T wie TimeSplitters 2

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Eines vorweg: Ich kann Affen nicht ausstehen.

Nicht etwa, weil sie mir die Bananen weg essen und mir ähnlicher sind, als ich es zugeben möchte. Nein, schuld daran ist ein Kindheitstrauma. Wer zum X-ten Mal von flinken Äffchen mit Raketenwerfern ins Jenseits befördert wurde, der entwickelt zwangsläufig eine Phobie vor ihnen. Das Schlimmste daran: Im Vergleich zum Rest des Panoptikums, das sich im Shooter TimeSplitters 2 (2002) auf den Karten tummelt, sind die wild um sich ballernden Affen possierliche Zeitgenossen. Nicht umsonst habe ich auch Angst vor Tintenfischen.

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Final Fantasy und Grand Theft Auto hin oder her: Für mich persönlich ist TimeSplitters 2 DAS Spiel für die Playstation 2. Es ist die Krönung einer Konsolengeneration, die einen gigantischen Umfang mit perfektem Gameplay kombiniert.

Der Story-Modus, den man auch kooperativ zu zweit durchspielen kann, handelt von einer actionreichen Jagd kreuz und quer durch die Zeit. So schlittert man zum Beispiel nach einem Shootout mit der halben Unterwelt Chicagos im Jahr 1932 erst in das zombieverseuchte Notre Dame 1895, hantiert 2280 auf Planet X mit futuristischen Laserwaffen und besiegt in der nahen Zukunft 2019 die gefährlichste Hackergang von Neo Tokyo. Dabei nimmt sich das Spiel selbst nicht zu ernst und parodiert zahlreiche Filme. Die Entwickler haben sich außerdem etwas Besonderes einfallen lassen: Höhere Schwierigkeitsgrade bedeuten im Story-Modus nicht nur stärkere Gegner, sondern auch bis zu doppelt so große Levels, wodurch der Wiederspielwert deutlich gesteigert wird.

Das klingt alles sehr spaßig und ist es auch, doch das Herz von TimeSplitters schlägt eindeutig im Arcade-Modus. Der Story-Modus ist wie in vielen Multiplayer-Shootern eher dazu gedacht, sich mit dem Gameplay vertraut zu machen und die verschiedenen Charaktere kennenzulernen.

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Während TimeSplitters 2 nämlich im Story-Modus ein abgedrehter, aber dennoch klassischer Shooter ist,  erwartet uns im Arcade-Modus ein gigantischer Spielplatz.  In einem Liga-System, dessen Schwierigkeitsgrad steil ansteigt, müssen wir verschiedenste Aufgaben meistern, um neue Karten, Charaktere, Waffen und sogar Spiel-Modi zu ergattern. Mal muss man so lange wie möglich überleben, dann in Rekordzeit Bananen einsammeln (Pacman lässt grüßen), oder sich alleine gegen eine Übermacht behaupten. Auf Belohnungen dürfen wir aber nur hoffen, wenn wir eine Gold-Medaille oder zumindest Silber abstauben. Mit Bronze werden lediglich neue Herausforderungen freigeschaltet und damit erneut die Aussicht auf Medaillen und nette Belohnungen.
Frust kommt nie auf, denn die Spielrunden sind kurzweilig, man muss sich nie an einer einzigen Aufgabe festbeißen und selten geht eine Session zu Ende, in der man überhaupt nichts neues freigeschaltet hat. Futter für den Sammeltrieb gibt es genug – alleine 126 spielbare Figuren mit ihren eigenen Stärken und Schwächen können freigespielt werden, unter anderem ein kompletter Mafia-Clan, Aliens und natürlich auch alle Hauptfiguren des Story-Modus.
Bis heute erinnere ich mich gerne daran zurück, wie mein Bruder und ich abwechselnd versucht haben, die verflucht schweren Aufgaben zu meistern, um  die Belohnungen anschließend gemeinsam per Split-Screen ausprobieren zu können.

Neben der Liga mit ihren festen Aufgaben gibt es nämlich auch noch einen freien Modus, in dem so gut wie alles möglich ist. Gerade einen Science-Fiction-Film gesehen und Bock auf das Setting? Kein Thema. Karte, Spiel-Modus, Bots (von denen sich bis zu 16 auf der Karte tummeln können) und Waffen-Set einstellen und ab geht es. Ein Armbrust-Deathmatch unter Azteken im Dschungel, bei denen  der Letztplatzierte von schießwütigen Affen unterstützt wird ist genau so möglich wie eine Virus-Epidemie unter Tintenfischen in einem düsteren Krankenhaus, bei der sich jeder ansteckt, der von einem infizierten Weichtier berührt wird. Es sollte nun klar sein, woher meine Ängste kommen.

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Alles ist möglich und deshalb bietet TimeSplitters 2 etwas für jeden. Meine Oma nahm gerne mal den Controller zur Hand für „ein bisschen Geballer“ und seit es den Film Shaun of the Dead gibt, wissen wir, dass sich sogar Zombies dafür begeistern lassen. Schade nur, dass es nach einem etwas schwächeren dritten TimeSplitters lange Zeit still um die Serie geworden ist. Seit neuestem gibt es aber wieder Lebenszeichen. Mit Genehmigung vom Rechteinhaber Crytek arbeiten einige Entwickler der ersten Spiele und passionierte Fans an TimeSplitters Rewind, das die Stärken aller Vorgänger in sich vereinen soll und für Steam und die Playstation 4 entwickelt wird – dann wird es natürlich auch endlich möglich sein, übers Internet und nicht nur zu zweit an der Konsole zu spielen. Eine erste Demo ist für Dezember geplant.

Ich warte schon sehnsüchtig darauf, denn dann bin ich wenigstens nicht mehr der Einzige, der Angst vor kleinen Äffchen hat.

5 Gedanken zu “T wie TimeSplitters 2

  1. Hm, da kann ich Ihnen nur noch eine Therapie empfehlen: Auf Rewind warten bzw. TimeSplitters 2 für ein paar Euro abstauben und die Affen mit Ziegelsteinen bewerfen. Oder TNT. Wirkt befreiend 🙂

  2. Ich vermisse in aktuellen Shootern den abgedrehten Humor, den einzigartigen Stil und natürlich die unbegrenzten Möglichkeiten. Hoffentlich zeigt Rewind den Verantwortlichen bei Crytek, dass TimeSplitters sehr wohl eine große Fanbase hat und nicht nur ein Nischenprodukt ist. Ein vierter Teil wäre schon ziemlich geil…hachja, träumen wird man ja noch dürfen. Aber jetzt erstmal auf Rewind freuen! 😉

  3. Danke – jetzt fühle ich mich nicht mehr schlecht, NICHT über TimeSplitters geschrieben zu haben, weil ihr das hier so schön gemacht hat. Und ja, Affen… Weniger Angst, mehr Nostalgie. Diese Art von Shooter, die sich selber nicht so ernst nimmt, vermisse ich tatsächlich sehr. Rewind wird hoffentlich nicht nur gut, sondern auch so erfolgreich, dass sich irgendwann ein vierter Teil blicken lässt. Das kaufe ich dann auch sofort blind!

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