Kaugummi #13: Lichtarbeiten

Die Namen Avid und Final Cut hat mit Sicherheit jeder schonmal gehört, der sich zumindest ein wenig für die Herstellung von Filmen interessiert. Das sind jene bahnbrechenden Programme, die den Filmschnitt in die digitale, non-lineare Dimension überführt und das Filmemachen, wie deren Ästhetik unwiderruflich verändert haben. Der Englische Patient war 1996 der erste digital geschnitte Film, der den Oscar für Schnitt gewann. Der Editor war Walter Murch und benutzt hat er Avid, welches noch immer als Standard in der Branche gilt. Wieder war es Walter Murch, der 2003 den Film Unterwegs nach Cold Mountain mit Final Cut  geschnitten und es somit salonfähig gemacht. Das besondere daran war, dass Final Cut bis dahin eher als verhältnismäßiges günstiges Programm für Amateurfilmer konzipiert war. Nun könnte ein weiter revolutionärer Schritt (oder Schnitt?) bevorstehen.

Das Schnittprogramm Lightworks, das fast zeitgleich mit Avid auf den Markt kam, sich aber nie durchsetzten konnte, wir seit Ende letzten Jahres als Open Source angeboten. Die aktuelle Version befindet sich noch im Beta-Status, soll sich aber kostenlos aktualisieren lassen, sobald die Finalversion und Updates verfügbar sind. Mit den Vorgängerversionen wurden Filme wiez.B.  Good Will Hunting, Braveheart, Pulp Fiction, The Departed oder zuletzt The Kings Speech geschnitten. Das Interface ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da es keine feste Struktur an sich gibt. Der User kann/muss z.B. selbst bestimmmen wie er die Fenster anordnet. Die Funktionen hingegen sind denen von Avid oder FC sehr ähnlich.

Ein professionelles Schnittprogramm vollkommen umsonst also. Das trifft den Zeitgeist und es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Lightworks in der Branche ausbreitet. Bewiesen hat es sich ja schon. Nun,  ganz umsonst ist das Programm dann doch nicht ganz. Um beispielsweise HD Material von DSLR Kameras flüssig schneiden zu können, braucht es einen bestimmten Videocodec. Und dieser Codec ist wie einige andere lizensiert, heißt kostenplfichtig. Mit der Standardversion lassen sich erwähnte HD Videos nur sehr schwerlich schneiden. Es soll bald einen Shop geben, wo man sich kostenpflichtig (der genaue Preis ist noch nicht bekannt) jene Codecs dann runterladen kann.

Download und Infos hier.

Um diesen zugegeben sehr speziellen und trockenen Artikel aufzulockern hier noch ein Video von ein paar älteren, französischen Herren, die auch einen Weg gefunden haben mit Licht zu…arbeiten (Danke an Heiko, der mich auf die Möglichkeit dieser grandiosen Überleitung hingewiesen hat).

3 Gedanken zu “Kaugummi #13: Lichtarbeiten

  1. Du kannst HD Material auch in der Standardversion schneiden. Wenn du es z.B. vom Tape einspielst, kein Problem. Material von einer Canon musst du halt erst enkodieren (geht in Lightworks), dann kannst du auch ohne den besagten Codec einwandfrei damit arbeiten. Ist halt ein Arbeitsschritt mehr. Selbt wenn du einen Codec einkaufen musst, hast du immer nur noch einen Bruchteil von FC oder Avid bezahlt, aber dieselbe Qualität, dieselben Möglichkeiten hast. Irgendwann wird es eh einen Codec Standard geben und die Komatibilitätsprobleme verschwinden von selbst. Wie gesagt geht es ja auch darum, was in Zukunft kommen wird und wie Lightworks sie vielleicht beeinflussen wird.

    Final Cut ist zum Teil schon das was es ist, weil Cold Mountain damit geschnitten wurde. Erst verweigerte Apple die Zusammenarbeit mir Murch, weil sie glaubten, dass FC noch nicht reif dafür war. Sie haben dann doch zugestimmt und eng mit Murch zusammengearbeitet, der so einen nicht zu missachtenden Einfluss auf die Entwicklung hatte. Und wer die Publicity hat dem Aufstieg des Programms sicher auch nicht geschadet. Solche Entwicklungen kommen eben nicht nur von innen heraus.

  2. Ich weiß nicht ob das wirklich Sinn macht mit Lightworks zu schneiden…mittlerweile schneidet schließlich kaum noch jemand SD-Matrial und Final Cut konnte schließlich auch nur Macht am Markt gewinnen, weil es zeitweise mit bestimmten Arbeitsweisen kompatibler war als andere und die Bedienung intuitiv, nicht weil Cold Mountain damit geschnitten wurde. Sicherlich ist es ein Plus wenn man weiß, dass auch Profis mit einer Software schneiden aber vorrängig zählt doch die Bedienung und Kompabilität. Jetzt schreib ich grad an meiner eigentlichen Aussage vorbei….wenn also zusätzlich Codecs eingekauft werden müssen, erschwert das die Benutzung und das Programm kostet letzten Endes doch etwas. Da hab ich doch lieber ein Komplettpaket (bspw. mit Soundtrack Pro, Motion, Color und Co.) das definitiv immer von selbst auf dem neusten Stand bleibt. Und wenn ich kein Geld hab, dann schneid ich halt mit iMovie oder WindowsMovieMaker, die bieten fürs erste ja auch genügend Spielraum.

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