Game of Thrones: Breaker of Chains

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Chefredakteurin und GoT-Expertin Nadja, Guckfans Lisa und Jussra und Buch- und Serienhybrid Timo schauen zusammen die vierte Staffel Game of Thrones und halten ihre Eindrücke zur jeweiligen Folge in einem Gespräch fest. Unsere illustre Runde setzt sich interessanterweise aus verschiedenen Wissensständen zusammen, weswegen Spoiler oder Träumereien im Folgenden dabei sein können.

Episodenrückblick

Nadja Generell ist in der Folge wirklich viel passiert und am Ende konnte man alle Szenen gar nicht mehr aufzählen. Dennoch war die Folge weniger eregnissreich als die letzten beiden. Es wurden viele kleine Schritte vollzogen – was ja auch überhaupt nicht negativ gemeint ist. Auffällig war das sehr düstere Ambiente. Ich glaube mich zu erinnern, dass nur die kurze Szene um Margary und die letzte um Daenerys richtig „farbenfroh“ waren. Ansonsten herrscht eher eine trübe Stimmung, die sich nach Joffreys Tod durch Westeros zieht – (was nicht unbedingt an Joffreys Tod selbst liegt, obwohl er bei einem, wenn er so friedlich in Baelors Septe liegt, ja schon fast sympathisierende Gefühle auslöst).  Alles in Allem eine solide Folge, die überzeugt, und die es wirklich geschafft hat, eine Stunde Filmzeit in eine kleine Ewigkeit zu verwandeln – auch wenn diese Ewigkeit immer noch zu kurz war!

Lisa Ehrlich gesagt war das bis jetzt meine Lieblingsfolge. Es ist zwar sehr viel passiert, so dass ich die Folge ein zweites Mal anschauen musste, aber sie war so unglaublich stimmig und rund. Das Zusammenspiel von mehreren, kurzen Szenen und weniger, aber dafür längeren, impulsiven Szenen hat dieses Mal die perfekte Mischung getroffen. Und hallo – Littlefinger ist wieder da! Fuck yeah!

Jussra Eine sehr interessante Folge. Man merkt, dass Game of Thrones aus vielen verschiedenen kleinen Geschichten und Handlungen besteht. Team Hound und Arya, Bran und seine Freunde, Jon Snow auf der Mauer. Jetzt werden wahrscheinlich Littlefinger und Sansa auch Verbündete?!… Nicht zu vergessen: Daenarys mit ihrer Armee und ihre Wohltätigkeit. Ich stimme Nadja schon zu, viele Ereignisse gab es dieses Mal nicht, was wahrscheinlich auch gut ist. Von Joffreys plötzlichem Tod muss man sich als Zuschauer erst erholen. Ereignisse wird es bestimmt noch genug geben. Sei es Sansas Flucht, die Befreiung der Sklaven durch Daenarys, Tyrions Gefangenschaft oder die Warnung an die Nachtwache, einschließlich John Snow – sie alle lassen ahnen, dass noch einiges in der nächsten Episode passieren wird.

Beste Szene

Lisa Also die Szene sollte eher bei einer Kategorie Krasseste Szene stehen, aber hier passt es ja auch ganz gut rein. Cersei, wie sie mit ihrem starren, hasserfüllten und doch so verzweifelten Blick ihren geliebten, kleinen (und zum Glück sehr toten) Sohn Joffrey betrachtet. Plötzlich tritt Jamie zu ihr nachdem alle Anwesenden gegangen sind bzw. herausgeschickt wurden; die Szene entwickelt sich ab diesem Punkt zu einer der übelsten, hochgradig anmaßendsten Szenen in Game of Thrones. Schon allein die Tatsache, dass Jamie und Cersei sich begehrende Geschwister sind, wäre für viele Zuschauer derb genug. Tja, so ist Game of Thrones. „Why have the God’s made me love a hateful woman?“ und nach diesem Satz von Jamie greift er Cersei am Hals und der reichlich gewaltsame Liebesakt zwischen den Geschwistern am Boden beginnt – und weil das alleine noch nicht reicht, um uns abgebrühte GOT-Fans zu schocken – neben ihrem gemeinsamen, leblosen Sohn. Auf den ersten Blick könnte man sogar denken, Jamie würde Cersei vergewaltigen, wenn sie sich doch nicht nur so spärlich dagegen „gewehrt“ hätte. Von wegen, die Alte wollte das! In meinem Kopf schwirrt seitdem nur noch „This is wrong.“ – „I don’t care, I don’t care.“ herum.
Die beste Szene für mich: Das Ende mit Daenerys hat endlich wieder gezeigt, dass bei ihr auch mal mehr passiert, als mit tausend Mann durch die Wüste zu marschieren. Wurde auch Zeit!

