Was ist schön?

Mit dieser Frage wird der Besucher der Sonderausstellung im Dresdner Hygienemuseum konfrontiert, wobei die Antwort dem Besucher selbst überlassen wird. Doch schnell wird klar, dass sich diese Frage nicht so leicht beantworten lässt.

Bereits im ersten Raum der Ausstellung wird der Besucher auf die Probe gestellt, indem die Fotografen mit den gängigen Vorstellungen von Schönheit spielen. Der Blick wird direkt auf die Portraits berühmter Hollywoodgrößen gelenkt, die jedoch nicht wie gewohnt bildhübsch inszeniert sind. Der Fotograf Martin Schoeller zeigt unter anderem George Clooney und Maryl Streep in extremer Nahsicht. Sie sind grell ausgeleuchtet, ihre Gesichter wirken müde und schlaff. Erschrocken wandert der Blick weiter durch den Raum und bleibt auf einer wüstenähnlichen Landschaft hängen. Herlinde Koelbls großformatige Schwarzweiß-Fotografien zeigen ein ungewohntes Bild: Aktbilder einer alten Dame. Fasziniert von den Spuren des Alterungsprozesses zeigt Koelbl, liebevoll arrangiert, den gewölbten und faltigen Körper ihres Models. Schönheit ist auch vergänglich.

Und dennoch ist Schönheit ein brisantes Thema. Immerhin steht Attraktivität auch in einem engen Verhältnis zu Karriere und Erfolg, wie neueste Untersuchungen belegen.

„Wir haben sowohl über unsere evolutionsbiologische Prägung als auch über erlernte kulturelle Prägungen bestimmte Grundmuster abgespeichert auf die wir reagieren. Auf Gesichter zum Beispiel reagieren Menschen, egal aus welcher Kultur sie kommen und welcher Altersgruppe sie angehören, erstaunlich einheitlich“, erklärt die Kuratorin Doris Müller-Toovey. Als schön werden vor allem relativ symmetrische Gesichter empfunden. Eine Fotoreihe zeigt jedoch auch, dass absolute Symmetrie irritiert. Die linke Gesichtshälfte wurde per Nachbearbeitung der Rechten angepasst. Die Studie „Gemorphte Gesichter“ von der Universität Regensburg zeigt Gesichter, die mit Hilfe eines Computers fiktiv berechnet wurden und so optimiert sind, dass sie von möglichst vielen Menschen als attraktiv empfunden werden.

Die Sonderausstellung wirft in den jeweiligen Räumen ganz unterschiedliche Fragen auf: „Hier wird die Frage gestellt: wer macht denn eigentlich Schönheit? Wie wird Schönheit konstruiert? Und hier erfahren die Besucher, wie viel die Beauty Industrie an uns verdient, wenn wir schön sein wollen“, beschreibt die Gestalterin der Ausstellung Maja-Lena Pastor den Raum. Hier zeigt ein Film eine junge Frau, die sich die Augenbrauen komplett zupft; ein anderer eine Schönheitsoperation . Ästhetisch ist das nicht.

Und doch passen wir uns dem gängigen Schönheitsideal an und sind bereit einiges für das Aussehen zu investieren. „Wenn wir heute in die Hochglanzmagazine sehen oder den Fernseher anschalten, dann ist Schönheit präsent. Und zwar überall. Sie hat quasi Hochkonjunktur“, kritisiert die Kuratorin Doris Müller-Toovey den Beautydruck. Doch dass diese Schönheit eigentlich unerreichbar ist, zeigt auch der Dove Werbespot. Denn ohne die Nachbearbeitung am Computer sieht das Model wie ein ganz gewöhnliches Mädchen von nebenan aus. Sind unsere Vorstellungen von Schönheit also übersteigert?

Der Besucher kann sich selbst testen, die Symmetrie seines Gesichtes, sein Verhalten und seinen Mut zur Hässlichkeit. Der spielerische Umgang mit dem Selbst löst die Zwänge, Erwartungen und Ängste, die aufkommen, wenn man merkt, wie schwer das heutige Schönheitsideal zu erreichen ist. „Was wir auch vermitteln wollen ist, dass es doch eine große Vielfalt von Schönheitswahrnehmung, Beurteilung und ästhetischen Konzepten gibt“, so Müller-Toorvy.

Was schön ist, das kann niemand beantworten. Schließlich liegt wahre Schönheit noch immer im Auge des Betrachters.

Die Sonderausstellung im Dresdner Hygienemuseum läuft noch bis zum 02.Januar 2011.

Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/bei-mir-bist-du-schoen/1782854.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1012464/Ausstellung+in+Dresden%3A+%22Was+ist+sch%C3%B6n%3F%22#/beitrag/video/1012464/Ausstellung-in-Dresden-Was-ist-schoen%3F

http://www.arte.tv/de/Videos-auf-ARTE-TV/2151166,CmC=3140490.html

http://www.jg-eberhardt.de/schrift_wis.html

http://www.kultiversum.de/Kunst-Themen/Hygienemuseum-Dresden-Was-ist-schoen-Was-ist-schoen.html

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