J wie Journey

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Peters Reise

Ich wachte auf. Ich öffnete die Augen. Überall war Sand. Bis zum Horizont erstreckte sich eine Mischung aus Sanddünen und seltsamen Steinen, die im Boden versenkt wurden. Ein Berg, aus dem ein mächtiger Lichtstrahl ragte, war aus der Ferne zu sehen. Wo war ich? Orientierungslos bewegte ich mich über die Sanddünen. “Ersteinmal geradeaus Richtung Berg” war mein Gedanke. Der Wind war sehr stark und es fühlte sich so an, als ob er mich in eine ganz bestimmte Richtung stoßen würde. Nach einer Weile kam ich an eine Art Ruine. Sie sah so aus, als gehörte sie zu einer längst vergangenen Zivilisation. Befindet sich vielleicht eine komplette Stadt unter mir, die schon seit Jahrhunderten im Sand vergraben ist? Solche Fragen stellte ich mir. Und plötzlich wollte ich mehr wissen. Ich untersuchte das Stück Ruine und betrachtete die Verzierungen. Dann sah ich im Innern der brüchigen Ruine eine leere Wand vor mir. Als ich ihr näher kam fingen einige Steine in der Nähe an, ein warmes Licht auszusenden. Sie reagierten auf mich. Ich versuchte in irgendeiner Weise mit ihnen zu interagieren, doch ich wusste nicht wie. Plötzlich fiel mir auf, dass ich gar nicht sprechen konnte. Das einzige, was ich von mir geben konnte, war ein seltsamer Laut. Eine Art akustisches Signal. Panisch lief ich umher. Der Drang nach der Antwort auf die Frage, wo ich bin und wer ich überhaupt bin, wuchs und wuchs. Ich verharrte vor der Steintafel. Ich dachte nach. Das Einzge was ich tun konnte, war ein Signal zu senden. Als ich das tat, fingen die Steine an zu strahlen und die Steintafel zeigte etwas. Seltsame Wesen mit Roben, die vor Steinen knieten oder lagen. Es waren offensichtlich die gleichen Steine, die ich in der Wüste gesehen hatte. Waren es vielleicht Grabsteine?

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Mit diesem Gedanken verließ ich die Ruine. Wieder war überall Sand. Der Drang nach Wissen schob mich über die Dünen bis ich auf einen Fels traf, der aus dem Sand herausragte. Eine Art Schwarm aus Karten umkreisten ihn. Vorsichtig näherte ich mich ihm. Keine Reaktion. Ich tat das einzige, was mir möglich war. Ich sendete meine Melodie, das akustische Signal, welches meine einzige Möglichkeit zu interagieren war, aus. Die fliegenden Karten fingen an zu glühen und umkreisten nun mich. Ein Gefühl der Schwerelosigkeit ergriff mich. Ich konnte für eine Zeit lang schweben. Vor Freude über diese neue Fähigkeit, probierte ich sie noch ein paar Mal aus und schwebte durch die Wüste. Plötzlich fiel mir in der Ferne ein sehr großes Gebilde auf. Vielleicht eine weitere Ruine zum Erkunden. Als ich dort ankam, erwartete mich eine große Tür. Vor ihr ein leuchtender Felsbrocken. Als ich den Stein mit meinem Signal berührte, wurde es hell um mich. Ich war geblendet. Eine seltsame Gestalt vor mir, hinter ihr war der Berg mit dem Lichtstrahl zu sehen. Es zeigte mir Bilder, Bilder von einer Zivilisation, wie sie entstand und sich entwickelte. Das Licht verschwand und ich stand wieder in der Wüste. Die große schwere Tür öffnete sich. “War ich auch ein Teil dieses Volkes, welches hier begraben ist?” war die Frage die ich mir stellte, während ich durch die Tür ging.

