Brit Pop vs experimentierfreudiges Pärchen

Das klingt doch nach einer perfekten Mischung. Ist es auch. Denn das, was „9songs“ bietet, ist eine explosiver Mix aus einem Live Konzertvideoclip à la MTV und einem Erotikfilm, wenn nicht sogar Porno.

Explizite intime Momente werden immerhin in der Nahaufnahme gezeigt, die wiederum auch den Ton des Filmes ausmachen. „9songs“ überzeugt gerade durch diese Authentizität – denn das, was wir zu sehen bekommen, ist echt – na ja, annähernd echt.

Die beiden Darsteller sind nicht das Pärchen, was sie in dem Film vorgeben zu sein. Doch das, was sie als Pärchen im Film miteinander tun, ist echt. Sie haben Sex und besuchen gemeinsam gute Konzerte. Wie der Titel des Filmes verrät, gehen sie zu 9 Konzerten: auf dem ersten lernen sie sich kennen. Lisa ist als Austauschstudentin in London. Matt ist Forscher und fliegt am Anfang des Films in die Antarktis. Er erinnert sich zurück an die Zeit, die er mit Lisa hatte. Dabei erfährt man kaum etwas über die Vergangenheit und die Zukunft der Darsteller. Lisa fordert Matt auf: „Forget who you are, forget where you are…“. Und das gelingt auch. Der Film bewegt sich im Hier und Jetzt und zeigt, wie schön es sein kann, wen man mal alles um sich herum vergisst und den Moment genießt. Und doch ist es auch eine surreale Geschichte, in der sexuelle Experimentierfreude, Gier und Lust im Vordergrund stehen. Der Alltag verliert an Bedeutung.

Zwar erinnert das Schmücken des Weihnachtsbaumes an eine Standart-Festlichkeiten, doch auch dies wirkt durch die Abwesenheit der Familie wie eine vage Andeutung des Festes.Im Mittelpunkt steht das Paar Und trotzdem es sich beinah ausschließlich um Lisa und Matt dreht, wird der Film nicht langweilig. Der Wechsel zwischen den intimen nackten Momenten und den rockigen Konzerten reißt den Zuschauer immer wieder  aus der jeweiligen Situation heraus, wobei die Konzerte, nach der hemmungslosen Intimität, beinahe erlösend wirken.

Scheinen die intimen Momente zwischen den beiden Darstellern Kieran O’Brien und Margo Stilley noch so authentisch, so muss gesagt werden, dass dies nur vor der Kamera so harmonisch funktioniert. Die beiden schenkten einander kaum Beachtung, sobald die Kameras aus waren.  Die streng christlich erzogene Margo Stilley nahm die Rolle an, da ihr der Regisseur Michael Winterbottom eine Rolle in seinem nächsten Film versprochen hatte. Das Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten. Dafür arbeitete Winterbottom mit Margo Stilleys Filmpartner O’Brien in zwei weiteren Filmen zusammen: The Road to Guantanamo und A Cock and Bull Story.

 

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