Game of Thrones: The Wars to Come

The wars to come
Alljährlich, passend zum Beginn des Sommersemester, heißt es wieder für eine Stunde in der Woche „Winter is Coming“. Wir vom Dis+positiv lassen es uns auch dieses Jahr nicht nehmen, die neueste Game of Thrones-Folge für euch zu schauen und unsere fachmännische, hemmungslose Meinung abzugeben. Eure bunt gemischten Kritiker sind dieses Jahr Ursula (Serien-Fan), Jannik (Serien- und Buch-Hybrid) und Nadja (GoT-Fachfrau). Und natürlich: Achtung Spoiler über die Inhalte der neuesten Folge!

Was erwarten wir von Season 5?

Nadja Viele, viele Überraschungen, selbst für Buchleser! Nachdem ich in Staffel 4 erst meine Bedenken mit den doch vielen Abweichungen vom Buch hatte, bin ich nun beinahe offen für alles. Das vierte und fünfte Buch Martins, welche ja parallel verschiedene Figuren zur gleichen Zeit behandeln, warten mit vielen – für meinen Geschmack teils sehr anstrengenden – neuen Figuren und Handlungssträngen auf. Die Serie scheint hier strikt alles „Unwichtige“ zu selektieren und das kommt mir sehr angenehm entgegen. Wenn die Gerüchte aus der Presse stimmen und wir nun in der Serie ein etwas anderes Ende als in den Büchern erwarten dürfen, dann freue ich mich tatsächlich sehr auf die Überraschungen, die Staffel 5 für uns bereit hält!

Jannik Ich hoffe, dass wir in dieser Staffel viele neue, spannende Charaktere kennenlernen dürfen, egal ob in Dorne oder der Sklavenbucht. In der vierten Staffel sind einige liebgewonnene Figuren gestorben und da wäre es natürlich ideal, die Lücken zu füllen und so gleichzeitig Westeros aus frischen Blickwinkeln zu präsentieren. Ich bin auch wie Nadja ein Befürworter davon, dass die Serie eigene Wege geht und so auch die Leser der Bücher immer wieder überraschen wird. Es wird sehr spannend sein, zu sehen, welche Wendungen sich die Produzenten Benioff und Weiss haben einfallen lassen und wie ihre folgenreichen Entscheidungen bei der Fanbase ankommen werden. Wünschenswert wäre es auch auf jeden Fall, wenn der Handlungsstrang von Daenerys endlich größere Fortschritte als in der vergangenen Staffel machen würde, wobei schon die Trailer und auch die erste Folge in dieser Hinsicht einen sehr guten Eindruck machen. Die Vorfreude auf die nächsten Folgen der Staffel ist jedenfalls groß!

Ursula Ich denke auch, dass wir mit einer Fülle von neuen Charakteren rechnen dürfen. Einerseits freue ich mich sehr darüber, andererseits habe ich als Nicht-Buchleser oft das Gefühl, dass viele Charaktere völlig selbstverständlich in die Serie hineinmarschieren, als wüssten ja schon längst alle, wer sie sind! Ich setze meine Hoffnungen wieder auf Tyrion, der mich in den letzten Staffeln stehts in Atem gehalten hat! Ich persönlich habe mir vorgenommen, die Staffel komplett unvorbereitet zu schauen, da ich an Hintergrundwissen eh nie meinen beiden Mitschreibern das Wasser werde reichen können. Ich bringe lediglich meine Gefühle und Erinnerungen aus den vorangegangenen Staffeln mit und hoffe, mit einen authentischen Blind-Walk-Stil oder auch „-Blick“ die Season 5 genießen zu können!

Die Folge im Ganzen?

