Serienkiller: Dexter

Manch einer hat sich vielleicht schon gefragt, warum diese Rubrik eigentlich Serienkiller heißt. Naja, wahrscheinlich nicht. Dennoch: Kommen wir doch mal zur Sache und sprechen von einem echten Serienkiller. Das Problem hierbei: Ist er überhaupt ein echter Serienkiller? Glaubt man Fans der Serie, so wird er als äußerst sympathische Figur wahrgenommen. Nicht umsonst nennt man ihn schließlich „America’s Favorite Serial Killer“. Sein Name ist Dexter. Dexter Morgan.

Dexter Morgan ist Forensiker beim Miami Metro Police Department, hat eine Schwester Debra, die ebenfalls beim MMPD tätig ist, und mit der er ein sehr gutes Verhältnis pflegt. Außerdem hat er eine Freundin namens Rita Bennett, Mutter zweier Kinder (Cody und Astor) aus erster (?) Ehe. Aus seinem Umfeld glaubt (fast) jeder, ihn zu kennen und zu mögen. Dürfte auch daran liegen, dass er jeden Morgen Donuts ins Revier bringt. Klingt eigentlich nach dem sympathischen Herren von nebenan, oder? Allerdings gibt es da einen Haken: Dexter muss töten. Alle gerade genannten Eigenschaften dienen ihm nur als Tarnung, um sein wahres Ich zu verbergen. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses in seiner Kindheit schleppt Dexter die Sucht nach Mord mit sich herum. Sein Adoptivvater Harry Morgan, der ebenfalls Detective beim MMPD war und zu Beginn der Serie bereits verstorben ist, jedoch vor Dexter immer wieder durch Visionen in Erscheinung tritt, bemerkte, ich sage mal, ungewöhnliche Handlungen von Dexters Seite, je älter er wurde. Harry erkannte, dass Dexter zu einem Serienmörder werden würde und lehrte ihn die Vorgehensweise bei einem perfekten Mord und einen Kodex, nach dem sein Sohn seine Opfer aussuchen muss, sprich: andere Serienmörder und Schwerverbrecher, die vom Gesetz verschont geblieben sind.

Familie hat doch immer Priorität… oder?

Und so haben wir ein interessantes Konzept für eine Serie. Ich könnte bestimmt noch fünf Seiten darüber schreiben, was mir an Dexter alles gefällt oder nicht, jede Staffel analysieren, aber das würde selbstverständlich zu weit führen, deswegen versuche ich, mich einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mit Dexters Situation kommt natürlich ein Problem: Wie kann ich einfach so mein Umfeld, meine Freundin und meine Schwester im speziellen, als Tarnung benutzen, ohne eine emotionale Bindung aufzubauen, damit mein „Dark Passenger“, wie Dexter ihn nennt, nicht auffliegt? Ganz einfach: Weil ich es kann! Schon einmal überlegt, wie es wäre, durch das Leben zu gehen, ohne irgendeine emotionale Reaktion auf jegliche Geschehnisse zu zeigen? Dexter ist quasi gefühlskalt, er hat keine Emotionen und muss, um natürlich zu wirken, alles vorspielen. Er ist somit nicht nur Serienmörder, sondern auch Schauspieler. Apropos: Das bringt mich zum Darsteller von Dexter Morgan, dem hier absolut phänomenalen Michael C. Hall. Wenige Schauspieler können im Bruchteil einer Sekunde von „sehr emotional“ auf „todernst“ umschalten und alle Facetten eines vielschichtigen Charakters wie Dexter so glaubwürdig darstellen wie er hier. Dementsprechend kauft man es ihm voll und ganz ab, wenn Dexter gerade in einer persönlichen Krise steckt, weil ihm mal wieder jemand aus seinem näheren Umfeld vielleicht doch auf die Spur gekommen ist und er seine wahre Identität geheimhalten will. Bei Freundin, Kindern und Schwester (als Tarnung versteht sich) ist das nur allzu verständlich

Zu erwähnen wäre auch noch das Ensemble an Nebencharakteren. Hin und wieder gibt es Arbeitskollegen wie James Doakes, die ihm auf die Schliche kommen, jedoch ahnen die meisten nichts von seinem Doppelleben. Da gibt es auf dem Revier den obercoolen Hawaiihemd-Träger Angel Batista, seine nervige Chefin Maria LaGuerta, bei der ich mir manchmal wünsche, dass Dexter nachts mit ein paar Plastikfolien und einem Messer in ihrem Wohnzimmer auf sie warten würde. Der beste Nebencharakter kann allerdings nur Vince Masuka, der LFI (Lead Forensics Investigator… ja Vince, schon klar), sein. Dieses übertrieben freche Lachen, wenn er mal wieder einen zweideutigen One-Liner gebracht hat, wirft mich fast jedes Mal vom Stuhl. Allgemein ist relativ viel schwarzer Humor in die Serie eingebettet, was zu einem großen Teil auch durch das Voice-over von Dexter bedingt ist, mit dem er oft die Geschehnisse so trocken, wie er eben ist, kommentiert. Jedoch ist Dexter keine Comedy sondern durch und durch ein Drama, eben mit witzigen Momenten.

Dexter gehört aktuell zu meinen Lieblingsserien. Klar ist die eine Staffel mal etwas schlechter als die andere, aber mich fasziniert einfach, wie gut man sich mit einem Serienmörder identifizieren kann (Irgendwie fange ich gerade an, mir Gedanken zu machen). Mir gefällt das Konzept der Serie sehr gut, einen Serienmörder als Hauptfigur zu haben, der aber von seiner Mentalität her lange nicht so böse ist wie beispielsweise Walter White aus Breaking Bad. Vielleicht konnte ich ja jemanden mit diesem Artikel von Dexter überzeugen.

P.S.: Allein beim genialen Intro bekomme ich schon Lust auf die 7. Staffel!

Ein Gedanke zu “Serienkiller: Dexter

  1. Ich fand deinen Artikel super. Er hat mich wieder dran erinnert, dass ich die Serie eigentlich ja schon lange mal schauen wollte. Bis jetzt bin ich zwar erst bei der zweiten Folge, finde sie aber jetzt schon aufgrund der unüblichen Perspektive und den wirklich absurden Kommentaren von Dexter sehr interessant 🙂

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