King’s Bounty: Dark Side – Dunkle Zeiten für Gamer

Der obligatorische Krieg von Gut und Böse zieht wieder einmal auf. Der im August veröffentlichte Ableger King’s Bounty: Dark Side hat mich beim ersten Blick sofort in den Bann gezogen, da ich großer Fan von rundenbasierten Strategiespielen bin. Ich erhoffte mir unendlichen Spielspaß mit taktischer Tiefe und mitreißender Story. Ich hoffte…

Worum geht’s?

Weg vom Happy End, hin zur dunklen Seite der Macht! Im vierten Ableger der Serie hat man nun die Auswahlmöglichkeiten zwischen den drei dunklen Charakterklassen: Ork, Dämonin oder Vampirlord. Endlich böse sein und mit seiner Armee aus Untoten und Geistern in die Schlacht ziehen! Das Ziel des Spiels ist hierbei genauso makaber wie trivial. Der dunklen Seite zur Macht verhelfen und das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wiederherstellen. Um dieses Ziel zu erreichen müssen die drei reinsten und glücklichsten Frauen entführt werden. WOW. Da hat sich der Praktikant ja eine tiefgründige und verstrickte Geschichte ausgedacht.

Aller Anfang ist schwer!

Bevor ich anfange einen neuen Titel zu spielen, hol ich mir erstmal was zu naschen, eine Flasche Wasser und überprüfe die Einstellungen. Der erste Gedanke: „Warum wirkt das Spiel so seltsam verzerrt? Egal… erstmal die Bildschirmauflösung ändern.“ Doch welches Bildverhältnis ich auch wähle, das Spiel wirkt, als würde der Entwickler versuchen die Metzgereifachverkäuferin von nebenan,  in ein 90-60-90 Versacekleid zu pressen. Vielleicht einfach mal den Fenster- oder den rahmenlosen Vollbildmodus aktivieren. Doch auch hier wird mir die Tür vor der Nase zugeknallt. Ok… ein eventuelles Streamen auf twitch.tv fällt somit auch flach, da die gängige Streaming-Software wie XSplit und OBS keine Vollbildfunktion unterstützt, falls man den kompletten Monitor aufnehmen möchte. Nächster Punkt: Alle Hotkeys überprüfen! Aber auch hier Fehlanzeige, denn die Steuerung ist komplett voreingestellt und nicht veränderbar. Spätestens an diesem Punkt füllte sich meine Ragebar schneller als die meines Orkkriegers. Ich hatte noch nicht einmal das Spiel gestartet und besiegte bereits den ersten Bossgegner: User Experience Godzilla, der mit seiner fehlenden Benutzerfreundlichkeit in nur kürzester Zeit eine komplette japanische Kleinstadt in meinem Kopf zerschmetterte.

Kopf –> Tür

Ohne Tutorial direkt rein ins Gemetzel! Als Neuling der Serie war ich, um ehrlich zu sein, ganz schön überfordert. Was bringen mir überhaupt Runen, was ist „Leadership“ und wo zur Hölle weiß ich wie viele von diesen hexagonalen Felder ich laufen darf? Hier im Artikel als rhetorische Frage formuliert, sahen diese Probleme während des Testens eher so aus:

Nachdem ich mich erst einmal durch den unfassbar kreativen Anfangsdialog geklickt habe, schossen mir zuerst tausend Fragezeichen durch den Kopf. Nach einigen Stunden Spielzeit fand ich folgendes heraus:

  • Es gibt Talentbäume (die fast keine Auswirkungen haben)
  • Klassenspezifische Runen, mit welchen man neue Fähigkeiten erlernen kann
  • Drei Attributwerte (die sich während des Spielens kaum verändern)

Außerdem gibt es den Wert Führerschaft, durch dessen Erhöhung man eine größere Armee verwenden darf.

Soweit so gut. Aber selbst nach mehreren Stunden ultimativer Familienunterhaltung gab es noch einige Punkte, die ich bis heute nicht verstanden habe.

  • Aktionspunkte sind einheitenabhängig und dann irgendwie doch nicht
  • Bewegungsgeschwindigkeit. Manchmal mehr, manchmal weniger. Je nach Laune, vermute ich.

Geniale Story!!!

Ähm…Nein. Auch hier enttäuscht King’s Bounty: Dark Side. Einzelne Figuren und Questgeber haben mich teilweise zum schmunzeln gebracht. Das geschah entweder durch witzige Referenzen zur aktuellen Popkultur oder genialen Wortwitzen (welche vermutlich in deutscher Sprache fehlen). Diese liebenvollen Details gehen leider in einer Flut aus negativen Eindrücken unter, da die Quest- und Diaglogboxen einfach so staubtrocken sind, dass sie alles andere mit in den Abgrund ziehen. Es existiert einfach kein Playerfeedback, um den Spieler an der Stange zu halten, da es weder Soundeffects während der Kampfphase gibt, noch irgendeine Meldung, dass eine Quest erfolgreich abgeschlossen wurde.

Fazit

Ich hoffe ihr habt gemerkt, dass mein Kommentar eher satirischer Natur war (Muss man ja heute immer dazu sagen, siehe Postillon-Artikel über Pegida Demonstration). 2008 war King’s Bounty: Legends vielleicht noch zumutbar, aber für heutige Verhältnisse finde ich den Ableger einfach nicht mehr zeitgemäß. Die verwendete Engine ist total veraltet und das merkt man sofort beim ersten Spielstart. Man wird als Neuling der Serie gar nicht eingeführt (keine Tutorialfunktion), unterstützendes Feedback für den Spieler fehlt komplett und die Usability des Hauptmenüs und im Spiel ist (ehrlich ausgedrückt) unter aller Sau. Die Verpackung und Inszenierung des generischen Gut und Böse-Quatsch ist veraltet, das Spielerfeedback durch Soundeffekte nichtexistent und die Präsentation der Quests durch die Dialogboxen ohne Sprachausgabe so staubtrocken, wie der Innenraum eines Dysonstaubsaugers ohne Saugkraftverlust. Der Entwickler New World Computing sollte den Staubwischer auspacken und damit aufhören, Mortadella mit Gesicht verkaufen zu wollen, die schon seit 2008 abgelaufen ist und nicht mal mehr als Sonderangebot über die Theke geht.

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