Richard Walters – Schmerztherapie gegen die Kälte

Winter – die Zeit der düsteren Nachmittage und Gesichter, des übermäßigen Glühweinkonsums, „Schick in Strick“ und Seratonin-Mangel, aber vor allem, der beißenden, ungnädigen Kälte. Wenn Väterchen Frost unsere äußeren Extremitäten in ein zartes Blau färbt, kann ein prasselndes Kaminfeuer und Tee der Sorte „Wintertraum“ helfen. Was jedoch tun, wenn beides nicht zur Hand ist, weil man erstens nur über eine Zentralheizung verfügt (wenn überhaupt!) und nur schnöder Kamillentee das Teeregal füllt? Richard Walters kann bei diesem Problem sicherlich Abhilfe schaffen.

Nein, besagter Herr Walters ist kein grinsender Home-Shopping-Scharlatan, der herzförmige Handtaschenwärmer für nur 5,99 € das Stück verschachert. Richard Walters ist jemand der allein durch seine bezaubernde Stimme unser Herz erwärmt, ganz nach dem Motto „cold hands, warm heart“. Das stellt der Singer/Songwriter aus Oxford auf seiner dritten LP „Regret less“ (VÖ Oktober 2012) wieder eindrucksvoll unter Beweis. In elf Tracks zeigt Walters den Umfang seiner Stimme – von tiefen, Jarvis Cockeresken Einschlägen bis hin zum chorbübischen Falsett verlangt er seinem Organ eine Talfahrt ab, die den Zuhörer mitreißt und ungläubig zurücklässt über derartige Virtuosität. Manch einer mag jetzt an Antony Hegarty (Antony and the Johnsons) denken, der stimmlichen Drag-Queen der Pop-Szene. Jedoch präsentiert sich Walters im Gegensatz zu Hegarty trotz stimmlicher Wandelbarkeit fernab von Theatralität und Dramatik. Nein, Walters bezaubert eher durch seine Unaufdringlichkeit indem er den Zuhörer durch seinen Gesang nicht überfordert. Es ist diese kraftvolle und zugleich sanfte Art des Gesangs die uns beim Hören einnimmt und natürlich sein charmanter Oxforder Akzent. „Regret less“ ist ein Album, das sich durch die leisen Töne in unsere Lieblings-Platten-Liste schleicht. Die Arrangements der Tracks, die zwischen Synthesizer-Melodien, dem klassischen Gitarre-und-Drum-Set und ruhiger Piano-Begleitung changieren, schmiegen sich Walters` Gesang, wie die Butter dem Brot, an. Ein wenig Streicharrangements dürfen hier natürlich auch nicht fehlen und verpassen seinen Melodien so diesen gewissen „bitter-süßen“ Einklang, jedoch ohne zu zuckersüß zu wirken. Richard Walters schafft Melodien, die uns einladen in melancholischer Schwermut zu schwelgen, die uns innerlich auftauen lässt (die gute Art der Schwermut eben), während seine Texte erfrischend bodenständig sind. Da ist mal jemand der über ein Mädchen singt, das sich ihr Haare schnitt (The Next Time I See You), über das erschreckende Gefühl in einer neuen Stadt anzukommen (Walk Softly Stranger) oder auch mal über Mütter, aber nicht auf jene despektierliche „McDonalds hat angerufen. Deine Mutter steckt in der Rutsche fest.“- Art (Regretless). Kein Wunder also, dass er sich zum Soundtrack-Darling von PrimeTime-Serien wie CSI: Miami,  Criminal Minds oder Grey´s Anatomy gemausert hat. Ein Wunder jedoch, dass sein Name hierzulande kaum noch Beachtung gefunden hat.

Denn Richard Walters braucht den Vergleich mit  Radioheads Thom Yorke und Phil Selway, Iron&Wine und Nick Drake keinesfalls zu scheuen, Musiker, die der 29-jährige selbst zu seinen musikalischen Einflüssen zählt. Scheint also kein Zufall zu sein, dass sein Bandkollege und Support auf der Europa-Tour, Adam Barnes, geradezu der Zwillingsbruder von Iron&Wine sein könnte.

Foto: Celine Meyll

Á propos Tour: im Glashaus(!), dass eine Station auf seiner Europareise war, bewies Richard Walters, dass er auch live stimmlich überzeugen kann und dass er außerdem außerordentlich bescheiden ist. So behauptete er, dass sich in Oxford wohl niemand bei unseren hiesigen Wetterverhältnissen aus dem Haus gewagt hätte um seine Show zu sehen. Gelohnt hat es sich allemal, denn am Ende konnten alle, aufgewärmt von Richard Walters` Musik, unbeeindruckt von der Kälte nach Hause gehen.

Der Junge ist eben besser als ´ne Zentralheizung. So sei jedem empfohlen, der frierend auf den Bus oder sonstiges in diesen kalten Zeiten wartet: Richard Walters kann Abhilfe schaffen.

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