In der Zwickmühle

Mandant Louis Roulet hat sich nicht ohne Grund den Strafverteidiger Mick Haller ausgesucht. Doch bis Haller dahinter kommt, wieso gerade er, der sein Geld damit verdient, günstige Deals für Drogendealer, Prostituierte und andere Klienten auszuhandeln, von dem reichen Immobilienmakler auserwählt wird, scheint seine Situation zugespitzt und beengt. Dann wird auch noch sein einziger Vertrauter, sein Ermittler, ermordet. Was nun?

Der unkonventionelle Anwalt Mick Haller (Matthew McConaughey) lässt sich von seinem Chauffeur quer durch L.A. von Gerichtssaal zu Gerichtssaal fahren. Zwischen den Verhandlungen und den Besuchen in der Untersuchungshaft nutzt er den Rücksitz seines Wagens sowie die Straße als Büro. Er ist eben so smart wie gewieft, wobei er sich auf einem schmalen Grat zwischen Trickbetrug und Legalität bewegt.

Doch dann scheint Haller einen großen Fisch an der Angel zu haben: Louis Roulet (Ryan Phillippe). Der vermeintliche Saubermann entpuppt sich schnell als zwielichtige Person. Haller kann Parallelen zu einem früheren Fall erkennen und gerät in einen Sog aus Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Und noch bevor Haller gemeinsam mit seinem Ermittler und guten Freund  Frank Levin (William H. Macy) das Rätsel löst, wird Levis ermordet. Haller muss den Fall alleine lösen und Roulet vor Gericht vertreten, obwohl er inzwischen weiß, wie sich der Fall zugetragen hat. Er sitzt in der Zwickmühle, denn Louis und seine Mutter scheinen intriganter als zunächst vermutet. Obendrein gerät Haller in Lebensgefahr und kann am Ende doch jenes erreichen, was ihm seit der Aufdeckung auf der Seele brannte. Der Film endet, wie er begann: mit einem triumphierenden souveränen Anwalt auf dem Rücksitz eines Lincoln.

Nachdem Matthew McConaughey in etlichen Hollywoodstreifen der jüngsten Vergangenheit den Playboy gab, kann man den einstigen Jurastudenten, der jedoch das Studium zu Gunsten eines Filmstudiums abbrach, endlich wieder als Anwalt sehen. Diese Rolle steht ihm einfach.

Vorbild für den Film „The Lincoln Lawyer“ (Originaltitel) ist der gleichnamigen Roman von Michael Connelly. Die Geschichte hält wenige Überraschungen offen und bleibt doch spannend. Immerhin ist unklar, wie sich Haller aus der Situation lösen möchte. Der trickreiche Anwalt zeigt nicht nur, wie gewieft er ist, sondern beweist auch großen Mut. Immerhin geht es auch um das Wohl seiner Familie. Dabei werden weniger Motive und Hintergründe herausgearbeitet, vielmehr steht die Lösung des Falles mit all seinen Tücken im Vordergrund. Ein ernüchternder unpsychologisierterHollywood Film, der dennoch eine Identifizierung mit den Charakteren zulässt.

Zudem ist „Der Mandant“ endlich mal wieder ein Film mit einem richtig guten Soundtrack, der wunderbar die Szenen und den Schauplatz untermauert. Bobby Bland singt „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ und Haller lässt sich durch die Stadt chauffieren. Regisseur Brad Furman versteht es wunderbar Los Angeles mal ganz anders zu zeigen, weniger großstädtisch. Die Farbgebung und das beinahe unaufdringliche L.A. erinnern an einen 70er Jahre Stil vermischt mit einem Hauch Mexiko.

Da möchte man sich neben Haller setzen und sich mit ihm durch die Stadt fahren lassen.

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Der Mandant (The Lincoln Lawyer – USA, 2011)

Regie: Brad Furman

Darsteller: Matthew McConaughey, Marisa Tomei, Ryan Phillippe

Läuft aktuell im Kino.

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