Game of Thrones: High Sparrow

High Sparrow
Alljährlich im Sommersemester heißt es wieder für eine Stunde in der Woche „Winter is Coming“. Wir vom Dis+positiv lassen es uns auch dieses Jahr nicht nehmen, die neueste Game of Thrones-Folge für euch zu schauen und unsere fachmännische, hemmungslose Meinung abzugeben. Eure bunt gemischten Kritiker sind dieses Jahr Ursula (Serien-Fan), Jannik (Serien- und Buch-Hybrid) und Nadja (GoT-Fachfrau). Und natürlich: Achtung Spoiler über die Inhalte der neuesten Folge!

Die Folge im Ganzen

Nadja High Sparrow stand ganz im Zeichen der Nostalgie. Sich mit Freunden an alte Zeiten erinnern – ganz so fühlt es sich an, wenn man die fernen Türme von Winterfell auf der Leinwand sieht. Doch das auf seine eigene familiäre Weise warme und herzliche Winterfell von Season 1 erscheint in einem trostloseren Schwarz als Castle Black und das Banner mit dem gehäuteten Mann hängt von den Türmen. Dennoch wird es wieder aufgebaut und wie als ein Zeichen kehrt auch eine Stark in das Herz des Nordens zurück. Nebst dieser örtlichen Rückkehr zu dem Punkt, an dem alles begann, gab es auch noch die Handlung um Jon, der sich für Winterfell oder die Mauer entscheiden muss und sich schließlich gegen die alte Heimat entscheidet. Und wir haben Arya, die Winterfell ebenso den Rücken kehrt und zu „Nobody“ wird, jedoch vielleicht nur ein Abschied auf Zeit, denn ihr Schwert, das einzige Stückchen Heimat, das sie noch besitzt, versteckt sie, um es vielleicht später wieder hervorzuholen und wieder Arya Stark zu werden. Der Norden, der bisher so verlassen war, erstrahlt nun wieder im Leben. Anscheinend trifft sich nun jeder dort oben zum Kaffee-Kränzchen: Kleinfinger und die Boltons, Sansa und Theon, Brienne und Pot, Jon und Stannis, die Wildlinge… Hier ist richtig was los, und das obwohl „Winter is coming“. In diesem Handlungsrahmen gesehen ist High Sparrow eine sehr stimmige Folge, in welcher jedoch der Süden etwas fehl am Platze wirkt: Tommens und Margareys Hochzeit, Cerseis übliche Spielchen und Tyrion geht ins Bordell… weniger nostalgisch. Warum die Folge High Sparrow heißt, bleibt da in Hinblick auf das dominierende Thema des Nordens eher fragwürdig.

Jannik Es wird wirklich spannend sein zu sehen, was sich die Macher der Serie für Sansa überlegt haben. Wird Kleinfinger Sansa wirklich mir nichts, dir nichts verschachern? Wird sich Sansa ihrem Schicksal beugen, oder muss sich Ramsay auf eine böse Überraschung gefasst machen? Diese neu aufgeworfenen Fragen machten High Sparrow sehenswert. Abgesehen von diesem Handlungsstrang muss ich sagen, dass mir in der Folge ein wenig die Spannung fehlte. Ich hatte große Freude daran, endlich eine unblutige Hochzeit zu verfolgen und auch Aryas Szenen waren wieder stark, doch möchte ich in den kommenden Episoden wieder ein bisschen mehr Schwung in Westeros sehen. Wünschenswert wäre da ein Schwung wie der, der Janos Slynts Kopf von seinem Rumpf getrennt hat. Nadja hat Recht, dass sich im Norden derzeit unglaublich viele Figuren tummeln, sodass wir uns dort auf einige aufregende Entwicklungen freuen können. Diese Folge hat einiges versprochen, doch liefern werden erst (hoffentlich) spätere.

Ursula Viel hinzuzufügen bleibt nicht mehr; auch ich muss zustimmen, dass die Handlung im Norden in dieser Folge den meisten Raum einnahm. Aryas Wandlung zu „Nobody“ habe ich etwas kritisch verfolgt. Ich habe ihre starke Identität immer bewundert. Vermutlich werden wir eine sehr umfassende Wandlung an ihr verfolgen können und vielleicht wird sie danach sogar vergessen haben, dass sie jemals ein Schwert namens Neadle besessen hat…
Dass irgendjemand Sansa heiraten soll oder will, ist ja inzwischen nicht mehr neu, aber dass es Ramsay sein soll, schockte mich doch ein wenig. Ich selbst bin aber noch nie ein Freund von Sansa gewesen, deshalb kann ich Littlefingers Worten nur zustimmen:

Stop running away! […] There’s no justice in the world — not unless we make it. […] Avenge them!

