Game of Thrones: The House of Black and White

House_of_Black_and_White2
Alljährlich, passend zum Beginn des Sommersemester, heißt es wieder für eine Stunde in der Woche „Winter is Coming“. Wir vom Dis+positiv lassen es uns auch dieses Jahr nicht nehmen, die neueste Game of Thrones-Folge für euch zu schauen und unsere fachmännische, hemmungslose Meinung abzugeben. Eure bunt gemischten Kritiker sind dieses Jahr Ursula (Serien-Fan), Jannik (Serien- und Buch-Hybrid) und Nadja (GoT-Fachfrau). Und natürlich: Achtung Spoiler über die Inhalte der neuesten Folge!

Die Folge im Ganzen

Jannik Insgesamt ist The House of Black and White eine unterhaltsame Folge, die aber nicht das Niveau der vorherigen Episode erreicht. Grund dafür ist schlicht, dass die großen Höhepunkte ausbleiben. Die Handlungen in Braavos und Meereen entwickeln sich gut, werden aber wohl erst im weiteren Verlauf der Staffel zur vollen Entfaltung kommen. Tyrion ist immer noch unterwegs und hängt daher im Moment ein wenig in der Luft. Ich hoffe inständig, dass für ihn in dieser Staffel noch eine ganze Menge vorgesehen ist und er nicht nur mit Varys in einer Kutsche hockt. Jaime Lannister macht sich bereit für die Reise nach Dorne, Kevan Lannister reist zurück nach Casterly Rock und und Brienne reist sowieso immer umher, wobei sie immerhin ein blutiges Meet & Greet mit Kleinfinger und Sansa hat. Würde die Gute Autogramme sammeln, hätte sie bald alle durch. Eine Vielzahl der Figuren ist also über die Weltkarte verstreut und auf der Suche nach etwas. Wonach genau, lässt sich oft schwer sagen. Nur Jon Snow, der darf nicht reisen, wird zum Kommandanten gewählt und sorgt so zumindest für einen kleinen Höhepunkt der Folge. Einfach mal irgendwo hängen bleiben – schon erlebt man was!

Ursula Mir hat in dieser Folge allgemein etwas der Drive gefehlt. Sie wirkte mehr wie eine zweite Expositionsfolge, die wettmachen wollte, dass im Season-Opener noch nicht alle Charaktere erschienen waren! Jon Snow hätte mit Sicherheit auch noch fünf Folgen weiter in der Luft gehangen, wenn Sam ihm nicht mit seiner Rede einen Tritt in den Hintern verpasst hätte! Und als wäre dem Drehbuch aufgefallen, dass die Charaktere gerade sehr vor sich hindümpeln, kam es zum Ende hin zu einer handlungsstraffenden Maßnahme a la Lewis Carol: „Ab mit dem Kopf!!“. Für mich war Massador zuvor allerdings nicht präsent genug gewesen, um seinem Ende große Anteilnahme entgegen zu bringen.

Nadja Meinen beiden Vorrednern ist kaum etwas hinzuzufügen! Sicherlich ist The House of Black and White keine schlechte Folge – wie könnte es denn auch je eine schlechte Game of Thrones Folge geben? Selbst wenn nichts geschieht, geschieht zwischen den Zeilen immer noch genug und schließlich sind es auch die langen Dialogszenen, die Game of  Thrones ausmachen. Doch GoT wird nun einmal auch durch unvorhersehbare Schockmomente ausgemacht und an denen fehlt es bislang beinahe komplett. Nun gut, ich muss gestehen, vielleicht sind wir auch einfach zu verwöhnt von Season 4, in welcher in Episode 2 die Purple Wedding war und fast jede Folge einen kleinen wtf-Moment beinhaltet. Doch auch die Seasons davor hatten in den anderen Folgen neben Folge 9 genügend Gänsehautszenen zu bieten: Ich erinnere mich nur an Kleinfingers Caos is a ladder-Rede, die den Aufstieg der Wildlinge an der Mauer begleitet, oder einfach eine Arya, die am Ende der Szene zu Gendry auf den Karren steigt, während fesselnde Musik in den Abspann überleitet, und und und… The House Of Black and White gibt uns eine Stunde Westeros – auf das Westeros in seinen besten Momenten, in seiner ganzen Vielfalt und Brutalität müssen wir jedoch noch warten.

Beste Szene

Nadja In dieser Episode fällt es mir recht schwer, eine beste Szene zu benennen. Wie ich bereits in der Einschätzung der ganzen Folge meinte, fehlt es einfach an den obligatorischen Gänsehautmomenten. Nah dran war jedoch Jons Wahl zum Kommandanten der Night’s Watch, demnach werde ich mich hier auf diese Szene festlegen. Es war eine sehr stimmungsvolle Szene, die einen wieder mal erstaunen lässt, wie einfach Benioff und Weiss dem bildominierenden, düsteren Schwarz des Castle Black immer wieder so viel Leben und „buntes“ Treiben einhauchen. Hier ist immer etwas los – etwas was man z.B. über das bunte Bayreuth nicht immer sagen kann. Man fühlt sich am Fuß der Mauer langsam sehr heimisch (- die Kälte spürt man ja nicht bzw. ist es in Bayreuth ja auch nicht gerade wärmer.)