Nadja Eine sehr stimmige Folge, die zwar Action vermissen lässt, aber dafür mit den gewohnten intensiven Dialogen aufwartet. Es hat den Eindruck, dass Charaktere und Handlungsstränge noch etwas in der Luft hängen, was jedoch dem Plot nicht schadet, denn alle Figuren müssen sich, nachdem in Staffel 4 beinahe alle Konstellationen auseinander gerissen und die Karten neu gemischt wurden, erst wieder ordnen. Aufgrund der mangelnden Action war viel Platz für viele Szenenwechsel: Bis auf Arya und das absurd-komische Familiengespann Bolton und Theon wurden meines Erachtens schon alle Charaktere wieder eingeführt. Viel Raum war auch für das Visuelle: Die Folge war – wie gewohnt – ein mittelgroßes Kunstwerk. Stannis auf der Mauer, Baelors Septe, Brienne irgendwo im Grünen Tal, Meereen… man konnte sich wieder einmal kaum satt sehen.

Jannik Großartig. Die Handlung nimmt in den wichtigsten Strängen richtig Fahrt auf, doch gibt es besonders bei Brienne noch deutlich Luft nach oben, die derzeit ein wenig planlos umherreist. Schauspielerisch, atmosphärisch und dramaturgisch top – wir waren überrascht, wie schnell diese Folge vorbei war, so spannend war es. Ein vielversprechender Start der Staffel!

Ursula Ich wurde schon zu Beginn gepackt: Zwei Mädchen in adligen Gewändern, von denen sich eine recht bald als die junge Cersei Lannister herausstellt, waten durch eine unheimliche Moorlandschaft. Man erwartet schon gleich den nächsten wütenden Mob, der sie entführt, aber außer einem düsteren Orakelspruch passiert nichts… so ging es mir leider auch mit der restlichen Folge: Ich habe ein wenig die Action vermisst! Von einer ersten Staffelfolge hätte ich ein paar mehr Schockmomente erwartet, tatsächlich wirkten die Charaktere aber selbst zu sehr verstört und traumatisiert, um das zu leisten… und Sansas Haare haben sich wohl vor lauter düsterer Erfahrungen Kastanienbraun gefärbt… Zumindest wird Daario Naharis aber noch vom gleichen Schauspieler gespielt! Man weiß ja nie…

Die beste Szene?

Ursula Wenig weibliche nackte Haut gab es in dieser ersten Folge zu sehen, was man ja anhand früherer GoT-Staffeln gerade andersrum erwartet hatte. Dafür gab es aber eine geradezu köstlich amüsante homoerotische Szene, in welcher sich Loras Tyrell von seinem blonden Spielgefährten einen Leberfleck analysieren lässt, der sich ziemlich in der Nähe seines besten Stücks befinden muss. Ich hatte meine helle Freude daran!

Jannik Es ist einfach eine Freude, Tyrion wiederzusehen – auch, wenn er mit großer Mühe aus einer Kiste rollt und sich danach die Kante gibt. Das Gespräch zwischen Varys und Tyrion war mein persönliches Highlight der ersten Folge, da ich mich nun schon sehr darauf freue, wie es sein wird, wenn Daenerys von diesen beiden brillanten Strategen unterstützt wird. Hoffen wir also, dass Tyrion sich bis dahin nicht zugrunde säuft…

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Quelle: fansided.com

Nadja Ganz klar: Mankes fulminantes Ende. Absolut stark inszeniert! Als Zuschauer erlebte man seine Gefühle beinahe leibhaftig mit, bis der erlösende Pfeil aus dem Dunkeln kam. Gut gemacht, Jon Snow! Ein Wort noch zur schlechtesten Szene: Schon in Staffel 4 haben wir uns über die Romanze zwischen Grauer Wurm und Daenerys‘ kleiner Dolmetscherin ausgelassen. Damals ging es im Gespräch mit Daenerys darum, ob die Unbefleckten zur Gänze beschnitten sind… diesmal ging es um die Frage, warum ein Unbefleckter ins Bordell geht. Die Kleine sollte dringend aufgeklärt werden, um uns diese Szenen zu ersparen!

Der beste Handlungsstrang?