Nadja Am Maß an Action gemessen durfte Daenerys diesmal die beste Szene bei sich verbuchen. Endlich kommt die Frau mal wieder in die Gänge. Sie kann einfach am besten flammende Reden auf Valyrisch halten. Ansonsten hat mich die Szene um Tyrion doch sehr überzeugt. Den eigentlich so frohen Lannister mit immer einen lockeren Witz auf den Lippen plötzlich im Kerker zu sehen, von allen Freunden verlassen, ergreift einen tief. Diesmal ist es nicht so „locker“ wie damals, als er auf Hohenehr gefangen war – diesmal ist er wirklich in der Gefahr, seinen Kopf zu verlieren.

Timo Am besten gefallen hat mir Littlefingers Szene. Er kommt wortwörtlich aus dem Nebel zurück ins Rampenlicht und macht deutlich, dass er mehr Einfluss hat als die meisten denken. Dagegen stinkt meiner Meinung nach auch die Inzest-Szene ab. Den zwei Turteltäubchen hab ich schon in der ersten Folge beim Akt zuschauen dürfen und wirklich gewehrt hat sich Cersei diesmal auch nicht. Sie weiß ja selbst nicht, was sie will. Petyr dagegen holt sich endlich seine Stark-Dame ab und tötet dabei auch noch so nebenbei ihren „Retter“ Sir Dontos.
Die enttäuschendste Szene war sogleich eine der lässigsten: Statt mit gleichen Waffen zu kämpfen, reichen beidseitiges Gepisse und ein beherzter Schwertwurf aus, um den „Champion“ von Meeren zu besiegen.

Jussra Ich schließe mich Lisa an. Es ist eher krass als besonders gut. Cersei und Jamie können sich nicht beherrschen und haben neben dem toten Körper ihres Sohnes Sex. Es ist schockierend, weil sie es tun, und geschmacklos, weil Joffrey daneben liegt, auch wenn er tot ist. Das einzige, was die Szene besonders spannend gemacht hat, ist, dass sie jemand hätte sehen oder beobachten können.

Lieblingszitat

Lisa „But you are safe now. I promise you that. You are safe with me.“ – Littlefinger zu Sansa. (yeah, right)

Timo „Money buys a man’s silence for a time. A bolt in the heart buys it forever.“ – Petyr Baelish (Littlefinger)

Jussra “How can a man not keep ale in his home?” – Hound

Interessantester Handlungsstrang

Timo Nach der dritten Folge mal wieder die Zwischenfrage, welcher Plot nun überzeugen konnte und neue Erwartungen schürt?

Nadja Sansa und Kleinfinger – lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Kleinfinger ist der typische Bösewicht, den man doch einfach irgendwie mag (oder geht das nur mir so?). Auch in den Büchern war der Plot um Kleinfinger und Sansa einer meiner Liebsten. Ich bin gespannt, wie er auf der Leinwand inszeniert wird. Außerdem freue ich mich auf Tyrion und Jamies Plot – Siegt die Bruderliebe über die „Schwesterliebe“? Es wird spannend…

