The Dark Knight Rises – Immer und immer wieder…

Ja, „The Dark Knight Rises“… das tut er, jedoch nicht nur in einem Sinn. „Rises“ (oder „Deshay Basara“) bezieht sich natürlich nicht nur auf die einfache Assoziation, dass Batman endlich wieder auf der Leinwand zu sehen ist, nein, natürlich wird „Rises“ auch im Film thematisiert. Am Ende von „The Dark Knight“ ist Batman der Ausgestoßene, der Mörder, „der Held, den Gotham verdient, aber nicht der, den es gerade braucht“, und langsam im Verlauf des dritten Filmes arbeitet sich Bruce von einem gebrechlichen, „alten“, gefallenen Mann wieder zu Batman, dem Befreier Gothams, hoch. Doch so banal ist Christopher Nolan natürlich nicht, denn die Thematik wird in der Handlung gleich zwei Mal umgesetzt: Das erste „Rises“ finden wir, wenn sich der alte, zurückgezogene Bruce Wayne, unter anderem aufgrund des guten Zuredens vonseiten Robins, entscheidet als Batman zurückzukehren. Doch in den Augen Gothams kann Batman seinen Ruf als Mörder nicht ablegen. Kaum zurück fällt Batman ein zweites Mal. Bane besiegt ihn und steckt ihn in das Gefängnis, ein tiefes Loch in der Erde. Hier wird das Fallen und Aufstehen noch einmal metaphorisch wunderbar umgesetzt, durch das Hinaufklettern und Hinabstürzen. Insgesamt braucht Wayne zwei Versuche, welche beide scheitern. Wayne muss sich mit sich selbst und seinem Leben auseinandersetzen, damit der dritte Versuch gelingt. Wayne schafft den Aufstieg (ohne Seil, mit der Angst im Nacken), steigt aus dem Gefängnis auf und kehrt nach Gotham zurück, um Bane zu besiegen und zu dem anerkannten Helden Gothams zu werden.

Was hat das hinsichtlich der Trilogie  zu tun? Mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben: „The Dark Knight Rises“ greift zur Gänze „Batman Begins“ auf. Hier geht die Vernetzung der Filme natürlich weit über die Wiederaufnahme des ganzen Ninja-Schnickschnacks à la „Möge die Macht mit dir sein“ (kleine ironische Anspielung auf die Besetzung von Liam Neeson alias Qui-Gon-Jinn als Ra’s al Ghul) hinaus. Wir haben nicht nur die Gesellschaft der Schatten, oder das erneute Auftreten bekannter Figuren aus dem ersten Teil wie Ra’s al Ghul und Dr. Crane. Viel interessanter ist, dass auch im ersten Teil die Thematik des „Rises“ vorhanden ist.

Bruce Wayne wird Zeuge der Ermordung seiner Eltern. Das traumatische Ereignis prägt ihn für sein ganzes Leben. Selbst als Erwachsener kommt er nicht über die Geschehnisse hinweg und wird von Angst und Rachegelüsten bestimmt. Angeregt von Falcone begibt er sich für eine lange Zeit auf eine Art Selbstfindungstrip, auf welchem er aber vor allem lernen möchte, wie Verbrecher denken. Er lässt sich von der Gesellschaft der Schatten ausbilden. Nachdem er den Irrglauben dieser erkannt hat, kehrt Bruce nach Gotham zurück, mit dem festen Entschluss, zu einem Symbol zu werden, das die Bösen fürchten werden. Er wird zu Batman. Nicht nur während der sieben Jahre, die er unterwegs ist, sondern schon seit der Ermordung seiner Eltern wächst Bruce zu Batman heran. Er erhebt sich von Gothams geliebtem Sohn, welcher von Rache und Angst bestimmt ist, zu Batman, dem Helden, genauso wie er sich nach acht Jahren der Zurückgezogenheit im dritten Teil wieder zu Batman erhebt.

Auch das Motiv der Angst spielt in beiden Teilen eine Rolle. „Hab keine Angst“ sagt Bruces Vater zu seinem Sohn und Wayne selbst gibt seiner Angst die Schuld am Tod seiner Eltern („Wenn ich keine Angst gekriegt hätte…“). Schließlich lernt er, nicht zuletzt durch die Gesellschaft der Schatten, Angst zu ignorieren. Im dritten Teil wird der Verlauf umgedreht. Bruce lernt in dem Gefängnis, dass nur Angst, nicht Training, ihn überleben lässt. Weitere Umkehrungen von Aspekten sind außerdem folgende: Im ersten Teil zieht sich Bruce sieben Jahre zurück, um sich zu finden, im dritten Teil verliert er sich und versinkt acht Jahre in den Folgen seiner Vergangenheit. Im ersten Teil wird Wayne am Anfang für Tod gehalten, im dritten am Ende. Auch Wayne Enterprises, welches im zweiten Teil eine stabile Rolle einnimmt, muss sich im ersten Teil von Korruption befreien, um zu einem soliden Unternehmen aufzusteigen. Im dritten ist das große Unternehmen ebenfalls wieder am Boden und fremdbestimmt, bis es von Bane schließlich komplett zerstört wird.

