen.

Die Handlung ist eine einfache (aber dadurch nicht weniger amüsante) Verwechslungsgeschichte. Der Diener Truffaldino dient auf einmal zwei Herren, einer davon ist allerdings eine Frau in Männerkleidern. Die beiden aber wiederum sind ehemalige Geliebte und auf der Suche nacheinander. Missverständnisse, Duelle, sich verzehrende Liebende – Goldonis Stück steht ganz in der Tradition der Commedia dell’Arte.

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Gefangen im Blaulichtmilieu

Vielleicht hat der ein oder andere von euch meinen Artikel über Facebook gelesen. So sinngemäß stand da drinnen, Facebook mache mir Angst und ich wolle es nicht unterstützen.
Kaum sind ein paar Wochen vergangen, bin ich aktiver Facebook-Nutzer. Sehr aktiv.
Ein Erfahrungsbericht.

Um mich zumindest ein klein wenig zu rechtfertigen, möchte ich anmerken, dass mich mein Bruder bei Facebook angemeldet hat. Aber kaum hatte ich dann mal einen Account, wurde ich auf den ersten Fotos markiert und bekam die ersten Posts und Freundschaftsanfragen (die erste bereits nach wenigen Minuten, was ich nach wie vor sehr beunruhigend finde). „Gefangen im Blaulichtmilieu“ weiterlesen

Facebook oder nicht Facebook

Im Juli 2010 meldet Facebook 500 Millionen Mitglieder. „Facebook“ ist der meistgesuchte Begriff bei google.de. Der Wert des weltweit größten sozialen Netzwerks beträgt 50 Milliarden Dollar. Das amerikanische Time-Magazine wählt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum „Man of the Year“.

Und ich bin nicht bei Facebook.

Aber alle meine Freunde sind es, was selbstverständlich zur Folge hat, dass ich in regelmäßigen Abständen Einladungen per E-Mail bekomme und persönlich aufgefordert werde: „Jetzt geh doch endlich zu Facebook. Das ist echt praktisch! Und total cool!“

Mit der Zeit bekomme ich das Gefühl, die Welt teilt sich auf in diejenigen, die für Facebook sind, und die, die es strikt ablehnen und die spontane Äußerungen wie „Facebook ist die Achse des Bösen“ verlauten lassen (natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern versehen). „Facebook oder nicht Facebook“ weiterlesen

Volks(Theater)Demokratie – Ibsens Volksfeind im Münchner Volkstheater

geschrieben von Sophia Schmid und Lena Fischer.

„Ich habe ja gesagt, dass ich von der großen Entdeckung sprechen will, […] dass alle Quellen unseres geistigen Lebens vergiftet sind und dass unsere gesamte bürgerliche Gesellschaft auf dem verpesteten Boden der Lüge aufgebaut ist.“

Am 25.11.2010 feierte das Stück „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen in der Regie von Bettina Bruinier am Münchner Volkstheater Premiere. In ihrer auf einer modernisierten Textfassung basierenden Inszenierung zeigt sie, wie moderne Demokratie funktioniert – oder besser: nicht funktioniert. Bruiner beschreibt das Spannungsfeld, in dem sich das moderne Individuum befindet: eigene Interessensdurchsetzung, Manipulation, Anpassungszwang und Unterordnung innerhalb einer demokratischen Gesellschaft.

Mit „Ein Volksfeind“ schrieb Henrik Ibsen 1882 das wohl erste „Öko-Drama“ der Theatergeschichte. Der Kurarzt Tomas Stockmann deckt in seiner Heimatstadt die Verunreinigung des Wassers auf, das die Einnahmequelle des kleinen Kur- und Badeorts darstellt. Um eine umfassende Sanierung des Kurbads einzuleiten, plant er einen aufklärenden Artikel in der lokalen Zeitung zu veröffentlichen. Zunächst scheinen deren Redakteur Hovstad und die Vertreterin der gewerbstätigen Mittelschicht, Frau Aslaksen, hinter ihm zu stehen. Als aber Peter Stockmann, Bürgermeister und Bruder des Kurarztes, bekannt gibt, wie viel der Umbau die Bürger kosten würde, steht Tomas Stockmann plötzlich mit seinen Plänen alleine da. Die Verunreinigung soll vertuscht werden. In seinem Kampf um die Sanierung ruft er eine Bürgerversammlung ein, von der er allerdings am Ende zum Volksfeind erklärt wird. Damit steht nicht nur Stockmanns eigene Existenz, sondern auch die seiner Familie und Vertrauten auf dem Spiel. „Volks(Theater)Demokratie – Ibsens Volksfeind im Münchner Volkstheater“ weiterlesen