Jannik Ich würde mich da Nadja anschließen: Die Ernennung Jons zum Kommandanten der Nachtwache war das Highlight der Folge. Da alles Intelligente dazu bereits von meiner Vorrednerin gesagt wurde, bleibt mir erfreulicherweise der Rest: Mich hat die Wahl ein wenig an Harry Potter und der Stein der Weisen erinnert. Da sah auch Slytherin wie der sichere Sieger des Hauspokals aus und am Ende bekam Gryffindor doch noch etliche Punkte von Dumbledore. Maester Aemon war bei der Wahl zum Kommandanten das Zünglein an der Waage, machte Jon zum Champion und brillierte als der Dumbledore der Nachtwache. Aber der wahre Held des Tages war natürlich Neville Longbottom alias Samwell Tarly, der Jon überhaupt erst für den Posten vorschlug. Wird Zeit, dass man Quidditch in Westeros populär macht.

Nadja Quidditch auf Drachen! Da käme mal Leben in die Sklavenbucht, nicht Daenerys?!

Ursula Auch mir fällt, wenn ich an die beste Szene dieser Folge denke, nur die Wahl Jon Snows zum Kommandanten der Nachtwache ein. Ich muss aber hinzufügen, dass mich die Rede von Sam Tarly, der in dieser Szene mehr seinem Namensvetter aus Herr der Ringe Konkurrenz machte, am meisten bewegt hat! Mein Lieblingsmoment der ganzen Szene war das Gesicht von Allisar Thorn, als er die Wahl gegen Snow verlor. Selten habe ich einen Menschen so angefressen gucken sehen! Hut ab!

67216-arya

(c) HBO

Beste Figur/Handlung

Nadja Tut mir sehr leid, ich muss wieder mit Jaime „fucking“ Lannister anfangen. Seine Absicht nach Dorne zu reisen habe ich ja schon durch einige Setfotos vorausgeahnt, aber nichtsdestotrotz war es für mich eine große Überraschung, denn wo das Ganze – mit Bronn – hinführen wird, das steht noch in den Sternen. Ich hoffe, er überlebt den kleinen Ausflug… sonst hör ich auf, die Serie zu schauen – nun ja, zumindest für eine Woche, oder so…

Jannik Die Szenen mit Arya lassen so einiges für die Zukunft erwarten. Ich fand ihre Ankunft im opulenten Braavos episch und es wird nun sehr spannend sein, zu sehen, wie sie sich in der fremden Umgebung entwickeln wird. Arya hat jedenfalls einen gelungenen Einstand in die fünfte Staffel hingelegt und ist noch für so manche Überraschungen gut. Valar morghulis!

Ursula Den besten Charakter zu wählen ist für mich schwierig, da Tyrions Verfassung immer noch unverändert ist. Aber auch Brienne, die in der 3. Staffel einer meiner Lieblinge war, wird von einer Jeanne D’arc nun immer mehr zu einem Don Quijote. Arya hat in dieser Folge wohl den wichtigsten oder lebhaftesten Handlungsstrang gehabt, das kann man nicht bestreiten. Ich kann mir nur nicht wirklich vorstellen, wo das mit ihr hinführen soll. Aber: wenn ich groß bin, möchte ich auch mal ein Haus mit so einem Tor haben!

Bester Spruch

Nadja, Ursula & Jannik Wir sind uns bestimmt alle einig: „That’s Jaime fucking Lannister!“

tumblr_nn4ip9ZFPW1r00543o1_r3_250
tumblr_nn4ip9ZFPW1r00543o2_r2_250
tumblr_nn4ip9ZFPW1r00543o3_r2_250
tumblr_nn4ip9ZFPW1r00543o4_r3_250

Die Überraschung der Folge?

Nadja Da ich aus der Perspektive eines Buchkenners hier schreibe, gibt es für Selbigen drei Überraschungen in der Folge:
1. Jaime geht nach Dorne und macht hierfür mir Bronn gemeinsame Sache (very nice, wie hier die Szenen aus Staffel 4, in denen Jamie mit Bronn Schwertkampf übt, Sinn machen. In den Büchern trainiert Jamie mit Paine, dem Henker, den wir, nebenbei bemerkt, schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen haben. Von Dorne war in Jaimes Buchplot nie die Rede!)
2. Arya trifft Jaqen H’ghar wieder! Zwar vermute ich, dass er in den Büchern auch irgendwo inkognito rumläuft, aber trotzdem war es eine schöne Überraschung. Schön, dass wir hier mit dem gleichen Schauspieler wieder beglückt werden, schließlich ist Tom Wlaschiha einer der deutschen Schauspieler, die das Glück hatten, in der Serie dabei zu sein.
3. Sansa und Brienne treffen aufeinander. Zwar scheint die Szene etwas unnütze, weil man konnte sich ja denken, wie sie ausgeht, aber Benioff und Weiss werden sich schon etwas dabei gedacht haben.
Ich bin gespannt, wie diese drei Plots weiter gesponnen werden! Natürlich dürfen wir aber auch den Blick nach Dorne nicht vergessen: hier bekam Oberyns Liebchen noch einen fulminanten Auftritt, aber sicher treffen wir trotzdem noch in dieser Staffel auf die Sandsnakes!

Jannik Auch für mich kommt die Rettungsaktion, die Jaime nun plant, extrem unerwartet. Ich frage mich, wo das hinführen soll – zu einem Krieg zwischen King’s Landing und Dorne? Abgesehen davon konnte die Episode nur selten wirklich überraschen. Das treibt einen zur Verzweiflung. Ich hatte daher am Ende die Hoffnung, dass Daenerys vielleicht von Drogon verschlungen wird, aber das kann man sich ja auch noch für das Finale der Serie aufheben.

Ursula Überraschend war dann auch die Hinrichtung Mossadors, nachdem er in einem Anfall von Selbstjustiz ein gefangenes Mitglied der Sons of the Harpy aufgeknüpft hatte. Ich bin gespannt, wie sich diese Hinrichtung noch auswirken wird, das Volk von Meereen schien nicht sehr begeistert…

67216-danny

(c) HBO

Kommentar verfassen