Game of Thrones: The Mountain and the Viper

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Chefredakteurin und GoT-Expertin Nadja und die Buch- und Serienhybriden Jannik und Timo schauen zusammen die vierte Staffel Game of Thrones und halten ihre Eindrücke zur jeweiligen Folge in einem Gespräch fest. Unsere illustre Runde setzt sich interessanterweise aus verschiedenen Wissensständen zusammen, weswegen Spoiler oder Träumereien im Folgenden dabei sein können.

Episodenüberblick

Nadja Endlich hat Game of Thrones wieder mit einer absolut guten Episode aufgetrumpft, langsam war ich mir ja nicht mehr so sicher, was ich von dieser Staffel halten sollte (ein Auf und Ab, welches ich in den letzten Staffeln so nicht empfunden habe). Und ich sehe auch, woran es lag. Nach der Durststrecke der mittleren Folgen gab es wieder die Gänsehaut-Momente, die diese Serie so einzigartig machen: Daenerys, die verletzt und betrogen den sie liebenden Jorah verbannt, eine Sansa Stark, die sich mit Kleinfinger verbündet und als selbstbewusste Lady die Treppe hinunterschreitet. Das Bolton-Heer, welches auf das lang vermisste Winterfell zureitet…das ist Game of Thrones! Schlussendlich musste die Serie aber dennoch wieder mit einem der in der vierten Staffel schon viel zu sehr ausgeschlachteten Cliffhanger schocken. Nach den sowieso schon sehr übertriebenen Todesmomenten von dem Typen bei Craster, Lysas Fall und unzähligen Soap-Opera-Enden, war das einfach over the top – im Buch wurde wenigstens die detaillierte Beschreibung ausgelassen und dafür Tyrions wiederkehrendes Frühstück in den Mittelpunkt gerückt.

Timo Für mich wieder ein super Folge, ich wurde wieder über die komplette Dauer unterhalten – sogar nach erneutem Ansehen. Überall in Westeros tut sich was, endlich sogar bei Danaerys. Und doch habe ich ein Problem mit dieser Folge gehabt: Wieso muss die Gewalt so überspitzt dargestellt werden? Ich bin auf keinen Fall empfindlich, was so etwas angeht. Ganz im Gegenteil, vielleicht bin ich da einfach schon zu stark abgestumpft, sodass es mich nicht mehr berührt. Den Tod von Oberyn Martell kann ich dadurch kaum mehr ernst nehmen, da es mich eher an einen B-Movie erinnert hat, wie sein Kopf zerplatzt ist. Diese billige Publicity durch den anschließenden Social Network Sturm kann sich Game of Thrones getrost sparen und lieber weiter auf seine gute Geschichte setzen – Splattereffekte gehören in andere Serien wie Spartacus.

Jannik Ich bin begeistert von dieser Folge, denn es gab endlich mal wieder kein extremes Auf und Ab, was die Qualität der verschiedenen Handlungsstränge betrifft. Fast jede Szene war absolut sehenswert und besonders Sansa und Daenerys haben mich positiv überraschen können und ihr Potential endlich mal ausgespielt. Wieso gefiel mir aber nur FAST jede Szene? Nun, wenn ich etwas an der Folge zu kritisieren habe, dann den Part mit dem kastrierten Grey Worm, der dennoch ein Interesse an der nackten Missandei zu haben scheint. Oder…wurde er etwa gar nicht kastriert? Vielleicht hat diese entscheidende Frage oder die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden Einfluss auf spätere Folgen, aber im Moment denke ich mir: Statt mehrere Minuten mit diesem Plot zu vergeuden, hätte man lieber dem Duell zwischen Oberyn und Gregor mehr Sendezeit einräumen können. Schon schlimm genug, dass uns Oberyn nach einigen überzeugenden Szenen wieder verlassen muss.

