CRYSTAL CASTLES – „CRYSTAL CASTLES II“ CD-Rezension

Rebellische Vintage-Atari-Music-Art oder anarchischer 8-Bit Synthie-Punk? Interessant ist die Musik von Crystal Castles in jedem Fall. Jedermanns Geschmack dennoch wohl kaum.

„Deathray! Deathray! Deathray! Deathray!“ dröhnt komplett übersteuert, wie auch der Rest der Musik, gebrüllt von Sängerin Alice Glass im Lied „Doe Deer“ aus den Lautsprechern. Eine Hymne an Bambi oder eher ein Versuch, die Geräusche, der von Tesla in den 1920er und 30er Jahren entwickelten, elektromagnetischen Waffe in Musik umzuwandeln? Man weiß es nicht. Das neue Album der Kanadier von „Crystal Castles“ geht aber mal wieder an einige Grenzen des Hörgenusses.

Schon das erste Album „Crystal Castles“ spaltete die Gemüter. Was die einen als puren Lärm empfanden, war für andere der Ausbruch aus der teilweise sehr einseitigen Welt der elektronischen Musik. Sie selbst betiteln ihre Musikrichtung auf ihrer myspace-Seite http://www.myspace.com/crystalcastles als „Trash Trash Trash“. Aber auch wenn sie noch so sehr behaupten würden, dass sie einfach nur irgendeinen Müll zusammenbasteln und das dann Musik nennen, würde ihnen das keiner abkaufen. Denn mindestens die Hälfte der Tracks auf dem alten und ebenso auch auf dem neuen Album sind tiefgehende, sehr sanfte und auf ihre eigene Art und Weise unglaublich gefühlvolle Nummern.

So kann „Violent Dreams“ auf der einen Seite durch die sentimentale, traumhafte Stimmung überzeugen, regt aber weiterhin an, dem sanften Beat zu folgen und den Kopf dazu zu bewegen. Auch „Vietnam“ ist so ein Track, mit dem sie es schaffen, videospielartige Synthie-Töne zu einem sanften Etwas zu komponieren, dem man sofort verfallen kann.

Crystal Castles bleibt mit dem neuen Album „Crystal Castles II“ ihrer Linie also Treu. Tanzbare Synthietracks, sanfte Synthietracks und übersteuerte, anarchische Elektropunk-Synthietracks, die auch weiterhin für die extremen Liveshows sorgen werden, sind wie auch auf dem letzten Album vertreten. Größtenteils düster und bedrückend bleiben die Tracks ebenfalls. Wer die erste Platte also mochte, wird sich auch schnell in der neuen wohlfühlen.

Eigentlich war der Release erst für den 5. Juni 2010 geplant, da das Album zuvor aber schon im Internet aufgetaucht war, wurde der Release auf den 24. Mai verschoben. Somit ist die Platte also mittlerweile überall erhältlich. Wer die Crystal Castles live sehen möchte, kann das beim diesjährigen „Rock im Park“ und „Rock am Ring“ tun.

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