Early Access – Verkaufsmodell der Zukunft?

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Fast 900 000 verkaufte Einheiten in nur drei Wochen. Das ist eine Bilanz, die sich nur wenig Spiele auf die Fahnen schreiben können. Wenn 900 000 Menschen dann jedoch ein offensichtlich unfertiges Spiel kaufen, dann handelt es sich entweder um den neusten EA-Blockbuster oder um den Steam-Release von Day-Z.

Selbst 5 Monate nach der Veröffentlichung steht Day-Z immer noch in der Topseller-Liste von Steam und ist dabei noch weit von einem fertigen Spiel entfernt. Es ist gespickt mit Bugs und Glitches, das Waffenarsenal lässt sehr zu wünschen übrig und Fahrzeuge sind scheinbar noch in weiter Ferne. Trotzdem geht das Spiel weg wie warme Semmel. Early-Access heißt das Geschäftsmodell auf dem der Zombie-Survivals Hit von Bohemian Interactive basiert.

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Bei Early-Access zahlt der Spieler einen gewissen festgelegten Betrag um Zugang zu einer unfertigen Version des Spiels zu bekommen. Während dieser Alpha- bzw. Beta-Phase ist der Spieler angehalten Bugs und Fehler zu melden und sich in Foren aktiv in den Entwicklungsprozess einzubringen. Wenn das Spiel dann irgendwann fertig veröffentlicht wird, bekommen die Teilnehmer der Early-Access-Phase entweder das fertige Spiel umsonst oder der bereits gezahlte Betrag wird von dem Kaufpreis des fertigen Spiels abgezogen.

Das alles klingt ja eigentlich ganz gut. Die Entwickler bekommen eine extra Geldspritze während des Entwicklungsprozess und die Spieler können ihr heißerwartetes Spiel bereits vor allen anderen Spielen und den Entwicklern dabei aktiv sagen was sie am momentanen Status des Spiels mögen und was besser noch einmal überdacht werden sollte.

Doch was wenn das Zahlen für ein unfertiges Produkt zur Norm wird? Schon jetzt befinden sich über 170 Spiele auf Steam in der Early-Access-Phase. Zugegeben im Vergleich zu der Fülle an anderen Spielen ein sehr geringer Anteil. Aber die steigenden Zahlen sind nicht zu übersehen. Sehen wir einer Zukunft entgegen, in der nur Spiele fertiggestellt werden, die schon als unfertige Alpha einen großen Kundenstamm überzeugen? Im mittelgroßen Indie-Bereich könnte es womöglich wirklich soweit kommen. Und an sich wäre das auch nicht schlecht. Denn gerade so können tolle neue Konzepte unterstützt werden, ohne dass sich der Visionär hinter dem Spiel einen großen, bösen Publisher ins Boot holen muss.

Doch was passiert, wenn eben jene großen Publisher Wind von dieser neuen Veröffentlichungsmethode bekommen? Was, wenn in Zukunft alle Spiele zuerst unfertig und für Geld anspielbar erscheinen? Nicht so schlimm denkt ihr? Immerhin können wir alle dann ja unser Lieblingsspiel viel früher spielen und was machen schon die paar Bugs?!

Aber nicht so schnell! Denn in Wirklichkeit bekommt ihr hier keinen frühen Appetitanreger für Euer Lieblingsspiel. Und bei größeren Produktionen wahrscheinlich auch nur extrem begrenztes Mitspracherecht. Denn eigentlich seid Ihr nichts anderes als ein großer Haufen QA-Tester die auch noch so blöd sind und für eine Aufgabe bezahlen, für die sie eigentlich Geld bekommen sollten.

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Würdet Ihr denn ein Auto kaufen, dass offensichtlich weder abgenommen noch getestet ist? Nein natürlich nicht! Und auch, wenn die Folgen bei Videospielen wohl eher nicht in den Tod resultieren, sind sie trotzdem nicht zu vernachlässigen.

Erinnert euch zum Beispiel daran, als ihr zum ersten Mal in Fallout 3 eurer Vault verlassen habt. Ein atemberaubender Augenblick! Und jetzt stellt euch das ganze doch einmal mit verglitchten Texturen oder fehlender Skybox vor. Schon gar nicht mehr so geil, oder?


Und genau das sind die Gefahren des Early-Access! Man spielt immer noch eine Alpha oder Beta! Man wird niemals das Spielerlebnis bekommen, dass die Entwickler eigentlich vorgesehen haben. Natürlich kann das Spiel trotzdem Spaß machen, doch im schlimmsten Fall vermiesen die Bugs das komplette Spiel, und es wird zu einer weiteren Leiche in eurer Steambibliotek. Und das wird passieren! Egal wie oft die Entwickler daran erinnern, dass es sich dabei nicht um das fertige Spiel handelt. Einmal von den Höhen des Hypes in das Tal der Ernüchterung gestürzt wird der zweite Aufstieg nur umso schwerer. Darum sollten sowohl Entwickler als auch Spieler sich überlegen, ob ein Early-Access wirklich angebracht und von Nöten, und nicht nur eine kleine Geldspritze im Entwicklungsprozess ist.

Da ihr nun wisst, welche Gefahren Early-Access mit sich bringt, wollen wir euch in den folgenen Wochen einige Spiele vorstellen und dabei natürlich immer fragen:
Lohnt sich der Einstieg? Kann man wirklich Einfluss auf die Entwicklung nehmen? Und wie viel Spielspaß mach ich mir durch einen Einstieg in das unfertige Spiel kaputt?

2 Gedanken zu “Early Access – Verkaufsmodell der Zukunft?

  1. Meiner Meinung nach kommt es schlicht und einfach auf das Spiel an. Bei Minecraft war es damals einfach unklar wohin das Spiel steuert. Das offene Konzept war einfach wie geschaffen für die Einbindung der Spieler als „Mitentwickler“. DayZ fällt da unter die selbe Kategorie. Bei einem Elder Scrolls, GTA, oder vor allem für ein Tomb Raider oder anderen Story-lastigen Spielen ist es dagegen Quatsch die Spieler zu früh dran zu lassen.
    Mein persönliches Fazit mit dem ich gut leben kann: Spiele die auf ein komplexes System bauen profitieren von vielen Usern die das System nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben verändern können. Abgeschlossene Spiele die auf Story bauen sollten weiterhin vom „Künstler“ geschaffen und dann anschließend rezipiert werden.

  2. Also ich muss sagen, dass ich das Problem nicht seh. Du schreibst, dass irgendwann Early Access Standard wird. Aber was ist daran so schlimm? Die Tatsache, dass ein Spiel early Access ist hindert mich doch nicht daran es erst bei Release zu kaufen. Und die Spiele, die aufgrund einer schlechten early Access Phase floppen wären ohne early Access sowieso nicht raus gekommen.

    Das einzige, was early Access schlecht macht ist, die Tatsache, dass Leute davon überzeugt werden für Dinge zu bezahlen, die sie vom Spiel wollen, aber noch nicht im Spiel drin sind. Aber da muss man sich halt informieren.

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