22. Bamberger Kurzfilmtage

Vom 23. bis zum 29. Januar fanden die 22. Bamberger Kurzfilmtage statt. Die sieben Preise gingen am Ende an sechs Filme. Was in Bayreuth ungewöhnlich erscheinen mag, ist in Bamberg selbstverständlich: Das Kurzfilmfestival kann in richtigen Kinos stattfinden! Die beiden Programmkinos Lichtspiel und Odeon, von denen ersteres letztes Jahr den Titel des „Kinos des Jahres“ gewonnen hatte, rollten die roten Teppiche aus und luden zum Wettbewerb von über 100 Kurzfilmen. Das Publikum war breit gefächert und bestand sowohl aus überzeugten Festivalgänger*innen, als auch aus Menschen, die  scheinbar nur mal reinschauen wollten. Die einzelnen Filmblöcke waren gut besucht und teilweise auch ausverkauft. … 22. Bamberger Kurzfilmtage weiterlesen

Hackerbrause

Cover HackerbrauseSubkulturen definieren sich immer auch ein Stück weit über ihre Konsumgewohnheiten. Und so gehört auch zur Hackerkultur ein besonderes Getränk: „Club Mate“ hält wach, wenn noch bis früh in den Morgen Code geschrieben wird. Kathrin Ganz, Jens Ohlig und Sebastian Vollnhals haben jetzt ein Buch über den gelblichen Stoff aus dem mittelfränkischen Münchsteinach und andere Hackerbrausen geschrieben.

Viel interessantes Wissen und auch einige kurriose Anekdoten haben die drei dafür gesammelt. Wie die Brause von der kleinen Brauerei Loscher beinahe gegen deren Widerstand, denn der Besitzer hätte – typisch Franke – den InteressentInnen lieber sein Bier verkauft, dennoch nach Hamburg und Berlin kam, um dort den heutigen Kult zu starten, erzählt ein Interview mit dem damaligen „Importeur“ Freke Over, der das Getränk mit dem linken Getränkehandel KGB (Kohlen, Gips, Bier) erst dem Publikum der Berliner Hausbesetzerkneipen und später der restlichen Stadt und dem Umland schmackhaft gemacht hatte. „Hackerbrause“ weiterlesen

Workers of the World of Warcraft, unite!

Buchcover der deutschen AusgabeIn den beliebtesten Online-Computerspielen werden täglich eine Menge Güter gehandelt. Waffen, Rüstungen, ganze Charaktere oder auch Hilfe bei den Quests – alles was das SpielerInnenherz begehrt ist gegen Geld zu bekommen. Einige der größten Wirtschaftsräume liegen bereits in virtuellen Welten und werden von Computerspielkonzernen kontrolliert – zumindest im aktuellen Roman des kanadischen Science-Fiction Autors Cory Doctorow „For the Win“, der jetzt in deutscher Übersetzung erschienen ist und dem diese Vorstellung als Grundlage für eine spannende Geschichte dient.

Den Schüler Wei-Dong aus Los Angeles, den Chinesen Matthew und das indische Slum-Mädchen Yasmin eint eine Sache: sie sind Goldfarmer, also Menschen, die gegen Geld Computer spielen und in den virtuellen Welten Items erstreiten oder Dienstleistungen anbieten. „Workers of the World of Warcraft, unite!“ weiterlesen

Privatsphäre als Auslaufmodell

Die Privatsphäre wird im Zeitalter des Internets ständig freiwillig und unfreiwillig abgebaut. Das ruft den Datenschutz als ihren Retter auf den Plan. Aber gibt es da überhaupt noch etwas zu retten? Und wenn ja: warum überhaupt? Christian Heller entlarvt in seinem Buch „Post-Privacy“ die Privatsphäre als bürgerliche Fantasie, um die es auch nicht schade sein wird, wenn wir sie einmal los sind.

Ideologie zeichnet sich oft dadurch aus, keine sein zu wollen. Und so klingt auch die große Datenschutz-Erzählung erst einmal wie das selbstverständlichste der Welt: um als Individuum frei in Tat und Meinung zu sein bedarf es den Rückzugsraum der Privatsphäre, in dem geschützt vor dem repressiven Blick der Öffentlichkeit, vor Staat und Wirtschaft, eine Persönlichkeit entwickelt werden kann. Der Datenschutz kann sich damit heute als Bewahrer der Freiheit in einer Welt von Feinden darstellen. Seit dem 11. September greift der Staat zunehmend in die Privatsphäre ein. Weitaus umfassender besorgen die großen Internet-Konzerne Google und Facebook die „Verdatung“ der Menschen. Was über einen Menschen noch unbekannt ist, können immer größere Serverfarmen aus den bereits vorhandenen Daten berechnen.

