Auf der Suche

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Hollywood sucht

In Hollywood wird ja ständig gesucht: Ob Liam Neeson seine Tochter in Paris, Batman den Joker in Gotham City oder Gollum seinen ‚Schatz‘ in Mittelerde. Nach 120 Minuten verlässt der Zuschauer zufrieden das Kino, denn jeder Suchende hat sein Objekt der Begierde gefunden (oder hat zumindest kurz vor Schluss eingesehen, dass er auch ohne jenes leben kann). Und gerade als wir uns an diesen Topos gewöhnt hatten, treten die Brüder Ethan und Joel Coen (The Big Lebowski, No Country for Old Men) auf den Plan und setzen uns einen schweren Brocken vor: A Serious Man.

A Serious Man

A Serious Man kam bereits 2009 in die deutschen Kinos und erzählt die Geschichte eines jüdischen Hochschuldozenten namens Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg). Dessen Frau Judith (Sari Lennick) will sich von ihm scheiden lassen und zwingt ihn, vorübergehend mit seinem schizophrenen Bruder Arthur (Richard Kind) zusammen in ein Motel zu ziehen. Als Judiths neuer Lebensgefährte plötzlich bei einem Autounfall ums Leben kommt, kollabiert die amerikanische Familienidylle vollends.

Es scheint fast so, als bräche völlig unverschuldet und aus heiterem Himmel alles Unglück über Larry herein. Erst die Scheidung, dann der Verlust der Wohnung, diskreditierende Hinweise, die seine Habilitation gefährden, sein Bruder, der illegales Glücksspiel betreibt und zuletzt auch noch ein Schallplatten-Abo, das er nie bestellt hat. Doch Larry ist ein gläubiger Jude und so sucht er Hilfe bei weisen Gemeindemitgliedern und Rabbinern. Er fahndet mit aller Kraft nach einer Antwort, einer Ursache für die Missgeschicke, die ihm widerfahren. Über den Film hinweg trifft er dabei allerlei kuriose Typen, die ihm viele Anekdoten mit schier unendlichen Deutungsmöglichkeiten erzählen. Keine davon hilft ihm jedoch nennenswert weiter.

Der geneigte Kirchgänger erkennt im Protagonisten sicherlich eine moderne Version des alttestamentarischen Hiob, dem sämtliche Gräuel ohne erkennbaren Grund widerfahren. Genau wie sein biblischer Vorgänger stellt sich Larry langsam aber sicher die berühmte Theodizee Frage. Die Frage nach dem ‚Warum’? Warum lässt ein liebender Gott Leid in der Welt zu? Das mögen ja alles spannende Thesen sein, doch welche Antwort findet Larry nun am Ende des Films? Mit welcher Auflösung entlassen uns die Coens aus dem Kinosaal? Ehrlich gesagt: Mit keiner. Nichts klärt sich wirklich auf. Larry findet mehr oder weniger zu seinem alten Leben zurück. Spätestens zur Bar Mitzwa seines Sohnes Danny ist die Familie wieder vereint und feiert das Familienfest zusammen.

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Auch wenn das für viele Zuschauer ein ernüchterndes und trostloses Ende ist, so kann man doch eine grandiose Idee hinter dem Film erkennen. Denn vielleicht gibt es gar keine Antwort auf das Leid in der Welt und speziell auf das Leid, das Larry widerfährt. Vielleicht passieren Dinge einfach ohne Grund und sollten nicht zwingend in einen größeren Sinnzusammenhang gebracht werden. Speziell in unserer modernen Gesellschaft werden sowohl Wissenschaft (Rationalität) als auch Religion (Spiritualität, Moral) zur Klärung von wichtigen Fragen herangezogen. Ganz deutlich vereint der Physikdozent und fromme Jude Larry diese beiden Methoden in seiner Person und dennoch gelingt es ihm nicht seine Lebensumstände zum Guten zu ändern. Machtlos muss er die Hiobsbotschaften über sich ergehen lassen.

Aus aktuellem Anlass…

Die Suche nach einem Grund und dem persönlichen Sinn des Lebens verfolgen Joel und Ethan Coen auch in ihrem aktuellen Film Inside Llewyn Davis, der A Serious Man inhaltlich sehr nahe steht, aber mit einem unerwarteten Ende überrascht – ebenfalls sehr sehenswert!

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