Interessant sind auch die metaphorischen Einsetzungen kleiner Details, welche die Vernetzung der beiden Filme unterstreichen:
Der Brunnen, in den Wayne als Kind gefallen ist, wird durch die Gestaltung des Gefängnisses wieder aufgegriffen und spielt in beiden Filmen auf den Aspekt des „Rises“ an („Und warum fallen wir, Bruce? Damit wir lernen können, uns wieder aufzurackern!“). Und nicht zuletzt die Perlenkette der Mutter: Im ersten Teil soll diese Kette geklaut werden und Bruces Eltern werden daraufhin von dem Dieb erschossen. Bruces Dilemma beginnt, doch gleichzeitig ist dies auch die Ursache, warum Bruce zu Batman wird. Im dritten Teil wird die Perlenkette ironischerweiße wirklich gestohlen, nämlich von Catwoman Selina Kyle, und Bruce tritt daraufhin das erste Mal im Film auf, bemerkt, in welchem Zustand er steckt und erhebt sich wieder zum Dunklen Ritter.

Kurz: Die Handlungen in Teil 1 und 3 ergänzen sich nicht nur, sondern sind oft parallel oder verkehrt. Außerdem sind sie stark mit der Person Bruce Wayne und seiner Psyche verbunden. Im zweiten Teil spielt dies weniger eine Rolle, bzw. sind die Faktoren Bruce Wayne, Batman, Wayne Enterprises, etc. fast immer konstant und das Augenmerk wird dadurch nur auf die aktuelle Bedrohung des Jokers gelegt. Die Wendung am Schluss, Batman als Verbrecher, und das Dilemma zwischen Bruce und Rachel, gehen dabei beinahe unter und dienen mehr der schnellen Vorbereitung des dritten Teils.

Christopher Nolan wählte also eine Struktur, welche für Trilogien meiner Meinung nach eher ungewöhnlich ist. Der letzte Teil greift den ersten auf, der zweite steht alleine da. Man kennt  das ja eher so, dass der erste Teil als einleitender Teil alleine steht, und Teil 2 und 3 aufeinander aufbauen. Ein Beispiel wären die ursprünglichen ersten drei Teile von Fluch der Karibik. Im Fall der Dark-Knight-Trilogie schadet diese ungewöhnliche Wahl nicht. Der zweite – und meiner Meinung nach beste – Teil der Trilogie wird nicht alleine gelassen, sondern durch die Separation nur noch mehr hervorgehoben – verdienterweise, da er dank der schauspielerischen Leistung von Heath Ledger einfach ein Glanzstück mit dem besten Bösewicht des Jahrhunderts ist. Bis auf den unterschwelligen Versuch, ebenfalls wieder einen einnehmenden Bösewicht zu gestalten –  zumindest wirkt es so, da Bane, der vielleicht nicht an die Screenzeit des Jokers und an dessen Grausamkeit herankommt, dem Zuschauer omnipräsent erscheint und seine Person, selbst wenn sie nicht zu sehen ist, doch immer noch Teil des Gespräches ist – hat „The Dark Knight Rises“ mit dem Vorgänger nur den Ansatzpunkt der Story, eine komische Ähnlichkeit zwischen der Fährenszene im zweiten und der Stadionszene im dritten Teil und die Thematisierung der Abgründe der Menschheit gemeinsam.

Das offene Ende, welches einigen Nervenkitzel und den Umschwung von Enttäuschung und Trauer in Hoffnung nicht nur bei den Filmfiguren, sondern auch beim Publikum bereithält (Christopher Nolan versteht es wirklich, spannende Enden zu gestalten!), lässt vielleicht doch den Anschein einer Fortsetzung mit der Thematik Batman und Robin aufkommen. Abgesehen davon, dass Nolan sich eindeutig für nur drei Teile ausgesprochen hat und Teil 3 als Finale vermarktet wird, würde ich angesichts der ausgefeilten Vernetzung der Trilogie und der im Ganzen gesehen stimmigen Komposition davon abraten, das gelungene und eigentlich abgeschlossene Werk zu einem Forsetzungsmarathon à la Fluch der Karibik zu machen. Ich bin mir sicher, Nolan würde es schaffen, ein noch imposanteres Meisterwerk auf die Kinoleinwand zu zaubern, doch manchmal muss man sich doch einfach mit dem zufrieden geben, was da ist. Das heißt ja nicht, dass man die Story in seiner Fantasie nicht weiterspinnen kann.

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