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Geld oder Echtleben

Der Plan war eigentlich als freie Autorin selbstbestimmt und unabhängig zu leben. Nach einem Bestseller sah eigentlich auch alles ganz gut aus. Doch dann kommt für Katja Kullmann alles ganz anders.

Mit ihrem 2002 erschienen Buch „Generation Ally“ landete Katja Kullmann einen Hit, der ihr auch gutes Geld einbrachte. Einige Jahre später muss sie Harz IV beantragen, obwohl sie eigentlich nichts falsch gemacht hatte. In ihrem neuen Buch „Echtleben“ beschreibt sie, wie es dazu kommen konnte und wie sie ihrer neuen Lage begegnete. Das Buch ist im Stil der Generationen-Bücher gehalten und so beschreibt Kullmann sich als Teil einer Generation der heute 30- bis 40-jährigen, die sich aufmachte das richtige Leben im Falschen zu finden und damit auch eine neue Art der Arbeit zu erschließen. Diese Leben sollte „frei“ sein, sich also nach den persönlichen Interessen ausrichten und auch emanzipiert und unabhängig gelebt werden können. Das damit verbundene Arbeitsideal war die Selbstständigkeit, am besten im kreativen Sektor. Und es klingt auch erst einmal sehr gut: Arbeiten für wen und wann man will und für das Zu-Papier-Bringen der eigenen Ideen bezahlt zu werden. Kein Chef, kein Herr, die eigenen Ideale durch nichts korrumpieren lassen. Und dabei auch ganz gut leben, Bio essen und hip sein. „Geld oder Echtleben“ weiterlesen

Kaugummi #19: King Arthur’s Gold

Man bekommt eher selten die Chance ein Computerspiel noch während seinen frühen Entwicklungsphasen zu spielen. Und wenn doch, dann können Bugs und sonstige Funktionseinschränkungen dem Spaß schnell ein Ende machen. King Arthur’s Gold ist hier zum Glück anders, was wohl auch an seiner Einfachheit liegt.

Schön macht das Spiel vielleicht auch, dass es Kindheitserinnerungen weckt: in pixeliger Retro-Grafik können die SpielerInnen wie im Sandkasten Ritterburg spielen. Dazu eine Portion Minecraft in 2D und viel Ameisenfarm-Feeling. Es gibt drei Klassen: Bauarbeiter, Schützen und Ritter. Bauarbeiter können Steine für den Burgenbau abbauen und Gold sammeln. Das Team, das als erstes eine bestimmte Anzahl an Goldeinheiten gesammelt oder vom Gegner gestohlen hat, gewinnt. „Kaugummi #19: King Arthur’s Gold“ weiterlesen

Kaugummi #16: Vorlesungen kooperativ protokollieren

Um den Stress im Studium kompensieren zu können, bietet das Internet glücklicherweise einen Berg von Eskapismus-Angeboten. Tumblelogs, Browser-Games, Flash-Filme und so weiter. Dummerweise konzentrieren diese den Stress nur auf die Zeit unmittelbar vor irgendwelchen Deadlines. Dem Kampf gegen die Prokrastination widmen sich eine Reihe von Blogs, die Tips geben, wie das Leben jetzt endlich richtiger gelebt werden kann. Mit richtiger Leben, meinen diese jedoch meistens effizienter, im Sinne einer Personalabteilung. Wer kürzer braucht, um mit etwas fertig zu werden, kann schließlich auch mehr produzieren. Bei der gleichen schlechten Bezahlug versteht sich. Diese Personalabteilung soll bestenfalls ganz verinnerlicht werden und so … Kaugummi #16: Vorlesungen kooperativ protokollieren weiterlesen

iPad 2: This is a man’s gadget world

Am dritten März wurde mit dem üblichen Tam-Tam das neue Apple iPad vorgestellt. Es soll hier nicht darum gehen, ob es den Markt wieder revolutionieren wird oder ob Apple und sein Produkt lieber kultisch verehrt oder zum Teufel gewünscht werden sollen. Es geht auch nicht darum den schnellsten klugen Kommentar zu den Innovationen oder die lustigste Satire auf das iPad 2 zu schreiben. Das Gerät an sich ist mir eigentlich relativ egal. Hier soll es darum gehen, wie Apple das iPad 2 in seinem offiziellen Einführungsvideo inszeniert.