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Hinter dem Tor war erneut eine Wüstenlandschaft zu sehen. Doch dieses Mal ragten große Türme aus dem Boden. Sie waren umgeben von kleinen Bruchstücken und Felsen, die wieder von diesen seltsamen Karten umkreist wurden. Ich machte mich auf den Weg das Gebiet zu erforschen, doch plötzlich sah ich eine kleine Gestalt von weitem auf mich zu rennen. War es ein Gegner? Vorsichtig beobachtete ich es wie es näher kam. Es war rot gekleidet. Eine rote Robe mit einem rotgelben Schal. Es blieb vor mir stehen. Wie wild tanzte die Kreatur vor mir und spielte dabei ein akustisches Signal, welches sich wie eine Melodie anhörte. Mir wurde klar, dass dies ein Verbündeter sein musste. Auch ich spielte meine Melodie und wir umkreisten uns wie verrückt. Nachdem wir uns beruhigten, versuchte mir mein neuer Verbündeter etwas zu zeigen. Er sprang in die Luft. Immer und immer wieder. In der Luft spielte er seine Melodie. Ich wusste nicht genau, was er von mir wollte. Dann sah ich es. Ein Eingang, am höchsten Turm, der aus dem Sand rausragte. Hinter ihm schien es in eine Art Höhle zu gehen. Nun wusste ich, was zu tun war. Mit Hilfe der Karten, die einen schwerelos machen, konnten wir den Eingang erreichen. Wie schon zuvor, bei dem großen Tor, stand ein leuchtender Stein vor dem Eingang. Wir wussten beide, was zu tun war, und setzten uns vor den Felsen. Erneut erleuchtete uns ein helles Licht. Wieder sahen wir Bilder dieser unbekannten Zivilisation. Es schien so, als hätten sie mit Hilfe dieser magischen Karten sich weiterentwickelt. Ihre Städte waren nun modern und hell erleuchtet. Als das Licht verschwand, gingen mein neuer Verbündeter und ich weiter. Es war uns unmöglich miteinander zu kommunizieren. Doch ich war mir sicher, dass wir das gleiche Ziel vor Augen hatten: Den Berg mit dem hellen Lichtstrahl erreichen.

Nach langen Strapazen erreichten wir nun endlich den Fuß des Berges. Ich weiß nicht, wie lange wir unterwegs waren. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Mein Freund und ich haben bis hierhin viel erlebt. Viel Spaß hatten wir zusammen. Allerhand magische Orte und Wesen haben wir getroffen. Einige davon waren sehr gefährlich und teilweise hatte ich Angst um meinen Verbündeten, da ich ihn aus den Augen verloren hatte. Um so größer war die Freude, als ich ihn wiedergefunden hatte. Auch wenn wir nicht miteinander reden konnten, wussten wir, dass wir dieses Abenteuer zu zweit durchstehen müssen.

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Und jetzt stehen wir hier am Fuße des Berges. Die Wüste wurde zu einer Eiswüste und ab jetzt ging es bergauf. Wir beide wussten, dass wir bald am Ende unserer Reise sein würden. Schon die ersten Meter gestalteten sich schwer. Ein Schneesturm begann zu toben. Wir konnten uns nur noch schwer nach vorne bewegen. Das Gewand meines Gefährten war bereits in Eis gehüllt. Von dem knalligen Rot und Gelb war nur noch wenig zu sehen. Mir ist aufgefallen, dass seine Melodie, die sonst immer stark und laut war, etwas schwächer wurde. Nach einiger Zeit kamen wir an ein großes weites Schneefeld. Es war übersät mit seltsamen Steinen. Der Schneesturm hatte bereits seinen Höhepunkt erreicht, als ich bemerkte, dass es womöglich Grabsteine waren. Ich schaute zurück, ob mein Verbündeter noch hinter mir war. Zum Glück war er es noch. Wir kämpften uns Meter für Meter weiter, doch es sah sehr schlecht aus. Über uns tobte mittlerweile auch ein Gewitter. Blitze schossen durch die weiße Himmelsdecke und erhellte kurz die Umgebung. Das einzige, was ich noch sehen konnte, war mein kämpfender Partner und der Berg mit dem seltsamen Licht am Horizont. Immer langsamer wurden wir und immer kürzer wurden unsere Schritte.  Ich versuchte meinem Partner ein Signal zu geben, doch es kam nichts oder es wurde vom Schneesturm völlig verschluckt. “War es das jetzt gewesen?” fragte ich mich und fiel vor Erschöpfung in den Schnee…

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Da ich nicht das komplette Spiel spoilern möchte (zumindest das Ende sollte meiner Meinung nach jeder selbst und unvoreingenommen erleben), werde ich hier jetzt aufhören. Journey ist wirklich ein besonderes Spiel. Im Grunde wird nur wenig von der Geschichte preisgegeben. Die eigentliche Story wird in den Köpfen der Spieler geschrieben. Jeder nimmt dieses Spiel anders wahr. Ich habe es alleine an einem gemütlichen Abend daheim gespielt und war danach richtig perplex und hätte nicht gedacht, dass dieses Spiel bei mir so viele Emotionen auslösen könnte. Ich habe in diesem Spiel eine Verbindung zu einem Menschen aufgebaut, den ich überhaupt nicht kenne. Ich hatte Angst, ihn an gewissen Stellen aus den Augen zu verlieren und habe mich unglaublich gefreut, ihn dann wiederzufinden. Dadurch, dass ich auch nicht mit ihm reden konnte, wurde das Gefühl auch intensiviert. Von anderen habe ich gehört, dass sie es langweilig finden, da ja kaum etwas passiert und man quasi nur durch eine Wüste läuft. Andere haben es in einer Gruppe gespielt und hatten als dominierende Emotion eher Spaß als alles andere. Das ist das besondere an Journey, jeder schreibt seine Geschichte selbst.