Seit der 1. Staffel dürfen wir Sansa dabei zusehen, wie sie von einer Damsel-in-Distress-Situation in die nächste gerät. Ist es nicht an der Zeit, dass sie anfängt zu kämpfen? – Oder wenigstens  mal eine Heirat eingehet, ohne das Opfer zu sein! Vielleicht erleben wir aber auch eine spektakuläre Rettungsaktion durch Brienne?
sansabadnews

(c) HBO

Eine Zwischenbilanz

Nadja Wie Jannik schon oben erwähnt hat, werden die großen Momente wohl erst noch kommen. Etwas schade, wenn man bedenkt, dass vorangegangene Seasons es geschafft haben, schon in den ersten drei Folgen wahre Überraschungen zu bringen, für die GoT immerhin bekannt ist. Wir erinnern uns an Season 3, Episode 3 als Jaime mal eben seine Schwerthand verlor, oder an Joffreys Hochzeit in Season 4, Episode 2. Aber was an Spannung fehlt, mach diese Season bisher mit dem Visuellen wett. Ich muss wirklich sagen, dass Season 5 bildlich alles Vorangegangene noch einmal übertrifft. Man merkt eben, dass Game of Thrones für jede Staffel mehr und mehr Produktionsbudget hat. Wo in Season 1 noch die Dothraki im Zickzack durch das Bild geritten sind, damit sie wie eine riesige Armee aussehen, so kann man in Season 5 Braavos, Meereen, ein noch beeindruckenderes Winterfell und eine spektakuläre Aufnahme von Maidengraben bewundern. Hinzu kommen noch detailgetreuere Kostüme. Game of Thrones macht jedem Eventblockbuster Konkurrenz!

Ursula Es stimmt, dass die Optik der neuen Staffel atemberaubend ist, aber auch ich vermisse – und langsam wird aus diesem Vermissen ein dringlicher Appell! – wirklich einschneidende Veränderungen in der Handlung. Bis jetzt ist in jeder Folge eine Person hingerichtet worden, wirklich in Erinnerung geblieben ist mir aber keine dieser Szenen! Trifft es in dieser Staffel etwa nur die Nebencharaktere? Mir scheint es so, als würde die Serie im Moment sehr viele Bauernopfer fordern, während die großen Handlungsstränge sich nur zähflüssig dahinziehen!

Jannik Ich stimme Nadja und Ursula voll und ganz zu, doch trotzdem gefällt mir die fünfte Staffel bisher besser als die vierte. Das liegt zum einen daran, dass die neue Staffel visuell ein absoluter Augenschmaus ist und zum anderen daran, dass es bis jetzt in jeder Folge einen Handlungsstrang gab, der uns viel Stoff zum Nachdenken gab. In dieser Folge war es Sansa und ihre ungewisse Zukunft bei den Boltons. Wirklich sinnlose, gar langweilige Szenen gibt es gottseidank deutlich seltener als in der vierten Staffel. Mit Höhepunkten geizt man leider auch ein wenig, doch hoffe ich, dass die nächsten Folgen umso mehr bieten werden.

Die Überraschung der Folge?

Ursula Ich habe die Szene sehr genossen, in der Tommen seine Mutter recht eindeutig fragte, ob sie Kings Landing nicht verlassen und nach Casterly Rock zurückkehren möchte. Ein weiteres Mal kann Cersei ihren Einfluss wohl nicht halten! Vielleicht sollte sie anfangen, Babydeckchen zu häckeln oder Söckchen zu stricken, ihre diplomatischen Fähigkeiten sind ziemlich am Ende!

Nadja Nun, König Tommen, der seine Ehefrau beglückt, steht ganz oben auf der Liste – man darf nicht vergessen, der Kleine ist noch sehr jung, aber so war das eben früher… Doch Spaß beiseite: Sansa legt tatsächlich die Überraschung der Folge hin – wer hätte das noch vor einer Staffel gedacht. Dabei brechen B&B nicht nur massiv mit dem Plot der Bücher, sondern auch mit einer unantastbaren Regel dieser Welt:

Wenn ein Stark nach Süden reist, dann kommt er nie wieder zurück.

Doch Kleinfinger scheint sogar die Dreistigkeit zu haben, GRRMs Realität zu durchkreuzen und bringt Sansa mal eben nach Winterfell zurück. Nun gut, es sei verziehen, denn diese Handlung ist wirklich sehr ansprechend und ich bin wie Ursula gespannt, ob Sansa das Regime in Winterfell übernehmen wird und die Hosen in ihrer zukünftigen Ehe trägt. Vielleicht haben sich aber plötzlich auch alle lieb, man weiß ja nie! Auf jeden Fall scheint wieder eine Hochzeit bevorzustehen. Nachdem Tommens und Margareys eher unblutig verlief, kommen wir dann vielleicht bei Sansa und Ramsey auf unsere Kosten! Doch sind wir mal ehrlich: Wer würde eigentlich nicht gerne in diese Familie einheiraten???

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Eine Familie wie aus dem Bilderbuch!

(c) HBO

Jannik Ein herrliches Familienfoto! Game of Thrones ist im Moment ein wenig wie der Münsteraner Tatort – wirkliche Spannung kommt zwar keine auf, aber man schaut den kleinwüchsigen, verrückten und tollpatschigen Charakteren einfach gerne zu. Egal, ob sie sich nun im Bett wälzen, spazieren gehen, etwas essen oder in einer Kutsche sitzen. Der innerliche Ruf nach mehr Überraschungen wird  immer lauter werden, gar keine Frage, doch hat mich High Sparrow allein schon deshalb gut unterhalten können, weil ich Westeros und alle seine Facetten so sehr schätze. Ich muss aber auch sagen, dass dieser Bonus nicht für immer anhält. Ich erwarte von den nächsten Folgen einfach mehr, doch bin ich auch sehr optimistisch. Die Entwicklungen, die in den ersten drei Folgen angedeutet wurden, versprechen schon jetzt einige furiose Momente. Sansa, Arya, Jaime, Daenerys, Jon und Cersei werden in den nächsten Wochen noch unglaublich viel erleben, da bin ich mir sicher. Da kann dann selbst der Münsteraner Tatort nicht mithalten.

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