Lisa Da muss ich Nadja eindeutig Recht geben. Dass Littlefinger wieder im Bild ist, macht die ganze Sache noch einen Ticken spannender.
Abgesehen davon, finde ich den Part mit den Wildlings und den angsteinflößenden, menschenfressenden Glatzköpfen auch interessant. Man hatte die Wildlings noch nie zuvor so skrupellos gesehen. Also damit möchte ich sagen: Ich bin, was die Wildlings angeht, nie von einer sonderlich großen Gefahr ausgegangen – bis jetzt. Shit just got real. Jedoch muss ich leider den langweiligsten Handlungsstrang anfügen (ein bisschen Kritik muss auch mal sein): Sam und Gilly. Das ist für mich eher ein stressiger Aufreger, statt in irgendeiner Weise von Bedeutung. Diese Dummheit von Sam lässt mich nur genervt mit dem Kopf schütteln. Alles klar, lieber mal das Mädchen, in das man verliebt ist, mit ihrem Baby in einer Kneipe in dem nahegelegenen Dorf unterbringen, wo die Frauen wie Objekte behandelt werden und, um das noch einmal zu unterstreichen, oberkörperfrei bedienen. Die Männer dort werden mit absoluter Sicherheit anständiger und respektvoller sein, als die, die in Castle Black einen Schwur ablegen mussten, nie wieder eine Frau anzufassen. „I just want to protect you“. Am Arsch.

Timo Ja, Littlefingers Comeback war super. Auch wenn er schon fast zu krass in die Richtung „Bösewicht“ gedrängt wird. Aber die Fäden im Hintergrund ziehen kann nur er so gut. Spannend wird außerdem, was mit Tyrion passiert. Anscheinend hat er keine Chance den Prozess zu gewinnen, wenn alle seine Zeugen schon auf die gegnerische Seite geholt wurden und man sogar versucht hat, den treuen Pod zu bestechen.

Jussra Neben Sansas und Littlefingers Szene interessiert mich besonders, wie Tyrion sich retten will. Seine Frau Sansa verschwindet, was ihn noch verdächtiger wirken lässt. Vermutlich denken die anderen Charaktere, dass beide den Tod des Königs geplant haben und Tyrion zumindest Sansa die Flucht ermöglichen wollte.

Coolster Charakter

Nadja Da The Hound und Jamie diese Folge wieder einige Pluspunkte einbüsen mussten (Sie können eben ihre dunklen Seiten noch nicht vollständig ablegen) durfte Daario Naharis den Titel für sich gewinnen. Da freut man sich auf einen spannenden Kampf – endlich mal Action in Essos und nicht nur ein ständiges „khaleese“ und „mysha“-Gelaber – und was bekommt man?… Immerhin was zum Lachen, auch wenn es ein komischer Humor war, den man um Daenerys gar nicht erwartet hätte. Aber dennoch amüsant.

Timo Ich lasse mal die üblichen Verdächtigen außer acht und sage Lady Olenna! Sie nimmt die ganze Situation um Joffs Tod richtig locker hin und haut dazu noch ein paar Sprüche raus. Mit Margary scheint sie schon das nächste Ding zu planen und das alles im Hintergrund, sodass man kaum etwas bemerkt.

Lisa Auch hier stimme ich Nadja wieder zu. Der Satz „Horses are dumber than men“ war sehr stilvoll, vor allem mit seiner darauf folgenden Show total stimmig – SEHR GEIL. Daenerys Rede hat mir wieder (wie immer) Gänsehaut bereitet. Ich steh ja sowieso total auf die Frau, deswegen war es auch wieder wundervoll zu sehen, dass es bei ihr läuft. Hau rein, Schwester!

pissss

Fazit

Lisa Alles fresh (bis auf Sam). Gut zu sehen, dass The Hound immer noch ein mega Arschloch sein kann. Deswegen mag ich ihn, denn er ist und bleibt sich selbst treu, statt irgendwem etwas vorzuspielen. Auch, dass Jamie seine Gefühle und Dränge nicht zurückhalten kann, zeigt wie menschlich und verletzlich er doch ist, und genau das wird die Szenen zwischen Tyrion und Jamie so spannend machen!

Nadja Ich habe es genossen, zu sehen, wie die Serie ein paar vorsichtige aber bestimmte Schritte in Richtung Eigenständigkeit gemacht hat. In dieser Folge kamen wieder die ein oder anderen Ereignisse vor, die zeigen, dass die Serie sich mehr und mehr vom Buch löst. Wie ich schonmal erwähnt habe, finde ich es gut, dass die Serie mit Eigenständigkeit überrascht, da dann selbst ich noch storytechnische Überraschungsmomente erlebe.