Ursula Das finde ich so früh in der Serie sehr schwer zu beurteilen. Allen Charakteren steckten in dieser Folge noch spürbar die Ereignisse der 4. Staffel in den Knochen. Sei es, dass Jon Snow zweimal sehr auffällig unauffällig an Ygritte erinnert wird oder ein vollbärtiger Tyrion seinen Selbsthass in Wein ertränkt. Tatsächlich interessiert mich Tyrion aber immer noch am meisten. Falls er es jemals zu Daenerys schafft, könnte auch dort mal ein bisschen Bewegung ins Spiel kommen!

Jannik Ich hoffe wie Ursula auf eine Vermischung der Handlungsstränge von Tyrion und Daenerys – das könnte richtig spannend werden. Abgesehen davon wird es in dieser Staffel sehr interessant sein, wie sich der Konflikt zwischen Stannis und Roose Bolton entwickelt. Es ist derzeit noch zu früh, um einen Handlungsstrang besonders hervorzuheben, denn es könnte auch interessant in Königsmund zugehen, wenn Margaery ihren Verlobten König Tommen um den Finger wickeln kann und ihn als Marionette gegen Cersei einsetzt. Aber vielleicht wird auch alles anders kommen, wie immer bei GoT.

Nadja Meine in Staffel 3 gekürte Lieblingsfigur Jamie kam diese Folge mehr als kurz, demnach fällt der interessanteste Handlungsstrang dieser Folge anderen Figuren zu. Ich bin sehr gespannt, wie es bei Sansa und Kleinfinger weitergeht – Bei den beiden bin ich tatsächlich unwissend (wenn auch nicht ohne Vorahnung), denn dort ist die Serie schon dem Buch voraus. Die beiden sind für mich ein wahres Powerpärchen – wenn man nicht sogar von einem Dreamteam reden könnte. Kleinfingers undurchschaubare „ich will alles“-Pläne und Sansas bröckelnde Unschuld… Nachdem sie sich nun „Sweet Robin“ entledigt haben, kann es losgehen – und ich bin gespannt!

Die Überraschung der Folge?

Nadja Wer hätte gedacht, dass man in Game of Thrones tatsächlich eine Fahrstuhlszene einbauen kann!

Positiv überrascht war ich von der ungewöhnlichen Anzahl von nackten Männerkörpern – HBO denkt also nun einmal an die weiblichen Zuschauer und versucht nicht nur mit weiblichen Brüsten zu überzeugen. Doch wie schon in Season 4, wird auch weiterhin züchtig zensiert – so sehen wir eine Daenerys, die sich die Bettdecke mit mädchenhafter Unschuld über ihr Dekoletté hält und dürfen „nur“ Loras‘ besonderen Leberfleck bewundern. Game of Thrones wird prüde… doch alles in allem angenehmere Bilder als der nackte Hodor in Staffel 1 …

Jannik Meine persönliche Überraschung war, dass ich bei der Rückblende in Cerseis Kindheit Mitgefühl mit ihr hatte. Sie wirkte auch in der restlichen Folge längst nicht so bösartig wie sonst, sondern eher gealtert und fast schon zerbrechlich. Werden mir diese Lannisters etwa doch noch sympathisch? Ein saufender Zwerg, ein einarmiger Ritter, eine alternde Hexe und ein gutmütiger König – wer würde nicht mit dieser Bande mal gerne ein Bierchen trinken gehen? Großartig, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr verschwimmen.

Ursula Ich war sehr überrascht und bestürzt von Tyrions Verfassung! So am Boden habe ich ihn bis jetzt noch nicht gesehen und ich hoffe, er bessert sich bald, denn ich habe noch große Hoffnungen in ihn! Aber ja… ich stimme Nadja zu, dass die Fahrstuhlszene sehr seltsam war! Was hätte Melisandre wohl gemacht, wenn Jon Snow noch Jungfrau gewesen wäre??

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