Herzblut oder Kapitalanlage?

„Independant-Filme hatten es immer schon schwer – und das wird wohl auch so bleiben. Durch die Krise ist das Studio-System in sich zusammengebrochen. Hollywood macht nur noch Filme, die garantiert genug Gewinn abwerfen. „, sagt Robert Redford und kritisiert damit die amerikanische Filmbranche, die die Produktion von Independent Filmen beinahe unmöglich macht.

Inzwischen reicht es nicht mehr ein gutes Drehbuch zu haben. Die Finanzierung muss stehen – langfristig. Doch seit dem Hedgefond-Manager, die im Filmgeschäft mitmischen wollen, Finanzierungen gewähren und sich dann plötzlich zurück ziehen, weil sie nervös werden, ist das Produzieren eines Filmes zu einem riskanten Geschäft geworden. Redford erinnert sich an frühere Zeiten und zieht Bilanz: „Solange das Budget eines Films unter zwei Millionen Dollar blieb, konnten wir damals in Hollywood machen, was wir wollten. Das wäre heute undenkbar.“

Ach, wie war das noch schön, als die Studios ihre Schauspieler für mehrere Filme verpflichteten, das Geld stimmte und die Produktion somit sichergestellt war. Bereits in den 1920er Jahren wurden die  bekanntesten Studios in den USA gegründet. Die New Yorker zog es, gelockt durch die Wetterverhältnisse und ökonomische Bedingungen, an die Westküste, wo sie bessere Bedingungen für das Filmemachen vorfanden. In den Hollywood Hills und Umgebung richteten sich die Filmstudios ein. Das Erfolgsrezept war zum Einen das Mitwirken bedeutender Schauspieler, aber auch das Bedienen des jeweils aktuellen Filmmarktes. Die Tücken dieser Machenschaften kann man am Beispiel von Marylin Monroe verfolgen, die vergebens versuchte sich vom Image zu lösen, das ihr durch die Studios auferlegt wurde. Ihr Kollege Michael Chekov begründete Marylins Image wie folgt: „Du bist eine junge Frau, die Sex ausstrahlt, ganz egal, was du tust oder denkst. Und die Studiobosse sind nur an deiner sexuellen Ausstrahlung interessiert. Jetzt verstehe ich ihre Weigerung dich als Schauspielerin zu betrachten. Als Sex-Simulant bist du für sie wertvoller.“ Das Festlegen eines Images kann man bis heute beobachten. Auch wenn die Schauspieler vermeintlich unabhängiger zu sein scheinen, so folgen viele noch immer über Jahre hinweg einem festgelegten Image. Und so sind es häufig auch die Schauspieler, die bis heute als Zugpferd genutzt werden, auch in Independent Filmen; und wenn es nur darum geht, den Geldgeber zu überzeugen.

Robert Redford wirkt mit dem Sundance-Festival dem Debakel entgegen, eines der weltweit größten seiner Art. Das Festival gilt als weltweit wichtigste Plattform für unabhängige amerikanische und internationale Produktionen. Auch Quentin Tarantino verdankt seinem Erfolg dem Sundance-Festival. Bekannte Filme, die gefördert wurden, sind „Little Miss Sunshine“ und „Sex.Tape.Video“. Im April 2012 wird das Sundance-Festival erstmals in Europa, in London, gefeiert.

Deutsche Filmemacher können ebenfalls von Filmförderungen profitieren. Wichtige Auftraggeber für deutsche Filmschaffende sind die Fernsehsender, die auch gemeinsam mit renommierten Filmhochschulen die ersten eigenen Produktionen unterstützen. Sie bieten zudem eigene Sendeplätze für Filmerstlinge an. So zum Beispiel die ARD mit „Debüt im Ersten“. Steigen die Sender in FIlmproduktionen ein, gelingt es in der Folge meist leichter auch Unterstützung durch Banken oder Förderinstitute zu bekommen.

Und da in Deutschland sogar per Gesetz die Filmförderung festgeschrieben ist, gibt es hierfür eine Institution, die sich dieser Aufgabe annimmt, die Filmförderungsanstalt (FFA) mit Sitz in Berlin, die auch für die Verbreitung der Filme im Ausland sorgt. Und wie hilfreich das sein kann, konnte man am Beispiel „Leben der Anderen“ verfolgen. Neben der FFA gib es in Deutschland noch den Deutsche Filmförderfonds (DFFF), der mir einem Etat von jährlich etwa 60 Millionen Euro die Produktion von Kinofilmen unterstützt und 16 bis 20 Prozent der in Deutschland ausgegebenen Produktionskosten erstattet. Die höchste Fördersumme im Jahr 2010 erhielt übrigens die internationale Großproduktion Die drei Musketiere, nämlich 7,5 Millionen Euro.

Das größte Studio der Filmgeschichte befand sich nie wirklich in Hollywood, sondern immer außerhalb der Filmstadt. Das Studio wurde 1915 unter dem Namen Triangle Pictures gegründet und erst 1924 in MGM umbeenannt. MGM war vor allem in den 1930er-Jahren sehr berühmt. Die Firma produzierte noch nach dem 2. Weltkrieg einige sehr erfolgreiche Musicals und erkannte auch die Bedeutung von Fernsehfilmen. Trotzdem konnte ihr Niedergang nicht aufgehalten werden. MGM wurde mehrmals verkauft und ging 1997 schließlich für 180 Millionen Dollar an die Börse. Seit 2004 gehört MGM zum japanischen Sony-Konzern. Es wird kolportiert, dass Sony dafür einen Preis von 5 Billionen Dollar gezahlt hat. Seither heißt das Studio Sony Pictures Studio

2 Gedanken zu “Herzblut oder Kapitalanlage?

  1. Ich find es auch krass, dass eine deutsche Filmförderung diesen Streifen finanziert. Als ob es nicht schon genug Musketiere gegeben hätte.

  2. Da hat sich die Fimförderung ja einen besonders tollen Film für die Unterstützung ausgesucht. Da könnte man genauso gut drei lowbudget Filme komplett finanzieren.
    Aber die fliegenden Schiffe waren auch toll…

Kommentar verfassen