Jussra Breaker Of Chains! Braucht unsere Welt nicht auch eine Daenarys? Eine Wohltäterin mit ganz viel Kraft und Unterstützung ihrer gigantischen Armee. Die Frau überrascht einen immer wieder. Auf der anderen Seite war es schön zu sehen, dass Sam mutiger geworden ist und Verantwortung übernehmen kann. Arya regt sich immer noch über Hounds Verhalten auf und würde ihn am liebsten dafür schlagen. Hound bleibt eben Hound. Jamie und Cersei halten noch an ihrer ungewöhnlichen Liebe fest und Littlefinger verfolgt sein Ziel: Eine Stark-Frau erobern. Wofür, ist noch unklar. Die Folge hat im Prinzip gezeigt, dass trotz Veränderungen alles so bleibt, wie es schon immer war.

Timo Never bring a horse to a sword fight.

6 Gedanken zu “Game of Thrones: Breaker of Chains

  1. Ich denke mal du beziehst dich auf Sansa, genau das könnte man aber auch auf Arya anwenden. Auch wenn sie sich wehrt hätte sie nicht mal ansatzweise so lange wie Sansa überlebt, da sie ja trotzdem nur ein kleines Mädchen ist. Ich finde daher, dass Arya die Figur ist, die am meisten von diesem „realsistischen“ Setting im Bezug auf die *berlebenschancen herausfällt.

  2. Natuerlich ist sie auf eine menschliche Art beneidenswert, aber gerade auf Grund der Umstaende haette ein Maedel wie sie damals nie ueberlebt. Wie der Hound schon gesagt hat: Wenn man schwach ist und sich selbst nicht verteidigen kann, dann stirbt man. Das war im Mittelalter auch nicht anders. Ihre Charakterzuege sind aus heutiger Sicht zwar bewundernswert, aber damals haette sie keine 30 Tage ueberlebt. Die Figur steht einfach viel zu stark im Kontrast mit dem restlichen Setting.

  3. Ich muss sagen, dass ich Sansa keinesfalls langweilig finde. Ihre Ängste und ihre „Weinerlichkeit“ sind einfach nur realistisch. Dass sie den schrecklichen Terror am Hof erträgt und dabei immernoch menschlich bleibt, ist eine riesengroße Leistung, die mehr Anerkennung verdient. Auch wenn immer draufhauen (Arya) oder intregieren (Sersei) vielleicht imposantere Reaktionen auf missliche Lagen sind, zeigt erst Sansa im Kontrast zu all den anderen Charakteren, wie krank diese ganze Welt eigentlich ist. Dass das alles nicht normal ist, dass das eigentlich kein Mensch ertragen kann. Aber sie schafft es. Sie ist stark und bewundernswert. Aber eben auf ihre eigene Art.

  4. JA MAN. Sam ist einfach dumm wie Brot. Der kriegt’s auch noch dreckig ab in den nächsten Folgen (hoff ich doch). Ich denke Sansa wird so „gehyped“, weil jeder hofft, dass da noch was kommt. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob sie sich jemals wehren wird oder für immer das kleine, nervige, weinerliche Mädchen bleibt. Little Finger kam ja erst jetzt, ich denke in den nächsten Folgen wird da noch ein wenig Klarheit geschafft und nicht alles geheim gehalten, denn darauf hätte ich auch wenig Bock 🙂

  5. Beste Szene? Das Ende, ganz klar. Daenarys punktet in dieser Folge am meisten. Muss Lisa zustimmen. Sam ist dumm wie 10m Feldweg. Habe mir selten beim Serie schauen gedacht: „Mann, bist du behindert im Kopf oder was?!“ Widersprechen muss ich allerdings bei Sansa und LittleFinger. Sansa is fuer mich einfach einer der langweiligsten fiktiven Figuren EVER. Sie macht einfach gar nichts und hat vor allem und jedem die Hosen voll. Dann kann ich auch einfach einer Hausfrau beim buegeln zuschauen. Das ist interessanter. Hoffentlich tut sich da noch was. Littlefinger entwickelt bei mir das „Fightclub-Syndrom“. Alles wird zwanghaft geheimgehalten, wodurch der kommende Plot-twist viel zu offensichtlich vorbereitet wird. Little Finger hat mit Sicherheit noch eine ganz grossen Auftritt und der wird mir viel zu extrem auf dem Silbertablett praesentiert. Ich bitte um etwas Contenance!

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