Nintendo Switch und die Sache mit der Zielgruppe

Was habe ich Nintendo früher geliebt! Mit einem der erste Marios auf dem uralten Gameboy Pocket ging es damals für mich los, und gerade in den folgenden Jahren sollte Nintendo auch weiterhin ein Garant für Spaß für mich sein. Wie sehr ich bei „Pokemon“ in den Top 4 gezittert habe, wie viel Zeit ich allgemein mit Nintendo Spielen verbracht habe! Das war aber nicht das einzige, denn es gab auch extrem viele geniale Spiele von Drittherstellern: „Megaman“, „Sonic“, „Kingdom Hearts“, ich könnte ewig weitermachen.

Genauso lief es später mit dem DS weiter: „Spectrobes“, „The World Ends with you“, „Zelda: Phantom Hour Glass“, so viele gute Spiele! Und letztendlich hat Nintendo es auch geschafft, mir die Wii anzudrehen. Der Nachfolger von „Spectrobes“, das geniale „Twilight Princess“, „Xenoblade Chronicles“, die Konsole bot mir genau das, was ich immer wollte: verdammt gut Spiele! Das Tolle: Alle Nintendo Konsolen bzw. Handhelds waren meistens verhältnismäßig günstig, sodass es für meinen kleinen, Taschengeld-abhängigen Geldbeutel erschwinglich war.

Aber man wird eben älter, und schon bald übten die dampfenden Straßen von „GTA IV“ oder die coole Baller-Action von „Uncharted“ eine weitaus größere Faszination aus, als es Nintendo Titel zu dem Zeitpunkt konnten. Und so kaufte ich mir eine PSP, später eine Xbox 360, noch später Ps3, und heutzutage rotieren fast alle Spiele in einem Ps4-Laufwerk.

Nach dem spektakulären Versagen der Nachfolgekonsole WiiU dürfte bei Nintendo nun also die Hoffnung sehr groß sein, dass die Switch an den Erfolg der guten alten Zeiten anknüpfen kann und den Konzern gegen die Dominanz von Sony und Microsoft wieder ins Rennen schickt. Und da die ehemalige Kundschaft teils scharenweise zur Konkurrenz übergelaufen ist, wird man wohl auch Alles mögliche tun, um eben jene Kundschaft wieder reinzuholen. Würde man zumindest meinen. Tatsächlich liefert Nintendo aber genau das nicht, was viele als Sterbegrund der WiiU bezeichnen und was man auf der Playstation 4 und der Xbox One heutzutage in Scharen vorfindet: Spiele.

Ich möchte hier nicht groß auf die Rahmendaten der Switch eingehen, nur so viel: Ja, 330€ ist deutlich zu teuer für eine Konsole, die zu schwach ist, um aktuelle Blockbuster-Titel wie „GTA“ oder „Red Dead Redemption“ abzuspielen. Ja, Teile des Equipments wie der unsäglich teure, im Vergleich zur Konkurrenz sogar deutlich schlechtere Pro-Controller sind eine Frechheit. Ja, einige Knöpfe der Switch wirken nicht gut verarbeitet und ja, die Switch hat unterwegs nur zwischen 2 ½ – 6 Stunden Akku.

Aber in der Vergangenheit hat sich, gerade bei der Wii, immer und immer wieder gezeigt, dass eine solche Idee Erfolg haben kann, wenn nur genügend Spiele da sind. Somit findet die Konsole mehr Käufer, was wiederum dazu führt, dass Dritthersteller eher Spiele für das System entwickeln, und zwar eigenständige, keine Ports! Ein Kreislauf, der aber auch deutlich nach hinten losgehen kann, wenn man nicht liefert. Also wo sind die Spiele, Nintendo? Ja, „Zelda“ hat beim Anspielen wahnsinnig viel Spaß gemacht und auch Arms ist komplexer, als man denkt, aber was habt Ihr sonst? Ein aufgewärmtes „Mario Kart 8“, „1-2-Switch“ als peinliche Minispielsammlung zum Vollpreis, irgendwann zu Weihnachten dann „Mario Odyssee“, ein sechs Jahre altes „Skyrim“? Ist das euer Ernst?

Die Ideen sind da, das Konzept hat gerade für Familien und kleinere Kinder Potential, aber was ist an Unterhaltung für Erwachsene da? Momentan gibt es keinen nennenswerten Third-Party-Titel für Erwachsene, und zahlreiche Studios haben bereits angekündigt, nicht für die Switch zu programmieren, weil sie schlicht zu schwach ist um den Studios die Möglichkeit zu bieten, ihre Kreativität voll umzusetzen. Und wer jetzt kommt und sagt, dass Kreativität nicht durch Technik eingeschränkt wird, soll mir bitte erklären, wie ein „The Last Guardian“ oder „Grand Theft Auto“ auf der Switch funktionieren soll.

Ich gönne der Switch wirklich den Erfolg, denn je mehr Hersteller in der Branche Erfolg haben, desto besser ist es für den Markt und letztendlich auch den Kunden. Nur leider gehöre ich einfach nicht mehr zur Zielgruppe. Nintendo will keinem Markt ansprechen, sondern einen neuen erschließen. Und der richtet sich eben an Jüngere und Familien. Ob die aber die Switch in Zeiten von günstigen Tablets und Multimedia-Smartphones brauchen werden, wage ich zu bezweifeln.

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