Lieblingscharakter

Timo Arya und Sandor Clegane sind immer noch ein super Gespann. Trotzdem muss zwischen ihnen jetzt mal etwas passieren, sie wirken jetzt schon fast unbesiegbar. Daher ist mein Liebling mal wieder Tyrion. Mir gefallen besonders diese Geschichten, die in dunklen Kammern erzählt werden, das geht viel mehr unter die Haut als unnötig harte Gewalt. Und verdammt nochmal, wieso hat der Verrückte nun die ganzen Käfer zerquetscht?

Jannik Trotz starker Konkurrenz hat in meinen Augen Sansa die beste Performance abgeliefert. Die sonst so schüchterne und biedere Stark scheint unter dem Einfluss von Kleinfinger ganz andere Seiten an sich zu entdecken. Wo Shae einst Tyrion ans Messer lieferte, rettete Sansa ihren unter Mordverdacht stehenden Onkel. Zwei höchst emotionale, intensive und im Kern verlogene Aussagen vor Gericht. Wie passend war es da doch, dass das Resultat von Shaes Lüge ebenfalls in dieser Folge ausgefochten wurde. Sansa macht derzeit eine faszinierende Wandlung durch und ich bin mir sicher, dass sie uns noch einige Male überraschen wird.

Nadja Ich muss mich Jannik anschließen. Sansa hat diese Folge alle gerockt! Kleinfinger hat sie immer als schlechte Lügnerin bezeichnet. Sansa hat nun ihre Schwäche zu ihrer Stärke gemacht. Wie geschickt man durch das Erzählen der Wahrheit die Tatsachen verdrehen kann! Da kann sich selbst Kleinfinger eine Scheibe von abschneiden.

Interessantester Handlungsstrang

Timo Natürlich wird interessant werden, was mit Tyrion jetzt passiert. Auch die Entwicklung auf der Hohenehr, Team Kleinfinger, Sansa und Robin und Arya so dicht davor dürfte noch sehr spannend werden. Faszinierend fand ich auch das neue Vater-Sohn-Gespann Bolton.  Bei dieser Szene wusste ich jetzt nicht, ob ich mich für Ramsay freuen soll, oder ihn weiter hassen will. Ich werde dann wohl bei Hassliebe bleiben.

Jannik Da gebe ich Timo Recht – diese recht obskure, originelle Patchwork-Familie mit Roose, Ramsay und Theon bietet den Stoff, aus dem gute Sitcoms gemacht sind. Mich hat allerdings noch mehr der Handlungsstrang von Daenerys gefesselt, wohlgemerkt nicht der Part mit Grey Worm, sondern mit Jorah Mormont. Es war schon sehr traurig, zu sehen, wie die enge Beziehung von Jorah und Daenerys innerhalb weniger Minuten zerbricht. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen diese Enttäuschung auf Daenerys haben wird, wo sie doch ihr engster Verbündeter hintergangen hat. Wurde nun der Drache in ihr geweckt?

Nadja Schon während der ganzen Episode fand ich die Ausarbeitung der Bruderliebe zwischen Tyrion und Jamie ansprechend und einzigartig. Auch diese Folge hat sich dafür Zeit gelassen. Damit sehr schön verbunden sind die Schnittbilder von Jamie während des Kampfes. Fast mit kindlicher Aufregung freute er sich für seinen Bruder, als es so aussah, als ob Oberyn gewinnen würde. Und schließlich umspielte am Ende ein vielsagender Ausdruck sein Gesicht! Hach, ich freue mich auf Folge 9 😉

Coolste Szene

Timo Die Kerkerszene vor dem entscheidenden Kampf. Ich könnte Tyrion stundenlang zuhören, wie er über Käfer zerquetschende Verrückte redet.

Jannik Die Szene, als Sansa ihren Onkel Kleinfinger gerettet hat. Einfach herrlich, wie er sich zunächst sicher ist, dass er es schon bald Lysa Arryn nachmachen und fliegen wird, da sie bis zum entscheidenen Moment die reine Wahrheit erzählt. Und dann natürlich der tolle Moment, als sie getröstet wird und Kleinfinger einen vielsagenden Blick zuwirft. Großes Kino.

