Privatsphäre als Auslaufmodell

Die Privatsphäre wird im Zeitalter des Internets ständig freiwillig und unfreiwillig abgebaut. Das ruft den Datenschutz als ihren Retter auf den Plan. Aber gibt es da überhaupt noch etwas zu retten? Und wenn ja: warum überhaupt? Christian Heller entlarvt in seinem Buch „Post-Privacy“ die Privatsphäre als bürgerliche Fantasie, um die es auch nicht schade sein wird, wenn wir sie einmal los sind.

Ideologie zeichnet sich oft dadurch aus, keine sein zu wollen. Und so klingt auch die große Datenschutz-Erzählung erst einmal wie das selbstverständlichste der Welt: um als Individuum frei in Tat und Meinung zu sein bedarf es den Rückzugsraum der Privatsphäre, in dem geschützt vor dem repressiven Blick der Öffentlichkeit, vor Staat und Wirtschaft, eine Persönlichkeit entwickelt werden kann. Der Datenschutz kann sich damit heute als Bewahrer der Freiheit in einer Welt von Feinden darstellen. Seit dem 11. September greift der Staat zunehmend in die Privatsphäre ein. Weitaus umfassender besorgen die großen Internet-Konzerne Google und Facebook die „Verdatung“ der Menschen. Was über einen Menschen noch unbekannt ist, können immer größere Serverfarmen aus den bereits vorhandenen Daten berechnen.

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