Thirty Flights of loving – Schnitt! Schnitt! Was?

Aufwachen – Schnitt. In das Flugzeug steigen – Schnitt. Eine Schießerei – Schnitt. Verfolgungsjagd – Schnitt. Tod – Ende.

Was wie zufällig ausgewählte Szenen aus einem Actionfilm wirkt, ist genauso verwirrend wie es scheint. Die beschriebenen Abschnitte sind aber nicht Teil vom neuen Bourne-Film, sondern vom experimentellen Independent Spiel Thirty Flights of Loving. Gegen dessen schnelle Erzählweise wirkt der neueste Bourne wie eine Schlaftablette, ständig springt das Spiel zwischen Einstellungen und Schauplätzen und sogar zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit wild hin und her.

Doch noch einmal zurück zum Anfang. Wenn das überhaupt der Anfang der Geschichte ist. Zu Beginn des Spiels jedenfalls befinden wir uns in einer Bar, durch deren Geheimtür wir das Agentenversteck mitsamt unseren Kollegen betreten. Ein Mann und eine Frau, dargestellt durch simple Pappfiguren – die Frau sieht nett aus, denkt sich anscheinend auch unser Hauptcharakter. Denn am Einsatzort angekommen entwickelt sich schnell – mit Hilfe von Alkohol – eine Romanze zwischen beiden. Einen wilden Jumpcut später zielt plötzlich dieselbe Frau, mit der wir gerade ein nettes Schäferstündchen verbracht haben, mit der Waffe auf uns. Unseren Partner ziehen wir blutend aus der Gefahrenzone. Dann die angesprochene Verfolgungsjagd. Wir werfen einen Blick nach rechts – unser Partner auf einem Motorrad. Nach vorne – wir rasen in einen entgegenkommenden Laster. Die Geschichte, die Thirty Flights of Loving erzählt, ist konfus, verwirrend, nicht eindeutig zu erfassen. Aber sie ist gut. Eine Agentengeschichte mitsamt Liebe, Action und Verrat. Ein 10-minütiger Actionfilm also, der eine spannendere Geschichte erzählt als die Mehrzahl der stundenlang andauernden Call of Dutys dieser Welt.

Der Preis von 5 € auf Steam ist, im Angesicht der kurzen Spieldauer, ziemlich happig. Aber Thirty Flights of Loving ist ein Spiel, welches man öfter herauskramt.  Man kann es seiner Familie und seinen Freunden zeigen, die Nicht-Spieler sind (vgl. Dear Esther). Denn es ist ein Beispiel für gutes Geschichtenerzählen in Games. Es ist ein Gegengewicht zu den Spiel gewordenen Michael Bay-Actionfilmen in denen es nur darum geht, in möglichst wenig Zeit viele Dinge in die Luft fliegen zu lassen. Und nicht zuletzt weil man Thirty Flights of Loving – man kann diesen Titel nicht oft genug sagen – sowieso mehr als einmal spielen muss, um selbst die Geschichte überhaupt zu verstehen. Do it!

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