Timos Reise

Es war nicht meine erste Reise. Schon drei- oder viermal bin ich zum Berg gepilgert, habe unzählige andere Schalträger getroffen und mal mehr mal weniger mit ihnen zusammengearbeitet. Seien wir mal ehrlich, schon beim zweiten Mal nerven einfach zu langsame Gefährten, der spaßigste Teil kommt zum Schluss und da will ich schnellstmöglich hin – dachte ich auch, als ich diesmal im Sand aufstand und den Berg in der Ferne fixierte. Ziemlich früh traf ich auf die erste rote Gestalt. Ping – Ping. Mehr kann man sich sowieso nicht ausdrücken.

Doch anscheinend kannte die Gestalt ziemlich viele versteckte Abzweigungen, die meist zu einem längeren Schal führten (hehe). Wieso nicht? Mir war eh langweilig. Es muss ein Ferientag gewesen sein, da ich  mit nichts als meiner Playstation (und Kleidung!) bei meinen Eltern saß. Ein Trick bei Journey ist es, sich eng aneinander zu kuscheln und immer mal wieder zu pingen, dadurch lädt sich der Schal auf und man kann fast unendlich nach oben fliegen. Durch diese Technik waren wir sehr erfolgreich, stahlen uns an Monster vorbei und sammelten Eindrücke abseits des normalen Pfades. Und schon bald kam der Schluss näher: Die Wolken lichteten sich und der Geschwindigkeitsrausch setzte ein, als ich mit unendlich aufgeladenen Schal durch den Himmel donnerte. Am Ziel angekommen war ich allein.

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Man wird im Spiel mit neuen Spielern zusammengewürfelt, wenn man sich von seinem aktuellen Partner zu weit entfernt. Ist mir das auch passiert? Hab ich diese Gestalt, die mich die ganze Zeit begleitet hat, im Rausch verloren? So stand ich da, fragend, wollte nicht alleine die Ziellinie überschreiten. Und probierte mal, ob man im Spiel überhaupt zurücklaufen kann.

Unten wieder angekommen hielt ich Ausschau. Und es dauerte nicht all zu lange, da sah ich schon etwas durch die Wolken huschen. Als die Gestalt auf gleicher Höhe war, stieg ich erneut zum Ziel hoch, diesmal mit Begleitung. Ob es nun die selbe Gestalt war wie zuvor oder eine neue, wusste ich nicht. Aber ich wünschte es mir.

Als wir oben im Sand landeten, war das Ziel direkt vor uns. Nachdem man das Spiel beendet hat, sieht man alle Namen der Charaktere, die man auf der Reise traf. Ich wollte schnell hindurch und sehen, ob ich wirklich nur mit ein und derselben Person unterwegs war. Aber direkt vor dem Ziel lief die andere Gestalt wieder zurück. Und wieder ein bisschen vor und wieder zurück. Wollte sie mich verarschen?

Ich stand da, fragend, genervt und wunderte mich nur, bis ich sah, was die Person da machte: Sie malte mit ihren Schritten ein Herz in den Sand.

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Nachdem ich das bemerkt hatte, lief ich ebenfalls ein Herz in den Sand. Wir beide pingten fröhlich und beendeten zusammen die Reise. Als danach an der Stelle, an der die Namen aufgelistet werden, nur ein Name auftauchte, spürte ich Freude, wie noch in keinem Spiel zuvor. Es liegt zwar mehr am anderen Spieler als direkt am Spiel, aber es ist genau so gemacht, dass solche Emotionen möglich sind.

Die Freundschaftsanfrage danach ließ nicht lange auf sich warten. Leider spricht die andere Person eine mir unbekannte Sprache. Vielleicht kann das ja hier jemand übersetzen.

awwwww

(no homo)

2 Gedanken zu “J wie Journey

  1. Die Story hört sich wunderschön an und die Screenshots sind einmalig. Das gibt’s ja wohl aber leider nur für die PS3 🙁

    Schade eigentlich. Ein märchenhaftes Spiel hätte ich gerne mal wieder ausprobiert.

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