H wie Hearthstone

H

Blizzard Entertainment

ist vor allem für Spiele wie World of Warcraft, Diablo und Starcraft bekannt. Entsprechend groß war die Überraschung, als der Entwickler im März 2013 ankündigte, dass neben dem sagenumwobenen „Blizzard All-Stars“ (aka. „Heroes of the Storm“), nun auch an einem online CCG – also einem online Sammelkartenspiel – gearbeitet werde. Und während es für den erfolgreichsten Blizzard-Titel, nämlich WoW, bereits ein traditionelles Sammelkartenspiel gibt, hatte Blizzard selbst auf dessen Entwicklung sehr wenig bis gar keinen Einfluss.

Hearthstone – Heroes of Warcraft war also zunächst recht verrufen (Siehe Kommentare zu diesem Artikel). Die ersten Rezensionen des Spiels fielen jedoch weitestgehend gut aus. Dies, kombiniert mit dem gewohnt cleveren Marketing seitens Blizzard, erzeugte einen Hype, den man sich im März noch nicht vorstellen konnte, und es begann ein riesiger Ansturm auf die sehr exklusiv gehaltene Beta. Selbst jetzt, nachdem Blizzard angekündigt hat, es werde ab Januar eine offene Beta geben, werden auf Ebay Betakeys für einen sofort-kaufen-Preis von ca. 45€ angeboten. Blizzard hat es also mal wieder geschafft, die Gaming-Community auf ihr Spiel richtig heiß zu machen und das in einem Jahr, in dem es gerade im Genre der Online CCG’s sehr viel Konkurrenz geben sollte. Spiele wie Mojang’s Scrolls (http://www.scrolls.com) oder der Kickstarter-Überflieger Hex (http://hextcg.com/) werden von Hearthstone ohne Probleme in den Schatten gestellt.

Aber kann das Spiel dem Hype gerecht werden?

Sind die Befürchtungen, die man im März 2013 noch hatte, doch berechtigt? Liegt alles nur an dem genialen Marketing, oder hat das Spiel berechtigterweise diese Menge an Aufmerksamkeit bekommen?

Meiner Meinung nach ist Hearthstone längst kein perfektes CCG. Denn eine Sache, die Hearthstone fehlt, ist die Innovation. Während das Spiel zwar einige nette Gimmicks hat, die nur in einer digitalen Umgebung umsetzbar sind (z.B. das Verwandeln von überschüssigen Karten in Staub; bzw. das Verwandeln von Staub in Karten), ist es alles in allem ein relativ simples Sammelkartenspiel mit den Charakteren aus dem WoW-Universum. Und ups, das gibt’s ja schon!

Was hat Hearthstone also für sich? Die erste Sache ist die, dass es nicht den Anspruch stellt, ein perfekt ausgeklügeltes CCG zu sein, sondern „das schnelle strategische Kartenspiel, das einfach zu lernen ist und unglaublich viel Spaß macht.“ (eu.battle.net/hearthstone/de; am 28.12.2013). Dies gelingt diesem Spiel auf grandiose Art und Weise. Anders als beispielsweise in Magic:The Gathering sind alle Spielmechaniken in Hearthstone sehr intuitiv. Ich erlebe es beim Magic-spielen immer wieder, dass selbst die erfahrensten Spieler nicht wissen, wie sich eine Spielsituation genau auflöst. Dafür gibt es ja immer das 350 Seiten starke Regelbuch (haha). Man kann sagen, dass dadurch, dass das Spiel digital gespielt wird, die Regeln für einen durchgesetzt werden, aber jeder der Magic Online schon einmal gespielt hat, weiß wie es sich anfühlt, wenn etwas plötzlich ganz anders geschieht, als man geplant hatte. Dieses Problem hat Hearthstone nicht.

Außerdem dauert eine Partie selten länger als fünfzehn Minuten und trotzem hat das Spiel genug strategische Tiefe um Leuten, die sich intensiver damit auseinander setzen, auch eine Herausforderung zu bieten. Darüber hinaus kann das Spiel mit einem überraschend fairen Geschäftsmodell überzeugen. Man bekommt täglich zwei Quests zugewiesen, für die man zwischen 40 und 100 Gold bekommen kann, wobei zu bemerken ist, dass diese Quests nicht verfallen oder zurückgesetzt werden. Zusätzlich erhält man für jeden dritten Sieg gegen reale Gegner 10 Gold. Dieses Gold kann man dann entweder für Boosterpacks (100 Gold pro Packung) oder den Zugang in die Arena (150 Gold pro Versuch) ausgeben.

Womit wir beim interessantesten Teil von Hearthstone sind.

hearthstone-arena-modus-deckerstellung-arenadeck-schurke_seite

Mit der Arena hat Blizzard einen äußerst interessanten Limited Modus entwickelt. Das heißt: Man spielt nicht mit den Karten aus seiner Sammlung, sondern stellt sich ein Deck aus Karten zusammen, die man aus frisch aufgemachten Packungen zieht. In Hearthstone enthält jede dieser Limited Packungen drei Karten von identischer Seltenheit. Man sucht sich nun eine dieser drei Karten aus und fügt sie seinem Deck hinzu. Diesen Vorgang wiederholt man noch 29 mal bis man ein 30 Karten starkes Deck hat. Mit diesem tritt man nun gegen andere Spieler an. Hat man drei Spiele verloren verfällt das Deck mit dem man gespielt hat und man erhält einen Preis, der davon abhängig ist, wie viele Spiele man gewonnen hat (maximal 12). Dieser Spielmodus ermöglicht es auch Neueinsteigern mit den selben Voraussetzungen wie Veteranen zu spielen.

Und ich muss an dieser Stelle noch einmal die sehr hohe Einsteigerfreundlichkeit von Hearthstone betonen. Selbst meiner Schwester erschlossen sich die grundlegendsten Mechaniken sehr schnell und sie hatte an ihrer ersten und einzigen Hearthstone-Partie eine Menge Spaß, obwohl sie weder an Blizzard noch dem Warcraft Universum oder CCG’s Interesse hat. Als ich, im Gegensatz dazu, vor einiger Zeit versuchte, ihr Magic: The Gathering näher zu bringen, schaltete sie sehr schnell ab und verlor das Interesse. Blizzard hat es mit Hearthstone, wie auch mit WoW schon geschafft, ein Spiel zu entwickeln, das in der Lage ist, die breite Masse anzusprechen, und trotzdem genug Tiefe hat, um für jeden interessant zu bleiben. Von daher wird das Spiel sicher einen Platz in meinem Herzen einnehmen. Und ich kann jeden (ja, auch diejenigen, die normalerweise nicht gerne spielen) nur dazu ermutigen, Hearthstone einmal auszuprobieren.

Kommentar verfassen