James Bond 007: Skyfall

Er ist wieder da: Bond, James Bond! Und er kommt mit noch mehr Action und Gefühl zurück. Somit macht er dem 50. Jubiläum der Bond-Filme alle Ehre und bietet im metaphorischen Sinne des Wortes einen richtigen Skyfall.

Entgegen der Vermutung, dass der dritte Bond mit Daniel Craig die Thematiken der vorangegangenen Filme Casino Royale und Ein Quantum Trost und somit weiterhin die Organisation Quantum in den Mittelpunkt stellt, öffnet er eine ganz andere Thematik: Wie ich finde, eine einfachere und persönlichere. Entgegen den Verwirrspielen der letzten James Bond-Filme, verfolgt der Agent in Skyfall angenehmerweise nur einen Täter und nachdem dieser enthüllt ist, wird nur zu schnell klar, was sein Ziel ist, nämlich M umbringen.

Aber für diejenigen, die noch nicht im Kino waren, kurz zur Handlung: Bond und seine Kollegin Eve sind hinter Patrice her, dem Dieb einer Festplatte, auf welcher alle Nato-Mitglieder, die in Terrororganisation eingeschleust wurden, gespeichert sind. Dabei wird er von seiner Kollegin unglücklicherweise angeschossen und für Tod gehalten. Nachdem ein Anschlag auf das Hauptquartier den MI6 erschüttert und in die Enge treibt, meldet sich Bond zum Dienst zurück und nimmt seine Jagd nach Patrice wieder auf. Als dieser bei einem Gefecht zwischen ihm und Bond zu Tode kommt, findet Bond durch seinen Spürsinn und durch Hilfe der ominösen Sévérine zu dem Auftraggeber und kann diesen überwältigen. Der Drahtzieher des Ganzen ist Raoul Silva, ein Ex-MI6-Mitglied, welches von M zum größeren Wohl in Gefangenschaft zurückgelassen wurde, und nun Rache üben will. Silva entkommt dem MI6 und Bond kann M eben noch vor einem erneuten Anschlag Silvas retten. Daraufhin taucht er mit ihr unter und verbarrikadiert sich mit M auf dem Anwesen seiner verstorbenen Eltern: Skyfall. Daraufhin startet ein actionreicher Kampf gegen Silva.

Visuell hält der neue Bond alles, was seine Vorgänger vorgegeben haben, wenn er nicht sogar noch einmal eins draufsetzt. Auf jeden Fall darf man sich auf einen spektakulären Kampf auf dem Dach eines fahrenden Zuges, eine wilde Verfolgungsjagd mit Motorrädern über mediterrane Dächer und ein flammendes Inferno am Ende des Filmes freuen. Und auch auf der Figurenebene schafft es Skyfall wieder ein interessantes Ensemble um Bond zu kreieren: Jedes Frauenherz, welches Craig mittlerweile als zu abgehärmt und alt betrachtet, bekommt durch den schnuckeligen Q (Ben Whishaw) einen Hüpfer und für die Männer gibt es gleich zwei Bondgirls, Eve und Sévérine (Naomie Harris, Bérénice Marlohe), von welchen eines eine gelungene Überraschung für den Zuschauer bereithält. Und auch mit Gareth Mallory (Ralph Fiennes) wird ein interessanter Charakter eingeführt, der am Ende ebenfalls überrascht.

An dem Film fallen jedoch einige negative Sachen auf: Gegen Ende von Skyfall entwickelt sich der Bösewicht Silva (Javier Bardem) immer mehr zur Jokerfigur, ohne natürlich der Eleganz Heath Ledgers auch nur annähernd zu entsprechen. Und das Bild von Silvas schwarzen Umrissen vor dem brennenden Haus, als Haltung und Konturen gänzlich denen des Jokers entsprechen, kann meiner Meinung nach kein Zufall gewesen sein. Insgesamt scheint es, dass die Macher des neuen Bonds sich etwas zu stark an den Dark Knight-Filmen von Nolan orientiert haben. Bond gleicht durch seinen Fall und sein Aufstehen sowie nach der Offenbarung seiner Kindheitsgeschichte stark Bruce Wayne. Der Bösewicht verkörpert mit seiner verätzten Wange etwas von Two-Face, welcher schließlich auch Rache nimmt, an denen, die dafür verantwortlich sind, und Silvas Kenntnisse vom Untergrundsystem Londons lassen schwer an Bane und seinen Unterweltterror erinnern, wobei das Bild der hinabstürzenden U-Bahn nicht das letzte ist, welches so in den Dark Knight-Filmen vorkommen könnte.

Ich finde es schade, dass die Produzenten anscheinend meinten, sie müssen die Dark Knight-Trilogie toppen und anstatt selber kreativ zu sein, sich zu stark dieser angenähert haben. Der neue James Bond, unabhängig davon betrachtet, ist jedoch ein stimmiger Film und  Bösewicht Silva doch ein eigensinniger und furchtvoller Bösewicht, der genau das richtige Maß an Grausamkeit und Wahnsinn hat und somit Bond auch nicht die Show stiehlt.

Der Showdown auf dem Anwesen Skyfall ist mein Lieblingsteil des Filmes, da er spannend und herzrührend ist. Etwas über Bond und seine Vergangenheit zu erfahren, ist lange fällig und gibt dem Rüpel-Bond, den Craig verkörpert, endlich Legitimation für sein Verhalten. Auch M wird noch menschlicher und die persönliche Beziehung zwischen Bond und M, welche bisher eher auf einer Hassliebe beruhte, schlägt in eine andere Richtung und bringt einen schon fast dazu, ein Tränchen zu vergießen.

Wiederum schade finde ich, dass die Geschichte um und mit M so beendet wurde, da ich hinsichtlich der chronologischen Betrachtung der Bond-Filme dies als einen großen Fehler betrachte, da Judi Dench als M schließlich in der „Zukunft“ nochmal auftritt. Und die Ausrede, dass Skyfall vielleicht viele Jahre nach Ein Quantum Trost ansetzt und sich somit inmitten der alten Bond-Filme einreiht, ist auch hinfällig, da in Skyfall Moneypenny eingeführt wird. Bleibt nur zu raten, die Filme eher als alleine stehende Einheiten zu betrachten, aber über die Chronologie dieser soll jemand anderes schreiben, der sich mit den älteren Bond-Filmen besser auskennt.

Zu sagen bleibt nur noch, dass ich den angedeuteten Wandel des Rüpel-Bonds zum eisernen Gentleman spannend finde (So ähnelt der Bond in Skyfall, der bei der Exekution einer Frau keine Wimper zuckt, aber bei der Zerstörung seines Aston Martin DB5 heiß läuft, schon eher dem typischen Bond als dem unkontrollierten, gefühlsbestimmten Bond aus Casino Royale und Ein Quantum Trost) und gespannt bin, wie es mit den Bond-Filmen und Craig als Bond weitergeht.

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