Serienkiller: Gilmore Girls

Lorelai und Rory

Telefonat zwischen Lorelai und Rory
L:
  „Stars Hollow riecht nach Gewürzgurken.“
R:  „Gewürzgurken?“
L:  „Gewürzgurken!“
R:  „Richtige Gewürzgurken?“
L:  „Gewürzgurken!“
R:  „Wieso?“
L:  „Ein Gewürzgurkenzug ist entgleist.“
R:  „Ist das ’n Witz, so ’n langweiliger, blöder Witz, den ich wieder nicht verstehe?“
L:  „Nein, ist es nicht. In der Stadt müffelt’s nach Gurken, weil ein Zug mit Gurken entgleist ist.“
R:  „Darauf muss erst einmal einer kommen, ein Zug voller Gewürzgurken.“
L:  „Zum Beispiel der Gewürzgurkenzugführer. Das muss toll sein, ich wär ’n klasse
Gewürzgurkenzugführer. Stells dir mal vor: ‚Alle einsteigen, Ihr… Gewürzgurken.'“
R:  „Hm, du hast deinen Beruf verfehlt.“
L:  „Zum Glück gibt es ja noch dich. Du bist jung und clever, die große Hoffnung aller
Gewürzgurkenzugführer.“
R:  „Unglaublich, dass mir das entgeht!“
L:  „Dann feierst du eben den ersten Jahrestag mit uns. Und, was gibt’s bei dir so?“
R:  „Tja, ich kann heut Abend nicht zum Freitagsdinner kommen, aber ich hab ’ne sehr gute
Ausrede.“
L:  „Ein Gewürzgurkenzugführerseminar?“
R:  „Logan ist in der Stadt!“
L:  „Unfassbar! Du lässt mich über Gewürzgurken schwadronieren, dabei hast du echte
Neuigkeiten!“
R:  „Aber du doch auch. In Stars Hollow riecht es nach Gewürzgurken. Ich kann den Ticker bei
CNN schon direkt vor meinem geistigen Auge sehen.“
L:  „Dass Logan da ist, kommt aber vor der Gurkenmeldung, wie lange bleibt er denn?“
R:  „Noch genau sechseinhalb Stunden. Er ist gestern Abend angekommen, hat ’ne Firma
gekauft und fliegt heute Abend zurück!“
L:  „Du meine Güte! Was stellt Ihr denn mit eurer kostbaren restlichen Zeit an, oder will ich das
gar nicht wissen?“
R:  „MUM!“
L:  „Naja, vielleicht wollt Ihr zum Beispiel Steckrüben anpflanzen und das würde ich nicht wissen
wollen, weil’s langweilig ist.“
R:  „Ich treff mich nachher mit ihm in Manhattan, um das ganz groß zu feiern.“
L:  „In ’nem schicken Restaurant?“
R:  „Auf ’ner Steckrübenfarm, um ehrlich zu sein. Aber das mit dem Essen tut mir leid, ich wollt‘
dich doch in der Not niemals allein lassen.“
L:  „Schon gut, ich bin ja nicht völlig wehrlos. Ich geh mit deinem Dad hin.“
R:  „Ehrlich? Wow!“
L:  „Ja, ich dachte, ich sollte ihn mal meinen Eltern vorstellen.“
R:  „Das ist auch ’ne Vorgurkenmeldung, liebe Mutter!“
L:  „Unser Gespräch war ’n komplettes Desaster, findest du nicht?“
R:  „Ja, stimmt.“
L:  „Alles klar. Bimmelbimmel. Hi Rory, wie geht’s dir so?“
R:  „Hi Mum, Logan ist in der Stadt.“
L:  „Du meine Güte, das ist ja wunderbar.“
R:  „Wir pflanzen heute Steckrüben an.“
L:  „Oh, du verdorbenes Gör! Ich enterbe dich! Ich geh mit deinem Vater zum Dinner.
Gewürzgurken, Gewürzgurkenmief, Gewürzgurkenzugführer!“
R:  „Ach Gott, ach Gottchen!“
L:  „Gutes Telefonat!“
R:  „So muss es sein!“

