„Consider yourself defiled.“ – Große Schwerenöter im Fernsehen

Schürzenjäger sind komisch. Weiberhelden nerven. Womanizer ist ein ganz blödes Lied. Aber mein Gott! Im Fernsehen sind diese Menschen cool! Richtig inszeniert, mit einer Dosis an „What the fuck do I care?“ und jeder Menge „How you doin‘?“, kann keiner Nein zu diesen Kerlen sagen. Weder die Frauen noch die Männer. Sie sind unwiderstehlich. Ob die Magie echt ist oder nicht, auf unserer Seite der Mattscheibe finden wir sie großartig. (Dann wiederum ist es wohl schon was echtes. Wieso sonst hatte mein inzwischen Banken vertretender Freund in der zehnten Klasse die heiße Spanierin abbekommen? Es fällt mir kein anderer Grund ein.)

„You’ve had a lot of sex, right?“ – „When? Today? Some, not a lot…“

Joey Tribiani (Matt LeBlanc):

Ohne Joey wäre dieser Artikel wohl gar nicht möglich gewesen. Der Vater des „How you doin‘?“. Zwar hat er diese Zeile für alle Männer dieser Welt unbrauchbar gemacht, aber mit welchem Effekt! Er wechselt seine Frauen öfter als seine Unterwäsche, was hauptsächlich daran liegt, dass er keine trägt. Trotz allem ist er vielleicht der einzige Mann auf dieser Liste, der sich einen weichen, sympathischen Kern bewahrt hat und genug Anstand hätte, nicht mit deiner Frau zu schlafen. Und wenn man die Macht bedenkt, die er und seine Kollegen haben, ist das wirklich etwas, wofür wir normalsterbliche Männer dankbar sein sollten.
Übrigens: Im Moment ist Matt LeBlanc sehr überzeugend als eine fiktive Version von sich selber in der britisch-amerikanischen Zusammenarbeit Episodes zu sehen.

„How do you sleep at night, Don?“ – „In a bed made of money.“

Donald „Don“ Draper (Jon Hamm):
gesprochen „Don’t rape her“

Okay, niemand ist cooler als Mad Mens Don Draper. Wenn alle am Tisch lachen, drückt er gelassen seine Zigarette in den Aschenbecher und hängt sein Whiskeyglas über die Stuhllehne. Natürlich war er derjenige, der den Witz gemacht hat. Aber er bleibt cool. Don Draper hat das nicht nötig. Jemand hat ein Problem damit? Sein Witz war frauenfeindlich? Don schaut nicht von seinem Aschenbecher hoch. „If you don’t like the conversation, change it.“

Der coolste Protagonist seit der Erfindung des Fernsehens ist (mehr oder weniger) glücklich verheiratet, mit einer schönen Frau, auf der er virtuos spielt wie auf einem Instrument. Don Draper lebt in einer anderen Zeit. In den Sechzigern scheint man von ihm, einem Mann von hohem Rang in der Madison Avenue, zu erwarten, seine Frau auf regelmäßiger Basis zu betrügen. So ist es aber nicht. Er betrügt sie nicht, weil er ein Gesicht zu wahren hat. Er betrügt sie, weil er es will und kann.

Hank Moody: Drowning in a sea of pussy.

Hank Moody (David Duchovny):

Weird things happen to Hank Moody. Keiner weiß, warum, aber jeder Mann, jeder Mann, beneidet ihn darum. Er hat wohl einen Charme, den die weibliche Bevölkerung besser nachvollziehen kann. Zumindest die weibliche Bevölkerung in Californication. Aufmerksamen Zuschauern ist aufgefallen, dass es (mit der Ausnahme seiner Tochter) keine einzige Frau in der Serie gibt, die nicht von ihm beschlafen wurde. Und wenn nicht von ihm, dann von seinem Freund Charlie. Die wenigsten davon kennt er länger als einen Abend. Es ist ein Wunder, dass sein Gemächt noch nicht von allen sexuell übertragbaren Krankheiten abgefallen ist. Und kein Gemächt wird im Fernsehen so schön inszeniert, ohne jemals vor die Kamera zu kommen.
Hank Moodys Verfall beginnt übrigens damit, dass er Madeline Zima schändet. Madelina Zima? Wisst ihr noch? Die kleine aus Die Nanny? Nichts ist ihm heilig!