Nun denn. Schauen wir uns das Machwerk erst einmal an. Also, liebe Leser_Innen, auf was für einem Gerät auch immer ihr das betrachten solltet: zurücklehnen, tief durchatmen und Kritikmodus im Kopf aktivieren, damit ihr mir nicht in den nächsten Apple-Store rennt, bevor ihr am Ende des Artikels angekommen seid. Bitte jetzt auf Play drücken.

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Die Drogenkochprofis

Walter White hält eine Pistole in die Kamera
Verzweifelter Oberlippenbartträger mit Handfeuerwaffe

Walter White ist Chemielehrer an einer Highschool in Albuquerque, New Mexico. Ein Oberlippenbartträger mit allen darin enthaltenen Assoziationen zum Spießertum.

Mit der Zeit hat er es zu dem bescheidenen Wohlstand, der einen White Anglo-Saxon Protestant wie ihn ein Stück weit definiert, gebracht: Ein Haus in einer dieser Vorstadtsiedlungen, die alle irgendwie gleich aussehen. Ein anständiger Bürger unter anständigen Bürgern, der seinen Lebensinhalt darin gefunden hat seine Familie zu ernähren und in der Gesellschaft nicht aufzufallen. Das muss wohl nicht immer einfach gewesen sein, denn ein behinderter Sohn ist in der Norm so nicht vorgesehen. Auch sonst wird die Lage zunehmend schwierig: White gehört zu dem Teil der Mittelklasse, die vom Abstieg bedroht ist. In seinem Zweitjob in einer Autowäscherei kann er schon einmal die erniedrigenden Arbeitsbedingungen des Prekariats erleben, wenn Schüler in aufgetunten Autos vorbei kommen und ihm nur allzu deutlich machen, dass er vor ihren Chromfelgen kniend nicht die Respektsperson aus dem Klassenzimmer ist. Doch auch die Erniedrigung und die Sorge darum, wie er in Zukunft seine bald um einen Kopf reichere Familie versorgen soll, erträgt er schicksalsergeben. Bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. „Die Drogenkochprofis“ weiterlesen

17. Internationales Trickfilmfestival Stuttgart

Ein subjektiver Festivalbericht.

Als ich am Dienstag die U-Bahn-Station Schlossplatz in Stuttgart verlasse, regnet es in Ströhmen. Wie praktisch! Denn bei diesem Sauwetter muss ich mich vor niemandem großartig rechtfertigen, warum ich lieber acht Stunden am Tag in den abgedunkelten Sälen der beiden Kinos gleich nebenan sitze, statt unter der Jubiläumssäule im Gras zu liegen, wie es die Einheimischen und Tourist_Innen sonst im Mai tun. In diesen Kinos findet nämlich zum 17. mal das internationale Trickfilmfestival statt. Ich bin zum dritten mal in Folge dabei. Und so fällt mir auch gleich ein kleiner Unterschied zu den letzten Jahren auf: Im Café Schlossblick, das den Gästen für die Zeit des Festivals zur Verfügung steht, gibt es diesmal keinen Promo-Kühlschrank, der mit dem neuesten trendigen Bionade-Klon zur Selbstbedienung gefüllt ist, sondern nur Apfelsaft und Mineralwasser in kleinen Plastikflaschen. Muss wohl an der Wirtschaftskrise liegen. Oder an den animierten Figuren Äffle und Pferdle, einer Art schwäbischer Mainzelmännchen, die gesponsort von einem lokalen Mineralwasserproduzenten ihren 50. Geburtstag auf dem Festival feiern. Ok, das ist auf den ersten Blick nur ein vernachlässigbares Detail. Aber wo, wenn nicht hier kommen so viele detailverliebte Menschen zusammen? Der Animationsfilm ist ja schließlich die Kunst der kleinen Unterschiede. Die Eingeweihten denken in Frames, den einzelnen Filmbidern. Sie sind sozusagen die Atome, die kleinsten Elemente jedes Films. Die kaum wahrnehmbaren Unterschiede, die zwischen ihnen statt finden, werden schließlich in der Wahrnehmung zu Bewegung. So müssen sich die Animator_Innen mit wichtigen Kleinigkeiten beschäftigen, z.B. damit wie viele Frames diese oder jene Bewegung dauern darf und wo und in welchem Takt die KeyFrames, die wichtigen Stellen, gesetzt werden sollen. Und so kann es leicht passieren, dass man/frau/sonstige sich in einem Wald von Details verliert.

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