Game of Thrones: Sons of the Harpy

Sons of the Harpy 2
Alljährlich im Sommersemester heißt es wieder für eine Stunde in der Woche „Winter is Coming“. Wir vom Dis+positiv lassen es uns auch dieses Jahr nicht nehmen, die neueste Game of Thrones-Folge für euch zu schauen und unsere fachmännische, hemmungslose Meinung abzugeben. Jannik (Serien- und Buch-Hybrid) und Nadja (GoT-Fachfrau) fachsimpeln heute im Zwiegespräch. Und natürlich: Achtung Spoiler über die Inhalte der neuesten Folge!

Hat Episode 4 überzeugt?

Nadja Sons of the Harpy setzt auf Action! Auf Action und Humor – und fährt damit eigentlich ganz gut. Episode 4 war sicherlich die beste Folge bislang, nicht zuletzt wegen den lange vermissten Cliff Hangern. Zwei Schwertkämpfe zweier (/vierer) Hauptcharaktere, eine wild gewordene Horde Mönche à la Silas aus DaVinci Code, die Parallelbewegung Söhne der Harpyie in Essos, eine Dany, die mal wieder lacht und ein kleiner König Tommen, der unter dem Einfluss zweier starker Frauen versucht, erwachsen zu werden, es aber keiner Recht machen kann, ein Tyrion, der mit seiner diplomatischen Zunge einmal nicht weiter kommt, ein unschlagbares Jaime und Bronn-Gespann neben den drei Sandschlangen, Kleinfinger und Sansa beim Pläneschmieden, ein Jon Snow, der von Melissandre bedrängt wird und Last but not Least, ein Stannis, der Vatergefühle zeigt… Die Folge hat den perfekten Spagat zwischen langen, tiefsinnigen Dialogen mit ungewohnt vielen Anspielungen, Spannung und Humor gemeistert und somit gepunktet!

Jannik Ich war optimistisch, dass die Staffel nun endlich Fahrt aufnehmen würde – und ich wurde nicht enttäuscht. Sons of the Harpy bietet genau das, was wir in den letzten Folgen ein wenig vermisst haben: Action, Spannung und tragische Überraschungen. Endlich! Ich bin sehr gespannt, wie sich die vielen neuen Charaktere, insbesondere die Sandschlangen, in Westeros einleben werden, doch schon jetzt kann ich sagen, dass mir der Rhythmus in dieser Staffel etwas besser gefällt als in der vierten. Fast alle Charaktere hatten bereits starke Momente und der Hype, der seit einem Jahr ein wenig verflogen war, ist mit dieser Folge vollends zurückgekehrt. Game of Thrones in Berlin – ich komme!

Sons of the Harpy oder die Sparrows?

Jannik Auf der einen Seite die religiösen Fanatikerspatzen, auf der anderen Seite die Söhne einer kräftig gebauten Greifvogelart aus Süd- und Mittelamerika. Früher ging es bei Game of Thrones noch ums Vögeln, heute um Vögel. Beiden Gruppen ist zu eigen, dass sie fast nie rennen, sondern stets zügig gehen, als würden sie dringendst eine Toilette suchen, sich davon aber nichts anmerken lassen wollen. Nun wirkt es beinahe so, als würden sich Tyrion, Brienne und Jon Snow genüsslich ausruhen und es den gesichtslosen Toilettensuchern überlassen, ein wenig Tempo in die Staffel zu bringen. Für die Hauptcharaktere ist Kräfteschonung angesagt! Es müssen schließlich noch mindestens zwei Staffeln gedreht werden. In denen werden Spatzen und Greifvögel wahrscheinlich wieder vergessen sein – die Spottdrossel wird dann aber immer noch ihre Kreise ziehen.

Nadja Die Söhne der Harpyie krochen in Episode 4 eher unerwartet aus ihren Löchern, dennoch wurden beide Bewegungen in den vergangenen Folgen gut eingeführt und die Bedrohung ist spürbar. Ich für meinen Teil würde es wohl lieber mit den Sons of the Harpy aufnehmen. Sie sind nur eine Untergrundbewegung, die man besiegen kann, wenn man mehrere Ser Barristans hätte. Die Spatzen hingegen haben allen Rückhalt durch Cersei und scheinen im Moment noch unbesiegbar. Doch Cersei wird sicherlich noch sehen, was sie davon hat! Die kleine Metzelei im Bordell war eine sehr beeindruckende Szene und Loras‘ Verhaftung kam mehr als unerwartet – Benioff und Weiss haben sich hier einiges einfallen lassen! Nur der kleine Bordell-Aufseher sollte noch lernen, dass ihm der Satz „This is Lord Peter Baelish’s Establishment“ immer nur Ignoranz oder eine Tracht Prügel einbringt.
67532-tommen

König Tommen bekommt zu spüren, wie schwierig es ist, erwachsen zu werden.