Nadja Diese Folge hat es mir mal wieder schwer gemacht, die coolste Szene auszuwählen. Wenn man aber einfach vom Wort „cool“ ausgeht, dann muss ich wohl Ramsays Beförderung zum anerkannten Sohn wählen. Familie Bolton – eine Familie zum Lieben… naja, fast. Aber der Ritt des Bolton-Heeres gen Winterfell war für mich einfach der Augenblick, der den Bogen zurück zur ersten Folge Game of Thrones gespannt hat, in der auf Winterfell noch die Starks herrschten und Robert Baratheon mit seinem Gefolge der Burg entgegen reitet. Vergänglichkeit – und doch geht der Lauf der Welt weiter.

Bestes Zitat

Timo “Laughing at another person’s misery was the only thing that made me feel like everyone else.” – Tyrion

Jannik “When the slavers castrate the boys, do they take all of it? The pillar and the stones?” – Daenerys erfährt von Missandei alles, was eine Königin wissen muss

Nadja Arya darf nach langer, langer Zeit einmal wieder Lachen!

Fazit

Timo Schon seit Zombieland gilt Rule #2: Double Tap. Sonst bitte die übertriebene Gewalt rauslassen, du brauchst es nicht, Game of Thrones, deine Handlung ist deine Stärke. Ich bin gespannt auf deine berüchtigte 9. Folge nächste Woche!

Jannik Game of Thrones hat das Ruder in den letzten beiden Folgen erfolgreich herumgedreht und auch die vorher eher langweiligen Handlungsstränge wieder interessant gestaltet. So ist nun ganz Westeros bereit für ein fulminantes Staffelfinale. Die 9. Folge wird bombastisch, da bin ich mir sicher.

Nadja Game of Thrones hat endlich die nötige Fahrt aufgenommen, um eine gewohnt schockierende 9. Folge zu präsentieren. Ich freue mich auf nächste Woche!

5 Gedanken zu “Game of Thrones: The Mountain and the Viper

  1. Jetzt kotz ich aber ab. Hab grade die Folge angesehen, und mal ernsthaft Game of Thrones. ES REICHT. Ich hab keinen Bock mich immer wieder neu an Charaktere zu gewöhnen, die dann ein paar Folgen danach sowieso sterben. Dass das irgendwo das echte Leben wiederspiegelt, mag ja sein, denn auch hier kommen und gehen geliebte Menschen. Die Folge perse war gut, und meine Lieblingsstelle ist definitiv als Arya lachen musste. Sowieso der coolste Charakter der Serie. Und da ich das jetzt laut gesagt habe, wird sie wohl in der nächsten Folge mit Kopfzerplatzen sterben :X

    Mir hat die Red Wedding schon gereicht (R.I.P Rob Stark, Bester Mann), und dann wieder sowas? Game of Thrones machts mir nicht leicht, aber gerade deswegen isses vielleicht so spannend. Wenn Tyrion jedoch nächste Folge geköpft werden sollte, geh ich aber auf die Barrikaden!

    Ich bin sehr wütend, finde es aber auch sehr geil, und freue mich auf die nächste Folge.

    Anmerkung: Aber schon geil wie Oberyn mit seinem Speer getanzt hat. Sehr geil gemacht! 🙂

  2. Bester Teil war für mich der mit Sansa und Petyr. Man sieht zum ersten Mal so richtig, dass Sansa sich wegen ihrer Zeit in Kings Landing sich verändert hat und ich hoffe, dass Sansa-Stark ein cooles Team wird.

    Dem Kampf von Oberyn habe ich recht entgegengefiebert, aber ich hatte von Anfang an leider schon das Gefühl, dass er verlieren würde, weil er ja so auffällig aufgemacht wurde. Dass „the Mountain“ ein Comeback bekommen würde, war offensichtlich, der Tod von Oberyn für meinen Geschmack zu gewalttätig D: Aber auch nur, weil ich Oberyn geshippt habe.

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