Serienkiller: Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.

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Es wird regelmäßigen Lesern aufgefallen sein, dass dieser Schreiber hier eine Schwäche für einen gewissen Joss Whedon hat. Nun sind es dreieinhalb Jahre seit die letzte Dollhouse-Folge und damit das letzte bisschen Joss Whedon aus dem Fernsehen verschwand. In unserer Hochgeschwindigkeitszeit ist das eine Ewigkeit. Vor allem für einen kleinen Fanboy. Doch dann passiert das Unglaubliche! Als einer von vielen wird er zu dem Drehbuchautor und später sogar Regisseur eines Films, der ein bisschen echtes Hollywoodbudget hinter sich hat und treibt damit 1,5 Milliarden Dollar ein. Dieser kleine Film war The AvengersDiese Woche kommt er zurück ins Fernsehen mit Marvel’s Agents of frakking S.H.I.E.L.D. Nach einer so langen Zeit gibt’s eine brandneue Joss Whedon-Folge, die ich noch nicht auswendig kenne. (Noch nicht!)

Lasst mich das Setup kurz erklären: Die meisten haben The Avengers gesehen und wenn nicht, sollten sie das mal nachholen. Die Serie setzt in der Zeit nach dem Film ein und wie der Film spürt man die Hand des Meisters überall sehr hart. In der Vergangenheit habe ich bereits einen Artikel über Joss Whedon geschrieben, aber lasst mich kurz zusammenfassen was ihn und seine Geschichten so besonders macht.

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Agent Coulson: „I’ve seen giants. The good ones aren’t heroes because of what they have. It’s because of what they do with it.“

Also nehmt sie, die Whedon’sche Dramaturgie:

1. Solange noch jemand glücklich ist, wird er nicht ruhen. Das ist wahr. Drama muss dramatisch sein. Die Figuren müssen leiden und kämpfen und untergehen. Whedon geht aber einen Schritt danach weiter. Am Ende werden sie wieder glücklich, auch wenn es ganz anders aussieht, als der Zuschauer oder sie es sich vorgestellt hätten. Auch wenn es irgendwie traurig ist, weil alle anderen tot sind.

2. Camp! In der Kunst gibt es diesen Begriff. Er beschreibt eine stilistische Übertreibung. In seinem Fall sind es bekannte, teilweise durch ihn geprägte Tropen. Auf den ersten Blick ist das kitschig, billig oder zu einfach. Aber sehr schnell erkennt man die subtilen Unterschiede und das, worauf im Dunklen hingearbeitet wird. Einen Stereotyp auszupacken und in wenigen Sekunden zu vermitteln ist nicht schwer. Ihn zu übertreiben, ohne zu nerven, ist eine Herausforderung. Den richtigen Punkt zu finden, an dem man die Erwartung bricht, ohne dass es zu erwarten ist, sogar wenn man weiß, dass es gebrochen wird, das ist Joss Whedon.

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Agent May: „You guys talk way too much.“

3. Analog dazu wird man immer überrascht. Nicht so wie in Lost. Nicht Hanebüchen, sondern solide und nachvollziehbar und von Sekunde eins richtig konstruiert! Es passiert und man erkennt, dass es anders nicht passieren konnte, ohne es zu wissen. Außer man hat Whedon schon sehr akribisch studiert. In dem Fall hat er aber immernoch Überraschungen für einen bereit.

4. Der Zuschauer ist nicht blöd. Nichts ist ätzender als eine Show, die zu langsam und zu offensichtlich ist. Joss Whedon muss nicht alles erklären. Vergleicht dafür gerne die finale Szene des Agents of S.H.I.E.L.D.-Pilot. Es wird nicht genau erklärt, wie die Situation gelöst wurde. Man muss das Gewehr von vorher wieder erkennen und sich daran erinnern, was die Sciencenerds dazu gesagt haben. Sonst versteht man nicht, was passiert. Aber damit kommt man besser klar. Für die meisten Menschen ist es leichter, eine passive Überforderung zu erleben, als unterfordert zu sein. 

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Agent Ward: „I was trained from Day One as a specialist. I go in. Alone. I get it done. Defusing a nuclear bomb – I’m your guy. A welcoming comitee? Not my speed…“

Kommen wir aber zur Serie.

S.H.I.E.L.D. kümmert sich darum, dass vor allem nach den Ereignissen in The Avengers, die Bevölkerung vor the much weirder world zu schützen. That’s it. Die Stärke liegt im camp. Wie wird so ein einfacher Agenten-Supernatural-Kram spannend? Sogar herausragend! (Nach nur einer Folge…) Findets raus. Ich erzähle euch währenddessen etwas von Cast&Crew. (Die ihr ausführlicher woanders vorgestellt bekommt.)

