Penny Dreadful – „Welcome to the demimonde“

Penny Dreadful

„Ich glaube sie sind das menschlichste Wesen, das mir je begegnet ist“. Dieser Satz war wohl einer der bewegendsten Momente in Penny Dreadful, als Vanessa dies zu Frankensteins Monster sagt. Denn irgendwie sind sie ja alle Monster in der Showtime-Serie. Die einen mehr, die anderen noch mehr. Doch was ist Penny Dreadful überhaupt und worum geht es?

Penny Dreadful ist eine Bezeichnung für sogenannte Groschenromane, welche zu Zeiten des viktorianischen Englands Themen wie Kriminal-, Horror- und Fantasygeschichten umfassten. Und genau das ist auch Penny Dreadful. In der Serie treffen die Personen Vanessa Ives, Malcom Murray, Ethan Chandler, Victor Frankenstein und Dorian Gray sowie einige weitere aufeinander und versuchen im viktorianischen London nicht nur ihre eigenen Dämonen zu besiegen.

Seit Freitag ist das Staffelfinale auf Netflix zu sehen und lässt einen mit einem mulmigen, aber auch gierigen Gefühl nach mehr zurück. Warum man sich die Serie unbedingt anschauen sollte, erfahrt ihr hier.

When Lucifer fell, he did not fall alone.

Die Schauspieler und das Setting

Gute Schauspieler sind ein Muss für eine gute Serie bzw. einen guten Film. So bietet Penny Dreadful die Chance, immer wieder an darstellerische Grenzen zu gehen und darüber hinauszuwachsen. Besonders Eva Green als Vanessa Ives spielt beeindruckend. Sei es als eine vom Teufel besessene Kranke oder eine todbringende Hexe, ein verunsichertes Mädchen, welches nur ein normales Leben führen möchte oder als eine starke, unerschütterliche Dame.

Auch wenn die Serie genug Horrorgestalten und Magie beinhaltet, so transportiert sie doch das Gefühl des industriellen Zeitalters und zeigt authentisch die Schattenseiten dieser Ära. Realitätsnahe Kostüme und die Einbindung von für diese Zeit typischen Kranken- und Irrenanstalten und echten Vorkommnisse (Angst vor der Rückkehr von „Jack the Ripper“ und die Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts „Madame Tussauds“) lassen die Welt lebendig und glaubhaft wirken.

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(c) Neal Street Productions, 2014

Die Ästhetik

Auch die Optik kommt nicht zu kurz, denn diese punktet durch wunderschöne Kostüme und traumhafte Schauplätze, sowie grauenerregende Gestalten und blutige Rituale. Es wird komplett auf einen billigen Ekel- und Schockfaktor verzichtet und alles in ein schaurig romantisches Licht gerückt. Nacktheit und Sex werden hier unverblümt eingesetzt, sie erweisen sich jedoch als wichtige Elemente für die Geschichte, die Ästhetik und für die Atmosphäre. Fantastische Kamerafahrten und eingehende Melodien runden das ganze ab.

Aber am besten sind, meines Erachtens, die Dialoge. Langsam hat man diese Hollywood 08/15-Gespräche satt, von denen man denkt, ein Kind hätte sie geschrieben. Hier findet man Poesie pur, welche ein jedes nostalgisches Herz, das Wert auf schöne Sprache legt, höher schlagen lässt. Eben ganz im Stile der Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts.

For the Monster is not in my face. It is in my soul.

Literarische Adaptionen

Schon des Öfteren wurde versucht, mehrere literarische Figuren in Filmproduktionen einzubinden (Van Helsing, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen) – doch seien wir mal ehrlich, wirklich gut funktioniert hat das nie. Die Charaktere wurden überhäuft mit flachen, klischeehaften Zügen und überzeugend waren sie nie. Und spannend erst recht nicht. Penny Dreadful schafft das bis dato Unmögliche. Mit Vorlagen aus den Werken Frankenstein, Dracula und Das Bildnis des Dorian Gray wurden Charaktere geschaffen, die sowohl glaubhaft als auch interessant sind und das Bedürfnis in einem wecken, mehr über sie erfahren zu wollen, sei es, hinter die steinerne Fassade von Dorian zu blicken oder Victors Qualen endlich zu einem Ende kommen zu sehen. Gelungen sind auch die kleinen Anspielungen für diejenigen, welche die Werke kennen. So verbirgt sich beispielsweise in der Beziehung zwischen der entführten Mina Murray und dem Vampir mehr, denn in Bram Stokers‘ Werk gilt Mina als die geliebte Draculas.

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(c) Neal Street Productions, 2014

Die Figuren und deren Verhältnisse

Und man will nicht nur mehr über Dorian Gray oder Victor Frankenstein erfahren, sondern auch über die anderen, nicht adaptierten Figuren. Jeder Protagonist hat seine eigene Geschichte und seine eigene Storyline, welche immer wieder auf die von anderen trifft, manchmal den gleichen Weg geht, um dann doch wieder eine andere Route einzuschlagen. (Spoiler!) Brona z.B. ist eine kranke Prostituierte, die mitunter ihr Geld bei Dorian Gray verdiente. Sie wird zur Geliebten Ethan Chandlers, welcher aber auch Gefühle für Vanessa hegt. Als Brona stirbt und als Frankensteins Monster Lily, ihrer Erinnerungen beraubt, zurückkehrt, beginnt sie ein Verhältnis zu Victor aufzubauen und schließt über ihn eine Freundschaft zu Vanessa. Dann lernt sie erneut Dorian kennen, es zeigt sich ihr teuflisches Inneres, sie macht Victors anderes Monster Jon zu ihrem „Liebhaber“, kehrt dann aber wieder zu Dorian zurück und beginnt mit ihm ein mehr als fragwürdiges Zusammensein. (Spoiler Ende!)

You would do better to ask your soul to leave you. We are bound on a wheel of pain, thee and me.

Menschliche Abgründe

Ja, wie ihr vermutlich schon bemerkt habt, ist keine der Figuren wirklich „normal“. In der Horrorserie steht das Thema psychosexuelle Störung ganz oben, denn genau dieses Problem zieht sich durch die ganze Serie und prägt jeden Charakter auf seine eigene Weise und nicht nur Vanessa Ives scheint unter diesem Problem zu leiden. Sex löst hierbei jedes Mal eine Kette von Vorkommnissen aus, unter welchen meist nicht nur ein Charakter zu leiden hat. (Spoiler!) Wo es bei Vanessa eine Besessenheit auslöst, treibt es Victor Frankenstein in die Drogensucht und verwandelt Malcom Murray in Evelyn Pools Sklaven. (Spoiler Ende!) Dorian Gray steht in dieser Serie sowieso, wie schon im ursprünglichen Werk, für die Versuchung und egal, wo er auch hinkommt, verdirbt er die Menschen um sich herum. Besonders das Verhältnis zu Lilly macht dieses Gespann teuflisch.

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(c) Neal Street Productions, 2014

Jeder kämpft mit sich selbst und versucht, seine inneren Dämonen zu bezwingen. Und Vanessas Teufel legte bereits eine beachtliche Leistung hin und zog schon so manchen in den Abgrund. Das Finale wirft nun wieder viele Fragen auf. (Spoiler!) Was wird aus Vanessa, so ganz alleine in London? Verliert sich Victor endgültig in seiner Drogensucht? Kann Malcom Murray durch seine Reise nach Afrika endlich mit seiner Vergangenheit abschließen? Was wird Ethan in Amerika erwarten? Wohin führt das Schiff mit Jon und was werden Lily und Dorian tun? (Spoiler Ende!)

Remember, death comes for us all.

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