Gilmore Girls – Tradition

Wer jetzt noch nicht genug Vorstellungskraft besitzt, um sich das Wesen der Serie von der Fernsehproduzentin Amy Sherman-Palladino zusammenzureimen, dem sei noch mit ein paar Wörtern auf den Sprung geholfen:
Die „Gilmore Girls“ handeln von der alleinerziehenden Mutter Lorelai (Lauren Graham) und ihrer Tochter Rory (Alexis Bledel), ihrem Leben in der (durchgeknallten) Kleinstadt Stars Hollow in Connecticut, welche nicht nur den ein oder anderen skurrilen und exzentrischen Bewohner beherbergt, sondern auch mit jeder Menge fragwürdigen Traditionen das Leben dort ganz schön aufpeppt, den typischen Mutter-Tochter Problemen, den nervenaufreibenden Dauerkrach mit den privilegierten Eltern/Großeltern Richard und Emily Gilmore, dem Karrieredrang, Erwachsenwerden und natürlich den Männern. Die Serie umfasst sieben Staffeln, welche sich vor allem durch ihre unschlagbaren und einzigartigen wortreichen Folgen auszeichnen, welche wiederum von spritzigen und schnellen Dialogen und witzigen Wortspielen getragen werden. Auch zeichnet sich die Serie durch die vielen Anspielungen an Literatur, Filme und Musik aus und ist somit ein Muss für jeden kulturell Interessierten, Literatur-, Film- oder Musikfreak. Aber auch der ganz normale Durchschnittsmensch, der sein Leben lebt, wird sich in den Charakteren der Serie wiedererkennen und wird noch dazu inspiriert, sich mit Dickens, Proust, Martha Stuart, Tolstoi, Twilight Zone, Puschkin, Donna Reed, E.A. Poe und und und… auseinanderzusetzen. Leider wurde nach der 7. Staffel die Produktion neuer Folgen eingestellt, aber die vorhandenen Staffeln bieten genug Stoff, um sich immer wieder mit den Gilmore Girls auseinander zu setzen. Selbst nach dem 5ten mal Schauen stolpert man immer wieder über neue Witze und Wortspiele, welche bisher an einem vorbei gegangen sind. Zum Abschluss empfehle ich, es sich mit den Gilmore Girls ganz à la Gilmore Girls-Tradition mit Pizza, Resten vom Chinesen, Toasterwaffeln, Marshmallows, sonstigen Naschereien und natürlich Kaffee, gemütlich zu machen.

2 Gedanken zu “Serienkiller: Gilmore Girls

  1. Bei den „Gilmore Girls“ hab ich mich getäuscht. Als ich damals vor vielen vielen Jahren nachmittags auf VOX die erste Folge gesehen habe, bin ich davon ausgegangen, dass das wieder mal eine witzige und geistreiche Serie ist, die mir zwar gefällt, aber in Deutschland sicher nicht funktionieren wird. Ich hätte nie gedacht, dass die Serie schnell zu einem endlos wiederholten Klassier werden und ein paar Staffeln später sogar den Sprung in die Prime Time schaffen würde. Wie gut, dass ich falsch lag und die Serie mittlerweile jeder kennt. Als Zeichen meiner Wertschätzung werde ich, sollte ich mir mal einen Hund anschaffen, diesen natürlich Paul Anka nennen.

  2. Nicht einmal Joss Whedon hat es geschafft solche Dialoge und so herrliche Figuren (Mein Gott, Michel!) zu schreiben.

    Dann wiederum teilt sich Gilmore Girls und Buffy einige (weibliche!) Autoren wie Jane Espenson und vor allem Rebbeca Sinclair.

Kommentar verfassen