Beginnen wir mit dem Zentrum des ganzen: Agent Coulson!
Waaaait a minute! (Avengers-Spoiler!) Ist er nicht überraschend (Vergleiche Punkt 3 der Whedon’schen Dramaturgie!) im Verlauf der The Avengers gestorben? Doch sein Tod war ein Fake von Nick Fury, um die Avengers zusammen zu bringen… or was it? Abgesehn von einer erstaunlichen Ähnlichkeit mit Captain Archer hat Coulson auch vorzuweisen, dass er nicht nur der einzige Averngerscharakter ist, der es in die Serie geschafft hat, sonder auch auch der einzige Marvelcharakter, den man schon aus den Comics kennt. Die fünf anderen sind zumindest im Marveluniversum brandneu.

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Skye: „With great power comes… a ton of weird crap that you’re not prepared to deal with.“

Neben Coulson-Schauspieler Clark Gregg ist Ming-Na Wen die einzige echte Fernsehveteranin. Natürlich tritt Agent Hill aka Cobie Smulders ein bisschen auf. Wirklich nur ein bisschen – und cool – aber sie hat natürlich auch gerade damit zu tun ein halbes Jahr lang in How I Met Your Mother zu heiraten. Ming-Na Wen schlüpft in die Rolle von Melinda May. Noch nicht sehr prominent im Piloten, aber bereits jetzt als „interessant“ angekündigt. Stereotyp: Legende im (selbstgewählten) Bürodienst. Sie geht nicht mehr auf Außeneinsätze. Bis jetzt! – Bei Joss Whedon gibt es immer eine Frau die so sehr hart Ärsche tritt. Agent May ist dafür zuständig.

Der Rest des Teams ist vergleichsweise neu und hat erst in ein paar Serien und Filmen mitgewirkt. (Nachwuchszucht Joss Whedon!) Zuerst ist da wohl Agent Grant Ward, gespielt von Brett Dalton. Er wäre Coverboy bei jedem anderen. Jung, gut aussehend, ein dubioser Einzelgänger, der den Job erledigt. Aber hier steht er am Rand und wartet auf seinen Einsatz. Neben diesen drei Feldagenten gibt’s das Supportteam, die aber nicht weniger prominent in der Show sind. Skye gespielt von Chloe Bennet ist charismatisch, witzig, und sündhaft gut aussehend. Das Hackerchick mit Nerdfaktor. Es ist wichtig, dass es so etwas gibt. Sollte es öfters geben. Auch im wahren Leben.

IAIN DE CAESTECKER, ELIZABETH HENSTRIDGELeo Fitz: „And with a little luck I can get images from the blast. And with luck i mean unappreciated genius.“
and Jemma Simmons: „It’s just dripping with radiation. Oh! Now it actually dripping…. FUN!“

Für Biochem ist Jemma Simmons/Elizabeth Henstridge veranwortlich (Yeah… I’m totally in love with her now.) und für Engineering Leo Fitz/Ian De Caestecker zuständig. Die beiden sind zusammen der Spezialist, der mit Wissenschaft alles löst, aufgeteilt in zwei, nur doch wieder nicht, weil sie ein wundersames, britisches Duett mit sehr schnell gefeuerten und eingespielten Pointen sind. Die beiden sind liebenswürdig, witzig, comic relief. Schaut sie euch nur an. Will man sie nicht im Arm halten und sauber lecken. Man kann sie nur lieben… pretty sure one of them’s gonna die.

In der weitren Crew der Serien befindet sich neben dem obligatorischen Jed Whedon, Joss’s Bruder und seine Frau Maurissa Tancharoen, die mit produzieren. Dazu kommen Jeffrey Bell und Jeph Loeb, die unter anderem bei Alias, Angel, Heroes und einigen alten Marvelserien gearbeitet haben. Rund wird die Sache aber durch Übergeekkomponist Bear McCreary. Der geniale Kopf aus dem die Musik für Walking Dead, Battlestar Galactica und Eureka kommt.

Alles in allem ist das eine Konstellation für eine sehr gelungene Superhelden-Mystery-Drama-Agenten-Serie (wenn man drauf steht), aber doch so viel mehr als das! Das verspreche ich euch, ohne es zu wissen, denn  ich verspreche es aus Glauben. Was jetzt vielleicht wie ein etwas anderer Krimi aussiehst, wird Drama haben, Plot, Tiefe, Charaktere, episodenübergreifende Handlung, Überraschung, Tragik, Witz, Mystery, Romantik und alles was man sonst noch so braucht. Auch wenn die Exposition der ersten Folge sich etwas gekünstelt und schwer tut.
Wirklich. Joss Whedon hat in seinen Serien für jeden was dabei. Und zwar so verpackt, dass es die Menschen, die es gar nicht ab können, auch nicht stört. Weil das wäre zu einspurig und geradlinig. Und Joss Whedon macht keine einfachen Sachen.

So say we all!

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