(c) HBO

Zeigt Episode 4 zu viel Humor für Game of Thrones?

Nadja Viel Humoristisches fand man natürlich um Bronn und Jaime, so wie man es eben von Bronn gewohnt ist, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Diesmal war es der in Staffel 4 schon ausgereitzte Humor um Jaimes Hand. Ich glaube, B&W wollen hier indirekt hinweisen, dass man solche Handicaps eben mit Humor nehmen muss. Der Spaß schlug aber dann schnell um, indem Jaimes Handicap, gerade noch gute Ausrede um nicht Rudern zu müssen, plötzlich zur Gefahr wird, wenn er sich mit Links am Schwert behaupten muss. Und schließlich haben wir aber ja noch gelernt, wie unverhofft nützlich es sein kann, eine Goldhand bei sich zu haben. Einziger Humor, der schon leicht an eine Sitcom erinnerte, war wohl Melissandres „You know nothing Jon Snow“… Sie drehte sich selbst schon mit einem Lächeln weg. Was hier wahrscheinlich sehr ernst wirken sollte (à la Melissandre weiß alles über Jon und Ygritte), wirkte dank Fantum und Hype auf einer ungewollten Metaebene eher lächerlich.

Jannik Humor ist eine feine Sache. Gäbe es keine blöden Witze, hätte ich bereits nach zwei Game of Thrones-Artikeln die Flinte ins Korn geworfen. Egal, welche erfolgreiche und von den Fans geliebte Franchise man sich anschaut – Humor ist immer das Element, das uns eng mit den Figuren verbindet (solange sie nicht Jar Jar Binks heißen). Jaime bildet mit Bronn ein so lustiges Comedy-Gespann, dass man es ihm gar nicht mehr übel nehmen kann, dass er einen kleinen Jungen aus dem Fenster geschubst hat. Schwamm drüber! Aber ganz ehrlich: Ich genieße es, Jaime von dieser Seite zu sehen. Es darf auch in Westeros ruhig mal gelacht werden. Für die bierernsten Szenen haben wir ja noch Stannis Baratheon und die hastigen Toilettensucher-Vögel.

Lieblingsszene?

Nadja Jaimes Kampf ist ganz vorne mit dabei. Man dachte schon, jetzt ist es vorbei und dann: BAZINGA!!! Insgeheim fand ich jedoch die Szene zwischen Stannis und seiner Tochter sehr bewegend. Das ist eben Game of Thrones: Der bisher unbeirrbare, strenge, kühle Stannis, der Leute verbrennen lässt, aber doch irgendwie immer gerecht ist, zeigt Vatergefühle. Eine Szene, die ergreift, und eine schauspielerische Leistung, die überzeugt! Top!

Jannik Da gebe ich Nadja Recht – die Szene war meiner Meinung nach der stärkste Moment von Stannis in der gesamten Serie. Ein liebender Vater, der mit aller Macht für die Gerechtigkeit kämpft. Schade, dass er in der übernächsten Folge von Ramsay gehäutet wird 🙁

Nadja Jannik weiß da wohl etwas, was wir nicht wissen!? Aber so einen gehäuteten Stannis will man doch wirklich nicht sehen. Auch wenn diese Art von Tötung sicherlich so qualvoll ist, wie Menschen lebendig zu verbrennen!
GOT504_082714_HS_DSC_5065-810x539

Heimliches Geknutsche in der Gruft von Winterfell

(c) HBO

Wer stirbt: Ser Barristan oder Grey Worm?

Jannik Beide, leider. Ich denke, dass Ser Barristan durchaus noch Potential gehabt hätte, aber wahrscheinlich muss er wegen der baldigen Ankunft von Jorah Mormont und Tyrion den Platz räumen. Um Grey Worm tut es mir nicht leid. Er kannte das Risiko: Wer sich schon dermaßen provozierend als Wurm bezeichnet, braucht sich nicht zu wundern, wenn die frühen Vögel zuschlagen. So viele wichtige Charaktere haben in dieser Staffel noch nicht das Leben gelassen – von daher war zu befürchten, dass es früher oder später einen Liebling wie Ser Barristan erwischen würde.

Nadja Ich befürchte, Ser Barristan. Die Blutlache war wohl zu groß, als dass er das überleben könnte. Grey Worm hatte schließlich nur einen Dolch in den Rippen. Was sich dann allerdings B&W dabei denken, Barristan so verfrüht aus dem Rennen zu nehmen… ich würde lieber Grey Worms Tod verkraften müssen. Er ist ersetzbar. Seine Missandei wird es schon irgendwann verkraften. Doch einen der größten Ritter aller Zeiten ersetzt so schnell niemand, auch kein Varys oder Tyrion… höchstens vielleicht ein Ser Jorah!?

Wie ist eure Meinung? Wer hat überlebt?

Kommentar verfassen