Eine Kleinstadt erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Bayreuth: eine kleine Unistadt in Oberfranken. Unterm Jahr ist hier nicht viel los und so mancher Student spricht schon vom sogenannten „Bayreuthblues“. Doch einmal im Jahr kommen die schwarzen Limousinen und mit ihnen viele Kameras und Journalisten. Aber wie lebt der Otto-Normalbürger während der Festspielzeit?

Langsam füllen sich die Schaufenster der Bayreuther Geschäfte mit Rokokookleidern und hinter jeder zweiten Glasscheibe lächelt mir das Antlitz von Richard Wagner entgegen. In den Parks werden neue Blumen gepflanzt und Bauarbeiten versuchen die Baustellen in der Innenstadt so gut es geht zu verstecken.

Ich bin erst seit einem dreiviertel Jahr in Bayreuth und dieses Treiben erscheint mir ungewöhnlich. Alteingesessene erzählen mir jedoch, das sei ganz normal zur Festspielzeit. Jeder untermauert diese Aussage noch mit einer ganz persönlichen Geschichte: So regt man sich mir gegenüber auf, dass die Straße zum grünen Hügel jedes Jahr neu geteert wird, und das obwohl es andere Straßen in der Stadt viel nötiger hätten.

Ein anderer erzählt, dass es unmöglich sei zur Festspielzeit mit einem dutzend Eier bis zum Grünen Hügel zu kommen. Die Polizei hat wohl Angst, dass irgendein Geisteskranker die gut betuchten Festspielgäste mit Eiern bewirft. Dafür können die Bewohner der Straßen um das Festspiel schon mal einen Monat auf Omelett und Spiegelei verzichten.

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