Dark Souls II: Crown of the Sunken King

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Seeker of fire, deliverer of crowns. What do you see in the flames?

Drei Monate sind vergangen, seitdem die Sterbesimulation Dark Souls II endlich auch für den PC erschienen ist. Inzwischen wurde die Handlung häufiger interpretiert als Faust, jeder Winkel bis auf die letzten Millimeter erkundet und die Sonne gebührend gepriesen. Kurz gesagt: Es ist ruhig geworden in Drangleic. Damit die Spieler nicht zur Hülle verfallen, liefert Fromsoftware nun Nachschlag in Form von drei DLC-Episoden, beginnend mit Crown of the Sunken King, das seit über einer Woche per PC, PlayStation 3 und Xbox 360 erforscht werden darf.

Dark Souls und DLC? Für manche Veteranen reicht diese Kombination aus, um posttraumatische Belastungsstörungen auszulösen. Damals im ersten Teil war es schließlich schon Herausforderung genug, überhaupt herauszufinden, wo und wie man denn auf die neuen Inhalte zugreifen kann. Keine Sorge, diesmal läuft das anders: Nach Kauf des DLC befindet sich der benötigte Schlüssel automatisch in eurem Inventar. Dank der Item-Beschreibung, die ihr selbst dann verstehen werdet, wenn ihr nicht die hellste Kerze auf der Torte seid, gestaltet sich der Weg dieses Mal als Kinderspiel und bereits nach wenigen Minuten habt ihr den Zugang im kleinsten Gebiet des Hauptspiels gefunden. Total casual! Ausverkauf! Buh! Man, Souls-Spieler sind einfach niemals zufrieden…

Alles andere als „casual“ präsentiert sich dann aber Shulva, das neue Areal tief unter der Erde. „Be wary of overconfidence!”, warnen zu Beginn mehrere Spieler über das für die Reihe typische Nachrichtensystem – und das mit Recht. Wer glaubt, inzwischen selbst zum Endgegner mutiert zu sein, der darf sich schon nach wenigen Minuten Fußweg über die Rückkehr des „YOU DIED!“-Schriftzugs freuen. Die neuen Standardgegner sind einzeln zwar nicht unbedingt stärker als ihre Kollegen zuvor, treiben euch aber durch die dichte Positionierung auf kleiner Fläche gerne in die Bredouille. Dazu gesellen sich in der Regel noch Hexerinnen mit dunkler Magie, unsichtbare Klingenschwinger, die auf den ersten Blick unverwundbar scheinen, sowie die akute Gefahr durch Gift und Versteinerung an jeder Ecke. Da kommt Freude auf!

An der erhöhten Schwierigkeit trägt auch das Leveldesign eine Mitschuld: Die versunkene Stadt gehört zu den bisher besten Gebieten und erweist sich im Gegensatz zu einigen Abschnitten des Hauptspiels als eines Nachfolgers würdig. Nirgendwo überkommt einen  das Gefühl vollkommener Sicherheit; überall stehen Gegner, aus jeder Richtung fliegen Pfeile. Obwohl optisch auf Dauer ein wenig karg, wirkt das Design durchdacht und lädt trotz der permanenten Gefahr dazu ein, jeden Winkel nach Geheimnissen sowie versteckten Schaltern und Abkürzungen abzusuchen. Alleine schon der Weg vom ersten zum zweiten Leuchtfeuer gleicht einem gefühlt endlosen Spießrutenlauf, gespickt mit den verschiedensten Todesfallen und Gegnerhorden, aber auch vielen Schätzen und geheimen Pfaden. Spieler, die erst mit Dark Souls II eingestiegen sind, werden sich den neuen, raueren Gegebenheiten anpassen müssen; erfahrene Spieler hingegen dürfen aufatmen, dass Fromsoftware den Spirit des ersten Teils doch noch in sich trägt.

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Das entscheidende Kriterium bei der Bewertung neuer Inhalte für Souls-Titel bleibt aber die Qualität der Bosskämpfe. Crown of the Sunken King führt insgesamt drei neue Begegnungen ein; zwei davon klassisch und für den Abschluss des DLC notwendig, eine optional und, ohne zu viel verraten zu wollen, „speziell“. Leider entpuppt sich die Anordnung der Kämpfe als große Enttäuschung. Während der freiwillige Kampf nur über einen kurzen, dafür absolut tödlichen Weg erreichbar ist, hängen die beiden entscheidenden Konfrontationen lieblos aneinander. Dazwischen liegt ein kleiner Tunnel ohne jegliche Bedrohung und, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ein Leuchtfeuer nur wenige Meter vom Endgegner entfernt. Dadurch verlieren beide Kämpfe an Wert. Das ist schade, denn die Begegnungen bieten eigentlich eine anspruchsvolle Herausforderung, obwohl die Entwickler teilweise an der unsäglichen Philosophie festhalten, zusätzlich zum Boss auch normale Gegner auftauchen zu lassen. Abgesehen davon verlangen euch die Duelle einiges ab: Nahkampf, Fernkampf, dunkle Zaubersprüche, Feuer, Gift, Explosionen, Flächenschaden, Teleportation – all das gilt es zu meistern, bevor ihr die erste von drei Kronen euer Eigen nennen könnt. Ohne Bewegung wird das nichts, denn anders als noch einige Bosskämpfe zuvor, lassen sich die Großkaliber im DLC nicht einfach im Kreis umtanzen. Der härteste Gegner, die Kameraführung, darf natürlich auch nicht fehlen, aber ihre Auswirkungen halten sich zum Glück in Grenzen.

Das Abenteuer durch die versunkenen Ruinen dauert je nach Geduld, Fähigkeiten und Erkundungsdrang des Spielers drei bis sechs Stunden. Ob dieser Umfang den Preis von 10 Euro rechtfertigt, muss jeder für sich selbst entscheiden, doch Fromsoftware liefert ohne Zweifel überzeugende Kaufargumente. Besonders Spieler, die Teile des Hauptspiels als linear und einfach verurteilt haben, dürften die Reise nach Shulva zu schätzen wissen: Crown of the Sunken King transportiert die Magie des Vorgängers und liefert den Startschuss für eine vielversprechende DLC-Trilogie.

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