Serienkiller: American Gothic

Ein Klassiker aus den 90ern ist natürlich American Gothic. Wenn man die Serie nicht gesehen hat, kennt man zumindest Grant Woods großartiges Bild. Auch nicht? Wenigstens als literarische Strömung? WAS?! Ungebildeter Haufen! Also bitte. Bleibt sitzen, ich erzähl euch ein bisschen was über American Gothic. Und nachdem Literatur ja veraltet ist und kein Schwanz was mit bildender Kunst anfangen kann, bleibe ich doch gleich bei der Serie. Die sehr skurrile Serie, in der manchmal mehr abgeht, als man auf den ersten Blick fassen kann.

In der Serie sind die Familienverhältnisse ähnlich gestört wie im Namensgeber von Grant Wood.

Darf ich ihnen Caleb Temple vorstellen? Caleb ist vielleicht nicht der Protagonist der Serie, aber in jedem Fall der Dreh- und Angelpunkt. Calebs Mutter hat sich nach seiner Geburt selbst umgebracht. Sein Vater wurde ebenfalls in den Suizid getrieben. Schuld an alldem ist Lucas Buck. Der korrupte Sheriff der kleinen Stadt Trinity, in der Caleb wohnt. Er regiert die Menschen der Stadt und zwingt sie dazu nach seinem Willen zu leben. Wie genau er das macht weiß keiner, aber seine Macht baut definitiv nicht nur auf Einschüchterung und seinem Amt auf. Ach, und Calebs Schwester ist ein Geist. Als Caleb in einer dieser stereotpyischen Gewitternächte zur Vollwaise wird, bietet sich der generöse Sheriff an ihn aufzunehmen.
Zwei neue Gesichter in der Stadt wollen das aber nicht so ganz zulassen. Gail Emory, eine junge Journalistin stellt sich als seine Cousine vor und Dr. Matt Crower riechen, dass in der Stadt etwas faul ist und entscheiden sich für Caleb zu kämpfen. Aber auch die beiden sind nicht so schuldlos, wie es zu sein scheint.
Alles in allem ist es der Kampf zwischen Gut und Böse. Und Caleb ist das Schlachtfeld.

American Gothic ist aber nicht so billig, wie es sich anhören könnte. Aus unserem post-postmodernen Blickwinkel aber leider schon sehr alt. Man hat nie das Gefühl, dass irgendeine Wendung raffiniert ist und man scheint die Charaktere schon zu kennen, bevor sie sich vorstellen. Trotzdem gibt es eine gewisse Magie. Die Story, die für uns schon tausend mal geschrieben wurde, ist immer noch faszinierend erzählt. Zumindest wenn man es schafft über diese 90er-Jahre Optik hinwegzukommen. Die notwendige Stimmung, die man für Geistergeschichten und schwarze Magie braucht, ist in jedem Fall da und nicht selten schaffen es die Macher einen ordentlichen Schauer über den Rücken des Publikums zu jagen.
Viel zeitlos Gutes findet sich in der Serie, wenn man sich darauf einlässt – wie überall.  Anderes wirkt aber schon sehr bekannt und tausend mal gesehen.

Was uns gleich zum nächsten Thema führt. Gerade bei betagteren Serien ist es oft faszinierend zu sehen was aus den Gesichtern dahinter geworden ist. Shaun Cassidy ist wohl niemand, den man kennt. Robert Tapert ist mit „Spartacus: Blood & Sand“, die ihre deutsche Free-TV-Premiere am 20. April auf ProSieben hatte, vielleicht für viele ein Begriff. Sam Raimi hingegen kennt jeder durch die letzte Spidermantrilogie.
Was mich selber überrascht hat, da er nur für einzelne Folgen angegeben wird, war, dass niemand anderes als David Eick bei allen 22 Folgen (Auch American Gothic gehört zu der Reihe der Serien, die zu früh gingen.) mitproduziert hat. Gebildete Leser (also SciFi-Fans) erkennen in David Eick einen der Masterminds hinter dem allzu gelungenem Reboot von Battlestar Galactica und Bionic Woman.

American Gothic ist in jedem Fall eine der seltenen Horror-Mysteryserien, die schon modern genug sind um einen Folgen übergreifenden Handlungsbogen zu haben und genug Verwirrung beim Zuschauer zu stiften. Insofern qualifiziert sie sich als eine dieser „guten, alten Klassiker“ betitelt zu werden, ist aber für den modernen Rezipienten kaum noch ein angemessener Zeitvertreib. Einwände will ich trotzdem bestärken.

Ich hab schon keine Ahnung mehr was da wieder abging.
Ich hab schon keine Ahnung mehr, was da wieder abging.

Zum Abschluss: Ich hatte versprochen überall in wenigen Schritten die Verbindung zu Joss Whedon aufzeigen zu können. Hier könnte Ich David Eick nennen, der sich für Battlestar Galactica den grandiosen(!) Schauspieler Tahmoh Penikett gesichert hatte, worauf dieser gleich eine Hauptrolle in Joss Whedons Dollhouse ergatterte. Viel einfacher, wenn auch weniger interessant ist, dass der (vollkommen unbekannte) Regisseur Bruce Seth Green (nicht zu verwechseln mit dem kürzlich erwähnten Seth Green) sowohl in American Gothic als auch in Buffy und Angel mitgearbeitet hat. Außerdem spielt die Sarah Paulson, Calebs Schwester Meryln, auch in Serenity mit. Joss Whedon ist überall. Ü-ber-all.
So say we all.

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