Just look at that smug bastard.

Marty Kahn (Don Cheadle):

In House of Lies trifft Mad Men auf Californication. Kein Wunder, dass Marty Kahn die Coolness und das Selbstbewusstsein von Don Draper und die Sorglosigkeit von Hank Moody hat. Die Serie basiert übrigens auf dem Buch „House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You The Time“ von Martin Kihn (der auch das sehr lesenswerte Buch „Asshole: How I Got Rich and Happy by Not Giving a Shit About You“ geschrieben hat). Uhu. Marty Kahn/Martin Kihn. Wenn auch nur eine Spur Autobiographie dahinter steckt, hält Martin Kihn entweder eine ganze Menge von sich selbst, oder aber hat den Traumjob für Männer ohne Moral gefunden.

Gaius Baltar und sein Schlafzimmerblick

Gaius Baltar (James Callis):

In einer seriösen Serie, in der es gar nicht mal so viel zu lachen gibt, sondern meistens geschrieen und geweint wird, ist es merkwürdig einen Womanizer zu haben. Gaius Baltar  schafft es aber. Er mag vielleicht der nervigste Charakter in Battlestar Galactica sein, aber immerhin hat er es geschafft, Number Six aka Tricia Helfer abzubekommen – Fanboycrush und hottest woman on television, wie es heißt. (Vielleicht nur eine Haartönung davon entfernt, auch das zu sein…). Aber das ist noch nicht alles. Er schafft es auch, diese Frau in Reihe zu betrügen und – ach ja – gegen Ende hat er einen Harem an Jüngerinnen (Weil er Jesus ist, oder sowas.).

“The only reason to wait a month for sex is if she’s 17 years, 11 months old.”

Barney Stinson (Neil Patrick Harris – Links unnötig):

Niemand schafft es, einen Kult aus seinem Arschlochtum zu machen und von Millionen von Zuschauerinnen angehimmelt zu werden. Er hat zwar nicht den Charme der anderen Männer hier, er ist sicherlich auch nicht so smart und sophisticated wie manch anderer (auch wenn er sich redlich Mühe gibt), aber er ist derjenige, der aus dem Handwerk des Bettkerbensammelns eine Kunst gemacht hat. Und zweifellos auch der, der How I Met Your Mother (zu) groß gemacht hat. Auch wenn er nach seinem Höhepunkt, dem  Scubadiver, nicht mehr viel originelles bringen kann und eigentlich nur noch der Whitecollararsch ist, hat er seiner Spezies doch einen neuen Ton verliehen.

„Some men are just born lucky.“

Patrick Maitland (Ben Miles):

Vermutlich kennen viel zu wenige die BBC Two-Sitcom Coupling. Dass das eine Schande ist, muss am anderen Ort erörtert werden. Vorerst sei gesagt, dass Patrick Maitlands Magie nicht in seinem Charme oder seinem Einfallsreichtum liegt, sondern in seinem wahnsinnigem Gehänge, von dem er durchaus weiß, wie er es einzusetzen hat. Coupling überzeugt zwar vor allem durch Steves männliche rants und Jeffs herrlich-seltsame Funktion als Mentor, aber Patrick trägt seinen Teil bei (wie es bei einer richtigen Comedyserie sein sollte…). Und sein Teil ist eben das dritte Stuhlbein.

Übrigens: Ist euch aufgefallen, dass auch in so brustfreundlichen HBO- und vor allem Showtime-Serien (die 3 von 7 der hier aufgezählten MÄNNERN ausstrahlen) niemals das weibliche Gegenüber solcher Charaktere nackt gezeigt wird? Man könnte die Würde der seriösen Hauptdarstellerinnen vermindern. Just Sayin’…
And so say we all.

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